The Riot Robots – Small Town Big Noise

Schon mal was von The Riot Robots gehört? Nein? Dann wird es höchste Zeit, denn die Punkrocker aus Kronach sind keineswegs erst seit gestern unterwegs. Bereits 2017 gründete sich die Band und hat sich seitdem mit melodischem Punkrock, mehrstimmigem Gesang und einer ordentlichen Portion Humor einen Namen in der oberfränkischen Musikszene gemacht.

Auch auf der Bühne konnten The Riot Robots in den vergangenen Jahren einiges von sich hören lassen. Gleich zweimal entschieden sie den Bandcontest von „Die Festung Rockt“ für sich und durften anschließend die Festung Rosenberg beschallen. 2025 folgte der nächste Erfolg: Bei der R.I.O.!-Clubtour wurden die Kronacher zu „Oberfrankens Band des Jahres“ gewählt.

Doch bei all den Konzerten und Erfolgen fehlte bislang tatsächlich noch etwas: ein eigenes Album. Fast zehn Jahre nach der Bandgründung ist es nun so weit. Mit „Small Town Big Noise“ präsentieren The Riot Robots ihr Debütalbum – und der Titel dürfte bei einer Punkrock-Band aus Kronach durchaus Programm sein.

Insgesamt 15 Songs haben es auf die Platte geschafft. Jede Menge Material also, um herauszufinden, wie viel „Big Noise“ tatsächlich in dieser „Small Town“ steckt.

Los geht es mit „Elephant In A China Shop“ und bereits bei den ersten Tönen wird klar, wohin die Reise geht. Der Opener kommt mit einer ordentlichen Portion Poppunk daher, ist melodisch und eingängig und macht es einem schwer, die Füße stillzuhalten. Eigentlich möchte man direkt aufstehen und den ersten Moshpit eröffnen. Dabei ist „Elephant In A China Shop“ textlich deutlich nachdenklicher, als es die Musik zunächst vermuten lässt. Es geht um einen Freund, der sich mit der Zeit so sehr verändert hat, dass man ihn kaum noch wiedererkennt. Wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen poltert er durchs Leben und hinterlässt dabei einen Scherbenhaufen. Erinnerungen an die gemeinsame Vergangenheit treffen auf die Erkenntnis, dass aus einem einst guten Freund plötzlich ein Fremder geworden ist. Ab Minute 2:21 darf dann die Gitarre für rund 18 Sekunden das Kommando übernehmen und liefert ein Solo, bevor der Song wieder auf die Zielgerade einbiegt. Insgesamt eine gute Wahl als Opener: eingängig, mit ordentlich Bewegung und dennoch mit einer nachdenklichen Seite. So darf ein Punkrock-Album gerne beginnen.

Das Nachdenkliche des Openers wird mit „Good Friends“ direkt wieder abgeschüttelt. Der Song peitscht ordentlich nach vorne und feiert eine Freundschaft, die gefühlt nichts und niemand auseinanderbringen kann. Vom Kennenlernen auf dem Schulhof über die ersten Liebschaften und gemeinsamen Eskapaden bis hin zum Älterwerden heißt es hier: „Good friends we’ll stay forever“. Aufmerksamen Hörern dürfte der Titel dabei nicht unbekannt sein. „Good Friends“ wurde bereits 2021 auf der EP „From Outer Space“ der Riot Robots veröffentlicht, für „Small Town Big Noise“ allerdings noch einmal neu aufgenommen und mit einer Extraportion Wumms versehen. Interessant ist auch die Verbindung zum vorherigen Song. Denn genau auf „Good Friends“ und das Versprechen ewiger Freundschaft wird in „Elephant In A China Shop“ zurückgeblickt. Während dort von einer Freundschaft erzählt wird, die irgendwann zerbrochen ist, feiern die Riot Robots hier das genaue Gegenteil: Seite an Seite, egal was kommt.

Auch „Saturday Night“ kennt eigentlich nur eine Richtung: nach vorne. Eingeleitet von einem Akustikgitarrenriff, entwickelt sich der Song schnell zu einer treibenden Nummer, die genau das feiert, worauf man sich nach einer anstrengenden Arbeitswoche freut: das Wochenende. Arbeit aus dem Kopf, Drink in die Hand und die Lieblingsband auf die Ohren – manchmal braucht es eben nicht mehr. Zum Ende hin gibt es mit dem wiederholten Chant noch eine Passage, bei der man förmlich darauf wartet, dass live das gesamte Publikum mit einstimmt und mitgrölt. Und weil zu einem gelungenen Samstagabend offenbar auch das passende Kaltgetränk gehört, wird zum Abschluss noch hörbar ein kühles Blondes geöffnet. In diesem Sinne: Auf die Freundschaft und ein schönes Wochenende!

