Zwischen Hitzewelle, Unwetter und Moshpits: Das Southside Festival 2026

Von 18.-21. Juni 2026 fand das diesjährige Southside-Festival auf dem take-off GewerbePark in Neuhausen ob Eck statt. Was uns erwartet? Einmal Festival mit allem bitte. Das Line-Up versprach schon im Vorfeld eine bunte Mischung verschiedenster Musikgenre – von Pop und HipHop über Indie, Punk und elektronischer Musik ist auf dem Southside für jeden was dabei. Und natürlich kamen auch wir auf unsere Kosten. 

Nach der vergleichsweise späten und dadurch entspannten Anreise hieß es für uns nur schnell einen passenden Platz fürs Zelt finden und dann nichts wie los, damit wir Hi! Spencer als zweiten Act auf dem Southside nicht verpassen. Die Fläche vor der Blue Stage war gut gefüllt und die Stimmung ausgelassen, die Anreise bei über 30 Grad hatte also noch nicht zu viele Opfer gefordert, wenn wir auch schon viele Sonnenbrände bemerkt haben. Um das Zelt noch im einigermaßen Hellen aufbauen zu können, mussten wir die Show von Mola leider aus der Ferne verfolgen. Mit Moop Mama haben wir den letzten Act der Warm-Up Party dann aber wieder gesehen und damit ging der Donnerstag, der mittlerweile schon eher als erster Festivaltag und nicht nur als Warm-Up bezeichnet werden kann, nach einem kurzen Abstecher ins Zelt der White Stage zu Ende. 

Die Nacht war durch die früh steigenden Temperaturen schneller vorbei als gedacht, nach einer kurzen erfrischenden Dusche waren wir dann auch bereit für den ersten vollen Festivaltag. Wir drehten eine Runde über den Zeltplatz und freuten uns über die kurze Erfrischung, die die ein oder andere Wasserspritzpistole versprach. Mit The Butcher Sisters starteten wir auf dem Infield und damit ging es gleich richtig los. Zwischen Moshpit und Circle Pit kam fast so etwas wie ein laues Lüftchen auf, das Abkühlung versprach. Im Anschluss mussten wir uns erst mal kurz ausruhen und nach einem schnellen Getränk ging es weiter zu A Day To Remember. Die vier Jungs aus Florida konnten gerade noch ihren ersten Song „The Downfall of us all“ fertigspielen, dann wurde leider das gesamte Festival evakuiert. Die Evakuierung war vonseiten des Veranstalters gut organisiert und die Besucher arbeiteten super mit, sodass alle schnell in Autos und Wohnmobilen untergebracht waren. Wir überbrückten die Zeit bei Freunden im Wohnmobil und die zweieinhalb Stunden Unterbrechung gingen schnell vorbei. Glücklicherweise zog das Gewitter größtenteils an uns vorbei, daher gab es keine größeren Schäden am Gelände und den Bühnen. Nicht nur wir brauchten etwas länger aus der Evakuierung zurück zu den Bühnen und so war bei Halsey um 22 Uhr noch wenig los, bis wir dann kurz vor deren Abschluss bei Empire of the Sun ankamen, war der Platz vor der Bühne wieder gut gefüllt. Billy Talent heizten zum 20-jährigen Jubiläum ihrer Platte „Billy Talent II“ mit vielen bekannten Liedern dann nochmal so richtig ein bevor wir den Tag bei Provinz etwas ruhiger und eine Stunde später als geplant abschlossen. A Day to Remember, Clueso, Filow und Rory mussten durch das Unwetter leider ersatzlos gestrichen werden.  

Der Festivalsamstag startet dem Unwetter sei Dank mit leicht abgekühlten Temperaturen und leichten Wind – abgekühlt heißt beim diesjährigen Southside aber immer noch über 30 Grad. Zu unseren Campnachbarn Tusker schafften wir es am Samstag leider nicht, da sie schon um 13 Uhr die Red Stage eröffneten, wir haben aber am Vortag schon eine kleine Kostprobe erhalten, als sie Werbung für ihren Auftritt mit einer Tour über den Campingplatz gemacht haben. Bei nächster Gelegenheit lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall. Sie sollten aber nicht die letzten sein, auf die wir am Samstag verzichten mussten, denn dieser Festivaltag bedeutete für uns, dass wir uns mehrfach zwischen zwei Acts entscheiden mussten. Auf dem Weg zu Zebrahead schauten wir noch kurz bei Anda Morts vorbei, das hatte sich für uns auf jeden Fall gelohnt. Und weiter ging’s bei Zebrahead mit den ersten Moshpits des Tages. Die fünf Jungs aus Kalifornien hatten wieder einiges für das Publikum vorbereitet, von einer Bar auf der Bühne, Stagediving mit Schlauchboot und natürlich einer Wall of Death. 

