Summer Breeze 2026 – Tag 3: Zwischen Metalcore, Mittelalter und Eskalation

Den Anfang machten Our Promise um Punkt zwölf auf der Main Stage. Für die Uhrzeit stand da schon eine erstaunlich große Menge vor der Bühne, und der Metalcore der Truppe traf sofort.Dem Sänger sah man die Freude über den frühen Zuspruch deutlich an – ein herzlicher Auftakt in einen langen Tag.

Weiter ging's auf der Wera mit Broken By The Scream aus Tokio. Zu jedem Song die passende Choreografie, dazu die ersten Crowdsurfer schon ab Song eins.Bei vier Vocalists war die Herausforderung weniger die Energie als die Frage, wer gerade eigentlich singt – ein herrlich buntes, überdrehtes Spektakel.

Auf der T-Stage übernahmen dann Grand Magus aus Schweden das Nachmittagsprogramm mit erdigem Heavy Metal. Die Band wurde dieses Jahr 30 – von Altersmüdigkeit aber keine Spur.Im Gegenteil, die drei rissen die Masse mit einer Energie mit, die man so manchem Newcomer wünschen würde.

Fast zeitgleich hielten Stam1na aus Finnland auf der Wera das Tempo hoch – „try to keep up the pace" könnte über dem ganzen Set stehen. 
Frisches Material vom neuen Album inklusive, das live ordentlich Wucht entwickelte.

Zurück auf der T-Stage folgte ein kleiner emotionaler Moment: Deserted Fear standen 2013 zum ersten Mal auf der Camp Stage des Breeze, 2019 zum zweiten Mal – und widmeten „Kingdom of Worms" live genau den Fans, die schon 2013 dabei waren. Eine schöne Geste, die zeigt, wie eng Band und Festival über die Jahre zusammengewachsen sind.

Dann der Kontrast schlechthin: Kim Dracula auf der Main Stage. Bürgerlich Samuel Wellings, groß geworden mit Metal-Coverversionen von allem, was eigentlich kein Metal ist (Lady Gagas „Paparazzi" lässt grüßen), aber eben auch mit eigener Musik wie „Make Me Famous". Von TikTok zur Main Stage in nur fünf Jahren – und live sogar mit einer Person, die Saxophon und Keyboard gleichzeitig bediente. Internetphänomen? Ja. Aber eines, das auf der großen Bühne liefert.

Danach hieß es Eskalation pur: Rectal Smegma aus den Niederlanden brachten Gore-Grind auf die Wera Tool-Stage. Klingt bedrohlich, war es aber nur bedingt – hier stand der Spaß klar vorne. Das erste Bier auf der Bühne war schnell gezapft, und damit war der perfekte Einstieg in einen heißen Nachmittag voller Party, Stimmung und einer wunderbar wilden Welt gemacht.

Auf der Main Stage zeigten kurz darauf Imminence aus Schweden, warum es sie die letzten Jahre europaweit immer weiter nach oben zieht. Eingeleitet von einem atmosphärischen Intro war sofort spürbar, dass diese Band für die großen Bühnen gemacht ist. Harte Riffs, Screams und Clean-Vocals, und Frontmann Eddie Berg spielt nebenbei noch Violine – eindrucksvoll, mitreißend, packend. Das Publikum sah das ganz genauso und feierte 60 Minuten lang ausgelassen.

Der Secret Act auf der T-Stage sorgte dann für gemischte Gefühle im Vorfeld – von Gleichgültigkeit bis heller Vorfreude war alles dabei, als klar wurde: 
Es sind Saltatio Mortis. Nach zwölf Jahren zurück auf dem Breeze, und man merkte der Band die Freude über die Rückkehr „vor die Familie" richtig an. 
Sänger Alea legte einen Backflip hin, zog sich im dritten Song das Shirt aus, sprang immer wieder von der Bühne mitten in die Menge. Beim Song „Loki" öffnete sich ein riesiger Circle Pit, Crowdsurfer inklusive. Beim „My Mother Told Me" schipperte ein aufblasbares Wikingerschiff über die Köpfe. 
Der schönste Moment aber gehörte Mikey, dem Summer-Breeze-Maskottchen: mitten im Circle Pit, mit klarer Ansage von Alea, dass ihm niemand wehtun dürfe. Erst tanzte Mikey mit Alea auf der Bühne, dann sprang Alea zu ihm in den Pit – beide gemeinsam mittendrin. So macht man eine Rückkehr.

Während Saltatio Mortis die T-Stage zum Beben brachten, starteten Saxon auf der Main Stage vor spürbar dünneren Reihen – schlechtes Timing für die NWOBHM-Legenden, aber solche Überschneidungen gehören zum Festival dazu.

Auf der Wera lief es da ganz anders: Mittel Alta brachten die Menge extrem stark in Bewegung. Schon als zweiter und dritter Song wurde ohne Probleme lauthals mitgesungen, während sich unter der Wera Stage ein regelrechter Staub-Pit auftürmte.

Nach einem Awareness-Hinweis um 21 Uhr betraten Eisbrecher die Main Stage – und everything was wunderbar. „Scheiß egal, woher du kommst, Hauptsache du bist am rechten Ort", es kam eben, wie es kommt. Bei einem ruhigen Song gingen dem Sänger allerdings die Handylichter auf den Nerv: 
Er wollte Feuerzeuge sehen und legte kurzerhand einen kleinen Rant über LED-Lichter ein. Ab 22:10 Uhr bekam die Band Unterstützung von Frank von Schattenmann.

Und dann, als die Nacht endlich etwas Kühle brachte, glühte die T-Stage nochmal richtig auf. Mushroomhead aus den USA waren der heimliche Champion des Tages. Neun Musiker, davon zwei Sänger, eine Sängerin und gleich drei Leute am Takt – Drumset plus zwei Extra-Drummer – rissen von der ersten Sekunde alles mit. Sängerin Jacqueline „Ms. Jackie" LaPonza spürte das offenbar selbst und stieg für einen halben Song mitten ins Publikum, um ordentlich mitzufeiern. Grandios.

Morgen geht's weiter, und wenn der Donnerstag die Messlatte war, kann sich der Freitag warm anziehen.

Nachbericht und Fotos von Marco Liske und Lukas Pförtsch

Dieser Artikel wurde am: 15. August 2026 veröffentlicht.

Autor: Nessa Deleto

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