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Interviews

Veröffentlicht am: November 20th, 2020 | durch Florian Puschke

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„WZF?!“: Das Lumpenpack im Interview

Mit „WZF?!“ ist im Oktober die neue Videosingle der Band Das Lumpenpack erschienen – neben dem bereits bekannten Gitarren-Sound kommen jetzt aber auch Töne zum Vorschein, die man von den beiden Musikern noch nicht so wirklich kannte; elektrische Gitarren und ein Schlagzeug. Grund genug, dass wir uns mit den beiden netten Kerlen über den neuen Song, die aktuelle Situation und einige weitere Themen unterhalten.

Moin, wo erwischen wir euch gerade?
Das Lumpenpack: Ahoi, ihr erwischt uns tatsächlich gerade im Studio – Jonas ist in der Box und singt gerade hundertmal hintereinander den Satz „Update lädt“, Max hat durch dieses Interview die perfekte Ausrede sich aus der Regie zurückzuziehen.

Seit mittlerweile acht Jahren macht ihr jetzt zusammen Musik. Für alle, die euch echt noch nicht kennen sollten, stellt euch kurz vor.
Das Lumpenpack: Wir sind das Lumpenpack, machen deutschsprachige Gitarrenmusik mit lustigen Texten und wenn wir jemals einen Preis gewinnen sollten, dann in der Kategorie „nette Kollegen, gut am Glas“.

Wie seid ihr auf den Namen ‚Das Lumpenpack‘ gekommen?
Das Lumpenpack: „Lumpenpack“ ist ja ein Kampfbegriff, der vornehmlich von Rechten benutzt wird, um das gesamte links-grün versiffte, merkeltreue, ÖR-hörige Spektrum zu diffamieren – und diesen Begriff wollten wir ihnen wegnehmen. Wenn man das früher gegoogelt hat, kam man auf diverse rechte Blogs etc., jetzt kommt man um uns nicht mehr drum herum.

Ihr habt bisher vier Studioalben und ein Live-Album veröffentlicht – ein ziemlich guter Schnitt. Woher kommen all die Ideen zu den Texten?
Das Lumpenpack: Puh, schwere Frage, wenn wir da genau definieren könnten, würden wir ja noch mehr schreiben und produzieren. Man hat ja nie das Gefühl wirklich genug Ideen zu haben, sondern man denkt sich immer – herrje, wir sollten eigentlich mehr schaffen.

Wie entsteht ein Song bei euch?
Das Lumpenpack: Wir tragen beide über Monate hinweg Notizen und Ideen zusammen, in großen, unordentlichen, diffusen Dokumenten und Kladden, da landet alles, was uns auf- und einfällt in unserem Alltag. Das konkrete Schreiben passiert dann sehr hermetisch abgeriegelt. Da wühlen wir uns durch diese Notizensammlungen bis wir irgendwo hängen bleiben und da wächst dann irgendwie ein Song – Text und Musik gleichzeitig, nie getrennt.

Viele kennen euch auch aus dem Fernsehen, von Comedy-Shows. Ich sage da nur „Guacamole“. Was ist das für ein Gefühl für euch, wenn ihr aufgenommen werden und eure Auftritte im Fernsehen gezeigt werden? Habt ihr da jemals mit gerechnet?
Das Lumpenpack: Naja, unser 2010-Ich hat sicher nicht damit gerechnet, unserem 2014-Ich war das sicher eher bewusst, dass das einfach zu diesem Business gehört und auf uns zukommt. Insgesamt ist Fernsehen und die ganzen Prozesse darum herum ein wahnsinnig anstrengender und starrer Prozess, den wir beide echt ungern durchlaufen, der aber leider sein muss, denn Promo macht sich leider nicht nur mit E-Mail-Interviews allein.

Ihr habt beide ein abgeschlossenes Studium, lebt aber von der Musik, richtig? Glückliche Fügung oder wie darf man sich das vorstellen?
Das Lumpenpack: Ja, absolut – und vor allem nicht geplant. Es ist ein totales Geschenk, weil, klar, es ist ein Job, aber eben einer der uns total Spaß macht und liegt. So abgedroschen es klingt, aber wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht und das ohne das wirklich verbissen anzustreben, ich glaube, das schaffen wenige.

