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Interviews

Veröffentlicht am: Januar 13th, 2022 | durch Florian Puschke

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„Ästhetik des Widerstands“: Alarmsignal im Interview

Mit „Ästhetik des Widerstands“ erscheint am 14.01.2022 das neue Album der Deutschpunk-Band Alarmsignal. Wir hatten die Möglichkeit uns mit der Band über die Songs, die vergangenen Wochen und Pläne zu unterhalten. Viel Spaß mit dem Interview.

Moin, wo erwischen wir euch gerade?
Bulli: Moin. Ich liege im Bett, trinke Gin Tonic und beantworte Emails. Gerade eben kamen deine Fragen rein :-)
Steff: Beim Kaffeetrinken, wird gerade hell draußen. Unglaublich, dass Bulli um diese Uhrzeit im Bett liegt und Gin Tonic trinkt. Was führt der Kerl für 1 Rockstar Life?

Habt ihr Weihnachten gut überstanden und wie habt ihr gefeiert?
Steff: Ja, alles gut überstanden. Hab in Ulm gefeiert und es gab Wodka. Letztendlich bin ich immer froh, wenn die ganzen Feiertage inkl. Neujahr rum sind.
Bulli: Nach vielen Monaten habe ich meine Familie mal wieder gesehen. Ich bin voll der Weihnachts-Grinch und da es dieses Jahr glücklicherweise keine große (Vor-) Weihnachtsstimmung gab, wurde ich erst am 24.12. „gewhamt“ und habe nur 2 Kilo zugenommen. Von daher ein ganz okayer Schnitt.

Heilig Abend – gibt es bei euch Traditionen oder wie sieht es bei euch aus?
Bulli: Essen, Geschenke und so gegen 22:00 Uhr kommen diverse Liköre und Schnäpse auf den Tisch.
Steff: Die einzige Tradition ist eigentlich, dass ich mich selbst zu Weihnachten immer etwas runter fahre und noch nachdenklicher werde als alle anderen Tage. Und ich glaub, an keinem anderen Tag im Jahr erinnere ich mich außerdem so intensiv an meine Kindheit zurück. Vielleicht, weil ich dieses aufregende Gefühl von damals gerne nochmal erleben würde.

Seit über 20 Jahren gibt es jetzt Alarmsignal – das achte Album steht in den Startlöchern. Wie liefen die Arbeiten am neuen Album ab? Alles wie immer oder gab es Unterschiede zum Vorgänger „Attaque“?
Bulli: Im Gegensatz zu allen vorherigen Alben konnten wir uns das erste Mal intensiv auf das Songwriting konzentrieren. Zuvor waren wir eigentlich immer auf Tour und zwischen den Konzerten haben wir vereinzelnd Songs geschrieben. Hatten wir genug Songs für ein Album fertig sind wir ins Studio gegangen, um diese aufzunehmen. Ich finde man hört schon, dass „Ästhetik des Widerstands“ eine sehr runde Sache ist und bin sehr happy damit.

Wie habt ihr den Ausstieg von Borsti verarbeitet? Wie macht man sowas überhaupt?
Steff: Borsti hat uns vorab immer mal wieder gesagt, dass er mit dem Gedanken spielt aufhören zu wollen. Von daher wussten wir, dass es seinerseits Überlegungen in diese Richtung gab und der Ausstieg kam für uns somit nicht komplett aus dem Nichts. Das 20 Jahre natürlich nicht mit einem “Jungs, dass war´s für mich, ich hör auf“ beendet sind, ist natürlich klar, dazu haben wir einfach zu viel gemeinsam erlebt, sind in und mit dieser Band gewachsen und nach wie vor befreundet. Wir sehen uns jetzt zwar unregelmäßiger als vorher, aber es besteht natürlich weiterhin Kontakt.

„Ästhetik des Widerstands“ heißt das neue Werk – darf man den Albumtitel als Überschrift oder Ansage verstehen? Und wie kam dieser zustande?
Steff: Sowohl als auch! Widerstand kann ja sehr vielseitig sein und sowohl auf der Straße wie auch auf mentaler Ebene stattfinden, was auch der Albuminhalt widerspiegelt. Und wenn dein Widerstand, egal ob für eine gute (oder gegen eine schlechte) Sache auf der Straße oder gegen die eigenen Dämonen erfolgreich war, ist es sozusagen ja auch etwas Schönes. Die Wahl für den Albumtitel fiel während unser Studiozeit, quasi am letzten Abend im Hotel. Wir hatten 1-2 Hände voller möglicher Titel zur Auswahl, aber dieser hat sich schließlich durchgesetzt.

Ohne zu viel verraten zu wollen – die neuen Songs sind nicht nur sehr vielseitig, sondern auch wütend, gehen ordentlich nach vorne und überzeugen dazu noch mit starken Melodien. Ihr verarbeitet Themen, die man von nicht allzu vielen Bands hört – woher stammt euer Selbstbewusstsein und der Mut? Oder sagt ihr euch, dass es ja irgendjemand machen muss…
Bulli: Wir sprechen über Themen, die uns wirklich beschäftigen – über echte Gefühle, Wünsche, Ängste usw. Klingt vielleicht manchmal hippiesk, aber die Band und das Songwriting ist ein Teil unserer Mentalhygiene und unser Weg klarzukommen. Wir haben keine Businesspläne mit Themen, die wir abhaken möchten. Allerdings ist es manchmal so, dass mich ein Thema beschäftigt und ich gerne ein Song über Thema „XYZ“ schreiben möchte, aber ich die richtigen Worte nicht finde und oder diese Gefühle dazu gar nicht verständlich ausdrücken kann. Dann spreche ich mit Steff darüber und er hat es daraufhin schon einige Male hinbekommen, Thema XYZ zu Papier zu bringen. Da ergänzen wir uns sehr gut.

