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Interviews

Veröffentlicht am: Januar 19th, 2020 | durch Florian Puschke

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„Unplugged II“: Daniel Wirtz im ausführlichen Interview

„Mit dem zweiten Auge hört man besser“! So oder so ähnlich hieß es doch mal in einem Werbespruch. Nun, zu Beginn des Jahres 2020 sorgt Daniel Wirtz bereits zum zweiten Mal dafür, dass wir in ruhiger Atmosphäre emotionale Songs aus seinen letzten Alben in neuen Arrangements hören dürfen. „Unplugged II“ heißt das neue Release aus dem Hause Wirtz und bietet uns intensive Wirtz-Klassiker die im neuen Gewand anders aber auch stärker strahlen. Zum Release des Albums durften wir Daniel einige Fragen stellen. Freut euch auf die Antworten zum Album, zur Tour aber auch vielen anderen Themen.

Lieber Daniel, denke dass du dir die Zeit für das Tough Magazine nimmst. So kurz vor Release von „Unplugged II“. Wie geht es dir?
Daniel: Ich bin in freudiger Erwartung, was denn da kommt. Weihnachten ist gerade vorbei und da ist man natürlich auch emotional abgelenkt, wenn man zum Beispiel die leuchtenden Augen des Kindes vorm Weihnachtsbaum sieht. Aber jetzt ist das Neujahrs-Chaos vorbei und jetzt wird es zum Glück auch bald ernst. Die VÖ des Albums steht vor der Tür. Die letzten Live-Umsetzungen müssen geplant und geprobt werden. Das muss alles zusammengeführt werden. Ton trifft Video trifft die Crew. Und dann beim Startschuss direkt auf 110%. Der Druck, oder besser gesagt die innere Anspannung, steigt. Aber das Ganze natürlich gepaart mit Euphorie, da man schon im Vorfeld an den Ticket-Verkäufen sieht, dass die Sache bei den Leuten ankommt. Die Leute freuen sich auf die Platte und das gibt einem auch ein gutes Gefühl.

Die Songs sind allesamt fertig. Das Album aus dem Presswerk zurück. Wie empfindest du zufrieden bist du mit dem Ergebnis?
Daniel: Ja ich finde das die Zielsetzung, die ich mir gemacht habe, erreicht ist. Ich wollte, dass die Platte, wenn man diese denn mit der ersten Unplugged-Scheibe vergleichen möchte, auf jeden Fall dieses Level halten muss. Und ich denke, das ist uns gelungen. Auch Querbeet kann man zwischen den Alben springen, um vielleicht einen Spannungsbogen zu erzeugen. Es passt einfach zusammen. Natürlich gibt es immer wieder Diskussionen, ob man denn den ein oder anderen Song noch draufmachen oder vielleicht auch eine Nummer ersetzen soll. Aber ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Gut bei der Produktion war, dass wir das Ganze schon mal gemacht haben. So waren gewisse Laufwege klar, Absprachen konnten schnell umgesetzt werden und auf die guten Erfahrungen konnte zurückgegriffen werden. Was bei der ersten CD schlecht lief wurde jetzt anders angegangen. Ich muss schon sagen, dass auf jeder Anlage, auf der ich die Platte jetzt laut oder leise gehört habe, ich doch ein gutes Gefühl mit dieser Produktion habe. Genau so hatte ich es mir vorgestellt. Ich freue mich, die Sache live umzusetzen.

Ich kann das bestätigen. Mir gefällt die Platte auch sehr gut. Und sicher funktioniert die sowohl mit Wein als auch mit Bier?!
Daniel: (lacht) Definitiv. Funktioniert aber auch ohne Alkohol (lacht).