Einmal Durchschnaufen und dann ging’s für uns weiter zu Grandson (für den wir leider auf Rosmarin verzichten mussten). Durch die starke Präsenz in den letzten Jahren, unter anderem als Vorband von Linkin Park, konnte die Menge fast jedes Lied mitsingen, das spürte man auch an der Stimmung. Nächste Entscheidung: Basement oder Sondaschule? Für uns gings zur Red Stage und damit zu Basement. Die Alternative Rocker aus Ipswich (UK) ließen uns keine Zeit zum Durchatmen und so waren wir sehr glücklich über unsere Wahl. Danach ging’s genauso energiegeladen mit den Donots auf der Green Stage weiter und wir konnten unsere Stimmbänder schonmal mit bekannten Songs wie „Calling“ und „So long“ warmsingen bevor es zu Bosse ging. Und auch hier wurden unsere Erwartungen mal wieder übertroffen. Eröffnet wurde der Auftritt mit einem eigens zusammengestellten Southside-Chor, für den man sich im Vorfeld über einen Instagram-Aufruf melden konnte. 30 Fans sangen gemeinsam mit Bosse das Lied „Lass dich nicht f*cken“ und setzten damit ein Statement gegen Hass und digitale Gewalt. Danach war dann auch das restliche Publikum wieder mehr gefragt, mitzusingen und ist dieser Aufforderung natürlich auch mit viel Elan nachgekommen. Nach einer kurzen Stärkung waren weitere Entscheidungen gefragt: The Offspring oder Drunken Masters? Yungblud oder Betterov? Zum Abschluss des Tages mussten wir dann nochmal alle Energiereserven zusammensammeln, denn sowohl Pennywise als auch Kraftklub gaben nochmal alles. Wir sind uns sicher, dass die Campingplätze ausgestorben waren, denn vor beiden Bühnen war extrem viel los. Bevor wir komplett zerstört ins Zelt fielen, holten wir uns noch etwas gute Laune und Urlaubsfeeling bei Roy Bianco & den Abbrunzati Boys und ihrem Italo-Schlager ab. 

Am Sonntag haben wir mit den ersten Regentropfen unser Zelt und Pavillon ins Auto gepackt, um dort ein weiteres Unwetter mit Hagel und Gewitter abzuwarten. Und danach war er endlich wieder da: der Matsch, den wir 2 Jahre lang vermisst haben (nicht). Die schlammigen Stellen hielten sich zum Glück in Grenzen und die Temperaturen waren unverändert hoch, sodass wir zum Glück nicht auf Gummistiefel umsteigen mussten. Destroy Boys und All Time Low mussten durch das Unwetter leider abgesagt werden, was gemeinsam mit dem Ausfall von A Day to Remember für einige Besucher zu einer eher unbefriedigenden Band-Ausbeute führte. Wir schauten zunächst kurz bei Kaffkiez auf der Blue Stage vorbei, bevor es weiterging zu Alexisonfire. Hier waren zu Beginn noch Tonprobleme zu überwinden, der Großteil des Sets konnte aber in gewohnter Weise abgespielt werden. Für uns folgte dann Edwin Rosen, hier mussten wir nach kurzer Zeit aber leider ins Pressezelt flüchten, da wir intelligenterweise davon ausgegangen sind, dass ein blauer Himmel keinen weiteren Regen bedeuten würde. Zu Florence + The Machine trauten wir uns dann aber wieder nach draußen und die Band rund um Florence Welch gab alles, damit sich auch die Sonne wieder blicken ließ.

Im Anschluss ging es für uns weiter zur Green Stage, bei der Papa Roach zeigten, weshalb sie zu den Ikonen des Nu-Metal gehören. Der erste Wellenbrecher glich mal einem einzigen großen Moshpit, mal war der Moshpit im Inneren des Circle Pits. Neben der Band standen auch die Söhne von Jacoby Shaddix auf der Bühne und der jüngere Sohn Brixton sang mit seinem Vater „Braindead“. Papa Roach raubten uns den letzten Rest Energie, weshalb wir beschlossen, früher als geplant den Heimweg anzutreten und nicht bis zu Twenty One Pilots zu warten. Im besten Fall können wir das Konzert im Stream in den folgenden Tagen nachschauen. 

Vom Southside 2026 nehmen wir wirklich 1.000 Erinnerungen mit, es gab nichts, das wir nicht erlebt haben an diesem Wochenende. Und so freuen wir uns definitiv aufs nächste Jahr, wenn die Landebahn wieder für feierwütige Festivalgänger geöffnet wird. 

Nachbericht und Foto von Felix Haberl

Dieser Artikel wurde am: 24. Juni 2026 veröffentlicht.

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