EUROPE – Come This Madness

EUROPE sind zurück.

Neun Jahre sind mittlerweile vergangen, seit uns die Schweden mit „Walk The Earth“ zuletzt ein neues Studioalbum beschert haben. Neun Jahre, in denen man sich durchaus fragen durfte: Was kommt da eigentlich noch?

Denn EUROPE haben ein kleines Problem.

Wenn eine Band einmal „The Final Countdown“ geschrieben hat, dann wird sie diesen Song wohl bis ans Ende ihrer Tage begleiten. Und natürlich ist es leicht, bei EUROPE an die großen 80er-Jahre, riesige Keyboardflächen und eine ganz bestimmte Frisuren-Epoche zu denken.

Doch wer genau hinschaut, weiß längst: EUROPE sind schon lange nicht mehr die Band von damals.

Und genau deshalb ist „Come This Madness“ so interessant.

Schon „One On One“ macht ziemlich schnell klar, wohin die Reise geht. Hier wird nicht versucht, irgendeine Vergangenheit künstlich wiederzubeleben. EUROPE klingen 2026 nach EUROPE – nur eben mit all den Erfahrungen, die mehr als vier Jahrzehnte Bandgeschichte so mit sich bringen.

Joey Tempest singt nach wie vor verdammt stark.

John Norum lässt seine Gitarre sprechen.

Und auch John Levén, Mic Michaeli und Ian Haugland liefern genau das Fundament, das diese Band braucht.

Das Schöne dabei: Alles wirkt erstaunlich entspannt.

EUROPE müssen niemandem mehr beweisen, dass sie Rockmusik können.

Sie machen es einfach.

Und dann kommt „The Cult Of Ignorance“.

Eine Nummer, die sofort hängen bleibt und gleichzeitig zeigt, dass „Come This Madness“ durchaus seine härteren Momente besitzt.

Fette Gitarren, prominente Keyboards und ein Refrain, der genau dort ansetzt, wo EUROPE traditionell stark sind.

Aber eben ohne sich selbst zu kopieren.

Überhaupt ist es diese Mischung, die das Album interessant macht.

Mal geht es ordentlich nach vorne, dann wird es atmosphärischer und anschließend darf John Norum wieder zeigen, warum sein Gitarrenspiel einen so wichtigen Teil des EUROPE-Sounds ausmacht.

Und dann kommt „This Time Of Year“.

Was für ein Song!

Eine dieser Nummern, bei denen man merkt, dass EUROPE auch nach über 40 Jahren noch wissen, wie man große Emotionen in einen Rocksong packt. Kein aufgesetztes Pathos, sondern eine Melodie, die sich langsam entwickelt und schließlich genau dort landet, wo sie hingehört.

Großes Kino.

Was bleibt?

Natürlich fehlt auf „Come This Madness“ vielleicht der eine Song, bei dem man nach dem ersten Durchlauf sofort denkt:

„DAS ist der neue EUROPE-Klassiker!“

Aber muss ein Album nach über 40 Jahren Bandgeschichte überhaupt noch so funktionieren?

Ich glaube nicht.

„Come This Madness“ lebt vielmehr von seiner Gesamtheit.

Von den Gitarren.

Von den Keyboards.

Von Joey Tempests Stimme.

Von den vielen kleinen musikalischen Ideen.

Und vor allem von einer Band, die nach neun Jahren Pause erstaunlich hungrig klingt.

EUROPE machen 2026 nicht den Fehler, sich selbst nachzuspielen.

Sie schauen nach vorne.

Und vielleicht ist genau das die größte Stärke dieses Albums!

Dieser Artikel wurde am: 29. September 2026 veröffentlicht.

Autor: Nessa Deleto

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