Taubertal Festival 2026: Der Samstag hatte es in sich!

Nach einem bereits abwechslungsreichen Freitag ging es am Samstag, 8. August 2026, direkt mit hohen Temperaturen weiter. Schon früh zeigte sich, dass die Hitze an diesem Tag eine größere Rolle spielen würde. Der trockene Boden verwandelte sich schnell in eine Staubfläche und bereits während der ersten Auftritte lag feiner Staub über dem Infield.

Den Auftakt auf der Sounds For Nature Stage machten 3 Meter Feldweg. Viel Zeit zum Ankommen blieb dem Publikum dabei nicht. Bereits innerhalb der ersten drei Songs bildete sich ein Moshpit und die ersten Crowdsurfer machten sich auf den Weg Richtung Absperrung. Teilweise waren es so viele, dass die vorhandene Security Schwierigkeiten hatte, alle Surfer rechtzeitig entgegenzunehmen.

Die Band nahm die Situation mit Humor und erklärte kurzerhand, dass jetzt eben „Sport“ gemacht werde und zwar ausdrücklich auch für diejenigen, die bereits seit 16 Uhr vom Campingplatz herübergekommen waren. Passend zur ausgelassenen Stimmung wurde im Laufe des Auftritts ordentlich Konfetti über dem Publikum verteilt.

Danach ging es auf der TaubertalStagemit DasLumpenpackweiter. Schon während des Auftritts wurde deutlich, dass die Band nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich klare Vorstellungen davon hatte, wie ein Festivalpublikum miteinander umgehen sollte.

Lena übernahm dabei die Rolle der Pit-Beobachterin. Mehrfach wurde daran erinnert, dass Rücksichtnahme auch im Moshpit dazugehört. Wer sich zu „atzig“ oder zu sehr wie ein Macker aufführt, sollte den Bereich verlassen. Gleichzeitig gab es die klare Aufforderung, Shirts anzuziehen und die Grenzen anderer zu respektieren. Besonders deutlich wurde die Botschaft mit dem Hinweis, dass fremde Menschen grundsätzlich nicht ungefragt angefasst werden sollten – und zwar nicht nur im Pit, sondern auch außerhalb davon.

Auch das Thema Kleidung wurde auf humorvolle Weise aufgegriffen. Ein Shirt wurde in die Menge geworfen und schließlich einem Mann überlassen, damit alle im Publikum entsprechend bekleidet waren. Die dahinterstehende Botschaft blieb dennoch ernst: Solange nicht alle Menschen im Pit gleichermaßen unsexualisiert und frei von unerwünschten Berührungen feiern können, sollte niemand seine Grenzen überschreiten.

Lumpenpack machte außerdem aus dem Festivalgelände kurzerhand seinen eigenen Kosmos. Der Campingplatz wurde zu „Mordor“, ein FLINTA-Pit wurde ausgerufen und mit viel Wortwitz wurde das Publikum immer wieder einbezogen. Auch der bekannte Humor der Band kam nicht zu kurz etwa bei der Frage, dabei wurde kurzerhand der Song „Ein fröhliches Lied“ immer und immer wieder angespielt und mit jedem mal schneller performt.

Während des Auftritts sammelte der Gitarrist eine Antifaschistische Aktion Fahnen ein, natürlich Stilecht vom Auto aus, während sie spielend mit einem aufblasbaren Auto über die Zuschauenden getragen wurden. Welche er sich umhang und mit auf die Bühne nahm um sie dort weiter zu tragen. Das Lumpenpack wären aber nicht sie selbst, wenn sie die Fahne nicht zurück gaben. Gleichzeitig entwickelte sich vor der Bühne eine regelrechte Welle aus Crowdsurfern. So viele Menschen wurden über die Köpfe der Menge getragen, dass selbst die Band das Thema aufgriff, als gerade der Song endete der so viele auf die Wellen geschickt hatte. „Wir müssen jetzt ein Lied spielen, damit die Leute nicht so in der Luft schweben“, lautete sinngemäß die Ansage.

Besonders skurril wurde es, als der Sänger mitten in den Pit auf einem Teppich auftauchte. Die Crowd sollte ihn zunächst „heimbringen“, danach „schneller“ und schließlich „noch schneller“ wurde das Puplikum angeheizt vom Gitarristen, da er sein Bandmitglied doch gerne wieder hätte. Als er schließlich wieder auf der Bühne angekommen war, folgte die Feststellung: „Er ist wieder da, er ist wieder da.“ Da aufgrund des engen Zeitplans nicht mehr viel Platz blieb, wurde anschließend noch ein letzter Song gespielt.

