Fürth, 19.04.2026: Manche Konzertabende beginnen mit dem Einlass. Dieser hier begann schon deutlich davor. Bereits um 17:30 Uhr, noch vor Öffnung der Türen, startete eine Akustik-Session gemeinsam mit dem Nürnberger Kneipenchor „Nürnberger Fregger“, geleitet von Thomas Kaminski. Rund 60 Teilnehmende standen zusammen und sorgten schon vor Konzertbeginn für eine Atmosphäre, die weniger nach klassischer Venue und mehr nach gemeinschaftlichem Musikabend klang.
IL CIVETTO – letzter Abend der Tour und ganz viel Bewegung
Den offiziellen Auftakt übernahmen anschließend Il Civetto, für die der Abend gleichzeitig die letzte Show mit Kaffkiez auf dieser Tour bedeutete. Die Band wirkte entsprechend emotional, aber gleichzeitig voller Energie. Besonders auffällig war sofort das riesige Saxofon, das optisch wie musikalisch immer wieder Akzente setzte. Inhaltlich gab es ebenfalls einiges mitzunehmen: Mit „Magst du mich auch“ wurde eine neue Single präsentiert, gleichzeitig fiel der Abend auf ein wichtiges Datum, laut Band war am 19.04.2026 die finale Abgabe ihres neuen Albums.
Außerdem kündigten Il Civetto bereits ihre kommende Oktober-Tour an, darunter auch den Termin am 20.10. im E-Werk Erlangen. Musikalisch passte die Mischung aus Indie, Bläsern und rhythmischer Leichtigkeit erstaunlich gut zum späteren Hauptact und brachte die Halle früh in Bewegung.
Kaffkiez – Farben, Bläser und ganz viel Gemeinschaft
Schon der Beginn des Kaffkiez-Sets zeigte, dass dieser Abend visuell und musikalisch etwas Besonderes werden würde: Vorhang auf, direkt mit Posaune und Saxofon. Kurz zuvor war die Bühne noch spontan umgebaut worden, Banner wurden aufgehängt und das Setup erweitert.
Die Bläserparts wirkten dabei nie aufdringlich oder dauerhaft im Vordergrund, setzten aber immer wieder sehr schöne Akzente innerhalb der Songs. Melina und Sophia an Saxofon und Trompete erweiterten den Sound an den richtigen Stellen und verliehen einzelnen Momenten zusätzliche Größe und Atmosphäre. Gerade in Kombination mit der Lichtshow entstand dadurch immer wieder eine besondere Dynamik, die perfekt zum insgesamt farbenfrohen Charakter der Show passte.
Hinter Schlagzeug und Keyboard stand ein kleiner Minizaun, hinter dem alles konsequent in Rosa- und Blautönen ausgeleuchtet wurde. Der Zaun selbst bestand aus beweglichen Gittern, die teilweise geklappt werden konnten. Zusammen mit Lauflichtern und dahinter platzierten Blindern entstanden dadurch immer wieder komplett neue Lichtbilder, auch in der Höhe und in der Tiefe hinter der eigentlichen Bühne. Das Bühnenbild wirkte kreativ, verspielt und gleichzeitig technisch durchdacht.
Inhaltlich blieb die Band nahbar. Kaffkiez bedankten sich mehrfach für die spontanen Treffen und kleinen Tourmomente „an den Bahnsteigen“. Selbst eine Anzeige der Polizei wurde scherzhaft auf die eigenen Pupillen geschoben. Das Publikum durfte außerdem abstimmen, welcher besondere Song an diesem Abend gespielt werden sollte: Fürth entschied sich für Matilda.
Musikalisch wechselte der Sänger immer wieder zwischen Präsenz ohne Instrument und Passagen mit Akustikgitarre. Zwischendurch gab es ein kleines Mini-Drumsolo, ehe die Band erneut Tempo aufnahm. Dabei fiel auf, wie jung Kaffkiez trotz ihrer mittlerweile großen Hallenshows eigentlichnoch waren, irgendwo mitten in den Zwanzigern, aber bereits mit enormer Kontrolle über Publikum und Dynamik.
