Da sitzen wir nun.
Mitten auf der Zauberinsel und schauen auf die bunten Berge, die zwei Sonnen am Firmament und die kleinen putzigen grüne Tiere mit den jeweils drei Augen, die uns fragen, ob wir noch etwas von den Zauberbeeren der fleißigen Monsemons haben möchten.
Naja, ganz so ist es dann doch nicht.
Aber wir sprechen über die Zauberinsel.
Oder besser gesagt den Zauberinsel-Verlag der lieben Anke Pahlenberg, die in den letzten Jahren mit einer großartigen Trilogie ein kleines Novum geschaffen hat.
Eine Geschichte um die Abenteurer Fernando und Enrique, die in drei Hörspielen nicht nur kindgerechte Geschichten erleben, sondern auch noch von einer großen Schar von LiedermacherInnen musikalisch auf ihren Reisen begleitet werden.
Wir durften Anke einige Fragen zum Verlag und zu den Abenteuern stellen.
Seid gespannt auf die Antworten:
- Hey Anke. Endlich finden wir die Zeit zum Interview. Wie geht es Dir?
Super! Am Freitag erscheint unser neues Hörspiel und ich bin aufgeregt! Wir freuen uns schon alle auf die Reaktionen!
- Für unsere LeserInnen, die dich noch nicht kennen: Beschreib dich in wenigen Sätzen.
Ich probier‘s: Hi, ich bin Anke, lebe im Rheinland und schreibe Geschichten. Ich hab in meinem Leben ziemlich lange vollkommen andere Sachen gemacht, und dabei hauptsächlich versucht zu überleben. Irgendwann hab ich das geändert, produziere jetzt Hörbücher, Hörspiele und schreibe Kinderbücher, habe einen eigenen Verlag gegründet, und hey, Überraschung: Ich bereue nix!
- Wenn man deinen Werdegang verfolgt, stellt man fest das du schon einiges erlebt hast. Politik, soziale Projekte, Archäologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Sounddesign und nun Autorin. Krass. Was hat dich am meisten geprägt?
Der gesamte Weg! Ich habe Geschichte und Klassische Archäologie studiert, weil ich für diese Themen wirklich brenne und immer mit großer Leidenschaft in diesen Bereichen gearbeitet habe. Das Studium war allerdings teuer, das Leben war teuer, ich hab das alles selbst gestemmt und so kam es, dass ich immer viele Jobs parallel machen musste. Dass ich in der Politik gelandet bin, war Zufall. Aus einem Studentinnenjob wurde mehr und so blieb ich. Erst hat die Arbeit mein Studium finanziert und am Ende hatte ich einen interessanten, herausfordernden und niemals langweiligen Job, in dem ich unglaublich tolle Menschen kennenlernen dufte (und natürlich auch unglaublich viele Arschlöcher). Dass ich nicht ewig im politischen Bereich arbeiten wollte, wusste ich allerdings seit meinem ersten Tag. Das war einfach nicht meine Welt. Zum Glück habe ich dann aber einen Weg raus gefunden und ganz ganz viele neue Möglichkeiten für mich entdeckt!
- Wann hast du den Entschluss gefasst, selbstständig zu werden und auf Kinderbücher zu setzen?
Das kam zeitgleich mit der Produktion des ersten Hörspiels der „Fernando und Enrique“-Reihe, 2021. Als ich das Hörspiel aufgenommen habe, konnte ich technisch gar nichts und musste alles von der Pike auf lernen. Aber ich habe gemerkt dass ich das einfach machen muss, also hab ich meinen Job gekündigt und mich voll in die Produktion gestürzt. Durch das ein oder andere zusätzliche Projekt habe ich mich letzten Endes getraut, mich selbstständig zu machen. Außerdem hab ich es dann wirklich fließen lassen, habe auf einmal wie verrückt Geschichten geschrieben, jetzt endlich mit dem Ziel, sie auch zu veröffentlichen.
- Du hast für deine Bücher den Zauberinsel Verlag gegründet. Erzähl, wie es dazu kam!
Das war reiner Pragmatismus. Für Neuautorinnen ist es wahnsinnig schwierig auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen oder einen Verlag zu finden. Mein erstes Kinderbuch war die Geschichte zu dem Hörspiel, was bereits erschienen war. Wir waren mit der Reihenfolge also verkehrt herum, was es nicht einfacher gemacht hat. Es war aber klar, dass wir es veröffentlichen wollen und ich damit auch auf Lesereise gehen möchte. Also musste ich es selber machen und da war ein eigener Verlag die nächstliegende Lösung. Das Schöne daran ist dass man dadurch auch anderen Menschen weniugstens so ein bisschen die Türe auf den Buchmarkt öffnen kann. Mittlerweile habe ich das auch schon einige Male geschafft. Es klingt zwar naiv, aber ich glaube dass man auch in diesem Haifischbecken, das der Buchmarkt von heute nun einmal ist, zusammen stärker ist und sich gegenseitig helfen kann.
