Der Freitag, 7. August 2026, war beim TaubertalFestival bereits im Vorfeld ein besonderer Tag: Das Festival feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen und der Freitag war ausverkauft.
Entsprechend voll wurde es auf dem Gelände und schon früh zeigte sich, dass auch musikalisch einiges geboten werden sollte.
Den Auftakt auf der SoundsForNatureStage übernahmen kurzfristig Melonball, die als Ersatz für The Red Flags einsprangen. Damit war auch der erste weiblich geführte Act des Tages gesetzt.
Überhaupt fiel im Laufe des Tages auf, dass mindestens drei weiblich geführte Bands auf den Bühnen vertreten waren. Im Vergleich zum vergangenen Jahr war damit eine positive Entwicklung zu erkennen, auch wenn von einer ausgeglichenen Verteilung natürlich noch nicht gesprochen werden kann.
Auf der TaubertalStagesorgten anschließend Itchydirekt für Bewegung. Für die Band war es bereits der siebte Auftritt beim Taubertal Festival und gleichzeitig feiern Itchy selbst ihr 25-jähriges Bestehen. Damit war schnell klar, dass hier eine Band auf der Bühne stand, die das Festival längst bestens kennt.
Schon früh im Set fiel eine Sache auf, die Itchyselbst humorvoll aufgriffen: Das Publikum spendete bei Gitarrensoli zunächst nicht den erwarteten Applaus. Der Drummer verglich das kurzerhand mit einem Bäcker, der schließlich auch keinen Applaus dafür bekomme, dass er Brezeln backe.
Spätestens danach wusste das Publikum, was von ihm erwartet wurde.
Immer wieder richtete sich die Band an die Besucherinnen und Besucher auf dem gegenüberliegenden Berg. Während dort zunächst noch viele Menschen saßen, forderten Itchy mehrfach dazu auf, aufzustehen und den Berg stärker in das Konzert einzubeziehen. Gegen Ende des Sets legte die Band dann noch einmal nach und rief zum größten Circle Pit des bisherigen Tages auf.
Zwischen all der Energie blieb auch Raum für klare Worte. Itchy machten auf Viva con Agua aufmerksam und positionierten sich deutlich gegen Ausgrenzung, Rassismus und Diskriminierung. Damit verband die Band ihre energiegeladene Show mit einer klaren gesellschaftlichen Haltung.
Nach dem Auftritt ging es für uns zunächst zum Essen, bevor wir uns wieder Richtung Sounds For Nature Stage bewegten. Dabei fiel uns auf, dass die Versorgung mit Trinkwasser im Vergleich zum vergangenen Jahr subjektiv deutlich besser geworden war. Mehrere zusätzliche beziehungsweise verbesserte Trinkwasserstellen machten es einfacher, sich kostenlos mit Wasser zu versorgen – ein Punkt, der gerade bei einem warmen Festivaltag positiv auffiel.
Auf der Sounds For NatureStage standen anschließend Van Holzen. Für die Band war das Taubertal Festival offenbar schon lange ein persönlicher Wunsch: Das Festival stand bereits seit Jahren auf ihrer Bucketlist. Diese Vorfreude war ihnen auf der Bühne auch anzusehen. Musikalisch sorgten Van Holzen für eine willkommene Auflockerung im bisherigen Tagesprogramm und lieferten einen sehr coolen Auftritt ab. Bei der Bühnendynamik blieb allerdings etwas Luft nach oben. Das lag vermutlich weniger an fehlender Spielfreude als an der Tatsache, dass alle Bandmitglieder Gesangsparts übernahmen und deshalb jeweils an einen festen Platz mit Mikrofon gebunden waren. Dadurch blieb die Bewegung auf der Bühne etwas eingeschränkter, als man es von einem energiegeladenen Festivalauftritt erwarten könnte.
Zurück auf der Taubertal Stage folgten die Sportfreunde Stiller. Auch sie gehören inzwischen beinahe zum Inventar des Festivals: Bereits zum fünften Mal standen sie beim Taubertal auf der Bühne und konnten gleichzeitig auf 30 Jahre Bandgeschichte zurückblicken. Ein besonderes
Wiedersehen gab es dabei mit Mario von BlackoutProblems, der die Band an der zweiten Gitarre unterstützte.
Auch bei den Sportfreunden Stiller wurde schnell deutlich, dass der Festivalauftritt nicht nur aus Nostalgie bestehen sollte. Die Band positionierte sich klar gegen die AfD und ließ dabei ebenso Erinnerungen an vergangene Fußballmomente aufleben. Der WM-Song von 2006 durfte natürlich nicht fehlen.
Für einen besonderen Moment sorgte Sänger Peter Brugger im Publikum. Die Kamera folgte ihm dabei in die Menge, bevor die Besucherinnen und Besucher einer Aufforderung folgten. Alle gingen zunächst auf die Knie beziehungsweise in die Hocke, nur um anschließend gemeinsam wieder hochzuspringen. Ein klassischer Festivalmoment, bei dem Bühne und Publikum für kurze Zeit kaum noch voneinander zu unterscheiden waren.
Mit Dilla ging es anschließend wieder auf die Sounds For NatureStage und damit musikalisch in eine deutlich andere Richtung. Für die Künstlerin war es bereits der zweite Auftritt beim Taubertal Festival. Entspannt kam sie mit einem Getränk auf die Bühne und brachte zunächst eine eher schunkelige Atmosphäre mit. Doch schnell zeigte sich, dass es damit nicht getan sein sollte. Das junge und energiegeladene Publikum nahm die Musik dankbar auf, während Dilla selbst immer wieder für Bewegung sorgte und sogar auf einem Podest Gitarre spielte.
