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Interviews

Veröffentlicht am: Mai 1st, 2020 | durch Florian Puschke

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„Ultra Tolerant“: Dan Ganove im Interview

Dan Ganove hat das Rezept gefunden. Er spielt „Hausgemachter Punk von Herzen“ und hat nach seiner ersten EP „Es geht noch lauter“ nun mit „Ultra Tolerant“ die erst Single seines Albums veröffentlicht. Zu dieser und vielen anderen Themen durften wir dem guten Dan einige Fragen stellen.

Hey lieber Dan. Schön, dass du dir Zeit fürs Tough Magazine nimmst. Wobei erwischen wir dich gerade?
Dan Ganove: Ich stecke gerade in Vorbereitungen für ein Livequiz, das ich heute Abend auf Instagram starte. Soeben habe ich den Soundcheck beendet und brauche mal eine Pause.

Für Leute, die dich noch nicht kennen. Beschreib kurz wer oder was dieser Dan Ganove denn ist?
Dan Ganove: Das möchte ich selbst gern wissen :D Ich bin ein alter Punkrocker, der über 20 Jahre lang in Punkbands aktiv war und jetzt alleine etwas startet. Ich habe zwar auch immer wieder Songs mit E-Gitarren, Schlagzeug usw.. Momentan entdecke ich aber die Akustikgitarre für mich. Da hab ich echt Bock drauf.

Ganove klingt ein wenig nach Pirat. Gegen wen oder was würdest du denn die Totenkopffahne aufziehen wollen?
Dan Ganove: Gegen Nazis! Für Anarchie! Ganz klar! Der Name Ganove kommt übrigens von “Die Doofen und Ganoven“, einem Song meiner alten Band „The Juicy Dolls“. Piraten sind aber auch cool und ein großer Fan von Totenköpfen bin ich eh. Ich lieb die Dinger in allen Formen und Farben :D

„Es geht noch Lauter“ hieß deiner erste EP. Die Songs darauf recht kurz. Toller Punkrock, der direkt gut ins Ohr geht aber auch was von Liedermacher. Woher kam die Inspiration für den Song „Es geht noch lauter“?
Dan Ganove: Danke :) Die Idee kam während einer Recording Session. Ich nehme vieles in meinem Schlafzimmer auf und da wird es dann auch schon mal lauter. Ist klar, dass man da auf Konfliktsituationen stoßen kann.

„Wenn die Welt untergeht“ ist ein Song, den man zu Corona Zeiten fast ebenso als Single auskoppeln könnte. Was war der Hintergrund für dieses Stück?
Dan Ganove: Ich hoffe und glaube nicht, dass die Welt wegen Corona untergehen wird. Das wäre auch viel zu langweilig. Womit ich Corona jetzt echt nicht verharmlosen möchte.
Als ich den Song schrieb, dachte ich daran, wie es wohl wäre, wenn die Welt untergehen würde und alles, was ich scheiße finde ebenfalls mit ihr endet. Der Song trägt schon etwas Schadenfreude in sich.

„Pommes“ ein gute Laune Song mit etwas Ärzte Flair. Bist du ein Pommes Fan oder wie kam dieses Stück zustande?
Dan Ganove: Pommes finde ich sehr lecker, die stehen aber bei mir nicht an oberster Stelle :D Ich habe einige Jahre als Integrationshelfer an einer Förderschule gearbeitet und dort unter anderem einen blinden Autisten in der ersten Klasse begleitet. Der Junge liebt Musik und Pommes waren in dieser Zeit sein absolutes Highlight. Ich hab dann einfach mal beides miteinander verbunden und der Junge hatte echt Spaß daran.

Gerade nimmst du dein Album auf. Mit „Ultra Tolerant“ ist deine erste Single aus diesem Album inklusive B-Seiten erschienen. „Ultra Tolerant“: Ein Lied, das den Punkrock ehrt. Wie „Ultra Tolerant“ bist du denn tatsächlich bei Musik?
Dan Ganove: Da bin ich sehr tolerant! Ich finde es super, dass es so viele verschiedene Musikrichtungen gibt. Mittlerweile sitze ich nicht NUR auf Punkzeugs fest, auch wenn ich das zu 99% höre. Wenn ich einen Song höre und er mir gefällt, ist es mir total egal, ob da Punk oder sonst was als Genre steht. Elektronisches Zeug ist allerdings nicht so mein Fall, damit würde ich es auch keinen ganzen Abend auf einer Party aushalten.