- Deine Abenteuer leben vor allem von der Lebensfreude und dem Gute-Laune Gefühl. So sind die Geschichten von Fernando und Enrique sowohl für Kinder aber auch für junggeblieben Erwachsene schon fast ein Muss. Wie kam es zu diesen beiden Hauptfiguren?
Da gibt es tatsächlich eine historische Inspiration: Die erste Weltumseglung unter Fernando Magellan. Ich hatte damals die unglaublich spannenden Tagebücher des Schiffarztes gelesen und wollte eigentlich einen historischen Roman über diese unglaubliche Reise schreiben, ich war schon mittendrin! Meine kleine Cousine hat mich dann irgendwann gefragt, worum es geht, und ich war zu einer einigermaßen kindgerechten Antwort gezwungen. Dabei wurde mir klar, dass der Stoff super geeignet ist für eine Kindergeschichte. Ja, und dann hab ich sie geschrieben. Da ist natürlich noch viel Phantastisches dazugekommen. Aber die Reiseroute und die Erlebnisse sind am Original orientiert. Die beiden Hauptfiguren Fernando und Enrique sind in Anlehnung an Fernando Magellan und seinen Sklaven und Freund Enrique benannt worden, der übrigens der erste war, der die Welt tatsächlich umrundet hat, weil er aus seiner ursprünglichen Heimat geraubt, in die Sklaverei nach Europa verkauft wurde und dann mit Magellan wieder einmal um die Welt herum wieder in seine Heimat kam! Auch die Prinzessin Katharina gab es, und die Käptin Antonia ist in Hommage an den Schiffsarzt Antonio Pigafetta benannt, der mit seinem Tagebuch in gewisser Hinsicht mein Käpt’n war.
- Was stößt dich an, neue Abenteuer zu schreiben? Woher nimmst du dir die Inspiration?
Man nimmt das Leben und verquirlt es mit ganz viel Phantasie.
- Fernando und Enrique ist als Trilogie ein riesiges Projekt. Gerade mit den vielen LiedermacherInnen. Erzähl wie es dazu kam?
Ich hatte diese Geschichte geschrieben und damals zwei Freunde, die unbedingt wollten, dass ich ein Hörbuch draus mache. Das waren vor allem der Liedermacher Melvin Haack, der später mein Erzähler wurde, und mein Freund Götz Widmann, der später die komplette Produktion mit mir ins Rollen brachte und auf einmal ein Kinderlied nach dem anderen zum Thema schrieb. Außerdem spricht er den tollpatschigen Riesen Rumpeldum. Irgendwann hatten sie mich dann so weit und ich dachte, ach, wieso eigentlich nicht? Wenn ich was mache, dann mach ich aber ein Hörspiel mit ganz vielen verschiedenen Charakteren, dann muss es wirklich richtig lebendig werden. Ich hab mir die Personen der Geschichte nochmal vor Augen gerufen und gleich zu jeder Rolle eine passende Besetzung im Kopf gehabt. Die meisten Menschen hatte ich auf dem AdriAkustik kennengelernt, einem Liedermacher:innen Festival in der Nähe von Leipzig. Und dann nahm das Wunder eigentlich schon seinen Lauf: Alle haben auf der Stelle zugesagt und waren begeistert. Tatsächlich hatten wir dann gleichzeitig ein ziemlich lustiges Line-Up, wie Jakob Heymann als Fernando, Falk als pfennigfuchsenden Katastrophenkaufmann Isidor, Jenny Westhauser als hochgradig durchgeknallte Piratin Pia, Linda Gundermann als wenig etikettentaugliche Prinzessin Katharina oder Feli rockt als unausstehliche schrullige Hofdame, und natürlich so viele großartige Leute mehr! Ich würde sie am liebsten alle hier aufzählen! Von Anfang an war dieses Projekt ein absolut überwältigendes Gruppenevent. Und ich muss ganz klar sagen, dass ich ohne den Rückenwind von meinem Team und der Bereitschaft so vieler Wegbegleiter den Mut gar nicht erst gefunden hätte! Plötzlich kam der Musiker und Cartoonist Gymmick mit einem Covervorschlag um die Ecke, meine Begleitmusiker Matthias Keul und Thomas Heidböhmer sprangen an Bord und ihre Kompositionen haben die Geschichten nochmal auf ein ganz anderes Level gebracht. Überhaupt war die Musikproduktion mit das Allerschönste für mich, weil von all meinen Leuten und noch vielen tollen Musiker:innen darüber hinaus so geile Ideen kamen, die diese Hörspiele wirklich besonders machen. Im Grunde ist das halbe AdriAkustik-Festival mal mit dabei gewesen, selbst das Orga-Team! Weil die nämlich nach der ersten Produktion die Idee bekamen, das Ding auf die Bühne zu bringen und uns einfach mal so nebenbei ein Schiff als Kulisse gebaut haben. Ich sag ja, war alles irgendwie ganz schön wunderbar.