Dann wurde es auf der Taubertal Stage noch einmal deutlich härter: Die Dropkick Murphys übernahmen das Kommando. Schon kurz nach Beginn des Auftritts wurde klar, dass die Crowd bereit war, noch einmal deutlich mehr Energie freizusetzen. Eine entsprechende Ansage der Band reichte aus, um einen gewaltigen Pit zu entfachen, der beinahe sofort einen großen Teil des Zuschauerbereichs einnahm.
Überhaupt lebte der Auftritt stark von der Verbindung zwischen Band und Publikum. Die Fans sangen so viel mit, wie sie konnten und wenn die Texte einmal nicht bekannt waren, wurden zumindest die Melodien lautstark mitgetragen. Zwei Stege im Graben ermöglichten es der Band, noch näher an das Publikum heranzukommen. Immer wieder wurden Hände abgeklatscht und die Distanz zwischen Bühne und Crowd damit weiter verkleinert.
Besonders gut fanden wir, dass es einen reinen Frauen-Moshpit von der Band ausgerufen gab. Die enorme Energie hatte allerdings auch ihre Schattenseite. Im Bereich vor der Bühne kam es zu
Verletzungen und einige Besucherinnen und Besucher wurden zeitweise stark gegen die Absperrung gedrückt. Security und Sanitäter reagierten in beiden Fällen umgehend und waren sofort zur Stelle, um die betroffenen Personen aus der Situation zu holen und zu versorgen. Trotz der hohen Intensität blieb damit der Eindruck einer gut funktionierenden Reaktion auf die Situationen.
Eine unserer persönlichen Überraschungen des Tages folgte anschließend ebenfalls auf der Sounds For Nature Stage mit South Arcade. Ohne große Erwartungen an die Band herangegangen, überzeugte sie uns vor allem durch ihre Energie. Nichts wirkte statisch oder einstudiert, die Mitglieder waren ständig in Bewegung und schienen auf der Bühne schlicht Spaß daran zu haben, gemeinsam Musik zu machen. Damit wurden South Arcade zu unserem persönlichen Überraschungsact des Tages.
Zum Abschluss des Tages ging es auf der Taubertal Stage mit Sido noch einmal in eine völlig andere musikalische Richtung. Begleitet wurde er von DJ Desue, Sängerin Karen, Keyboarder und Gitarrist Christian Kreuzhack sowie einem Backup-Rapper. Auffällig war zunächst der einheitliche Jeans-Look der Band, kombiniert mit Timberland-Schuhen. Ein bewusst abgestimmtes Bühnenbild, das sich auch optisch vom restlichen Festivalprogramm abhob.
Sidoverstand es schnell, die große Crowd für sich einzunehmen. Er teilte das Publikum kurzerhand in zwei Seiten auf: eine „laute Seite“, zu der auch der VIP-Bereich gehörte, und eine „schöne Seite“,
ausdrücklich nicht die von ihm humorvoll bezeichnete „Kackbratzen-Seite“. Was folgte, war ein Lautstärkewettkampf zwischen den beiden Hälften des Publikums.
Auch optisch wurde zum Ende des Tages noch einmal einiges geboten. Pyro sorgte für einen kurzen spektakulären Moment, bevor anschließend Lichtstrahlen nach oben schossen und sich mit einzelnen Piano-Tönen verbanden. Als zusätzlicher Gast stieß SDK zum Auftritt und setzte damit noch einen weiteren Akzent im letzten großen Set des Freitags.
So endete ein erster Festivaltag, der musikalisch kaum abwechslungsreicher hätte sein können. Zwischen Punkrock, Indie, Pop, Celtic Punk und Hip-Hop war für verschiedenste Geschmäcker etwas dabei. Gleichzeitig zeigte sich das Taubertal auch abseits der Bühnen in diesem Jahr an einigen Stellen verbessert. Besonders das neue Pressezelt, das nun in den Innenbereich gewandert ist und über eigenes WLAN verfügt, erleichtert die Arbeit vor Ort deutlich. Einzig Schließfächer fehlen aus unserer Sicht noch, um die Arbeitsbedingungen für die Presse vollständig abzurunden.
Nicht alles funktionierte jedoch optimal. Mit zunehmender Uhrzeit fiel immer stärker auf, dass männliche Besucher entlang von Zäunen und Wegen urinierten. Besonders ärgerlich war dabei, dass sowohl Security als auch Polizei mehrfach an entsprechenden Stellen vorbeigingen, ohne dass sichtbar dagegen eingeschritten wurde. Je später der Abend wurde, desto stärker wurde dieses Problem.
Auch die verbesserten Trinkwasserspender hinterließen einen kleinen Wermutstropfen. Die Idee und die bessere Verfügbarkeit des Wassers sind definitiv positiv zu bewerten. Rund um einige der Stellen entstanden durch die hohe Nutzung allerdings kleinere Matschflächen. Hier hätten bereits schubkarrenweise ausgebrachte Hackschnitzel geholfen, um die Bereiche begehbarer zu halten.
Trotz dieser Kritikpunkte blieb am Ende vor allem die Vorfreude auf den nächsten Festivaltag. Der Freitag hatte bereits gezeigt, wie vielfältig das Taubertal auch im 30. Festivaljahr aufgestellt ist. Nach einem Tag voller Circle Pits, Mitsingmomenten, überraschenden Neuentdeckungen und großen Festivalmomenten konnte der Samstag kommen.
Nachbericht und Fotos von Lukas Pförtsch
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