Du singst hier von Bands wie Sondaschule, Rio Reiser und WIZO. Wen beschreibst du selbst als deine Vorbilder?
Dan Ganove: Es gibt so viele Bands und Solokünstler, die ich verdammt geil finde. Und von allen kann man etwas lernen. Ich schaue mir auch unheimlich gerne kleinere Künstler an und ich finde es immer wieder faszinierend, wenn man merkt, wie viel Liebe und Arbeit in einigen Projekten steckt.

Und welche 10 Songs würdest du denn Punk-Einsteiger-DJs gerne on die Playlist schieben?
Dan Ganove: Die Reihenfolge wäre dabei egal..
1. Sex Pistols – Anarchy in the UK
2. Ramones – Sheena is a Punkrocker
3. The Clash – English civil war
4. Male – Sirenen
5. WIZO- Kein Gerede
6. Green Day – Basket Case
7. Sondaschule – Dumm aber glücklich
8. Rasta Knast – Am Ende der Welt
9. Blink 182 – All the small things
10. Ton, Steine, Scherben- Rauchhaus-Song
Ich kann mich da nie so recht festlegen und würde die Playlist jetzt schon wieder ändern wollen. :D Das sind nicht meine absoluten Lieblingslieder, würde aber zumindest ein paar Schubladen aus dem Genre decken.

Und welche unbekannteren Bands sind für dich Inspiration aber auch Empfehlungen?
Dan Ganove: Wie gerade schon erwähnt, finde ich kleinere Künstler total klasse und die geben viel Inspiration. Es ist echt schade, dass die meisten Künstler gar nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen, wie sie verdienen. Wenn man nur größere Acts verfolgt, weiß man gar nicht, was man so alles verpasst. Ich kann also nur empfehlen, generell mal Künstler im eigenen Ort beispielsweise bei einem Konzert zu besuchen.

„Musik an“ rockt ebenso. Wie kam es dazu, diesen guten Song als B-Seite zu verbraten? Für wen würdest du denn gerne Punkmusik auf einem Empfang spielen?
Dan Ganove: Yeah, thx! „Musik an“ lag schon ein Weilchen in der Ecke. Beim Aufräumen dachte ich mir, dass der Song eigentlich ganz gut zu „Ultra Tolerant“ passen könnte. Generell höre ich mir gerne B-Stücke von anderen Singles an und finde es mittlerweile auch gar nicht mehr schlimm, wenn es ein richtig geiler Song nicht aufs Album schafft. Irgendwie machte das den Track damals noch interessanter. Heute musst du dir ja nicht einmal mehr erst die Single kaufen um auch eventuell einen geilen B-Song zu entdecken, da du ja alles mögliche vorab streamen kannst. Ob „Musik an“ jetzt geil ist oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Mir macht der Song Spaß, ich würde ihn mir aber nicht tättowieren lassen :D Wo ich gerne auf einem Empfang spielen würde… Puh! Da wüsste ich jetzt niemanden.. Aber falls es mal so kommen sollte, wird es garantiert witzig.

„Babypunks“ wird vielen sicher ein Grinsen hervorlocken. Beschreib bitte die Geschichte hinter diesem Stück.
Dan Ganove: Ich habe ganz oft irgendeinen Quatsch im Kopf und „Babypunks“ ist so eine Nummer, die das ganz gut zeigt :D Während einer Recording Session kam mir wieder so eine blöde Blitzidee von wegen, komm, ich hol mal ne Pulle Helium und mach da nen Song mit. Saugefährlich und so cool, wie ich es mir vorstellte, wurde es dann doch nicht. Aber meinen Spaß hatte ich allemal.

Wir haben schon das Album angesprochen. Hast du einen Zeitplan. Wann werden wir uns über weitere Dan Ganove Songs freuen dürfen?
Dan Ganove: Ich arbeite fleißig dran. Die Vorproduktion zum Album habe ich im Kasten. Ich habe mir aber aktuell vorgenommen, mir doch ein wenig mehr Zeit für die ganze Produktion zu lassen. Ich habe es zwar für den Spätsommer angekündigt, werde es aber doch erst reichlich später releasen. Das Teil soll halt cool werden, so halbherzige Sachen habe ich genügend hinter mir. :D
Das soll aber nicht heißen, dass ich 2020 keine weiteren Songs raushaue. Da steht noch etwas in den Startlöchern. Ich komme von meiner Gitarre nicht weg und schreibe momentan auch ganz viel.