Wenn wir nach „Saturday Night“ schon in Partylaune sind, darf natürlich auch das passende Getränk nicht fehlen. Mit „Homemade Lemonade“ wird es musikalisch eine Spur rotziger und der Punkrock rückt noch deutlicher in den Vordergrund. Die Strophen geben dabei einen klaren Takt vor, bevor die Drums den Refrain einläuten, das Tempo spürbar anzieht und der Song ordentlich nach vorne treibt. Textlich landen wir auf einer Grillparty, die sich der Protagonist wohl etwas anders vorgestellt hat. Statt Steak und alkoholischen Kaltgetränken trifft er auf eine Runde, die weder Fleisch isst noch Alkohol trinkt. Was also tun? Ganz einfach: „May I have my homemade lemonade also with a shot?“ Und spätestens wenn die „Lemonade“-Rufe einsetzen, dürfte auch hier live wieder genügend Potenzial zum Mitgrölen vorhanden sein.

Danach wird es sommerlich. Wir befinden uns plötzlich irgendwo im sonnigen Kalifornien – ähm, Kronach natürlich. „Sunshine, Girls And Beer“ versprüht von Beginn an ordentlich gute Laune und lässt mit seinem sonnigen Cali-Punkrock direkt Urlaubsgefühle aufkommen. Freunde einpacken, Gitarre ins Auto und ab ans Wasser. Viel Geld braucht es dafür nicht, denn manchmal sind es eben die einfachen Dinge im Leben, die zählen. Und was braucht es für einen gelungenen Sommertag? Glaubt man den Riot Robots, ist die Antwort ziemlich einfach: Sonne, Mädchen und ein kaltes Bier. Dazu ein paar Punkrock-Songs und die Welt kann für einen Moment draußen bleiben.

Bei Minute 2:16 darf schließlich wieder die Gitarre ran und läutet mit einem Solo das Finale ein. Und spätestens jetzt stellt sich eigentlich nur noch eine Frage: Wo kommt plötzlich die Sonne draußen her und warum habe ich auf einmal verdammt Bock auf einen Tag am See mit guten Freunden?

Weiter geht es mit einem Thema, das nie alt wird und eigentlich selbstverständlich sein sollte: „No Racism“! Ein eingängiges Bassriff eröffnet den Song und schon nach wenigen Sekunden möchte man eigentlich nur sagen: Punkrock at its best! Die Riot Robots beziehen hier klar Stellung gegen Rassismus und Faschismus und sprechen dabei unter anderem Vorurteile, Hass und Gewalt, aber auch das Schicksal von Menschen an, die vor Krieg fliehen müssen. Die Botschaft ist dabei so simpel wie wichtig: Hautfarbe oder Religion spielen keine Rolle – am Ende leben wir alle in derselben Welt und sollten gemeinsam für Menschenrechte einstehen. Musikalisch wird die Botschaft ohne große Umwege nach vorne getragen und spätestens beim „No Racism, No Fascism“-Refrain darf lautstark mit eingestimmt werden. Ein Song mit klarer Haltung, der gerade auf einem Punkrock-Debüt wie „Small Town Big Noise“ definitiv nicht fehlen darf.

Nach der klaren Ansage von „No Racism“ schlagen die Riot Robots mit „Answering Machine For Jesus“ wieder etwas ruhigere Töne an und bewegen sich in eine akustischere Richtung. Doch wie erreicht man eigentlich Jesus, wenn man ihm etwas Wichtiges mitzuteilen hat? Anrufen scheint jedenfalls schwierig zu sein, denn die Leitung ist ständig besetzt. Dabei wäre die Botschaft durchaus wichtig: Es wird höchste Zeit für friedlichere Zeiten auf der Erde. Vielleicht ist es im Himmel aber auch einfach zu bewölkt, um zu sehen, was hier unten so alles passiert. Die Lösung der Riot Robots ist denkbar einfach: Jesus braucht einen Anrufbeantworter! Schließlich leben wir in Zeiten von WLAN und Highspeed und irgendwie muss die Nachricht ja ankommen. „Answering Machine For Jesus“ nimmt damit musikalisch etwas den Fuß vom Gas, verliert dabei aber keineswegs den für die Band typischen Humor.