Wieso hast du den ein oder anderen Klassiker, der auf den ersten Studio-Alben war, nicht auch noch in die Auswahl genommen?
Daniel: Nun, das ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Grundsätzlich wollte ich nicht auf Songs zurückgreifen, die schon fürs erste Unplugged-Album nicht in Frage kamen. Aber tatsächlich gibt es den ein oder anderen Titel, über den man auch streiten kann. Definitiv haben wir deutlich mehr Songs in Angriff genommen als diese, die nun auf der Platte sind. Das ist praktisch eine Best Of dieser ausgewählten Stücke. (lacht). Grundsätzlich entscheiden wir uns aber zusammen für die Stücke, von denen wir glauben, dass sie funktionieren. Es gibt ja Songs, da bekommt man automatisch eine Gänsehaut und da braucht man auch nicht viel rum zu diskutieren. Es gab beim neuen Album die Diskussion bei „Auf die Plätze fertig los“. Ich persönlich hätte den zuerst gar nicht unbedingt drauf machen wollen, aber Matthias hat da einen sehr guten Vergleich gebracht. Er hat die Platte mit einem Sternemenü verglichen. Und wenn man so ein Sternemenü serviert, dann bringt man auch ganz gerne mal so was wie einen „Gruß aus der Küche“, der aber auch funktioniert. Für mich ist dies unser „Auf die Plätze fertig los“. Gut für die Hörer, sich an die Umsetzung, das Soundbild und die Stimmung zu gewöhnen. So bin ich jetzt auch sehr froh, dass der Song drauf ist. Aber an diesem Beispiel siehst du auch, wie messerscharf manchmal ausgewählt wird. Ich wollte bei diesem Album auch nicht ein Stück, von dem ich das Gefühl habe, dass es das ganze Werk in Frage stellt. Nehmen wir mal einen Song wie „Freitag Abend“. Halt ein etwas flachsiger Text mit einer Punkrockattitüde. Und den dann auf Ernst bringen? Das passt einfach nicht ins Konzept. Natürlich ist der Song weiter gut aber für das Unplugged-Album weniger geeignet. Es würde hier tatsächlich der Text gegen die Musik spielen und somit auch das Album in Frage stellen. Ich denke, die Platte ist von der Songauswahl und von der Zusammenstellung ein gutes Gourmet-Menü, was satt macht (lacht).

Wenn man sich die Instrumente ansieht, hast du wieder einiges am Start. Wer schreibt die Arrangements für die einzelnen Instrumente? Oder macht ihr das im Studio gemeinsam?
Daniel: Da bin ich echt froh, dass ich den Matthias an meiner Seite habe. Er hat ja Musik studiert und kann natürlich auch Noten lesen (lacht). Oft ist es so, dass ich ihm erkläre, wie ich mir das vorstelle und er das dann genau so umsetzt. Da wir ja schon sehr lange zusammenarbeiten, ergänzen wir uns da super. Er ist auch derjenige, der die ganzen Noten nachher an die einzelnen Musiker und Musikerinnen schickt. Natürlich sitzen da nicht alle zusammen. Die Streicher zum Beispiel kommen aus Hamburg. Und da ist es wichtig, dass die Noten hundertprozentig zusammenpassen. Die einzelnen Fraktionen schicken uns dann ihre Partitionen zurück und der Matthias muss dass dann übereinander legen. Da darf wirklich keine Note zu viel sein. Ich glaube, der arme Matthias altert bei einer Unplugged-Geschichte doch deutlich schneller, als bei zwei Studio-Produktionen (lacht). Jetzt ist alles fertig und fest auf Notenblätter gedruckt. Dank an den besten Mann auf dem Spielfeld, der Herr Hoffmann.

Songs wie „Wir“ wirken unglaublich intensiv. Was denkst du? Ist die Aussage in deinen Songs mit diesen starken und intensiven Arrangements noch deutlicher?
Daniel: Das kann ich bestätigen. Das habe ich schon bei der ersten Platte und der Tour gemerkt, dass die Songs doch sehr stark auf die Texte reduziert werden. Bei einem normalen Konzert ist es halt sehr laut und da bleibt manchmal der ein oder andere wichtige Textbaustein auf der Strecke. Ich denke, dass es bei meinen Songs aber sehr wichtig ist, auch auf die Texte zu achten. Bei diesen Unplugged-Alben ist halt fast alles dem Text untergeordnet. Der steht nun mehr im Mittelpunkt als bei einer lauten Rockshow. Manchmal verstehen die Leute erst bei der Unplugged-Geschichte, wie denn der Song gemeint war oder es entstehen hier und da komplett neue Facetten, bei denen man denkt: „Mensch das hat ja nun eine ganz andere Bedeutung als ich früher dachte“. Als Beispiel kann man „Bilder von damals“ nehmen. Einerseits eine Rock-Hymne auf die Kindheit und wo man herkommt. Als ich das jetzt neu bearbeitet habe, hatte ich aber Bilder von Menschen in Syrien im Kopf. Ein Kind, dass dort über die Straßen läuft oder Länder, in denen alles niedergebombt ist. So wird dann aus einer Nummer, die die Kindheit abfeiert, plötzlich ein Stück, das uns klarmachen kann, was für eine Scheiße wir denn gerade bauen. Und dass es Menschen gibt, deren Kindheitserinnerungen halt nicht so toll sind. Natürlich macht das Stück jetzt die Ursprungsversion nicht kaputt. Es ist einfach mal eine andere, sicher interessante und lohnenswerte Sichtweise.