Mit „Huso-Level“, „Ich hoffe du findest was du suchst“ und „Revolutionary Action“ sind bereits drei Videosingles erschienen – wie ist die Wahl auf die Songs gefallen?
Steff: Wir haben mit den Singles versucht, unsere Album-Favoriten auf einen Nenner zu bringen, was gar nicht so einfach war, da es tatsächlich abweichende Favoriten gab. Bei diesen 3 Stücken kamen wir aber alle diskussionslos überein, deshalb wurden sie ausgekoppelt.

Bei „Revolutionary Action“ habt ihr einen Wechsel des Sängers vorgenommen – was ist die Idee oder der Gedanke dahinter?
Bulli: Haben wir ja schon oft gehabt. Steff singt zwar die meisten Songs, aber es gab glaube ich auf jedem Album mindestens einen Song, wo jedes andere Bandmitglied auch gesungen hat. Und da wir alle „Revolutionary Action“ echt feiern, ist es als Single ausgekoppelt worden. Es ist eines meiner Lieblingslieder der Platte und ich finde Kühns Stimme sowieso super.

Nicht nur bei „Ich hoffe du findest was du suchst“ habt ihr euch Unterstützung geholt (Gunnar / Dritte Wahl), auch Mel (Shirley Holmes) und Torsun (Egotronic) sind mit dabei. Dazu noch der Iuvanta-Kapitän Dariush Begui – wie kam es denn dazu?
Steff: Während des Entstehungsprozesses der Platte hat sich bereits herauskristallisiert, dass sich das ein oder andere Stück für ein Feature eignen würde und damit verbunden war ohnehin der Gedanke, dieses Mal ein paar mehr Features mit auf die Platte zu nehmen. Bei Dariush war der Wunsch nach seinem Mitwirken z.B. auf den Text bezogen, bei Torsun im Sinne des Musikalischen bzw. der Genreverbindung Punk und Electro. Und auch für Mel und Gunnar gab es natürlich Gründe, dass sie genau dieses Stück bekamen, dass sie mit ihrem Mitwirken bereichern konnten.

Mit welchem Blick schaut ihr in das neue Jahr? Gibt es Hoffnungen, dass man wieder Konzerte spielen und Touren planen kann?
Steff: Wir versuchen diesbezüglich optimistisch zu denken und das Booking läuft bereits auf Hochtouren. Dass es auch in den nächsten Monaten oder zum Jahresende hin pandemiebedingte Absagen oder Änderungen geben kann, haben wir natürlich im Hinterkopf.

Wenn man euch kennt, weiß man, dass ihr euch (unter anderem) schon lange stark für das Tierrecht einsetzt. Was hat sich da in den letzten Jahren geändert/verbessert? Was kann man als einzelner Bürger besser machen?
Steff: Die Zahlen der Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, wächst stetig. Ebenso das vielfältige Angebot an vegetarischen und veganen Lebensmittelen in den Läden. War fleischfreie Ernährung vor einigen Jahren noch mit mehr Aufwand verbunden, ist das heute kein großer Akt mehr. In punkto Ernährung Dinge verändern, meinetwegen auch in kleinen Schritten, wäre also z.B. eine Sache. Des Weiteren: Keine Zoos oder Zirkusse besuchen, keine Züchter unterstützen (dafür das örtliche Tierheim) und überall dort, wo mit Tieren Profit gemacht wird, keinen Cent lassen.

Was bedeuten euch die folgenden Wörter?
Revolution
Bulli: …ary Action. This is a movement, no reaction. It’s not for fun, nor satisfaction. We’re not here to entertain you.
Steff: …und alles andere ist Quark!

Widerstand
Bulli: … gegen herrschende Verhältnisse, Unterdrückung, Faschismus, Rassismus, Ungerechtigkeit… Irgendwie das was Punk für mich ausmacht. Traurigerweise schreiben sich das die ganzen Schwurbleridioten und Aluwutbürger aktuell ebenfalls auf die Fahnen, wovon man sich bei alle dem deutlich distanzieren möchte, muss und sollte.
Steff: Das was Bulli sagt!

Aggressive Punk Produktionen
Steff: Bestes Label. Zum Glück hat es damals mit Hellcat Records nicht geklappt ;- )
Bulli: Gutes Label und liebe Menschen. Wir sind sehr zufrieden. Matze leistet wirklich super Arbeit und ist mit Herzblut bei der Sache.

Vinyl
Bulli: … ist ein ganz schönes Luxusprodukt geworden. Ich bin immer noch Fan.
Steff: … ist ganz o.k., aber Propeller-Vinyl kann richtig was, dass is´ wie wenze abhebst.

Live
Steff: …is Life (na na na na na)
Bulli: … ist unersetzlich.

Proberaum
Bulli: Müsste mal wieder aufgeräumt werden…
Steff: …und gelüftet!

Vielen Dank für die Zeit, die letzten Worte gehören gerne euch!
Steff: Liebe Tough Magazin Leser*innen. Danke, dass ihr das Interview bis hierhin durchgelesen habt. Bleibt der Szene treu, supportet sie und kämpft immer und überall für eine bessere Welt. Auf die Liebe, auf das Leben!

Interview von Florian P. im Januar 2022

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