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Interviews

Veröffentlicht am: März 10th, 2021 | durch Florian Puschke

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„Schlafzimmerblick“: Dan Ganove im Interview

So sieht es jedenfalls aus, wenn man das Cover seiner neuen CD betrachtet. „Schlafzimmerblick“ heißt diese und serviert uns elf flockiglockere Punkrocknummern. Weil es nicht ganz ohne Widerspruch bei dem guten Dan geht, hat er mit „Sei kein Hildmann“ für etwas mehr Furore gesorgt als er sicher selbst gedacht hat. Zum Release der neuen CD hat er sich für einige Fragen zur Verfügung gestellt.

Hey Dan. Schön, dass du dir die Zeit nimmst. Heute Morgen mit Schlafzimmerblick? Was machst du gerade?
Dan: Hi ihr vom Tough Magazine, cool, dass ich wieder virtuell bei euch sein darf. Ich liege gerade im Bett und lasse den stressigen Sonntag ausklingen.

Für diejenigen die dich noch nicht kennen. Stell dich mal kurz vor. Wo liegen deine musikalischen Aktivitäten und wie kam es zum DAN GANOVE – Projekt?
Dan: Ich bin Dan Ganove und bewege mich irgendwo zwischen Akustikpunk und Punkrock Band. 2019 startete ich einen neuen Bandversuch, der allerdings früh scheiterte. Zeitgleich entdeckte ich tatsächlich Instagram für mich, obwohl ich den ganzen Social Media Kram bis dato immer verfluchte. Ich dachte mir, man kann sich das ja vielleicht doch mal ansehen. Ja und was soll ich sagen. Ist doch gar nicht so doof :D Irgendwann gab ich in der Story mal einen Fakt über eine Band an und stellte eine Frage dazu. Es sollte ein einmaliger Spaß bleiben, aber mittlerweile ist es ein Bandquiz mit Highscore Liste geworden. Ich glaube, wir sind aktuell bei Runde 338 :D. Es entstand relativ schnell eine coole Community, die ich gar nicht mehr missen möchte. Da ich aber nicht nur einen auf Quizmaster machen wollte, griff ich immer wieder zur Gitarre und coverte einige Punksongs. Ich fand dieses soziale Netzwerk immer besser. Ich konnte und kann mich da einfach total in Sachen Musik ausleben. Und da ich ja eigentlich vor hatte, wieder eine Band zu gründen, war es für mich auch klar, wieder eigene Sachen aufzunehmen. Und dann ging irgendwie alles ganz schnell. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wo Dan Ganove hin soll. Und das weiß ich auch jetzt noch nicht :D Ich mache einfach das, worauf ich Bock habe und schaue, wie es kommt.

Du hast bereist zwei EPs unter dem Namen veröffentlicht. Nun die CD bei SBÄM. Wie kam der Kontakt zu der Plattenfirma zustande?
Dan: Ich schrieb Stefan von SBÄM an und fragte nach einem Artwork. SBÄM ist ja nicht nur ein Label, da entstehen super geile Artworks und Festivals. Stefan zeichnete mir das Dan Ganove Logo, das Cover zu „Schönes Leben“ und später dann auch zur „Hildmann“ Single und zum kommenden Album „Schlafzimmerblick“. Im Mai 2020 durfte ich ein Teil der „SBÄM Couch Edition“ sein, wo viele coole Künstler mitmachten. Das war für mich schon eine tolle Sache. Irgendwann fragte ich ihn, ob ich nicht etwas über ihn releasen könnte. Er fand die Idee cool und fragte, ob wir da dann ein Album machen. Ich freue mich so unglaublich, dass er da Bock drauf hat. SBÄM ist für einen Punkrocker wie mich, einfach eine geile Sache! Eigentlich wollte ich nur eine Mini EP veröffentlichen. Die Idee, ein ganzes Album über SBÄM herauszubringen, fand ich aber noch cooler und so machte ich mich mit meinem Kumpel Peter ans Werk.

