Die Posthalle Würzburg war am vergangenen 11. November schon lange vor Einlass ein brodelnder Treffpunkt. Ausverkauftes Haus, gespannte Gesichter, viele Fans im alten Merch – alles deutete auf einen Abend hin, der laut, intensiv und emotional werden würde.
Haywire – Wuchtiger Opener
Haywire, ebenfalls wie die Dropkick Murphys aus Boston, eröffneten den Abend mit einer rohen, direkten Energie, die sich sofort in der Halle ausbreitete. Ohne große Warm-up-Phase drückten sie ihre Songs u.a. auch ein Cover von „Boys Don’t Cry“ von The Cure in den Raum, bissig, schnell und mit einer Bühnenpräsenz, die klar machte: Dieser Abend wird anstrengend – im besten Sinne.
Frank Turner – Vom Folk zum Punk, immer authentisch
Frank Turner verwandelte die Posthalle anschließend zusammen mit seiner Band „The Sleeping Souls“ in ein kollektives Wohnzimmer. Zwischen Folk-Hooks, Punkmomente und hymnischen Refrains schaffte er es wie gewohnt, die Menge von der ersten bis zur letzten Minute mitzunehmen. „The Road“, „Recovery“ – alles wurde laut mitgesungen. Turner lieferte eine Support-Show, u.a. auch mit ein paar Deutscheinlagen, die eigentlich zu groß für einen Support-Slot ist, was den Abend aber nur noch denkwürdiger gemacht hat.
Dropkick Murphys – Würzburg wird zur irischen Kneipe
Kaum betrat die Band die Bühne, wurde es grün – und laut.
„The State of Massachusetts“ als Opener war ein Schlag ins Kontor und sorgte sofort für Bewegung. Mit „The Boys Are Back“ gab es das erste große kollektive Ausrasten im Saal – ein Gefühl wie Heimkommen, nur lauter.
Es folgte eine Setlist, die keine Verschnaufpause vorsah:
• „Going Out in Style“ – klassischer Mitgröhlmoment
• „Smash Shit Up“ – pure Abrissstimmung
• „A Hero Among Many“ – starker, emotionaler Gegenpol
• „Johnny I Hardly Knew Ya“ – das Publikum im Vollbesitz der Textsicherheit
• „The Warrior’s Code“ – eine dieser Hymnen, die sich live größer anfühlen als auf Platte
Die Mitte des Sets wurde zu einem ständigen Auf und Ab zwischen rauer Energie und irischem Folkgefühl.
Bei „Street Lights“ sang die ganze Posthalle mit, bei „The Green Fields of France“ legte sich ein fast schon ergriffener Moment über die Menge. Danach sofort wieder Vollgas mit „Out of Our Heads“ und „Good As Gold“. Der Raum vibrierte.
Natürlich durften die Klassiker nicht fehlen:
„Worker’s Song“, „Barroom Hero“ – beide kamen mit einer Gänsehaut-Livepräsenz, wie man sie nur bei den Murphys bekommt.
Und als dann im Zugabenblock „I’m Shipping Up to Boston“ durch die Halle peitschte, gab es endgültig kein Halten mehr. Zum krönenden Abschluss ging man direkt in den neuen extrem mitreisenden Track „The Big Man“ des aktuellen Albums über. Es wurde ein riesiger Circle Pit im Publikum gebildet und die Stimmung war am Zenit des Abends angelangt. Man soll ja auch bekanntlich aufhören, wenn es gerade am schönsten ist.
Fazit – Ein Abend, der bleibt
Nach über 90 Minuten verabschiedete sich die Band ohne großes Pathos, aber mit ehrlicher Dankbarkeit – typisch Dropkick Murphys.
Das Publikum ging mit heiseren Stimmen, schweißnasser Kleidung und breitem Grinsen nach Hause.
In einer ausverkauften Posthalle wurde für ein paar Stunden aus Würzburg ein irischer Pub – laut, herzlich und voll gemeinsamer Energie.
Nachbericht und Fotos von Cris Kilper.
0 Kommentare