Summer Breeze 2026: Ein Freitag, der keine Verschnaufpause ließ

Der Freitag, 14. August, war für uns bereits Tag 4 des Summer Breeze Open Air 2026 – und das bedeutete vor allem eines: Staub. Bevor die ersten Bands überhaupt auf die Bühnen gingen, waren bereits Traktoren und Wassertanks unterwegs, um das Infield zu bewässern und den Staub der vergangenen Tage zu binden. Ein Bild, das auf dem Summer Breeze inzwischen fast schon zum Festivalalltag gehört: Früh am Morgen wird gewässert, bevor die Crowd das Gelände wieder in eine Staubwolke verwandelt.

Setyøursails – Sportprogramm am frühen Morgen

Um 11:30 Uhr eröffnete Setyøursails den Festivaltag auf der T-Stage. Für die Uhrzeit war bereits erstaunlich viel Publikum vor der Bühne versammelt. Statt gemütlich in den Festivalmorgen zu starten, gab es gleich zum Intro eine Techno-Version des Intros der Sendung mit der Maus – und danach war Schluss mit Zurückhaltung.

„Willkommen ihr Süßmäuse, seid ihr bereit für euer Sportprogramm?“ Mit dieser Ansage war schnell klar, wohin die Reise gehen sollte. Die Sängerin forderte einen Circle Pit und brachte die Crowd damit früh am Tag ordentlich in Bewegung. Unterstützt wurde das Ganze von Schneekanonen und den Grabenschlampen, die nicht einfach nur im Graben standen, sondern gemeinsam mit der Crowd mitsprangen.

Zwischendurch ging es sogar gemeinsam auf die Knie, bevor beim Beatdrop alle gleichzeitig wieder hochsprangen. Dazu kamen zahlreiche Crowdsurfer. Auch technische Probleme mit den großen Bildschirmen der T-Stage konnten die Stimmung nicht bremsen.

Setyøursails waren bereits zum zweiten Mal beim Summer Breeze dabei, diesmal allerdings erstmals auf der T-Stage. Und spätestens nach diesem Auftritt dürfte klar gewesen sein, warum die Band auch dort bestens aufgehoben ist. Die Sängerin brachte nicht nur stimmlich ordentlich Druck mit, sondern zeigte auch beim Umgang mit der Crowd, dass sie den frühen Slot nicht als Grund für Zurückhaltung sah.

Nanowar of Steel – Wall of Love auf der Main Stage

Nur eine halbe Stunde später ging es auf der Main Stage mit Nanowar of Steel weiter. Die Italiener waren in den vergangenen Jahren noch auf der Ficken Stage zu sehen, durften dieses Jahr aber auf die große Bühne. Und das völlig zu Recht.

Denn Nanowar of Steel stehen für Party, Quatsch und eine gehörige Portion Selbstironie. Ein Sänger im Tütü passte dabei ebenso gut ins Gesamtbild wie die ausgerufene „Wall of Love“. Statt sich gegenseitig auseinanderzunehmen, sollte die Crowd hier vor allem gemeinsam feiern.

Das Lumpenpack – Widerrede und ein geschützter Raum

Um 12:55 Uhr übernahm Das Lumpenpack. Schon früh gab es aus dem Publikum die Rufe

„Ausziehen, ausziehen, ausziehen“. Die Band ließ sich davon allerdings nicht beeindrucken und stellte klar, dass sie das nicht machen wolle und dass wir als Zuschauende das schließlich auch nicht wollten.

Überhaupt nutzte Das Lumpenpack den Auftritt für deutlich mehr als nur Musik. Die Band sprach offen über Probleme innerhalb der eigenen Indie-Bubble und benannte dabei auch ein Thema, das ihnen offensichtlich wichtig war: Es seien immer wieder Männer, die für bestimmte Probleme verantwortlich seien, wohlgemerkt nicht alle Männer, aber eben immer Männer.

Daraus entstand auch eine Ansage, die auf dem Festival besonders hängen blieb. Die Band wollte einen Raum schaffen, in dem sich Menschen wohlfühlen können, die sonst schnell übersehen werden. Also wurde ein FLINTA-Pit* ausgerufen. Die Botschaft dahinter war klar: Solche Räume müssen nicht nur geschaffen, sondern anschließend auch geschützt werden.

Passend dazu folgte „Boys“.

Doch auch abseits dieser ernsteren Momente blieb DasLumpenpackihrem Humor treu. Die Band bezeichnete einen Song als „fröhliches Lied“ und machte sich gleichzeitig darüber lustig, dass Arte anwesend sei und Jonas' Eltern schließlich nicht sehen sollten, wie viel Unsinn ihre Kinder auf der Bühne veranstalten.

Zwischen all dem Humor blieb aber auch eine ernsthafte Aufforderung zurück: Den Mut, den man vom Festival mitnimmt, solle man auch mit nach Hause nehmen und dort Widerrede leisten – beispielsweise in Familiengruppen oder im eigenen Umfeld.