Und Dynamik gab es reichlich: Kaum sprach die Band darüber, dass sie nun eben auch „mal nach Fürth mussten“, wurden direkt mehrere Circle Pits angeheizt. Mindestens drei Stück über den Abend verteilt. Besonders bei In Nächten wie diesen explodierte die Stimmung förmlich. Ein besonders intensiver Moment entstand später auf der B-Stage hinter dem FOH. Dort wurde ein Song ausschließlich mit Piano und Gesang performt. Reduziert, ruhig und mit spürbarer Nähe zum Publikum. Direkt danach sprach die Band über einen Song, bei dem sie hofften, ihn „irgendwann nie wieder spielen zu müssen“, weil sich dessen Inhalt hoffentlich irgendwann erledigt haben würde. Bei Galaxie ging schließlich eine sichtbare Gänsehaut durch große Teile der Halle. Zurück auf der Hauptbühne ging es danach wieder größer weiter, diesmal mit E-Gitarre, Posaune und dem langen Saxofon.
Zum Abschluss wurde es dann noch einmal maximal lokalpatriotisch: Bass- und Schlagzeuger tanzten mit Trikots der SpVgg Greuther Fürth auf der Bühne. Passend dazu hatte der Verein am selben Tag einen wichtigen Sieg im Kampf um den Klassenerhalt eingefahren. Ein Timing, das vom Publikum natürlich begeistert aufgenommen wurde.
Fazit: Kaffkiez schafften in Fürth etwas, das nur wenige Bands hinbekommen: eine Show, die gleichzeitig groß produziert und vollkommen nahbar wirkte. Zwischen Circle Pits, Bläsern, Lichtkunst, Akustikmomenten und lokalem Fußballjubel entstand ein Abend, der sich nie künstlich anfühlte. Auch Il Civetto überzeugten als Vorband und hinterließen mit ihrer letzten gemeinsamen Show einen starken Eindruck. Dass die Tour inzwischen bereits zu zwei Dritteln vorbei war, merkte man beiden Bands an – nicht durch Müdigkeit, sondern durch Eingespieltheit und Selbstverständlichkeit auf der Bühne.
Nachbericht und Fotos von Lukas Pförtsch
Setlist Kaffkiez:
Die Sonne scheint
Du bist Schuld
4000 Grad
Zum ersten Mal nice
Vorhang Auf
Mut
Himmelblau
Benz
Mitte 20
Du sagst
In Nächten wie diesen
Hast du noch Zeit
Matilda
Sommer mit dir (Instrumental)
Galaxis (Instrumental)
Keine Stadt
Capri SonneFrei
Nie allein
Scheissegal
Alles Nur Gelogen
Halb so schön wie du
Noch offene Tourtermine Kaffkiez:
29.08. Dresden – Freilichtbühne Großer Garten JUNGE GARDE
30.08. Wien (AUT) – Arena Wien Open Air
03.09. Linz (AUT) – Posthof FrischeLuft-Bühne
05.09. Erfurt – Festwiese
Tourtermine von Il Civetto – Träume aus Lava Tour 2026/2027
10.10. Rostock – Peter Weiss Haus
11.10. Kiel – Die Pumpe
13.10. Bremen – Schlachthof
14.10. Dresden – Tante Ju
15.10. Halle – Steintor Varieté
16.10. Erfurt – Stadtgarten
17.10. Ulm – Roxy
19.10. Stuttgart – Im Wizemann
20.10. Erlangen – E-Werk
21.10. Köln – E-Werk
22.10. Heidelberg – Halle02
23.10. Lindau – Club Vaudeville
25.10. München – Muffathalle
26.10. Bern – Mühle Hunziken – Rubigen bei Bern
27.10. Winterthur – Salzhaus
28.10. Saarbrücken – Garage
29.10. Essen – Weststadthalle
31.10. Oldenburg – Kulturetage
01.11. Berlin – Columbiahalle
03.11. Hannover – Capitol
04.11. Münster – Skaters Palace
05.11. Hamburg – Große Freiheit 36
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