The Menzingers – Everything I ever Saw

Nach 20 Jahren Bandgeschichte und bisher sieben veröffentlichten Alben kann man durchaus mal einen Rückblick auf Vergangenes ziehen und Vermutungen anstellen, was die Zukunft bringen könnte. Zumindest klingt der Titel „Everything I ever Saw“ erstmal nach Kassensturz und Aufarbeitung vergangener Erlebnisse, vielleicht sogar nach Stillstand.

The Menzingers schaffen auf ihrem neusten Album, veröffentlicht im Juli dieses Jahres auf Epitaph, den Spagat zwischen beiden Welten, es gibt bekanntes, wo man sich direkt geborgen und zu Hause fühlt, aber auch neue Elemente mit einem Ausblick nach vorne. 14 Songs mit einer Gesamtspielzeit von etwa 40 Minuten nehmen uns mit auf eine Reise durch verschiedene Stationen, Alltagssituationen und Stories, die das Leben mit sich bringt.

Bereits der Opener „Change Encounters“ hat das Potential zu einem echten Ohrwurm. Wie der Titel es bereits verrät, ein Song über zufällige Begegnungen im Leben, die manchmal einen Wendepunkt darstellen, Chancen bieten und neue Wege ebnen können. Eröffnet mit einem fetten, druckvollen Gitarrenriff und catchy Refrain bieten The Menzingers einen Mix irgendwo zwischen Melancholie und Euphorie.

„Better Angels“ überzeugt mit starkem Gesang und hymnenartigen Refrain, „Romanticism“ mit bewegenden Texten und Bildern im Kopf über nächtliche Taxifahrten, gemeinsame Erinnerungen und den Wunsch gemeinsam neu anzufangen.

„Ain’t it funny taking other people’s money“, diese Frage stellt sich „Other People’s Money“, eine, im Gegensatz zu den vorherigen Tracks“, von Synthi-Piano Klängen getragene Nummer, die sich klar von MAGA und dem Kapitalismus distanziert.

Mit einer Laufzeit von über 4 Minuten und damit längster Song auf der Schneibe knüpft „Gasoline & Matches“ nahtlos „Other People’s Money“ an, ebenso wie im Vorgänger präsentieren The Menzingers eine einprägsame Piano Melodie, welche sich wunderbar mit dem gefühlvollen Gesang von Greg Barnett zu einem melancholischen Gesamtkunstwerk fügt.

„The Fool“ erweitert den gewohnten Sound-Kosmos um einen dezenten Bläser-Einsatz, ein Song über Bindungsängste, Ängste über eigene Taten und dem Bestreben nach einem besseren Leben und einem besseren Ich.   

„Nobody’s Heroes“ zeigt, niemand ist frei von Fehlern, man soll nicht zu sehr an sich selbst zweifeln und das Leben einfach genießen. Einfach authentisch sein und sich für niemanden verbiegen müssen.

Das abschließenden und titelgebende „Everything I Ever Saw“ ist der Wunsch die erlebten Erfahrungen im Leben in würdevoller Erinnerung zu behalten, ohne die Vergangenheit, welche auch mit Leid und Schmerzen verbunden war, erneut durchleben zu müssen. 

Fazit:

The Menzingers haben ihren Sound gefunden und diesem seit den Vorgängeralben „Some of it was True“ (2023) und „On the Possible Past“ (2022) nochmals einen Feinschliff verpasst. Ein Album, das keine großen Experimente eingeht, sondern mit vertrautem Sound aufwartet und diesen in starken Lyrics verpackt. 11 Songs, die genau das liefern, was The Menzingers ausmacht, ein starkes Songwriting, harmonisierender Gesang mit einem Gespür für Melodien und packenden Refrains. Ein Album ohne große Schwächen, welches bei mir gerne ein Platz in der Sammlung einnehmen wird.

Review von Florian Goergen  

Dieser Artikel wurde am: 5. August 2026 veröffentlicht.

Autor: Nessa Deleto

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