Würdest du dieses Stück nun als komplett neuer Song bezeichnen oder einfach nur als eine neue Interpretation?
Daniel: Gefühlt sind das für mich tatsächlich alles neue Stücke. Auch von der Arbeitsintensivität her hätte ich in der Zeit auch neue Songs schreiben können.

Mit dem Album geht ihr wieder auf Unplugged-Tour. Was wird das Publikum auf der Tour erwarten?
Daniel: Die Frage kann ich natürlich noch nicht ganz beantworten. Ich kann aber aus der Vergangenheit reden. Da war bei der ersten Unplugged-Tour halt schon eine wahnsinnige Energie fühlbar. Ein Publikum, das normalerweise sehr aktiv ist, laut die Lieder mitsingt, wurde bei diesen Konzerten beinahe in unsichtbare Ketten gelegt. Das war echt unglaublich. Natürlich kann sowas auch schief gehen, wenn da immer einer dazwischen grölt. Aber das passierte nicht. Die Leute sind da unglaublich mitgegangen. Auch hatte ich es mal, das, ich ins Publikum bin, weil ich Angst hatte, es bricht mir jemand aus Emotionen zusammen. Das geht aber bei Unplugged-Konzerten. Da gehe ich auch mal in die fünfte Reihe zu den Leuten. Man kann auch mal jemanden in den Arm nehmen. Für mich sind diese Konzerte definitiv etwas Besonderes. Ich denke, dass wir auch bei der zweiten Tour jetzt diese intime, sentimentale Stimmung wieder einfangen können.

Ihr habt recht große Hallen. Denkst du, dass es hier jetzt schwerer wird, die ruhigen Nummern auch ans große Publikum zu bringen?
Daniel: Na auf der letzten Tour hatten wir auch in München eine größere Halle. Ich bin da optimistisch, dass es funktioniert. Schau dir mal den Udo Lindenberg an. Der hat es auf einer Tour geschafft, in einem ganzen Stadion bei einer kleinen Nummer so eine Stimmung zu erzeugen, wie ich in einem kleinen Club vor 500 Leuten. Ich denke, dass die Unplugged-Geschichte sowohl in kleinen Clubs als auch in den gebuchten Hallen funktioniert.

Wie bereitest du dich auf die Tour vor?
Daniel: Im Moment plane ich noch was für die Shows. Ich habe da so eine unfassbar schöne Idee, die ich gerne umsetzen würde und da arbeite ich dran. Eine kleine Idee, zur Visualisierung die aber schon ein ganz gutes Ausmaß angenommen hat (lacht). Da ist noch ein bisschen was zu machen. Da sind wir schon stramm zu Gange. Ein Laseranlage des Todes muss es ja nicht unbedingt sein (lacht). Ab nächster Woche sollte ich dann mit dieser Geschichte soweit durch sein, denn da fahre ich noch zu der ein oder anderen Radiostation.
Aber auch die Songs werde ich natürlich im Vorfeld üben. Nicht unbedingt die Texte, denn ich habe die Sachen jetzt ja wirklich oft gesungen, sondern die Lautstärke und auch die Stimme trainieren, dass es dann bald zu 110 % losgehen kann.
Im Februar proben wir dann so, dass es im März richtig zur Sache gehen kann. Das soll schon am ersten Tag ein Volltreffer werden.

Wirtz Fans sind treue Fans. Was empfindest du, wenn du vor ausverkaufter Halle einem Menschenmeer entgegenblickst, die deine Songs im Chor singen?
Daniel: Einfach nur Dankbarkeit. Das so tun zu dürfen. Und auch etwas Stolz, so viele Leute, um sich zu scharen. Auch die Rückmeldung der Veranstalter bewegt mich. Ich bin stolz auf die Menschen, mit denen ich das ganze zusammen machen darf. Grundsätzlich sind das ja alles Freunde oder Freunde von Freunden. Denn bis auf das „Sing meinen Song“ – Ding bin ich ja nicht so viel medial in Erscheinung getreten. So dass sich das natürlich alles irgendwie wie eine große Familie anfühlt. Das gibt mir auch enorme Sicherheit und ich habe da nie Muffensaußen, raus zu gehen. Ich freue mich eher auf die Abende. Abende mit Freunden sozusagen.

