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Interviews

Veröffentlicht am: Dezember 29th, 2019 | durch Florian Puschke

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NoRMAhl: Die dienstälteste Punkband im Interview

„Punk ist keine Religion“, „Blumen im Müll“, „Geh wie ein Tiger“, „Komm erzähl mir über Punk“, „Drecksau,“ und und und … die Band NoRMAhl ist Generationen von Punkfans ein Begriff. Zum 40-jährigen Dienstjubiläum versorgt uns diese mit einer neuen LP „Live in Bayernland“. Hierzu durften wir dem gut gelaunten Frontmann Lars Besa zwischen Weihnachten und Silvester 2019 einige Fragen stellen.

Lieber Lars, vielen Dank dass du dir die Zeit genommen hast. 40 Jahre NoRMAhl. Was bedeutet dir dieses Jubiläum?
Lars: Also, wenn ich mir die Band so anschaue, bedeutet mir das 40 Jahre NoRMAhl Jubiläum persönlich am meisten, da ich von Anfang an dabei war (lacht). Ich bin ja das letzte Gründungsmitglied und ja, irgendwie ist die Zeit vorbeigeflogen. Wenn ich heute auf der Bühne stehe, dann ist das aber eigentlich nicht viel anders als vor 40 Jahren. Doch das Jubiläum bedeutet mir tatsächlich sehr viel.

NoRMAhl – die dienstälteste Punkband Deutschlands. Was bedeutet dir das „Punk sein“ heute?
Lars: Naja gut, das ist sicher schon komisch, wenn wir auf Punkfestivals spielen und da dann Bands am Start sind, die sicher locker mal 30 bis 40 Jahre jünger sind als wir. Doch trotzdem hat der Begriff „Punk“ mir immer viel Bedeutung in meinem Leben gehabt. Ich konnte rauskommen, mich selbst verwirklichen und machen was ich wollte. Daher bedeutet mir das „Punk sein“ auch immer noch sehr viel. Über die Punkmusik habe ich auch die Möglichkeit, mich mit jüngeren Generationen auszutauschen, was mir auch sehr viel bedeutet und definitiv auch interessant ist. Es ist zusammenfassend gesagt schon groß immer noch ein Punk zu sein.

Du sprichst hier von verschieden Generationen. Wie ist denn das Publikum bei NoRMAhl Konzerten?
Lars: Ja, das ist schon gemischt aber wir werden auch von vielen Fans begleitet, die schon lange dabei sind. So ist das Publikum mit den Jahren auch älter geworden. Es ist aber gemischt.

Ihr habt einige Alben veröffentlicht. Welches Album ist für dich bis heute das wichtigste?
Lars: Das ist schon schwer zu sagen. Aber wenn ich so aus der Distanz drauf schaue dann vielleicht doch die „Blumen im Müll“.

Und welches Album würdest du gerne mal ganz neu aufnehmen?
Lars: Ja eigentlich möchte ich keines komplett neu aufnehmen aber manche Songs würde ich vielleicht etwas differenzierter gestalten wollen.

Ok, kannst du ein Beispiel nennen?
Lars: Ja, mich wundert es immer, dass die Staatsanwaltschaft doch so auf „Haut die Bullen platt wie Stullen“ aufmerksam wurde (lacht). Für mich ist das eigentlich keine erwähnenswerte Nummer.

Ja stimmt. Die waren mal bei dir zu Gast!
Lars: Und ob (lacht). Hausdurchsuchung. Volles Programm. Das ging aber von der Kripo in Dresden aus. Und die Kripo hier musste dass dann durchzuziehen. Alte Geschichte.

Mit dem neuen Album bringt ihr einen guten Überblick über euer Schaffen. 20 Hits aus 40 Jahren. Wie kam es zu der Entscheidung „Live in Bayernland“ erst digital und nun auch als LP zu veröffentlichen?
Lars: Das war ja eigentlich von Anfang an geplant, dass die Songs auf einer Doppelvinyl veröffentlicht werden. Ich selbst bin ja auch ein Vinyl Sammler. Eine meiner ersten Scheiben war von den Ramones die „It’s alive“. Das war mal eine richtig geniale Doppel-LP. Auch wir wollten das neue Live Album unbedingt auch als Vinyl veröffentlichen. Wir hatten da aber die ein oder andere Unstimmigkeit mit unserem alten Label und als wir dann das Label gewechselt haben, hat sich das dann etwas verzögert.