Mit Lostboi Lino ging es anschließend auf der Sounds For NatureStage weiter. Auch hier spielte das Publikum eine wichtige Rolle. Immer wieder wurde zum Trinken aufgefordert. Dabei entwickelte sich schnell ein kleines Spiel: Je länger Lino selbst an seiner Wasserflasche trank, desto lauter sollte das Publikum werden. Je höher er die Flasche hielt, desto mehr Lautstärke wurde aus der Menge herausgeholt.

Auch die Temperaturen blieben ein Thema. Erst ab etwa 18:30 Uhr wurde es im Tal langsam schattiger und damit zumindest etwas angenehmer. Bis dahin hatte sich die Hitze bereits deutlich auf das Gelände und die Besucherinnen und Besucher ausgewirkt.

Auf der TaubertalStagefolgten Kaffkiez. Der Auftritt begann mit einem Intro von Danger Dan, „Alles von der Kunstfreiheit gedeckt“, und schon kurz darauf wurde klar, dass auch Kaffkiez die Hitze nicht ignorieren würden. Die Band erzählte von den bereits erlebten Unfällen und den vielen Stunden in der Hitze.

Nach etwa drei Songs startete die Band gemeinsam mit dem Publikum einen kollektiven Ventilator. Alles, was wedeln konnte, wurde in die Luft gehalten. Fahnen, Shirts und andere Gegenstände sorgten dafür, dass zumindest etwas Luft durch die Menge ging.

Auch Kaffkiez fanden deutliche Worte für das Verhalten einzelner Besucher. Erneut wurde angekündigt, dass Menschen, die sich im Pit danebenbenehmen, begrapschen oder andere Besucher bedrängen, mit einem Festivalverbot rechnen müssen. Gleichzeitig wurde klar gemacht, dass Rücksichtnahme nicht optional sein sollte.

Optisch hatten Kaffkiezihre Bühne ebenfalls verändert. Die roten Wände waren verschwunden und stattdessen wurden wieder die bekannten Gartenzäune aufgebaut, die bereits von ihren eigenen Konzerten bekannt sind.

Ein besonderer Moment entstand rund um „Rüdiger vom Campingplatz“ und dessen ungewöhnliches Accessoire: eine Stofftasche in Form einer Gans. Die Gans wurde zum Teil des Auftritts und später sogar gemeinsam mit einem Fan auf die Bühne gebracht, bevor dieser wieder zurück ins Publikum entlassen wurde. Am Anfang und am Ende des Sets unterstützten außerdem die bekannten Blechbläserinnen, die bereits von der aktuellen Tour der Band bekannt sind.

Anschließend ging es auf der Sounds For Nature Stage mit Chapo102 weiter und später mit Zartmann auf der Taubertal Stage. Zartmann zeigte sich dabei sichtlich glücklich über den Auftritt und betonte, wie froh er über jeden einzelnen Menschen im Publikum sei und wie glücklich er selbst darüber sei, überhaupt dort stehen zu dürfen.

Begleitet wurde er von Aaron am Schlagzeug, Malik am Bass, Franka am Keyboard und Benni an der Gitarre. Gemeinsam sorgten sie für einen energiegeladenen Auftritt, der das junge Publikum besonders stark erreichte.

Wie groß der Zuspruch war, zeigte sich später auf der Sounds For Nature Stage bei Deine Cousine. Die Menge vor der Bühne war so groß, dass sogar der Gang hinter dem Getränkebereich von Planen beziehungsweise Absperrungen befreit wurde, damit dort weitere Besucherinnen und Besucher überhaupt noch einen Blick auf die Bühne bekommen konnten. Selbst dort bildete sich schließlich ein kleiner Pit, auch wenn dieser mitten im Durchgang nicht unbedingt optimal platziert war.

Deine Cousine nahm die Energie der Menge sofort auf. „Schöner kann ein Meer aus Mittelfingern nicht aussehen“, kommentierte die Sängerin einen Moment, in dem sich zahlreiche Mittelfinger in Richtung Bühne erhoben. Gleichzeitig sorgte sie mit einem kleinen Hinweis für Klarheit: Das Publikum solle bitte darauf achten, dass sie „Deine Cousine“ und nicht „Deine Mutter“ heißt. Hintergrund waren Verwechslungen, die es offenbar bereits beim Open Flair gegeben hatte. Zwischen dem zweiten und dritten Song kam es kurzzeitig zu einem Ausfall des Mikrofons. Der Auftritt selbst ließ sich davon jedoch nicht dauerhaft ausbremsen. Stattdessen ging es mit voller Energie weiter – unter anderem mit einem lila Bengalo, das mitten in der Menge gezündet wurde.