Genug der ruhigeren Töne, denn mit „Exit Please“ nehmen The Riot Robots wieder Fahrt auf. Sonnige Punkrockriffs bestimmen den Sound und schon geht die Reise mit deutlich höherer Geschwindigkeit weiter. So sonnig die Melodie daherkommt, so wenig rosig sieht es allerdings in der Beziehung des Protagonisten aus. Was einmal gut angefangen hat, hat längst seinen Glanz verloren und mittlerweile gibt es eigentlich nur noch einen Wunsch: Wo ist hier bitte der Ausgang? „Show me an exit please“ lautet die entsprechend klare Ansage im Refrain. Manchmal hilft eben nur noch Beine in die Hand nehmen und raus da!

Bei „How Do You Feel“ darf zunächst wieder der Bass alleine ran, bevor die Drums einsetzen und das Tempo ordentlich nach vorne peitschen. Schließlich gesellen sich die Gitarren dazu und dann gibt es kein Halten mehr. The Riot Robots halten die Geschwindigkeit bewusst hoch und gönnen einem kaum Zeit zum Verschnaufen. Textlich wird es dagegen erneut ernst. „How Do You Feel“ richtet den Blick auf all jene, die es sich in ihrer eigenen kleinen Welt gemütlich gemacht haben und lieber nicht sehen wollen, was um sie herum passiert. Hass, Gewalt, Angst, Krieg und Terror stehen dabei im Raum und immer wieder wird die Frage gestellt: „How do you feel?“ Doch Aufgeben ist keine Option. Am Ende bleibt die klare Botschaft, dass es noch nicht zu spät ist, für die Freiheit einzustehen. Musikalisch Vollgas, textlich der erhobene Zeigefinger – die Riot Robots zeigen erneut, dass sich Punkrock und Haltung bestens miteinander verbinden lassen.

Mit „Shut Up“ wartet anschließend ein klassischer Punkrock-Brecher. Viel nachdenken muss man hier eigentlich nicht: Ab in den Moshpit und am besten erst wieder rauskommen, wenn der Song vorbei ist! Textlich geht es um eine Dame, die offenbar gerne und vor allem viel redet. 7000 Wörter am Tag sind dann irgendwann selbst für den geduldigsten Zuhörer zu viel und so gibt es nur noch eine Lösung: „Shut Up!“ Ruhe ist schließlich Gold. Ab Minute 1:42 überrascht dann ein fast schon bluesartiges Gitarrensolo und verschafft einem eine kurze Verschnaufpause, bevor die Riot Robots zum Finale noch einmal gemeinsam eskalieren. Jetzt heißt es ein letztes Mal alles geben und lautstark „Shut Up“ mitbrüllen, bis auch die letzten im Moshpit heiser sind.

Nach dem Moshpit-Ausflug befinden wir uns mit „Book Of Life“ wieder auf der sonnigen Seite des Lebens, was man dem Song auch melodisch deutlich anhört. Die Riot Robots verbreiten gute Laune und liefern gleichzeitig eine kleine Erinnerung daran, das Leben nicht allzu schwer zu nehmen. Das eigene Leben wird dabei zum Buch, in dem zwar schon einige Seiten mit Geschichten, Erfahrungen und hoffentlich jeder Menge Spaß beschrieben sind, aber noch viele weitere darauf warten, gefüllt zu werden. Und wenn es gerade einmal nicht so läuft? Kopf hoch und nach vorne schauen, denn nach schlechten Zeiten kommen auch wieder bessere. „Book Of Life“ ist damit ein durchweg positiver Song, der einem irgendwie zuruft: Egal wie alt du bist, deine Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.

Dass die Riot Robots sich selbst nicht immer ganz so ernst nehmen, dürfte spätestens bei „Your Boobies Are Magnetic“ klar werden. Es folgt ein etwas schlüpfrigeres Thema und der Humor der Band darf wieder voll durchschlagen. Eine hübsche Dame am Bahnhof, ein Blick, der offenbar magnetisch angezogen wird und Gedanken, die schließlich komplett unter die Gürtellinie wandern – viel subtiler wird es hier nicht. Musikalisch bleibt allerdings ohnehin kaum Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Wieder darf zunächst der Bass vorlegen, die mitreißenden Drums setzen ein, die Gitarre kommt dazu und dann heißt es eigentlich nur noch: völlige Eskalation! Von hier an wird abgerissen, bis auch der letzte Ton verklungen ist. Ob Brüste tatsächlich magnetisch sein können, müsste an anderer Stelle wissenschaftlich geklärt werden. Für den Moshpit besitzt der Song jedenfalls eine ziemlich starke Anziehungskraft - fast schon magnetisch. 

