Muff Potter – Klepto 

Mittlerweile sind auch schon wieder vier Jahre ins Land gezogen seit der Veröffentlichung von „Bei Aller Liebe“, dem ersten Studioalbum von Muff Potter seit ihrer Reunion 2018. Diese Durststrecke und das Warten auf neues Material ist aber nun vorüber, denn seit September steht mit „Klepto“ das 9. Studioalbum der Jungs aus Rheine in den Plattenläden. 9 bzw. 11 Songs sind darauf zu finden, die beiden Bonussongs „Die Playlist läuft“ und „Königsesch“ sind nur exklusiv auf der Limited Edition-Vinylausgabe als 7“ Single erhältlich.

„Klepto“ wurde im Studio Nord Bremen von Gregor Henning aufgenommen, was nicht verwunderlich ist, ist die Geschichte der Band mit diesem Studio doch eng verwurzelt. Sowohl das erste selbstbetitelte Album „Muff Potter“ (1996) als auch das eingangs erwähnte Reunion-Album wurde in diesem Studio aufgenommen, gemischt und gemastert., letzteres entstand in zwei Sessions, wobei ein Großteil der Songs gemeinsam live in einem Raum eingespielt wurde.

Bereits der Opener“ „Taliban of the Week“ beweist eindrucksvoll mit welchem Gespür für Dynamik die Jungs Songs schreiben. Durch eine eingängige Gitarrenmelodie und einen gerade nach vorne gespielten Schlagzeugbeat baut sich das Stück mit jeder Sekunde atomsphärischer auf. Das Ganze gipfelt in einem ausdrucksstarken Refrain, dessen Text sich mit den Widersprüchen der Gegenwart befasst, woher auch mit ziemlicher Sicherheit der Name des Songs herrührt. Anpassung und die eigene Individualität miteinander zu verstricken in einer Gesellschaft, die beides fordert, all das wird mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor zerlegt und scharf kritisiert.

„Rückflug aus Montana“ startet zunächst, wie sein Vorgänger mit einer einprägsamen Gitarrenmelodie, bevor die Nummer sich zu einer rauen Indie-Rock wandelt. Verzerrte Gitarren, kurze eingestreute Soli und ein leicht schräger Gesang kämpfen mit innerem Selbstzweifel und der Erwartungshaltung von Menschen an einen selbst.

In ähnlichem Fahrwasser schippert „Hast du den Müll schon rausgebracht“, auch hier wird mit den eigenen Erwartungshaltungen und Ängste gerungen. Der ständige Wechsel zwischen „Das macht doch alles keinen Sinn“ und „Das kriegen wir wieder hin“ lässt keine endgültige Entscheidung zu, sondern lässt vieles in der Schwebe.

Mit über sechs Minuten Spielzeit nimmt sich „Ein starkes Stück“ die längste Spielzeit der auf dem Album vertretenen Stücke heraus. Und hier wird dem Hörer so einiges um die Ohren gehauen: Psychedelic Rock, Punk-Elemente, ein Tonart Wechsel und der ungewöhnliche Einsatz eines Theremins verdeutlichen einmal mehr den Weg, den Muff Potter mit diesem Album gehen. Die Songs entscheiden sich nicht sofort, sie kippen, sie öffnen sich. Diese Offenheit wird zum programmatischen Kern der neuen Platte: ein Zustand, in dem Dinge gleichzeitig eindeutig und uneindeutig sein dürfen, in dem Haltung und Ambivalenz keine Gegensätze sind.

„Freaks & Geeks & Spinner“ überrascht mit einem, schon fast gehetzt, atemlos wirkenden Sprechgesang. Der Text, gespickt mit Zitaten von Reinhard Mey, ist eine Hommage an die Widerspenstigkeit und an alle, die nicht ins Raster passen. 

Zum Abschluss wird es mit „Königsesch“ noch einmal richtig gefühlvoll und emotional. Benannt nach der Ruhestätte ihres langjährigen Gitarristen Dennis Scheider ist dieser Song ein packender Rückblick auf gemeinsame Erlebnisse, glückliche Momente und dem traurigen, schweren Gefühl einen geliebten Menschen zu verlieren. Für mich einer der stärksten Songs auf dem Album, daher umso unverständlicher, warum es dieser nicht auf die reguläre Scheibe geschafft hat…

Fazit:

„Klepto“ ist sicherlich kein einfaches Album, für mich hat es ein paar Durchläufe gebraucht, um Zugang zu allen Songs zu finden. Sicherlich, es gibt die leichteren Songs, da gelingt dies ziemlich schnell, andere brauchen etwas länger, um sie in ihrer vollen Umfänglichkeit wahrnehmen zu können. Muff Potter greifen auf eine Vielzahl unterschiedlicher Stilmittel zurück, mal sphärisch verklärt, mal poppig aber auch hymnisch und unerwartet. Ja, es bleibt vieles in der Schwebe, aber auf jeden Fall ist der Inhalt eindeutig Muff Potter.

Muff Potter – Klepto Tour 2026:
11.11.2026 – Leipzig, Conne Island
12.11.2026 – München, Strom
13.11.2026 – Darmstadt, Centralstation
14.11.2026 – Dortmund, FZW
18.11.2026 – Bremen, Schlachthof
19.11.2026 – Köln, Kantine
20.11.2026 – Münster, Sputnikhalle
21.11.2026 – Hamburg, Uebel & Gefährlich
26.11.2026 – Erlangen, E-Werk
27.11.2026 – Wien, Flucc
28.11.2026 – Berlin, Festsaal Kreuzberg 

Review von Florian Goergen

Dieser Artikel wurde am: 5. Oktober 2026 veröffentlicht.

Autor: Nessa Deleto

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