- Wie schwierig war es jeweils alle Leute ins Studio zu bekommen? Wie hast du diese Organisation gestemmt?
Sagen wir mal so: Es hat immer irgendwie geklappt!
- In den Geschichten um Fernando und Enrique gibt es jeweils sehr viele Wegbegleiter. Kann es hier auch mal Solo-Abenteuer dieser Personen geben?
Möglicherweise!
- Das Fernando und Enrique – Projekt ist abgeschlossen!? Oder wird es weiter Geschichten über diese Beiden geben?
Nein, die Geschichte ist abgeschlossen und zu Ende erzählt.
- In deinem neuesten Kinderbuch schreibst du die Geschichte von Alberic, dem Baumkönig, der dir sehr ans Herz gewachsen ist. Erzähl uns was zu dieser Figur.
Die Geschichte handelt von einem Jungen, der Angst vor der Dunkelheit hat und beobachtet, wie sich der Baum im Garten während der Dämmerung in ein Monster verwandelt. Mitten in seiner Angst ertönt eine Stimme und stellt sich als Baumkönig Alberic vor. Der ist gar kein Monster sondern ein ganz lieber Baumkönig. Durch Gespräche finden die beiden heraus, was Angst eigentlich ist, wie man ihr begegnen kann und sie schließlich auch überwindet.
- Du veröffentlichst alles in Eigenregie. Wie kam es dazu eben nicht an große Verlage zu gehen?
Mich wollte keiner, ich wollte aber! Dann hab ich‘s selbst gemacht!
- Man hört es oft und man weiß es ja auch. Kunst und Kultur leiden. Die Menschen geben weniger Geld für dieses wichtige Element unserer Gesellschaft aus. Stattdessen ist das Smartphone mittlerweile der Mittelpunkt für viele Menschen geworden. Wie gehst du mit dieser Situation um?
Erstmal positiv. Hörspiele und Hörbücher kann man ja wunderbar übers Smartphone hören. Auch E-Books funktionieren gut, aber da muss zumindest ich persönlich noch nachrüsten. Generell würde ich immer probieren so gut es geht mit der Entwicklung mitzugehen und möglichst innovativ zu bleiben. Für die Trilogie haben wir zum Beispiel neben den CDs noch einen USB-Stick veröffentlicht, in Form einer Flaschenpost in einer Schatztruhe. Ich glaube, dass man gerade, wenn man keine riesengroßen Vertriebsstrukturen hinter sich hat, irgendwie kreativ bleiben muss. Und so neu auf dem Markt zu sein ist überwältigend. Da muss man sich voll reinstürzen, wenn man nicht sofort untergehen will. Und irgendwann surfen wir dann die Welle!
- Da du ja selbst entscheiden kannst und sicher schon einige Ideen im Kopf hast: Möchtest du uns verraten, was als nächstes ansteht.
Ich schreibe jetzt erstmal die ein oder andere angefangene Geschichte zu Ende. Außerdem hab ich eine neue Hörspielreihe im Kopf. Wie ich mich kenne, zieh ich die irgendwann vor und werfe alle anderen Pläne über Bord!
- Was bedeuten dir die folgenden Begriffe:
- Selbstständig – Freiheit im selbstbestimmten Sinne, so lange es gut geht.
- Mühle – Mein Zuhause! Ich wohn in einer.
- Insel - Sehnsuchtsort
- Gute Zauber – kann man überall finden
- Böse Zauber – sollte man nirgendwo suchen
- Herzensangelegenheit – Wegweiser, dem man folgen muss!
- Monsemons 😊- ähm…???
- Welche Schlagzeile würdest du gerne morgen lesen?
Demokratische Parteien nach Umfragen wieder im Aufwind
- Und welche Schlagzeile würdest du gerne über dich lesen?
Anke kann vom Schreiben leben
- Liebe Anke, vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören natürlich dir.
Ich hab zu danken! Danke dir, lieber Marc, und danke dem Tough Magazin für eure Treue in den letzten Jahren und fürs Mitfiebern!
Ja wie schnell die Zeit vergeht.
Eben haben wir noch über den ersten Teil von Fernando und Enrique gejubelt und nun schon das Interview zur Trilogie.
Irre.
Wir hoffen, ihr hattet Spaß mit dem Interview mit Anke irgendwo auf der Zauberinsel zwischen bunten Bergen, zwei Sonnen und putzigen grünen Tieren mit drei Augen.
Wer mehr wissen möchte schaut nach unter: Zauberinselverlag |
Foto Credit: Pauline Strassberger
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