Das SummerBreezeOpenAir2026 ist für uns eine Premiere. In diesem Jahr feiert das Festival seine 20. Ausgabe, bevor 2027 bereits das nächste große Jubiläum ansteht: Dann jährt sich die Gründung des Summer Breeze zum 30. Mal. Für uns begann das Festival mit dem Warm-upamDienstag,den 11.August, bevor am Mittwoch, den 12. August, der erste reguläre Festivaltag folgte.
Tag 1–Warm-up
Den musikalischen Auftakt machte Ghetto Justice auf der Campsite Circus Stage. Die Berliner Hardcore-Band hatte dabei die Ehre, als erste Band überhaupt beim diesjährigen Summer Breeze Open Air auf der Bühne zu stehen. Eine besondere Aufgabe, die Crowd musste allerdings nicht erst mühsam aufgewärmt werden. Schon beim Warm-up war vor der Bühne ordentlich Bewegung angesagt und die ersten Pits ließen nicht lange auf sich warten. Ghetto Justice lieferten den passenden Hardcore-Sound dazu und sorgten damit für einen gelungenen Start in unser erstes Summer Breeze.
Neben der Musik fiel bereits am ersten Tag ein Thema besonders auf: die Awareness-Struktur des Festivals. Rund 40 Personen sind gemeinsam mit den Maltesern rund um die Uhr im Einsatz. Der Schichtplan wird dabei an das jeweilige Besucheraufkommen angepasst. Die Aufgaben reichen von vermeintlichen Kleinigkeiten wie verlorenen Schlüsseln bis hin zu medizinischen Notfällen.
Auch die Sicherheitslage war angesichts der aktuellen Wetterbedingungen ein Thema. Auf dem gesamten Gelände waren auffällig viele Feuerwehr- und Polizeikräfte unterwegs. Gerade bei der extremen Hitze und der damit verbundenen Waldbrandgefahr war diese Präsenz aus unserer Sicht wichtig. Auch viele Camper hatten entsprechend Vorsorge getroffen: Bei zahlreichen Stellplätzen waren Unterlagen zu Generatoren und Feuerlöschern zu sehen.
Tag 2– Mittwoch
Als am Mittwoch das Infield geöffnet wurde, fiel uns direkt auf, wie konsequent die Awareness-Struktur auf dem Gelände sichtbar gemacht wurde. An jedem Verkaufsstand war die Nummer des Awareness-Teams angegeben, ergänzt um die Information, an welcher Position man sich gerade befindet. Im Ernstfall lässt sich dadurch schnell und eindeutig kommunizieren, wo Hilfe benötigt wird.
Der musikalische Auftakt auf der T-Stagewar anschließend ein echter Summer-Breeze-Klassiker: Die Blasmusik Illenschwang eröffnete wie jedes Jahr den Festivaltag. Für viele Besucher dürfte die Blaskapelle inzwischen fast genauso zum Festival gehören wie die Metalbands selbst – ein echter „Headliner der Herzen“. Danach wurde es deutlich härter.
Auf der Main Stage übernahmen die Excrementory Grindfuckers das Kommando. Für ihre Show hatte die Band einiges vorbereitet: Ein Chor in weißen Gewändern, ausgestattet mit Flammen-Haarreifen und als eine Art lebende Geburtstagskerzen verkleidet, unterstützte die Band dabei, das Publikum anzuheizen und zum Klatschen zu bewegen. Zu Beginn gab es allerdings technische Probleme mit den großen Bildschirmen. Davon ließ sich die Band nicht lange aufhalten. Bereits beim dritten Song wurde das Publikum aktiv zum Mitsingen aufgefordert.
Parallel dazu ging es auf der T-Stage mit Neckbreakker wesentlich brutaler zur Sache. Die Dänen brachten harten Old-School-Death-Metal auf die Bühne und der Circle Pit ließ nicht lange auf sich warten. Bereits beim ersten Song wurde vor der Bühne gekreist.
Betontod zwischen Tanz und gesellschaftlicher Botschaft
Auf der Main Stage folgten Betontod. Die Band machte zunächst eine klare Ansage: Pop-Songs werde man heute nicht spielen. Natürlich dauerte es nicht lange, bis genau diese Ansage musikalisch auf die Probe gestellt wurde.
Bei „Tanz im Algorithmus“ wurde anschließend die sogenannte Wall of Dance ausgerufen. Die Crowd sollte sich in zwei Bereiche teilen und eine Gasse bis zum FOH bilden. Die entstandene Gasse fiel allerdings eher überschaubar aus. Selbst der Vergleich mit dem Wacken Open Air kam auf, dort sei bei ähnlichen Aktionen schon deutlich mehr Bewegung gewesen. Die Ansage „Schlagt euch nicht tot“ passte entsprechend gut zur eher verhaltenen Umsetzung.
Trotzdem wurde deutlich, dass Betontod ihre Auftritte nicht ausschließlich als Unterhaltung verstehen. Gerade ihre Botschaft über die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in zwei Fronten war der Band wichtig. Auch wenn der Zeitplan auf einem Festival eng ist, nahm sich die Gruppe die notwendige Zeit, um diese Aussage zu vermitteln. Auffällig war dabei auch, dass die Band beim Summer Breeze offenbar noch etwas deutlicher gehört wurde als bei ihrem Auftritt auf dem Wacken Open Air, laut eigenen Aussagen.
Währenddessen lief auf der Wera Tool Rebel Stage mit der King Nugget Gang eine völlig andere Form der Eskalation. Bereits in den ersten drei Songs gab es Crowdsurfer, der Sänger stand zeitweise auf dem Wellenbrecher und eine Dinomaske landete auf der Bühne. Parallel zu Betontod entwickelte sich hier eine deutlich wildere Party.
