Der Sonntag, 9. August 2026, war der letzte Tag des Taubertal Festivals 2026 und damit gleichzeitig der Abschluss des 30-jährigen Festivaljubiläums. Für uns war es nach Freitag und Samstag bereits der dritte und letzte Tag vor Ort. Wie schon an den Tagen zuvor war auch der Sonntag voller Musik, Pits, Mitsingmomenten und kleinen Beobachtungen abseits der Bühnen, bevor sich das Taubertal für dieses Jahr verabschiedete.
Den Auftakt machte Jack Pott auf der Sounds For Nature Stage. Die aus dem Norden beziehungsweise von der Nordseeküste stammende Band bezeichnet sich selbst sehr passend als Mitmachband und machte diesem Namen direkt alle Ehre. Das Publikum wurde konsequent zum Mitsingen, Tanzen und Mitmachen animiert. Musikalisch und humoristisch bezeichnete sich Jack Pott sinngemäß als eine Art Die Ärzte, nur 50 Jahre jünger und mit einem Mitglied mehr, das dafür kaum Gewicht auf die Waage bringt. Der selbstironische Vergleich passte gut zum lockeren Auftritt der Band.
Die Hitze machte der Technik allerdings sichtbar zu schaffen. Das Equipment wurde durch die hohen Temperaturen offenbar bis an den Rand des technisch Machbaren gebracht. Davon ließ sich die Band jedoch nicht bremsen und zog ihr Mitmachprogramm konsequent durch.
Danach ging es zu Hyphen. Die Band aus London machte bereits im ersten Song deutlich, dass sie keine große Distanz zwischen Bühne und Publikum aufbauen wollte. Sänger und Frontmann sprangen direkt in den staubigen Pit und performten Teile der ersten beiden Songs mitten in der Menge. Vor der Bühne bildete sich ein riesiger Pit, während die Band selbst mitten im Geschehen stand.
Allerdings zeigte sich auch eine der Schattenseiten der trockenen Bedingungen: Bevor es richtig losging, musste darauf hingewiesen werden, aufgrund der hohen Brandgefahr keine Pyrotechnik zu zünden. Gerade bei dem trockenen und staubigen Boden war diese Vorsicht nachvollziehbar.
Auf der Taubertal Stage folgte anschließend Royal Republic, die zum ersten Mal beim Taubertal Festival zu Gast waren. Für die Schweden war der Auftritt gleichzeitig eine kleine Reise in die eigene Vergangenheit. Bereits 2010 waren sie gemeinsam mit den Donots drei Wochen lang durch Deutschland getourt. Damals war es für Royal Republic überhaupt die erste Tour durch Deutschland. Einen Song widmeten sie deshalb ihren damaligen Tourpartnern.
Auch sonst wurde das Publikum großzügig bedacht. Gitarren-Picks und ein paar Drumsticks flogen immer wieder in die Menge. Gegen Ende des letzten Songs sorgte die Band noch für einen ungewöhnlichen Moment: Für kurze Zeit standen alle Musiker komplett still auf der Bühne. Keine Bewegung, kein Instrument, bevor es anschließend weiterging.
Auf der Sounds For Nature Stage folgte Karen Dió. Bereits während der ersten Songs kam es zu einem technischen Problem: Das Mikrofon von Karen Dió fiel aus und musste mitten im Auftritt ausgetauscht werden. Die Situation wurde jedoch schnell gelöst und der Auftritt konnte ohne größere Unterbrechung weitergehen. Vor ihrem Auftritt war die Sounds For Nature Stage zudem bewässert worden, angesichts der trockenen und staubigen Bedingungen eine sinnvolle Maßnahme.
Danach ging es zurück auf die Taubertal Stage und dort wurde es persönlich. Die Donots bezeichneten das Taubertal Festival als ihr „zweites Wohnzimmer“. Bei inzwischen 14 Auftritten ist diese Bezeichnung durchaus nachvollziehbar. Besonders passend zum Jubiläumsjahr war daher auch eine kleine Ehrung: Folker Hirsch, der die Donots bereits bei allen 14 Auftritten begleitet hatte, bekam von der Band eine entsprechende Urkunde überreicht.