Wenn du auf die Trackliste der CD blickst. Welche drei Songs sind für dich die wichtigsten in der NoRMAhl Geschichte?
Lars: Da gibt es sicher einige. Aber die wichtigsten für mich sind so Sachen wie „Punk ist keine Religion“. Natürlich ein sehr wichtiger Titel. Ich spiele aber unheimlich gerne auch den „Schlägerpolizist“ (lacht). Das ist dann mal wirklich eine geile Nummer. Und natürlich als Abschluss eines Konzertes „Hans im Glück“. Auch ein Hammer-Stück.

Was denkst du: Welche Songs von NoRMAhl wurden insgesamt zu wenig wahrgenommen?
Lars: Ja vielleicht „Komm erzähl mir über Punk“. Das mussten wir wirklich sehr oft live spielen bis die Leute den angenommen haben und auch verstanden haben, worum es darin geht.

NoRMAhl spielen jedes Jahr einige Konzerte. Was können wir im Jahr 2020 erwarten? Erste Termine stehen aber sind auch neue Songs geplant?
Lars: Das ist ein bisschen schwierig zu beantworten. Wir haben uns ja selbst auferlegt, dass wir pro Jahr nicht unbedingt ganz viele Konzerte spielen wollen. Naja, so 30 Konzerte vielleicht. Aber wir könnten sicher auch mehr machen. Auch mit dem kommenden Studioalbum müssen wir uns ein bisschen Zeit lassen. Wir wollen da auch wieder ein richtig geiles Album veröffentlichen, da ja der Name NoRMAhl auch sicher irgendwie für Qualität steht.

Aber geplant habt ihr da schon was?
Lars: Wir haben ja, dadurch das wir einen neuen Bassisten haben, auch musikalisch wieder etwas mehr Drive bekommen aber wie und wann wir was veröffentlichen, kann ich jetzt noch nicht sagen. Auch ob digital oder vielleicht auch als Vinyl wissen wir noch nicht. Aber geplant ist schon was. Irgendwie wird es sicher mal auch ein neues Album geben.

Wenn du auf die 40 Jahre zurück blickst. Welche deutschen Punk-Bands haben dich in dieser Zeit am meisten beindruckt?
Lars: Ich muss schon sagen, dass ich Die Ärzte immer gut fand. Und auch wenn wir uns immer gekappelt haben möchte ich sagen, dass ich Slime durchaus prägend fand. Definitiv auch eine geile Band mit guten Songs.

In den letzten Jahren gab es einige Comebacks. WIZO, Brieftauben, Planlos, … Auch ihr habt ein Comeback erlebt. Was ist unterschiedlich, wenn du die Zeit vor der INRI 21 und nach der INRI 21 vergleichst?
Lars: Alles ist besser (lacht). Nein, ganz im Ernst. Wir hatten ja damals auch einen Grund, warum wir uns aufgelöst haben. Wir waren zu der damaligen Zeit einfach nicht mehr die Punkband, die wir sein wollten. Wir spielten da auf irgendwelchen Kirmesveranstaltungen, um unser Leben zu finanzieren. Und das war ein Hauptgrund, die Band aufzulösen. Das war damals sicher ein sehr spontaner Entschluss. Es gab keine Abschiedstournee oder sowas. Wir haben uns auf so einem Open Air in Bayern dazu entschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen. Es stand nix an und wir haben einfach aufgehört. Es war da wirklich vorbei. Als wir uns aber nach einigen Jahren wieder zusammengesetzt haben war da einfach wieder mehr Inspiration drin. Wir mussten nicht mehr davon leben und wir müssen nicht jeden Scheiß mitmachen. Wir konnten einfach wieder die Punkband sein, die wir auch immer sein wollten. So ist uns das Comeback tatsächlich so lange gelungen.