Metalcore und klassischer Rock
Auf der T-Stage sorgten anschließend The Narrator für Geschwindigkeit. Die Band brachte harten Metalcore und viel Bewegung auf die Bühne. Nachdem sie bereits im vergangenen Jahr beim Summer Breeze gespielt hatten, wurden sie offenbar direkt wieder verpflichtet, und bewiesen, warum.
Auf der Main Stage ging es anschließend mit Airbourne klassisch rockig weiter. Die Australier machten genau das, was man von ihnen erwartet: Rock'n'Roll ohne Kompromisse. Die Energie stimmte, die Band lieferte ab und ließ damit eigentlich keine Wünsche offen.
Auf der T-Stage wurde es dagegen atmosphärischer. GreenLung aus England brachten langsamere und schwerere Grooves mit nach Dinkelsbühl. Besonders spannend war dabei ein Song, der eigentlich noch gar nicht veröffentlicht ist: „Black Magic Radio“ wurde zum ersten Mal live gespielt. Die ohnehin schon atmosphärische Musik bekam dadurch einen besonderen Moment, auch weil sich zeitgleich die Sonne verdunkelte. Die Kombination aus Musik und Sonnenfinsternis hätte kaum passender sein können.
In Flames – stark, aber nicht ohne Abstriche
Mit In Flames wurde es auf der Main Stage wieder deutlich größer. Die Schweden präsentierten eine Mischung aus älteren und neueren Stücken. Dabei griffen sie unter anderem auf Material ihres 1996 erschienenen Albums The Jester Race zurück, verbanden dieses aber mit Songs aus jüngeren Veröffentlichungen wie Foregone von 2023.
Musikalisch überzeugte die Band dabei auf ganzer Linie. Gerade die Mischung aus verschiedenen Phasen der Bandgeschichte funktionierte gut. Bei der Stimme gab es für uns allerdings einen kleinen Wermutstropfen: Nicht jeder Song überzeugte live gesanglich so sehr wie in der jeweiligen Studioversion.
Und dann war da noch das Feuer. Oder besser gesagt: das fehlende Feuer. Gerade bei In Flames hätten wir uns angesichts der großen Main-Stage-Produktion an einigen Stellen noch etwas mehr Pyro gewünscht.
Paradise Lost startete dann zeitlich versetzt zu In Flames und auch ihr Set war T-Stage üblig etwas kürzer als von den Acts der Main Stage. Die Briten zogen ihre düstere und atmosphärische Stimmung jedoch konsequent durch das gesamte Konzert.
Für einen kurzen Moment schien es sogar, als würde Sänger Nick Holmes die Distanz zum Publikum überwinden wollen. Er wollte von der Bühne in Richtung Crowd springen, entschied sich dann aber dagegen. Der Grund war schnell erklärt: In seinem Alter sei es inzwischen nicht mehr ganz so einfach, anschließend wieder zurück auf die Bühne zu kommen.
Hatebreed – Hardcore auf die Zwölf
Zum Abschluss unseres zweiten Festivaltages ging es auf der Main Stage noch einmal mit voller Wucht zur Sache: Hatebreed.
Speakingoffire– bei Hatebreed ab es dann tatsächlich Feuer. Und dazu Hardcore, der ohne Umwege direkt auf die Zwölf ging.
Die Amerikaner enttäuschen eigentlich nie, wenn man Geschwindigkeit, harte Riffs und kompromisslosen Gesang sucht. Auch auf dem Summer Breeze machten sie genau das, was Hatebreed seit Jahren auszeichnet: keine unnötigen Umwege, keine großen Experimente, sondern Hardcore mit voller Energie.
Und genau deshalb machen sie einfach Spaß.
Der zweite Festivaltag endete damit deutlich härter, als er mit der Blasmusik Illenschwang begonnen hatte. Zwischen Circle Pits, Crowdsurfern, gesellschaftlichen Botschaften, atmosphärischen Momenten während der Sonnenfinsternis und jeder Menge Feuer zeigte sich bereits, wie breit das Summer Breeze musikalisch aufgestellt ist.
Einer ster Blick auf 2027
Während auf den Bühnen das diesjährige Festival gerade erst Fahrt aufnahm, richtete sich der Blick bereits auf das kommende Jahr. Die erste Bandwelle für das 30-jährigeJubiläumdesSummerBreeze 2027 wurde bereits bekannt gegeben. Mit Electric Callboy, Saltatio Mortis, Children Of Bodom, HammerFall, Edguy, Halestorm, Wind Rose, Lord Of The Lost, Eluveitie, H-Blockx, Swiss + Die Andern, Clawfinger, Kataklysm, Mono Inc., Warkings, Dark Funeral und Gloryhammer stehen bereits zahlreiche große Namen fest. Dazu kommen unter anderem Insomnium, Shadow Of Intent, Make Them Suffer, Emil Bulls, Combichrist, End Of Green und Gutalax.
Ein besonderes Projekt soll außerdem mit Summer Breeze Legends & Orchestra auf die Bühne kommen: Ein 40-köpfiges Orchester soll die Geschichte des Festivals musikalisch aufgreifen. Damit gibt es bereits während der zweiten Festivalrunde 2026 einen ersten Vorgeschmack auf das kommende Jahr. Doch bevor das 30-jährige Jubiläum gefeiert wird, liegen noch einige Festivaltage 2026 vor uns.
Nachbericht Laura Felberg, Marco Liske und Lukas Pförtsch. Bilder von Marco Liske und Lukas Pförtsch.
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