Die Songs deines Albums gefallen mit persönlich alle gut. Erzähl etwas über die Entstehungsgeschichte von „Schlafzimmerblick“?
Dan: Danke! Als klar war, dass es ein Album werden sollte, fragte ich Peter, ob er überhaupt Zeit und Bock drauf hat, mit mir gemeinsam etwas zu produzieren. Ich dachte, wenn ich schon die Chance habe, über ein cooles Label etwas zu veröffentlichen, dann muss da auch mehr als etwas Akustikgitarre aus dem Schlafzimmer her. Einige Songs hatte ich in einer Vorproduktion akustisch als Honerecording Projekt aufgenommen. Und wenn ich von Homerecording spreche, meine ich mein Schlafzimmer :D So kam dann auch die Ableitung zum Albumtitel „Schlafzimmerblick“

Was war diesmal bei dem Schreiben der Songs anders als bei deinen vorherigen Veröffentlichungen?
Dan: Die Songs sind eigentlich so wie die EPs davor entstanden. Mir kommt eine Idee und ich schnappe mir die Akustikgitarre. Wenn mir der Anfang gefällt, schreibe ich weiter. Diesmal ging der Prozess allerdings weiter, als bei den vorherigen Aufnahmen. Das lag aber auch daran, dass ich Peter mit im Boot hatte und er nochmal eine ganz andere Sichtweise zu bestimmten Dingen hat. So eine Zusammenarbeit tut echt gut.

Du hast zwölf Songs auf der CD platziert. Hattest du mal überlegt als Bonus noch ein altes Stück mit drauf zupacken? Ich persönlich hätte „Ultra Tolerant“ super gefunden ?.
Dan: Habe ich tatsächlich überlegt, aber wer weiß, was da bald noch so kommt ;)

Kommen wir zu den Songs. Lustig, kritisch und auch politisch. So könnte man fast drüberschreiben. Was hat es mit dem Stück „Sturmfrei“ auf sich?
Dan: Cool, ich würde tatsächlich eine ähnliche Überschrift wählen. Sturmfrei schrieb ich, als der letzte große Sturm, noch vor Corona, wieder in sämtlichen Medien Aufmerksamkeit bekam und wieder alle vom Klimawandel sprachen. Als ich dann von so vielen Leuten hörte, dass sie sich so über einen Tag frei, aufgrund des Sturms freuten, dachte ich mir, dass es schon irgendwie merkwürdig ist. Da kapieren viele den Ernst der Lage nicht und freuen sich über das, was der Klimawandel so bringt. Mit Corona gab es dann ja viele Tage frei, ich glaube, das fanden die Leute aber nicht mehr so witzig. ;)

„Die Insel“ hat irgendwie was entspanntes auch wenn der Text um Nachdenken anregt. Welche Insel beschreibst du hier?
Dan: „Die Insel“ ist sozusagen die Fortsetzung von „Sturmfrei“. Ich fand es ganz cool, die Leute mal da anzupacken, wo es wehtut. Und das scheint ja für viele der ach so wichtige Urlaub zu sein.
Damit will ich Urlaub gar nicht schlecht reden. Ist ja auch etwas tolles. Aber eben diese tollen Sachen sind nur möglich, wenn man sie auch schützt. Eine bestimmte Insel habe ich damit nicht gemeint. Hätte ich beispielsweise von Mallorca gesungen, würden ein paar Heinis vermutlich sagen:“Egal, wir haben ja noch die Kanaren“.

Auf welche Insel würdest du persönlich gerne leben wollen?
Dan: Puuuh, da gibt es sicherlich viele schöne Inseln. Ich kann mich nicht entscheiden :D

Und welche Sachen und Menschen würdest du mitnehmen?
Dan: An Gegenständen würde mir wahrscheinlich eine Gitarre reichen. Ansonsten wäre es cool, wenn ich alle meine Freunde und Family dabei hätte. Und selbstverständlich meinen Kater Charly.