Punkmusik ist sicher irgendwie immer noch wichtig für die Jugend. Was würdest du jungen Punkbands mit auf den Weg geben wollen?
Lars: Uiii (lacht). Ich muss einfach sagen, dass ich den Eindruck habe, dass viele jüngere Bands das richtig gut machen. Auch weil die in eine andere Zeit reinkommen. Vor 30 Jahren hat man ja fast noch hinter den Bühnen gepennt, die Anlagen waren grottenschlecht, usw. Doch heute ist das schon ein gutes Stück professioneller. Schon bei kleineren Bands. Sicher können uns mittlerweile viele junge Bands einiges erzählen, was wir besser machen können (lacht).

Wenn du aussuchen dürftest: Mit welcher Band würdest du gerne auf der Bühne stehen?
Lars: Da habe ich ja schon richtig viele gute Bands auf Festivals gesehen und da gibt es einiges, was mit gefällt. Was ich interessant finde, ist das was zum Beispiel Swiss und die anderen machen. Vielleicht ist es auch solche Musik, die Punk wieder zu einer Bewegung machen kann.

Was bedeuten dir die folgenden Songs.
Blumen im Müll
Lars: Einfach ne geniale Nummer und wenn ich irgendeine Sängerin habe, dann spiele ich diese Nummer auch live immer wieder gerne.

Hans im Glück
Lars: Eine richtig gute Punkballade, die mir persönlich sehr viel bedeutet da ich sie aus einem recht persönlichen Anlass geschrieben habe.

Punk ist keine Religion
Lars: Nun, da glaube ich, das ist die beste Nummer, die es von NoRMAhl gibt. Ein Stück, das unheimlich viel Aussagekraft hat und natürlich auch eine richtig gute Melodie.

Söldner
Lars: Auch eine gute Nummer, die natürlich sehr aktuell ist und die mir einfach so eingefallen ist, als ich wieder Bilder der ganzen Kriegstoten gesehen habe und nachgedacht habe was Krieg denn bedeutet.

Dora D.
Lars: Dora D. ist natürlich auch ein gutes Stück, aber da werde ich oft gefragt was ich denn damit meine. Ist live etwas schwieriger rüber zu bringen. Doch der Song passt leider mal wieder total in die Zeit, wenn man sich die ganzen Deppen von Pegida und der AfD ansieht. Passt einfach super.

Bitte entscheide dich (mit Begründung).
Berlin vs Stuttgart
Lars: Jürgen Klinsmann (lacht)

Englischer Punkrock vs Deutscher Punkrock
Lars: Deutscher Punkrock war nie so prägend wie englischer Punkrock, hat aber definitiv seine Berechtigung.

Backstage vs On Stage
Lars: Natürlich immer „On Stage“.

1979 vs 2019
Lars: 1979. War eine geile Zeit und wir jünger.

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir.
Lars: Ich wünsche euch natürlich eine geile Punk-Zeit 2020 und eine Zeit ohne Nazis und ohne Vollidioten und ich hoffe wir sehen uns auf einigen Festivals im nächsten Jahr. Machts gut.

Und so endete das Interview mit Lars in den letzten Tagen des Jahres 2019. Ein sehr nettes Gespräch und für mich nochmal ein Highlight für dieses Jahr. Punk ist keine Religion. Das stimmt. Aber im Punk kann man auch gerne mal ein Dankeschön hinterlassen. Und das möchte ich an dieser Stelle auch tun. Ein Dankeschön (oder auch Punkeschön, wie ihr wollt …) geht raus an Lars Besa von NoRMAhl und natürlich an Fratz von Hulk Räckorz.

Wer mehr über die Band erfahren will schaut einfach unter
facebook.com/normahl.band
oder
www.normahl.de

Die Doppelvinyl mit tollem Klappcover gibt es bei: www.punk.de

Das Review zu den Songs findet ihr hier: „NoRMAhl – Live in Bayerland“

Interview von Thorsten

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