Und offenbar war die Band selbst überrascht, wie viele Menschen schon so früh am Tag vor der Bühne standen. Gerade der Zuspruch beim Paradiesvogel-artigen Line-up zeigte, dass das Summer Breeze auch abseits des klassischen Metalprogramms ein Publikum erreicht.

Future Palace – persönliche Themen auf der Main Stage

Mit Future Palace wurde es anschließend persönlicher. Die Band sprach darüber, dass sich ihre Songs mit psychischen Erkrankungen beschäftigen und auch im eigenen Freundeskreis viele Menschen davon betroffen sind.

Damit setzte die Band einen bewussten Kontrast zum vorherigen Klamauk und zeigte gleichzeitig, wie unterschiedlich die Themen sein können, die auf den Bühnen des Summer Breeze ihren Platz finden.

Brothers of Metal – nordische Geschichten und Handicap-Pit

Um 15 Uhr wurde es auf der Main Stage wieder deutlich metallischer. Brothers of Metal aus Schweden brachten ihre Mischung aus klassischen Metal-Sounds und nordischer Mythologie mit nach Dinkelsbühl.

Dabei bediente sich die Band unter anderem an den beiden Alben Emblas Saga und Prophecy of Ragnarök. Songs wie „Njord“ oder „Yggdrasil“ durften dabei natürlich nicht fehlen.

Die Band bezeichnet sich selbstbewusst als „beste Band der Welt“ und ließ auch auf der Bühne wenig Zweifel daran, dass sie diesen Anspruch zumindest mit entsprechendem Spaß vertritt. Getrunken wurde ebenfalls: Das eine oder andere Bierchen fand seinen Weg auf die Bühne.

Für Aufmerksamkeit sorgte außerdem ein Handicap-Pit, der gemeinsam mit den Grabenschlampen ermöglicht wurde. Damit wurde auch hier deutlich, dass Crowd-Action nicht zwangsläufig nur aus dem klassischen Moshpit bestehen muss.

The Butcher Sisters – völlige Eskalation

Um 16:10 Uhr übernahmen The Butcher Sisters die Main Stage. Technische Probleme machten den Auftritt dabei nicht einfacher. Trotzdem entwickelte sich schnell eine Show, die ihrem Namen alle Ehre machte.

Die Band bezeichnete ihre eigene Show irgendwann selbst als „schrecklich“ und fragte sich scherzhaft, warum überhaupt Menschen gekommen seien, um sich das anzusehen. Das Publikum hatte darauf offensichtlich eine sehr einfache Antwort: Weil es Spaß machte.

Ein Mikrofon musste dabei sogar dran glauben. Dazu kamen zahlreiche Crowdsurfer und eine Wall of Death, die bis zum FOH reichen sollte. Die Ansage war eindeutig: Ohne Monster gibt es keinen Wall-of-Death-Spaß.

Auch zwischen den Frontmännern wurde es körperlich, allerdings auf eine deutlich friedlichere Art: Die beiden küssten sich auf der Bühne.

Ab etwa 17 Uhr waren außerdem wieder die Wassertanks auf dem Infield unterwegs. Der Staub sollte schließlich nicht die komplette Crowd verschlucken.

Unscripted – Schluss mit dem Kaffeekränzchen

Auf der T-Stage ging es um 17:10 Uhr mit Unscripted weiter. Die Ansage war kurz und deutlich: Schluss mit dem Kaffeekränzchen. Die Crowd sollte weiter nach vorne kommen und endlich mehr Energie zeigen.

Musikalisch lieferte die Band eine Mischung aus kräftigen Screams und melodischem Gesang. Bereits im ersten Song gab es Pyrotechnik und Feuer. Ganz ohne technische Schwierigkeiten blieb der Auftritt allerdings nicht, das Mikrofon des Drummers wollte zwischenzeitlich nicht so, wie es sollte.

Th eGhost Inside – Feuerund volle Energie

Nur eine halbe Stunde später stand mit The Ghost Inside die nächste große Band auf der Main Stage. Auch hier gab es technische Probleme mit der inneren Leinwand, musikalisch ließ sich die Band davon aber nicht ausbremsen.

Pyrotechnik sorgte bereits während des Auftritts für zusätzliche Energie. Einer der Musiker feuerte die Menge immer wieder an und hielt damit die Crowd auf Betriebstemperatur.

Deicide – dunkle Wolken über der T-Stage

Auf der T-Stage wurde es anschließend deutlich düsterer. Deicide aus den USA brachten Death Metal mit, der vom ersten Moment an keine Gefangenen machte. Bereits ab der ersten Sekunde legten sich musikalisch die dunklen Wolken über die nur halb gefüllte T-Stage. Brutale Riffs, tiefe Growls und eine gnadenlose Atmosphäre prasselten von der Bühne auf die Crowd nieder.

Die Fans nahmen das Angebot gerne an und machten aktiv mit. Persönlich war uns der Sound allerdings über weite Strecken etwas zu eintönig.