TOUGH-TIPP: CD-Review „Wirtz – Unplugged II“

Du als Person scheinst vielen Menschen sehr wichtig zu sein. Vom Tough Magazine haben wir das gemerkt als wir vor 1,5 Jahren den Aufruf gestartet hatten, dir eine persönliche Geschichte zukommen zu lassen. Wir hatten diese in ein Buch gebunden und überreicht. Was empfindest du dabei, wenn du liest, was deine Songs den Leuten bedeuten?
Daniel: Natürlich hat mir das sehr viel bedeutet. Die Geschichten, die Menschen zu deinen Songs erlebt haben oder was sie bei meinen Songs empfinden, lesen zu dürfen, sind natürlich ein Geschenk. Viele Geschichten habe ich im Vorfeld schon gekannt. Das war aber toll, dass das dann festgehalten wurde. Einfach super. Auch dass Markus Kavka sich da geäußert hat, fand ich grandios. Ist gar nicht so selbstverständlich, denn der bekommt sicher viele Anfragen. Und das Buch bestätigt ja auch was ich eben über die große Wirtz-Familie gesagt habe. Das Buch war eine sehr schöne, toll gemachte Zusammenstellung. Einfach wunderbar zu sehen, dass die Musik, die man macht, auch anderen wichtig ist.

Bitte vervollständige die folgenden Sätze!
2020 wird …
Daniel: … spannend!

„Wirtz Unplugged“ könnte eine Trilogie werden, wenn …
Daniel: Ja klar, wenn ich keine große Scheiße baue und nochmal zwei bis drei gute Rockalben mache, auf denen dann auch Kandidaten sind, die es wert sind, irgendwann neu interpretiert zu werden.

Die Wirtz Tour 2020 wird …
Daniel: … der Wahnsinn (lacht). Auf jeden Fall wird sie außergewöhnlich.

Ein neues Studioalbum …
Daniel: … ist in Planung!

Was bedeuten dir die folgenden Begriffe?
Frankfurt
Daniel: Mein Zuhause und eine sehr pulsierende Stadt, die irgendwie sowas ist wie der Mulitkosmos. Hier gibt es auf engstem Raum einfach alles. Auch verschieden Kulturen, die miteinander leben. Frankfurt ist für mich definitiv auch ein Teil meiner Inspiration.

CD-Boxen
Daniel: Natürlich sind solche Boxen für Fans eine schöne Sache. Für mich persönlich sind die aber nicht sonderlich wichtig, da ich nicht unbedingt ein Künstler bin, der es auf die Charts abzielt. So eine Box kann man mal machen, ist für mich aber absolut kein Muss. Irgendwie habe ich bei Boxen immer das Gefühl, dass zum Teil das Produkt, das drin ist, ein wenig entwertet wird. Ich für mich muss sagen, dass ich Musk mache und ich finde mein Produkt nicht so schlecht. Natürlich ist es schön in den Charts zu sein. Ich muss aber sagen, dass es mir eigentlich egal ist.

Tough Magazine
Daniel: Du ich freue mich immer, wenn wir Kontakt haben. Ich bin auch dankbar, dass ihr eure Lebenszeit in die Musik investiert und ich wieder ein Interview bei euch machen darf.

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir.
Daniel: Ich danke euch für die Zeit, die ihr euch für mich genommen habt und freue mich auf das nächste Mal.

Auch wir freuen uns auf das nächste Treffen mit Daniel und empfehlen allen, sowohl ins Album reinzuhören, als auch auf der Tour vorbei zu schauen. Eine mehr als gelungene Fortsetzung des „Unplugged“-Albums und wenn man sich mit Daniel unterhält, kann man auch schon ahnen, dass auch die Tour großartig werden wird. Ich freue mich drauf!

Interview von Thorsten im Januar 2020

Foto: www.facebook.com/Eva-Zocher-Photography

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Über den Redakteur



Ein Kommentar zu „Unplugged II“: Daniel Wirtz im ausführlichen Interview

  1. Cate says:

    Ein wirklich schönes Interview! Aber könnt ihr bitte nochmal die Schreibfehler ändern. Diverse Stellen stören beim Lesen und vermitteln etwas Oberflächlichkeit bzw. keine Gründlichkeit. Wäre schade drum!
    Danke und liebe Grüße,
    Cate

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