Am 17.06.2026 bringen Rocklegenden Foo Fighters ihre „Take Cover“-Tour in die Bayernmetropole. Als Support sind Otoboke Beaver und Inhaler dabei.
Die Kyoter Band Otoboke Beaver und ihre Musik ist nur schwierig zu beschreiben. Instinktiv kommt einem der Begriff „Krach“ in den Sinn, wobei das nicht unbedingt schlecht ist.
Es gibt viel coolen Punk aus Japan, wobei diese dem typischen anglozentrischen Fan wahrscheinlich kaum ein Begriff sein werden. Wenn man über „laute Musik aus Japan“ spricht, so ist Babymetal sicher ein Act, der vielen aus der Szene ein Begriff ist. Ähnlich wie Babymetal spielen auch die Damen von Otoboke Beaver mit der Fremdheit der Ästhetik, wobei Babymetal doch im Grunde eine Idol-Gruppe ist, niedliche Handzeichen inklusive.
Otoboke Beaver dagegen sind, wie es sich für eine Noise-Band gehört, ganz explizit auf Radau aus. Bei Noise ist der Grad zwischen freudvollem Chaos und Lärmbelästigung bekanntermaßen schmal. Im Publikum sitzt der Eine oder Andere verdutzt drein schauende Foo Fighters-Fan, doch eins kann man Otoboke Beaver sicher zugute halten: Sie sind nicht langweilig.
Was viele nicht wissen, ist, dass Inhaler Teil einer Rockdynastie ist: Sänger Elijah Hewson ist nämlich der Sohn von U2-Frontmann Bono. Etwas witzig, wenn man betrachtet, dass Dave Grohls Tochter Violet aktuell ebenfalls ihr erstes eigenes Album veröffentlicht und ihren Vater auf der Tour begleitet.
Musikalisch sind Inhaler eine richtig coole, bestens produzierte Alternative-Rock-Gruppe, geschlagen mit all der kühnen britischen Coolness, die Bands wie diese hervorstechen lässt. Doch Coolness übersetzt sich nicht direkt in Performance. Wie so viele Rock-Acts sind die Mitglieder von Inhaler auch mit dem Bühnenfluch geschlagen, einfach nur mit ihren Instrumenten da zu stehen. Mehr als eine musikalische tolle Band unterliegt diesem Fluch, und Inhaler haben es auch nicht leicht: so beliebt sie in ihrer Heimat sind, in Deutschland sind sie noch nicht ganz angekommen. An diesem Tag macht die schwüle Hitze die Münchener ohnehin träge; die ebenso träge Performance tut wenig, um das zu verändern.
Bis der Hauptact die Bühne betritt, sind die Bewohnenden in der Allianz-Arena schon hart gekocht und haben ihr gesammeltes Körpergewicht an Bier (und hoffentlich Wasser) intus. Es geht direkt mit voller Energie los, und aller Hitze zum Trotz ist das Stadion von der ersten Minute an am Springen.
Eins muss man ihm lassen: Dave Grohl ist ein elektrisierender Performer, der das gesamte Stadion mit Leichtigkeit in seinen kleinen Finger wickelt. Unentwegs animiert er zum Tanzen, zum Mitgröhlen, zum Eskalieren. Ungeachtet des dadurch entstehenden rhythmischen Gestolpers der Songs aktiviert er die Crowd, lässt niemanden auch nur einen Moment in Ruhe. Dave ist ein waschechter Rockstar. Das vergisst man manchmal, denn er mimt schon zu lange den lieben Papi der Szene. Foo Fighters haben womöglich ihre musikalischen Glanzjahre hinter sich, doch als Livemusiker sind die Foo Fighters eine Klasse für sich.
Es ist schon bezeichnend, dass Dave die Band erst nach anderthalb Stunden Konzert überhaupt mal erwähnt. Eine wirklich schöne Idee: Jedes Mitglied stellt sich mit Musik aus ihrer Vergangenheit vor. Denn die Band besteht aus einem Flickenteppich an Musikern, die sich in der Musikgeschichte hervorgetan haben. Gitarrist Christian war zum Beispiel Teil der lehgendären Band No Use For A Name, Bassist Nate ein Teil von Sunny Day Real Estate. Der sicher witzigste Moment der Vorstellung kommt, als Dave versucht – man unterstreiche versicht – ein Wallflowers-Cover mit Ex-Mitglied Jackie am Keyboard darzubieten. Dave vergisst sofort die Lyrics, die dann im Handumdrehen zu Lobhudeleien für Jackie werden.
Es gibt viel Beifall für das Versprechen, heute Abend besonders viel für die „old school“ Fans zu spielen. Da ich mich dazu zähle, bin ich erfreut. Wenn wir den ganzen Abend mit nur den ersten 3 Alben gestalten könnten, wäre das perfekt…typisch Rockfan, man gibt ihr den kleinen Finger und sie will die ganze Hand.
Ich bin schockiert, dass sie „Best Of You“ direkt als sechsten Song spielen, und dann direkt in „Learn To Fly“ rein rutschen. Man soll bekanntlich nicht sein Pulver zu früh verschießen. Daraufhin kommt direkt die Erklärung: In 30 Jahren Jahren als Band haben sie um die 180 Lieder gesammelt. Und sicher will das Publikum keine kurze Show.
Verdammt Dave, ich bin wieder auf deiner Seite.
Und in der Tat, wie versprochen gibt die Band alles. Der Abend entfaltet sich in einem rasanten Mix aus Oldies, Akustik-Pieces und dem einen oder anderen Deep Cut. Bei „Best Of You“, kurz vor Schluss des Sets, gibt Daves Stimme allmählich den Geist auf – kein Wunder, bei mehr als 2 Stunden geballter Energie und singen, schreien und sing-schreien in all seinen Registern. Keine Überraschung von dem Mann, der sich beim Stagediven das Bein gebrochen hat, und nach einem kurzen Abstecher im Krankenhaus einfach zurück auf die Bühne kam. Die Foo Fighters versprechen eine 3-Stunden-Show – mit satten 29 Songs ist ihre riesige Diskographie an diesem Abend in München zwar nicht gedeckt, doch sie haben es zumindest versucht.
Wir beenden den Abend mit „Everlong“, ein Lied, das die Foo Fighters für immer in die Annalen der Rockgeschichte geschrieben hat. Es ist etwas besonderes, diesen Song an diesem Abend zu hören, unter dem Münchner Himmel, umgeben von 70.000 Menschen, die alle dasselbe Lied singen.
Nachbericht von Nataly Sesic
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