Lamb of God – groovende Riffs und Feuer

Auf der Main Stage folgten Lamb of God. Groovige Riffs bestimmten den Auftritt, während die Band sich nicht nur bei den eigenen Fans bedankte, sondern auch einen Shout-out an die zahlreichen anderen Bands und Freunde der Band richtete, die an diesem Wochenende auf dem Summer Breeze unterwegs waren.

Bereits im ersten Song wurde dazu Pyrotechnik gezündet, der Abend auf der Main Stage blieb also auch weiterhin feuerreich.

Blood Command – Chaos auf der Wera Stage

Auf der Wera Tool Rebel Stage wurde es anschließend chaotisch. Blood Command aus Norwegen mussten zunächst mit einem Stromausfall kämpfen. Das hielt Sängerin und Crowd allerdings nicht davon ab, weiterzumachen.

Crowdsurfing, Bier, Wasser und sogar Spucke flogen durch die Gegend. Am Ende war von kontrollierter Show ohnehin kaum noch etwas übrig, und genau das machte den Auftritt aus.

Optisch fiel außerdem das Adidas-Outfit der Band auf. Die Musiker erzählten, dass sie von Adidas sogar zu einer Führung eingeladen worden waren. Zwischendurch wurde das Outfit gewechselt.

Und dann landeten auch noch zwei Joints auf der Bühne. Die Band nahm sie an und rauchte sie tatsächlich.

Wasser für das Infield und ein Abstecher zu Perchta

Gegen 20 Uhr wurden Infield und Battleground erneut bewässert. Der Kampf gegen Staub und Hitze ging damit auch am Abend weiter.

Wir nutzten die Gelegenheit für einen Abstecher zur Circus Stage, wo um 20:30 Uhr Perchta auftrat. Besonders die Erscheinung der Sängerin blieb dabei im Gedächtnis: Mit ihrem Look erinnerte sie beinahe an eine Hexe, die geradewegs aus einem Sumpf gestiegen war.

Arch Enemy – der Headliner des Tages

Um 21:15 Uhr wurde es auf der Main Stage dann ernst: Arch Enemy übernahmen als Headliner des Tages.

Bereits ab Beginn setzte die Band auf Pyrotechnik und lieferte damit auch visuell einen entsprechend großen Auftritt. Die Crowd feierte die Schweden, und besonders die zahlreichen Crowdsurfer schienen der Band zu gefallen. Sängerin Lauren Hart betonte ihre Freude über die vielen Füße, die während der Surfer über die Köpfe der Menge hinweg in Richtung Bühne schwebten. Dies war im übrigen Harts erster Auftritt mit Arch Enemy auf dem Summer Breeze

Ein besonderer Moment war BuryMe, der nur sehr selten gespielt wird.

Und während sich weiter vorne im Publikum die üblichen Bewegungen aus Pit und Crowdsurfing abspielten, wurde es weiter hinten beinahe schon elegant: Einige Fans tanzten dort tatsächlich Walzer – paarweise mitten im Metalpublikum.

Ten56. – Partybiszur Zerstörung

Kurz vor Mitternacht ging es auf der Wera Tool Rebel Stage mit Ten56. aus Frankreich weiter. Von Ruhe konnte allerdings keine Rede sein.

Brachiale Zerstörung, Strobo, schnelle Riffs und Crowdsurfing bestimmten den Auftritt. Dazu wurde ausdrücklich zu einem Girl-Only-Moshpit aufgerufen.

Damit setzte sich auch spät in der Nacht das Bild fort, das den gesamten Freitag geprägt hatte: Energie, Bewegung und immer wieder neue Formen, wie sich eine Crowd gemeinsam austoben kann.

Um 1 Uhr morgens übernahm schließlich Skindred die Main Stage und setzte einen mehr als ungewöhnlichen Schlusspunkt.

Die Band aus Großbritannien vermischte Reggae, Heavy Metal, R'n'B und allerlei andere Einflüsse zu einem musikalischen Mashup, bei dem selbst Songs und Stilrichtungen von Metallica, Papa Roach und VanHalen ihren Platz fanden. Dazu kamen immer wieder Scratch-Einlagen wie aus einem DJ-Set, schnelle Riffwechsel und ein bewusst kalkuliertes Chaos.

Dann wurde kurzerhand Don't Stop Me Now von Queen angestimmt. Die Crowd sang lautstark mit, nur um im nächsten Moment von der Bühne ein trockenes „Shut the fuck up!“ entgegengeworfen zu bekommen.

Die Reaktion des Publikums? Natürlich wurde weiter gefeiert.

Damit endete ein Freitag, der bereits am späten Vormittag mit Circle Pits und Schneekanonen begonnen hatte und sich über Flinta-Pits, Wall of Deaths, Pyro, Crowdsurfer, Sonnenuntergang und Headliner-Show bis tief in die Nacht zog. Viel abwechslungsreicher hätte ein Festivaltag kaum sein können.

Nachbericht Laura Felberg, Marco Liske und Lukas Pförtsch. Bilder von Marco Liske und Lukas Pförtsch.

Dieser Artikel wurde am: 16. August 2026 veröffentlicht.

Autor: Nessa Deleto

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