Wie gewohnt durfte auch der typische Donots-Wahnsinn nicht fehlen. Eine Couch landete kurzerhand mitten im Circle Pit und wurde damit selbst zum Teil der Show. Auch die über das Festivalgelände fliegende beziehungsweise schwebende Tribüne, aka Heißluftballon, bekam ihren eigenen Kommentar ab. Die „scheiß fliegende Tribüne“ durfte aus Sicht der Donots natürlich nicht unerwähnt bleiben.
Auch die Verbindung zu Royal Republic wurde noch einmal aufgegriffen. Einen Song widmeten die Donots den Jungs von Royal Republic, mit denen sie bereits 2010 gemeinsam auf Tour gewesen waren. Damit schloss sich an diesem Festivalwochenende ein kleiner Kreis zwischen zwei Bands, deren gemeinsame Geschichte bereits viele Jahre zurückreicht.
Auf der Sounds For Nature Stage sorgte anschließend Millennium Kid für einen ruhigeren Moment. Neben bekannten Songs gab es auch einen bislang unveröffentlichten Titel zu hören. Im Publikum zeigte sich bereits eine erste Reaktion: vorsichtiges Kopfnicken, Schulterwippen und dann doch überzeugtes Tanzen und freudiges Rufen zu einem Song, den die meisten Anwesenden vermutlich zum ersten Mal hörten.
Danach ging es wieder zur Taubertal Stage, wo SDP das Festivalprogramm fortsetzten. Die Band selbst erinnerte daran, dass sie bereits 2014 beim Taubertal Festival aufgetreten war. Aus dem Taubertal wurde dabei kurzerhand das „Zaubertal“.
Unser Fazit zum Taubertal Festival 2026
Vier Tage lang wurde in diesem Jahr am Taubertal gefeiert. Für uns begann das Festival am Freitag, nachdem der Donnerstag bereits den offiziellen Auftakt gebildet hatte, und endete am Sonntag. Über unsere drei Tage vor Ort hinweg zeigte sich ein Festival, das auch im 30. Jahr vor allem durch seine Mischung aus großen Namen, kleineren Entdeckungen und einer besonderen Atmosphäre funktioniert.
Musikalisch war die Mischung erneut enorm vielfältig. Von Punkrock über Indie, Rock und Pop bis hin zu Hip-Hop und härteren Klängen war alles vertreten. Gerade die kleineren Bühnen boten dabei immer wieder Möglichkeiten, Bands zu entdecken, an die man ohne Festivalbesuch vielleicht nicht unbedingt geraten wäre. South Arcade waren für uns beispielsweise eine der Überraschungen des Wochenendes, während Van Holzen für eine musikalische Auflockerung sorgten und Dilla mit ihrer energiegeladenen Performance ebenfalls einen eigenen Akzent setzte.
Auch die großen Bühnen lieferten zahlreiche Festivalmomente. Itchy sorgten für einen riesigen Circle Pit. Die Dropkick Murphys brachten die Crowd zum Eskalieren, Sido teilte das Publikum in zwei Seiten auf und die Donots machten das Taubertal einmal mehr zu ihrem persönlichen Wohnzimmer. Dazu kamen zahlreiche Mitsingmomente und die vielen kleinen Interaktionen zwischen Bands und Publikum.
Ein deutlicher Kritikpunkt ist für uns in diesem Jahr die Awareness-Arbeit. Zwar hatte das Awareness-Team einen neuen, größeren Standort beim Ausgang hinter der Taubertal Stage bekommen und offenbar auch mehr Equipment zur Verfügung. In der Praxis wirkte das Team für ein Festival dieser Größe jedoch gnadenlos unterbesetzt. Besonders schade fanden wir, dass keine laufenden Awareness-Teams mehr auf dem Gelände unterwegs waren. Gerade bei einem Festival mit mehreren Bühnen, großen Besucherströmen und teilweise sehr dichtem Gedränge wäre eine sichtbare Präsenz direkt im Gelände aus unserer Sicht enorm wichtig.
Der neue Standort und die zusätzliche Ausstattung sind grundsätzlich sinnvolle Maßnahmen, können die fehlende personelle Präsenz aber nicht auffangen. Für ein Festival dieser Größenordnung reicht es aus unserer Sicht schlicht nicht aus, Awareness hauptsächlich an einem festen Punkt anzubieten.
