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Interviews

Veröffentlicht am: Januar 26th, 2020 | durch Florian Puschke

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„Zeig dich!“: BRDigung im Interview

Mit „Zeig Dich!“ erscheint am 31.03.2020 das neue Album der Punkrock-Band BRDigung. Wir haben uns mit Sänger und Gitarrist Julez über die Songs, die Zeit im Studio und weitere Themen unterhalten.

Moin ihr Lieben. Wo erwischen wir euch gerade?
Julez: Wir befinden uns gerade mitten in der Promophase und in den letzten Zügen vor Release des neuen Albums. Die heiße Phase sozusagen. Aber noch ist alles weitestgehend entspannt und läuft nach Plan.

Mit „Zeig dich!“ erscheint am 31.01.2020 euer neues Album. Liefen die Vorbereitungen und Planungen wie immer ab, oder habt ihr was anders gemacht im Vergleich zum Vorgängerwerk „Zeitzünder“?
Julez: Die Vorbereitungen und Planungen waren ähnlich wie bei Zeitzünder, ja. Das liegt einfach daran, dass wir teamintern mittlerweile ziemlich gut eingespielt sind und die Räder gut ineinander greifen. Was den Inhalt der Platte und die Songs allgemein angeht, war es uns wichtig im Soundbild nochmal eine Schippe drauf zu setzen und ich denke da haben wir definitiv geschafft. Und wie gewohnt haben wir viel herum experimentiert mit verschiedenen Stilen, Genres und Einflüssen.

Die Zeit im Studio – wie muss man die sich bei euch vorstellen?
Julez: Studiozeit bedeutet für uns immer die maximale Kreativität und Freiraum. Heißt es gibt keine Tabus, alles ist erlaubt und wir schauen gerne, was dabei heraus kommt, wenn man verschiedene Dinge einfach mal in einen Topf wirft. Klar, da wird auch vieles verworfen, aber hin und wieder stößt man schon auf eine Perle. Und das macht das Ganze so spannend.

Das Album beinhaltet einige Songs, die (so wie man euch kennt) sehr direkt und provokant geschrieben wurden. Gibt es Themen, die euch dieses Mal ganz besonders beschäftigt haben in Bezug auf die Texte?
Julez: Ich höre das öfter, und muss auch hier sagen, dass ich nicht finde, dass wir besonders provokant sind. Wir machen nunmal Musik der etwas härteren Gangart und da sollte es auch nicht verwundern, wenn man textlich ein bisschen derber ist. Ich habe da allerdings auch wenig Vergleiche, da ich privat so gut wie keine deutschsprachige Musik höre. Was die Themenauswahl angeht, denke ich spricht der Inhalt des Albums wirklich für sich und ich möchte da jetzt auch nur ungern explizite Dinge nennen, einfach weil ich dem Album nicht vorgreifen möchte. Wir finden es ist ein sehr ehrliches Album geworden, gerade in Bezug auf den textlichen Inhalt.

„Zeig dich!“ macht klar, dass sich niemand verstecken muss/darf – ist es eurer Meinung nach ein Motivations-Song, oder was steckt dahinter?
Julez: Wer den Song so verstehen mag, der kann das gerne tun, das ist vollkommen in Ordnung so. Uns war es einfach ein Bedürfnis diesen ganzen Internet/Instagram Lifestyle etwas zu kommentieren. Demnach hat ja jeder das beste Leben, das meiste Geld und ist einfach nur zu beneiden. Ich verstehe nicht, wie sich so viele nach wie vor von sowas blenden lassen, denn erstens sieht die Realität gerade bei diesen Leuten oft anders aus und zweitens sagt eine Zahl noch lange nichts über deinen Wert als Mensch aus.

In „Brich aus“ erwähnt ihr so einige Namen und verarbeitet sie im Text – was läuft eurer Meinung nach gerade ganz besonders schief in diesem Land?
Julez: Da gibt es denke ich einiges zu erwähnen. Aktuell empfinde ich es so, als befänden wir uns in einer Zeit der Hypersensibilität. Heißt jeder ist gleich vor den Kopf gestoßen, wenn man mal einen etwas derberen Scherz macht. Es zählen weniger Argumente, sondern mehr wer lauter Brüllen kann. Und es kommen immer mehr Leute daher, die einem vorschreiben wollen, welche Worte man noch benutzen darf und welche lieber nicht. Mit sowas habe ich generell ein großes Problem, besonders weil ich finde, dass gerade Kunst alles dürfen sollte.

Im Song „Kein F***“ ist es ähnlich, nur geht es hier um ein anderes Thema – wie wichtig ist es, gerade in der Musik,- oder Punkrockszene, dass man sich nicht verändert?
Julez: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf musikalischer Ebene gesehen verändern wir uns als Band ja von Album zu Album immer ein Stück weit. Alles andere würde uns extrem langweilen und die Hörer nach einiger Zeit bestimmt auch. Die Frage ist vielmehr, ob es interessant für dich ist, was andere davon halten, wie du deine Dinge angehst. Und was das angeht sollte unsere Antwort dazu bekannt sein.

„Ob du behindert bist“ hat mich mit am meisten überzeugt; hier habt ihr ein ernstes und wichtiges Thema auf dem Papier, welches ihr aber mit viel Humor rüberbringen könnt. Leider stellt man sich die Frage ja immer öfter – wie kann es eurer Meinung nach passieren, dass so viele Menschen so viel falsches Gedankengut im Kopf haben?
Julez: Keine Ahnung, über sowas mache ich mir wenig Gedanken. Ich stolpere halt hier und da über Aussagen, Ideen oder Menschen, die mich dazu inspirieren, mit ihnen Inhalte meiner Songs zu füllen. Und das wird dann auch so gemacht.