Gerade mit dem letzten Album „Eine herbe Enttäuschung“ habt ihr es geschafft, eine große Hörerschaft anzusprechen. Songs wie „Hauch mich mal an“ oder „Pädagogen“ sind ja sehr schnell sehr bekannt geworden. Werdet ihr regelmäßig auf der Strasse angesprochen?
Das Lumpenpack: Wenn wir alleine unterwegs sind, kriegen wir häufig diesen „Ah, den kenn ich, aber woher denn?“-Blick ab, das ist ganz lustig das mitzuerleben, wie Leute versuchen uns dann zuzuordnen, was schwierig ist, weil wir so gut wie nie allein irgendwo auftauchen. Zu zweit werden wir schon relativ häufig erkannt und angesprochen, aber dann sind das zum Glück in 95% der Fälle total nette Leute, die zurückhaltend sind, und uns ernsthaft komplimentieren wollen. Das schmeichelt einem dann tatsächlich mehr als es nervt.

Wie sieht ein ganz normaler Tag bei euch aus? Gibt es den überhaupt?
Das Lumpenpack: Ach, was ist in diesem Jahr schon normal und an alles vorher erinnert man sich doch kaum mehr. Dieses Jahr haben wir schon mehr Zeit unserer bürgerlich-spießigen Existenz nachzugehen. Wir haben beide Frauen, die „normalen“ 9 to 5 Jobs nachgehen, das heißt, wir stehen früh auf, schmieren die Lunchpakete, verteilen Abschiedsküsse, schmeißen einen Großteil des Haushalts und zwischen drin telefonieren wir oder stecken in Zoom-Calls mit Promotern, Management, Produzenten oder unserem Booker. Weit weniger exzentrisch oder spannend, als man es sich vorstellt vermutlich.

Mit „WZF?!“ habt ihr im Oktober eure neue Single veröffentlicht – ungewohnte ‚harte‘, aber sehr gute Klänge von euch. Heißt es jetzt, von den Singer-Songwritern zum Punkrock?
Das Lumpenpack: Für uns waren wir schon immer Punkrock, es fehlten uns nur die passenden Werkzeuge. Ne, ernsthaft: wir haben Lust auf laute Gitarrenmusik. Wenn man sich unsere Liveauftritte zu zweit anschaut, kann man da schon die Anlage entdecken, dass, wenn man die Songs ausstaffieren würde, da am Ende Rocksongs stünden. Und jetzt sind wir eben an einem Punkt angekommen, dass wir gefühlt unsere Geschichte zu zweit fertig erzählt haben, wir haben jetzt das Selbstvertrauen uns eine Band an die Seite zu stellen und trotzdem noch unique genug als Act zu sein, das war, glaube ich, vor 3-4 Jahren noch anders, das wären wir eine 0815-Band geworden, wenn wir das damals probiert hätten.

Ihr habt auch ein Live-Stream-Konzert gespielt und zwar mit gutem Hintergrund. Denn durch eine Crowdfunding-Kampagne kam viel Geld für Kulturschaffende zusammen. Wie kam euch die Idee und was bedeutet euch das?
Das Lumpenpack: Das ist so absurd, weil das wirkt, als wäre es zehn Jahre her, dabei war es im März. Wir hatten im März und April 32 Konzerte angesetzt, die für uns und den Apparat um uns herum eigentlich einen Großteil des Jahreseinkommens 2020 abgeworfen hätten. Nach drei Konzerten, Saarbrücken, Zürich & Luzern, wurde der Rest der Tour coronabedingt abgesagt. Und so ging es ja allen Künstlern und Crews in der Zeit. Für Künstler ist das oft das kleinere Problem, man kann da gut Rücklagen bilden, wenn es einigermaßen läuft, und solche Phasen dann zum Schreiben und Produzieren nutzen, aber für die indirekt Beteiligten ist es eine Katastrophe, denn unser Lichttechniker kann keinen Live-Stream machen und um Spenden bitten. Deshalb haben wir da schnell geschaltet, da ja auch alle Hallen in der Zeit leer standen, haben wir am letzten Tag, da Versammlungen von 50 Leuten noch erlaubt waren, mit unserer Crew ein großes Online-Konzert gespielt. Das Crowdfunding ging durch die Decke, insgesamt über 130.000,- €, und alles was über die Produktionskosten hinausging wurde an Veranstalter, Organisationen und Locations verteilt, die von der Krise gebeutelt wurden, so floss das Geld quasi direkt in den Kulturbetrieb. Zwar auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es war zu dem Zeitpunkt, glauben wir, einfach ein gutes Symbol.