„Schönes Leben“ ist ein Knaller. Irgendwie fast schon aufbauend auf „Blumen“ von den Ärzten. Hammer Song. Aus welchem Anlass heraus hast du ihn geschrieben?
Dan: Ich ernähre mich jetzt seit einigen Jahren vegan. Das ist für mich zwar keine Religion, mir geht es trotzdem ständig auf den Sack, wenn Leute ihren Fleischkonsum damit rechtfertigen, dass es ja vom Bio Bauer kommt. Es wirkt für mich immer, als sei das Töten dann völlig legitim, weil es dort anders gehalten wurde. Es sollte natürlich jeder für sich entscheiden, was er isst und was nicht. In Deutschland haben wir den Luxus und können da frei entscheiden. Es ist mir aber auch klar, dass sich nicht jeder alles kaufen kann, da es hier und dort an Geld fehlt. Aber Argumentationen wie , es hatte doch ein schönes (kurzes) Leben, also darf ich es töten, finde ich persönlich sehr schwach. Das war für mich der Anlass zu diesem Song.

Vergleiche mit „Blumen“ und den erwähnten Ärzten. Gehst du da mit? Wie stehst du zu den drei Jungs aus Berlin (aus Berlin!)?
Dan: Also Blumen esse ich nicht. Obwohl, ich habe auch mal ein Gänseblümchen gesnackt. :D Ich muss mir den Song mal wieder anhören. Es ist soooo lange her und ich werde vergesslich. Ha ha! Ansonsten finde ich die Ärzte super.

„Gammelfleisch“ hat auch wieder einen super Text und das Wortspiel sehr passend. Wie autobiografisch ist diese Nummer?
Dan: Momentan bin ich das absolute Gegenteil von Gammelfleisch. Ich hab da gerade sehr viel umme Ohren, weil ich einiges plane. Aber es kommen auch sicherlich wieder andere Zeiten und da haue ich mich dann auch manchmal einen ganzen Tag lang auf die Couch. Ich glaube, als „Gammelfleisch“ entstand, war so eine Phase. :D Der Song lag tatsächlich länger in der Schublade und ich dachte mir, dass er ganz gut aufs Album passt, wo es in der letzten Zeit so viele Lockdowns gab und man gezwungen war, zuhause zu bleiben. Da kannste auch zum 100. Mal das Klo putzen, irgendwann bleibt einem nur noch das Gammeln.

Ein Song der Aufsehen erregt hat ist die Nummer „Hildmann“. Hättest du diese Reaktionen so erwartet? Was hat dich überrascht? Was erfreut?
Dan: Nein, da habe ich überhaupt nicht mit gerechnet. Der Song erreichte ja anscheinend ziemlich schnell seinen Adressaten, der daraufhin in seiner Telegram Heini Gruppe zum „Daumen runter Blitzkrieg“ aufrief. Einerseits habe ich mich gefreut, weil er so dumm war und das Video bei YouTube im Algorithmus pushte, andererseits finde ich solche Begriffe wie Blitzkrieg schon total doof und zeigte einmal mehr, was für eine braune Suppe da durch die Hirne geht. Er konnte echt einige Heinis motivieren, ihren Senf als Kommentar abzugeben. Auch die Daumen gingen runter.
Ich dachte mir, dass kann man natürlich nicht so auf sich sitzen lassen. Ich postete einen Beitrag mit der Bitte, sich friedlich dagegenzustellen. Mit einem Daumen hoch ;) Und was dann abging war und ist der absolute Hammer. So viel Support von sooo coolen Leuten. Ich könnte echt vor Freude heulen. Falls es hier jemand von euch lesen sollte: DANKE!
Wir haben die Nazis (bisher) überrannt, würde ich sagen. Das macht mir echt Hoffnung, in diesen bescheidenen Zeiten.

Mit „1 Konzert“ schreibst du eine Nummer über das (derzeit ja bei vielen vermisste Konzertfeeling. Was denkst du: Wann geht es wieder los?
Dan: So schnell kann die Stimmung wieder umschlagen. Jetzt bin ich wieder traurig und möchte das nicht beantworten. Spaß beiseite. Ich hoffe sehr, dass da bald etwas möglich ist. Ich bin so heiß drauf, wieder auf die Bühne zu gehen. Ich glaube, da spreche ich aber auch für alle anderen Bands.

Neben Konzerten gibt es ja auch andere Veranstaltungen. Manche müssen ausfallen, manche sind aber auch Corona-konform geplant. Auf welche Veranstaltungen freust du dich in diesem Jahr?
Dan: Ich habe echt keine Ahnung. Bisher ging da alles an mir vorbei, weil ich doch ziemlich mit der ganzen Albumgeschichte eingespannt war und Ankündigungen zu Veranstaltungen gar nicht so wahrgenommen habe, da es für mich leider derzeit noch nicht so real ist.