Hier wünschen wir uns für die kommenden Jahre deutlich mehr Personal und vor allem wieder mobile Teams, die aktiv auf dem Gelände unterwegs und für Besucherinnen und Besucher unmittelbar ansprechbar sind.
Ebenfalls verbessert wurde aus unserer Sicht die Trinkwasserversorgung. Die zusätzlichen beziehungsweise verbesserten Trinkwasserspender waren eine sinnvolle Ergänzung und machten es deutlich einfacher, sich auf dem Gelände kostenlos mit Wasser zu versorgen. Allerdings zeigte sich rund um einige der Stellen schnell, wie stark der Boden durch die Nutzung beansprucht wurde. Kleinere Matschflächen hätten sich vermutlich bereits mit einigen Schubkarrenladungen Hackschnitzel verhindern oder zumindest deutlich reduzieren lassen.
Auch das Pressezelt hat in diesem Jahr einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Dass es nun innerhalb des Festivalbereichs lag und über eigenes WLAN verfügte, erleichterte die Arbeit vor Ort spürbar. Für die Zukunft würden wir uns hier eigentlich nur noch Schließfächer wünschen, damit Kameraequipment und persönliche Gegenstände zwischen den Einsätzen sicher verstaut werden können.
Kulinarisch war die Auswahl erneut groß. Von Wraps & Bowls und Sandwiches über Buns & Fries, Spätzleküche, Holzkohlegrill und Handbrotzeit bis hin zu Fish & Chips und Barbarenspieß war einiges geboten. Dazu kamen Crêpes & Café, Eis Eis Baby, der Hofladen mit Pommes, Schlemmerbaguettes und Flammkuchen, Pasta aus dem Käselaib, Spanferkel, Gustavo Gusto Pizza, Wok'n Taste Asia Food, Chicken Diners, Candöner und Amrit Indian Streetfood. Auch wer beim Festival kulinarisch etwas Abwechslung suchte, hatte damit ausreichend Möglichkeiten.
Ein Kritikpunkt vom Freitag war das teilweise sehr auffällige Wildpinkeln entlang von Zäunen und Wegen. Je später der Abend wurde, desto häufiger war dies zu beobachten. Am Sonntag ist uns dieses Verhalten allerdings nicht mehr aufgefallen. Da wir am letzten Tag deutlich weniger auf dem gesamten Gelände unterwegs waren, lässt sich daraus allerdings keine Aussage für das gesamte Festival ableiten.
Was wir uns für das kommende Jahr wünschen würden, sind daher vor allem kleinere Verbesserungen: Schließfächer für die Presse, eine bessere Befestigung der stark frequentierten Bereiche rund um die Trinkwasserspender und ein konsequenteres Vorgehen gegen Wildpinkeln.
Insgesamt überwiegt aber ganz klar der positive Eindruck. Gerade im Jubiläumsjahr zeigte sich, wie viele Verbindungen inzwischen zwischen Festival, Bands, Crew und Publikum entstanden sind. Bands kehren über Jahre hinweg immer wieder zurück, Mitarbeiter verabschieden sich persönlich mit einem „Bis nächstes Jahr“ und Künstler wie die Donots sprechen nicht ohne Grund vom „zweiten Wohnzimmer“.
Und vielleicht beschreibt genau das den Charakter des Taubertal Festivals am besten: Es sind nicht ausschließlich die großen Headliner, die das Festival ausmachen. Es sind die vielen kleinen Momente dazwischen, der spontane Circle Pit, ein Mitsingmoment, eine überraschende Band auf der kleineren Bühne, ein Gespräch am Wegesrand oder eben ein Mitarbeiter, der sich beim Vorbeigehen verabschiedet.
Nach drei Tagen vor Ort und vier Festivaltagen insgesamt bleibt deshalb vor allem eines: Vorfreude auf das nächste Jahr.
Taubertal Festival 2026 – bis 2027.
Bestätigte Acts für 2027 (05.–08.08.2027): Die Ärzte, AnnenMayKantereit, Wanda, Sondaschule, Swiss & die Anderen, LaBrassBanda, Dicht & Ergreifend & Esther Graf
Nachbericht von Laura Felberg und Lukas Pförtsch. Fotos von Lukas Pförtsch.
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