„Lichtblick“ – ein Song (wenn ich ihn richtig interpretiere) über unsere Kinder. Wie wichtig ist euch der familiäre Rückzugsort, gerade in Zeiten von Social Media?
Julez: So kann man den Song bestimmt auch interpretieren, das finde ich interessant. Gerade heutzutage, wo Arbeit ein großer Teil des Lebens ist, ist es wichtig sich auch mal Auszeiten zu nehmen, sei es mit Familie, Freunden oder einfach Urlaub. Das ist auch etwas, wo ich noch stark an mir selber arbeiten muss, da ich generell sehr viel mache und mit für die oben genannten Dinge selten mal richtig viel Zeit übrig bleibt. Bei Social Media bin ich hingegen entspannter, da ich diese Kanäle hauptsächlich nur für die Belange meiner Band nutze und auch keine Zeit und kein Interesse habe, um zu schauen, was andere so posten oder machen.

Auch Songs wie „Vielleicht ja, vielleicht nein“, „Nur einen Sommer lang“ oder „Weck mich auf“ finden Platz auf dem neuen Album – Songs mit viel Herz. Ist euch das Gleichgewicht zwischen Provokation und Gefühl auf einem Album wichtig?
Julez: Es mag sein, dass manche Leute dies als wichtig erachten, aber ich dieser Prozess war bei uns ein ganz organischer. Wir erstellen keine Trackliste nach einer Tabelle nach dem Motto: “Wir brauchen noch zwei ruhige Nummern und eine lustige.” Vielmehr schauen wir, welche Songs wir am besten finden und nehmen die dann auf das Album. Dass dabei eine solche Mischung entsteht ist Zufall und wenn manchen Leuten genau das zusagt, dann freut uns das natürlich auch.

Natürlich höre ich auch bei „Zeig dich!“ genau hin und habe zum einen eine Gitarren-Parallele im Intro rausgehört („Neues Leben“) und zum anderen natürlich euren „BRDigung“-Ruf. Darf gerade letzteres auf keinem Album fehlen?
Julez: Dass wir uns regelmäßig selbst referenzierten ist ja nichts neues mehr. Gerade bei „Zeitzünder“ gibt es mehrere solche Parallelen.

Zum ersten Mal erschein ein Album von euch auf Vinyl. Wie stolz macht es euch und was bedeuten euch das in Zeiten der Streaming-Portale?
Julez: Stolz bin ich persönlich auf den Inhalt eines Albums. Weniger auf das Medium, auf dem das Album erscheint. Ich selbst habe keinen Vinyl Spieler Zuhause, insofern gehöre ich auch nicht zur Zielgruppe. Aber es scheint schon wieder zunehmend Leute zu geben, die sich darüber freuen und in der Vergangenheit gab es immer wieder mal Menschen, die danach gefragt hatten. Es freut uns also bei “Zeig dich!” auch diese Leute zufrieden zu stellen.

Mit dem neuen Album geht es auch auf Tour – gibt es da spezielle Vorbereitungen zu treffen?
Julez: Wir erstellen aktuell noch die finale Setliste und langsam starten dann auch die Tourproben. Das ist mit das Wichtigste momentan. Wir hoffen sehr, dass den Leuten die neuen Songs gefallen und sind gespannt darauf, wie diese auch Live funktionieren.

Tourbus: Was darf auf keinen Fall fehlen?
Julez: Da kann ich jetzt nur für mich persönlich antworten: Nasenspray!

Als Support habt ihr die Band Grenzenlos mit an Bord. Wie kam das zustande?
Julez: Grenzenlos ist eine hungrige und in unseren Augen sehr talentierte Band. Wenn die Jungs so weiter machen wie jetzt, dann sehen wir sie in wenigen Jahren sehr weit oben. Dazu wollen wir beitragen, denn als wir an deren Stelle waren, waren wir auch dankbar um jede Unterstützung. Das neue Album ist ja ebenfalls schon auf der Zielgeraden und wird glaube ich sogar veröffentlicht, wenn wir mit den Jungs auf Tour sind in München.

Bitte beendet folgende Sätze.
Kritik ist …
Julez: …von den falschen Leuten unwichtig.

Hipster nerven tierisch, weil…
Julez: …sie behindert sind.

Wir stampfen, um…
Julez: … laut zu sein.

Der schönste Lichtblick ist…
Julez: … der in eine Taschenlampe.

Was bedeuten euch folgende Wörter?
Familie
Julez: Wichtig.

Kempen
Julez: Hometown

Wolfenstein
Julez: Geile Games.

Konzert-BluRay/DVD von euch
Julez: Irgendwann bestimmt mal.

20 Jahre BRDIGUNG
Julez: Werden wir bestimmt feiern.

Tough Magazine
Julez: Interview.

Vielen Dank, die letzten Worte gehören euch!
Julez: Vielen Dank auch und vielen Dank für all den Support. “Zeig dich!” Erscheint am 31.01.2020 und die Releaseparty steigt einen Tag später in Krefeld. Die Tour beginnt Ende März und wir hoffen wir sehen euch dort. Alle Infos auf unserer Homepage. Bleibt gesund und bis dahin.

Interview im Januar 2020 von Florian

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