Mit „Music Policeman“ wird der Ton anschließend wieder etwas mahnender. Diesmal bekommen all diejenigen ihr Fett weg, die auf Konzerten lieber mit verschränkten Armen in der Ecke stehen, jeden einzelnen Ton analysieren und eigentlich nur darauf warten, endlich einen Fehler zu entdecken. Selbsternannte Musikpolizisten eben. Was die Riot Robots von solchen Leuten halten, bringen sie im Refrain ziemlich unmissverständlich zum Ausdruck. Punkrock muss schließlich nicht immer perfekt sein, sondern vor allem Spaß machen und genau das vermittelt „Music Policeman“ auch musikalisch. Und während ich gerade jeden einzelnen Song dieses Albums auseinandernehme, frage ich mich langsam: Sollte ich mir über den Titel vielleicht Gedanken machen? :)

Mit „My Girlfriend Hits Me“ folgt ein weiterer Titel, der bereits veröffentlicht wurde, für das Album aber noch einmal neu aufgenommen wurde und mit ordentlich neuem Dampf daherkommt. Wer die Riot Robots schon einmal live erlebt hat, kennt vielleicht auch die Geschichte dahinter: Der Bassist hatte einen Traum. Und was macht man als Punkrocker mit einem ziemlich verrückten Traum? Richtig, man schreibt einen Song darüber. Und dieser Traum hat es durchaus in sich. Die Freundin befördert den armen Kerl durch die Tür, bearbeitet ihn mit einem Nudelholz und irgendwann weiß er selbst nicht mehr so genau, was eigentlich Traum und was Realität ist. Der typische Humor der Riot Robots lässt grüßen. Musikalisch gibt es dazu Punkrock at its best und eigentlich nur eine vernünftige Reaktion: Auf geht’s, ab in den Moshpit! Hier darf noch einmal ordentlich eskaliert werden, bis auch der Letzte in Ekstase ist.

Und dann sind wir auch schon beim krönenden Abschluss des Albums angekommen. Mit „Hometown“ feiern The Riot Robots noch einmal genau das, was bereits im Albumtitel steckt: die eigene Kleinstadt. Während andere das Weite suchen, weil das Gras anderswo vermeintlich grüner ist, heißt es hier ganz einfach: Das ist meine Heimat und genau hier gehört mein Herz hin. „That’s where my heart is“ bringt die Botschaft dabei ziemlich genau auf den Punkt. Man kennt die Straßen, weiß, wo der Fluss entlangläuft und verbindet mit diesem Ort Erinnerungen, die einem niemand nehmen kann. Egal, was andere über die eigene Heimat sagen mögen. Melodisch treffen die Riot Robots dabei genau den richtigen Ton. Der Sound unterstreicht dieses Heimatgefühl und verleiht dem Text noch einmal eine fast romantische Note. Nach all den Moshpits, Freundschaften, ernsteren Botschaften und jeder Menge Humor fährt „Small Town Big Noise“ zum Schluss ein wenig herunter und endet dort, wo für The Riot Robots alles zusammenläuft: in ihrer Hometown. Ein passender Abschluss für ein rundes Debütalbum mit all seinen Höhen und Tiefen. Small Town? Vielleicht. Big Noise? Definitiv!

„Small Town Big Noise“ macht vor allem eines: Lust auf mehr. The Riot Robots liefern mit ihrem Debüt ein Album ab, das zwischen sonnigen Punkrock-Melodien, Vollgas im Moshpit, nachdenklichen Momenten und dem ganz eigenen Humor der Band immer wieder die Richtung wechselt, dabei aber nie den Spaß aus den Augen verliert. 15 Songs, die zeigen, dass aus einer Small Town verdammt viel Big Noise kommen kann.

Am 18.09.2026 erscheint „Small Town Big Noise“ und wer jetzt neugierig geworden ist, muss zum Glück nicht lange warten, um die neuen Songs auch live um die Ohren gehauen zu bekommen. Bereits einen Tag später, am 19.09.2026, steigt die große Releaseparty im Struwwelpeter in Kronach. Mit High Sun, 100%feinRIPP und Maximilian Adler ist auch für ordentlich Support gesorgt.

Also Album rein, Anlage aufdrehen und schon einmal die Nackenmuskulatur aufwärmen. Denn wenn „Small Town Big Noise“ live genauso viel Spaß macht wie auf Platte, dürfte es im Struwwelpeter ziemlich eng im Moshpit werden. 

Kronach und darüber hinaus, macht euch bereit – The Riot Robots sind gekommen, um ordentlich Lärm zu machen!

Album Review von Cris Kilper

Dieser Artikel wurde am: 18. September 2026 veröffentlicht.

Autor: Nessa Deleto

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