Deutlich ernster wurde es beim Thema Sicherheit im Pit. Die Sängerin sprach darüber, dass Frauen gesellschaftlich häufig zu leise seien, und forderte deshalb an diesem Abend ausdrücklich nur die Frauen im Publikum dazu auf, laut zu werden. Gleichzeitig ging sie auf ein Problem ein, das sie selbst offenbar zunehmend auch bei ihren Konzerten erlebt: unerwünschte Berührungen im Moshpit. Sie forderte Frauen dazu auf, ein Zeichen zu geben, wenn sie begrapscht werden, und kündigte deutlich an, gegen solche Personen vorzugehen.

Trotz dieser ernsten Themen blieb der Auftritt von Deine Cousine ein Fest für das Publikum. Gemeinsam mit Daniel aus dem Publikum wurde „Himmel ist ’ne Kneipe“ performt und auch der erst zehn Tage zuvor veröffentlichte neue Song „Ich weiß, wie dieser Abend endet“ wurde mit Unterstützung des Publikums gespielt.

Die Nachfrage nach dem Auftritt war dabei so groß, dass sogar Plakate von Bauzäunen entfernt wurden, um zusätzlichen Menschen den Blick auf die Bühne zu ermöglichen. Schon während des Auftritts von DasLumpenpackhatten wir beobachten können, wie die Sängerin von DeineCousine aus dem VIP-Bereich herunterreichten und versuchten, mit Fans Fotos zu machen. Die Nähe zum Publikum war damit nicht nur Teil der Show, sondern zog sich durch den gesamten Festivaltag.

Zum späteren Abend hin stand mit Biffy Clyro noch einmal eine internationale Größe auf der TaubertalStage. Im Vergleich zum Auftritt von Zartmann war das Infield allerdings deutlich weniger voll. Auffällig war dafür die große Lichtshow, die den Auftritt gerade in den späteren Stunden visuell stark prägte. Auch Streicher waren Teil der Performance und sorgten für eine zusätzliche musikalische Ebene. Sänger Simon Neil wechselte dabei immer wieder seine Position auf der Bühne und sorgte damit auch optisch für Bewegung.

Viele Besucherinnen und Besucher hatten das Infield zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits verlassen. Offenbar war für einen Teil des Publikums der Festivaltag mit den früheren Acts bereits abgeschlossen.

Den Auftritt von Corduroy County auf der Sounds For Nature Stage konnten wir schließlich nicht mehr mitnehmen. Aufgrund der späten Uhrzeit und der Überschneidung mit Biffy Clyro entschieden wir uns, diesen Auftritt auszulassen.

Neben den regulären Auftritten fand am Samstag außerdem der Emergenza Bandcontest statt. Der Wettbewerb bietet Nachwuchsbands die Möglichkeit, sich vor einem größeren Publikum zu präsentieren. Der Gewinner werden am darauffolgenden Festivaltag gekürt und werden anschließend die Möglichkeit erhalten, auf der Taubertal Stage aufzutreten.

Damit neigte sich auch der zweite Festivaltag langsam dem Ende entgegen. Der Samstag war vor allem von Hitze, Staub und einer enormen Publikumsenergie geprägt. Gleichzeitig zeigte sich immer wieder, dass ein Festival nicht nur von der Musik auf der Bühne lebt. Gerade bei Das Lumpenpack, Kaffkiez und Deine Cousine wurde deutlich, wie wichtig Themen wie Rücksichtnahme, Sicherheit und gegenseitiger Respekt innerhalb der Crowd geworden sind.

Und auch wenn die Hitze den Tag für viele Besucherinnen und Besucher zur Herausforderung machte, blieb vor allem eines hängen: Das Taubertal-Publikum hatte auch am Samstag Lust auf Musik, Bewegung und gemeinsames Feiern. Nach zwei intensiven Festivaltagen blieb damit nur noch der Sonntag und die Frage, was das 30. Taubertal Festival an seinem letzten Tag noch bereithalten würde.

Erster Ausblick auf 2027:

Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt dem Taubertal Festival ohnehin nicht. Die ersten Acts für 2027 stehen bereits fest und versprechen schon jetzt ein abwechslungsreiches Line-up. Mit Die Ärzte, AnnenMayKantereit, Wanda, Sondaschule, Swiss&dieAnderen, LaBrassBanda, Dicht&Ergreifend und Esther Graf sind die ersten Namen für das kommende Festival bestätigt.

Der Vorverkauf für das Taubertal Festival 2027,welches vom 05.-08. August2027 stattfinden wird, startet am Donnerstag, den 13. August 2026, um 19 Uhr. Damit dürfte bereits jetzt klar sein, dass die Vorfreude auf die nächste Ausgabe direkt nach dem diesjährigen Festival beginnen kann.

Nachbericht von Laura Felberg und Lukas Pförtsch.
Fotos von Lukas Pförtsch

Dieser Artikel wurde am: 9. August 2026 veröffentlicht.

Autor: Nessa Deleto

FOTOS von Taubertal Festival

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