„Das Coronalied“ von euch – musste sein, war klar oder eine spontane Idee?
Das Lumpenpack: War ziemlich spontan eben für das Quarantänekonzert, wo wir es dann vom Zettel weg – sehr schlecht – performt haben, aber das gehört für uns auch irgendwie dazu – mit Sachen rausgehen, die vielleicht noch nicht ganz fertig sind, einfach weil wir nicht länger warten können.

Wie geht ihr mit der aktuellen Situation um und hat euch Corona auch Striche durch so einige Rechnungen gemacht?
Das Lumpenpack: Ach, das ist irgendwie ermüdend darüber nachzudenken. Natürlich hat es uns diverse Striche durch alle Rechnungen des Jahres 2020 gemacht. Unsere 2er-Touren nochmal abschließen und mit den Leuten das Ende zelebrieren & dann die erste Tour mit Band, mit NIghtliner & allem PiPaPo, das passiert jetzt alles frühestens kommendes Jahr und zerfasert total. Das ist wahnsinnig unglücklich und gemein, es ärgert uns unfassbar, aber wir sind auch reflektiert genug zu wissen, dass es für andere viel katastrophaler läuft. Wir haben viel geschrieben und produzieren jetzt neue Songs, das ist zwar nicht 10% so geil wie auftreten, aber es hindert einen daran verrückt zu werden.

Was hört ihr für Musik privat? Gibt/gab es Vorbilder? Welche Poster hingen in euren Zimmern?
Das Lumpenpack: Unser Musikgeschmack ist erschütternd divers, man könnte meinen, wir sind 22, studieren und hören so „dies und das“. Hauptfokus ist natürlich Gitarrenmusik – in einem Dreieck zwischen die Ärzte, the Strokes und den Beatsteaks. Jonas driftet dann oft mal in Richtung tanzbarer Electro Ala Justice, Daft Punk, Parcels, ich liebe Hamburger Schule Gitarrenindie. Tocotronic, Niels Frevert, Thees Uhlmann, da kann ich mich total wiederfinden. Unser größter gemeinsamer Nenner sind definitiv die Ärzte.

Was bedeuten euch die folgenden Wörter?
Familie
Das Lumpenpack: Hat man 2020 eindrücklich gemerkt, wie wichtig Familie ist, grade in anstrengenden Zeiten die wichtigste Ressource.

Freunde
Das Lumpenpack: Sind großartig, selbst wenn nur über Zoom.

Proberaum
Das Lumpenpack: Haben wir aktuell keinen festen, dafür sind wir und die Band zu sehr verstreut und unstet.

Stuttgart
Das Lumpenpack: Ist eine Liebe auf den zweiten Blick, wenn es noch schwimmbare Gewässer gebe, wäre es der beste Ort.

Mensa
Das Lumpenpack: Wir waren, glaube ich, beide eher der Typ Pesto-Nudeln zuhause, als in die Mensa gehen. Zumindest in Bamberg war die wirklich eine Katastrophe, aber es gab einmal im Semester dort eine Partie und die war immer gut.

Punkrock
Das Lumpenpack: Steht sich zu häufig selbst im Weg – ohne Quatsch, das ist häufig so verbissen. Ein bisschen mehr Selbstironie täte Punkmusik gut, guckt mal nach Wacken, die sind so viel lockerer und besser gelaunt.

Superlifepromo
Das Lumpenpack: Gute Jungs.

Was sind eure Pläne für 2021?
Das Lumpenpack: Wir hatten, glaube ich, noch nie ein Jahr vor der Brust, wo es so wenig in unserer Hand lag, was wir damit anstellen. Hoffentlich möglichst viele Konzerte spielen.

Vielen Dank für das Interview, die letzten Worte gehören natürlich euch!
Das Lumpenpack: Politisiert euch.

Interview von Florian P. im November 2020

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