Kannst du schon einen kleinen Einblick geben. Wegen was werden wir das Album denn abfeiern können?
Dan Ganove: Man wird es abfeiern können, weil es dann fertig ist. :-D Spaß beiseite… Mir machen die Songs allesamt Spaß zu spielen, das ist mir das Wichtigste. Ich hoffe, dass sich der Spaß dann auch auf die Hörer überträgt. Das wäre natürlich großartig, kann man aber auch nicht planen. Ich mag Songs mit sozialkritischen oder politischen Themen bzw Statements. Das Album wird natürlich nicht nur aus solchen Tracks bestehen und zu ernst wird es garantiert auch nicht.

Hast du schon einen Namen für das Baby?
Dan Ganove: Joar, ich habe eine Idee, die ich noch nicht verrate ;)

Welchen Song des Albums feierst du gerade selbst ab und warum?
Dan Ganove: „Die Insel“ feier ich gerade ab, weil er uns fröhlich den Vogel zeigt. Der Song braucht kaum Text um auf ein bekanntes Problem aufmerksam zu machen.

In der derzeitigen Lage wissen manche Bands nicht, wie sie planen sollen, da Auftritte abgesagt werden. Was sind deine Ziele für die nächsten Wochen und Monate?
Dan Ganove: Konzerte kann ich aktuell auch nicht planen, da muss ich auf die Zeit nach Corona warten. Ich spiele ab und zu Onlinekonzerte, die natürlich ganz anders als echte Konzerte sind, trotzdem eine Menge Spaß und Abwechslung in diesen Zeiten bringen und ansonsten konzentriere ich mich natürlich weiter auf die Aufnahmen fürs Album.
Bei Instagram bin ich täglich mit einem Bandquiz, gelegentlich auch mit einem Songquiz und Coversongs am Start. Das Songquiz habe ich auch schon ein paar mal als Livestream mit Kandidaten gemacht. Das ist echt ganz witzig. Demnächst probiere ich da ein ganz neues Format, ebenfalls als Livestream mit Kandidaten. Es wird natürlich auch wieder einen musikalischen Hintergrund haben, der aber spielerisch ergänzt wird. Ich glaube, das wird ganz cool :-D

Bitte vervollständige die folgenden Schlagzeilen.
„Dan Ganove macht ein Versprechen wahr und…
Dan Ganove: …spielt nackt im Hühnerstall “

„Im Ruhrpott kann man..
Dan Ganove: …gute Konzerte besuchen“

„Im Herzen…
Dan Ganove: …bin ich Punk“

„Ultra Tolerant wird…
Dan Ganove: …jeder, der sich an die eigene Nase fasst“

„Die Punkrocksensation…
Dan Ganove: …Joe Strummer ist doch nicht tot!“

Was bedeuten dir die folgenden Begriffe?
DIY
Dan Ganove: Finde ich immer super!

Toleranz
Dan Ganove: Wenn jeder tolerant genug wäre, hätten wir andere Probleme.

Immun
Dan Ganove: Das kommt für mich auf den Zusammenhang an.

Idole
Dan Ganove: Kann man haben, muss man aber nicht. Ich lerne gerne von anderen Menschen, möchte dann aber doch ich selbst bleiben.

Corona Krise
Dan Ganove: Ich versuche mich da kurz zu halten, wenn man es da überhaupt darf. Die Corona Krise ist selbstverständlich total scheiße. Wenn etwas Leben bedroht, ist es nie gut. Ich kann es auch verstehen, dass viele wegen der Wirtschaft jammern, vor allem Menschen, denen es weltweit an die Existenz geht. Ich frage mich, als Anarchist, auch in der Corona Krise, ob das System so richtig ist.

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir!
Dan Ganove: Danke für die coolen Fragen, hat echt Spaß gemacht sie zu beantworten. Vielleicht sieht man sich nach der Krise mal auf einem Kaltgetränk bei einem Konzert. Ich würde mich freuen. Bleibt gesund :)

Interview von Thorsten im April 2020

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