Mit „Und Tschüss“ beendest du das Album ebenso stark wie es begonnen wurde. Welchen Hintergrund hat diese Nummer? Von welchen Menschen verbeschiedst du dich gerne und von welchen fällt dir der Abschied immer schwer?
Dan: Eigentlich sollte „Und Tschüss“ ein Song gegen Nazis werden. Ich schrieb dann aber doch einen ganz anderen Text dazu, da ich nochmal eine andere Nummer auf dem Album haben wollte. Ich finde dadurch ist es nochmal abwechslungsreicher geworden. Songs gegen Rechts sind aber wichtig und ich denke, dass ich da bei Zeiten sicherlich noch etwas zusteuern möchte.
Was mich dann zu der Thematik bei „Und Tschüss“ bewegte, weiß ich gar nicht mehr :D Ich habe manchmal einfach eine doofe Idee, die dann aufs Papier muss. Ob das nun immer gut ist? Ich glaube nicht. Ha ha! Verabschiedungen sind nicht immer traurig. Ich verabschiede mich super gerne von Faschos und Co. Da hoffe ich auch gar nicht auf ein Wiedersehen.

Wir haben jetzt einige Songs besprochen. Welche bedeuten dir persönlich sehr viel?
Dan: „Hildman“ bedeutet mir sehr viel, weil es die richtigen Leute triggert. Mir machen alle anderen Songs aber auch Spaß und genau darauf kommt es an. Insofern kann ich da gar nichts ausschließen.

Dein „Schlafzimmerblick“ kommt in verschiedenen Versionen raus. Ab hier ist jetzt Platz für Werbung ?. Welche Version findest du persönlich am coolsten?
Dan: „Schlafzimmerblick“ wird es als CD und Vinyl geben. Man kann das Album aber auch downloaden. Die Vinyls gibt es in zwei unterschiedlichen Farben und die sind richtig cool geworden, da hat SBÄM echt etwas tolles gemacht. Ich kann mich aber für keine Farbe entscheiden. Die haben beide was.

Du bist schon bei einigen Home-sessions aufgetreten und auch unter YouTube zu sehen. Neben deinen eigenen Songs coverst du auch ab und an. Welche Bands sind deine Vorbilder?
Dan: Oh, da gibt es echt super viele. Und das ändert sich auch ständig. Ich finde, dass man immer dazulernen kann, ganz egal, welche Musikrichtung es ist. Es gibt da auch immer wieder Bands, die super authentisch sind. Sowas mag ich definitiv. In meiner Playlist laufen die Bombpops gerade rauf und runter. Das kann nächste Woche aber schon wieder eine ganz andere Band sein.

Nach dem Album ist vor… erzähl uns etwas über deine Pläne.
Dan: Das möchte ich noch gar nicht verraten. Ha! Aber ich bastle da wirklich an vielen Dingen. Ich glaube, so schnell wird mir nicht langweilig.

Was bedeuten dir die folgenden Begriffe:
Punk Rock 2021
Dan: Punk stirbt nicht!

Oberhausen
Dan: Da wohne ich und es ist ganz nett hier.

Vorbilder
Dan: Ungleich Nachbilder.

Blitzkrieg Bob
Dan: Da denke ich an Hildmann’s Blitzkrieg Flop ;)

Kneipentour
Dan: Ja, bitte! Wann?

Dan Ganove 2030
Dan: Auf Kneipentour!

Underground
Dan: Da sieht man coole Leute.

Tough Magazine
Dan: Mit einer der nettesten Kontakte, die diese scheiß Pandemie brachte. Danke für alles.

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir.
Dan: Danke, dass ich euch so zutexten durfte! Bis Dan(n)

Wir bedanken uns bei DAN GANOVE für das ausführliche Interview im Februar 2021. Seine CD „Schlafzimmerblick“ läuft hier derzeit sehr oft. Alles andere als Schlaftablette, was der gute Dan hier auffährt. Wer mehr von Dan Ganove wissen möchte, der schaut nach unter: www.danganove.de – viel Spaß dabei.

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