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Interviews

Veröffentlicht am: November 29th, 2019 | durch Florian Puschke

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„Scylla/Charybdis“: Die Band Lady Crank im Interview

Das Post-Hardcore Trio Lady Crank aus Berlin/Hannover hat am 23.11.2019 ihr DebütalbumSCYLLA/CHARYBDIS“ veröffentlicht. Wir haben uns mit Janni über die Songs, die Band und weitere Themen unterhalten.

Moin, wo erwischen wir dich gerade?
Janni: Zwischen dem ersten und zweiten Stock.

Für alle, die euch noch nicht kennen, bitte stellt euch kurz vor.
Janni: Wir sind ein (inzwischen) Post-Hardcore-Trio aus Berlin und Hannover, das es sich zur Aufgabe gemacht hat keine weiteren Aufgaben zu haben, außer dem Spaß an der Sache und wenn Erfolg auftaucht, dann ist er ein netter Nebeneffekt.

Lady Crank – wie ist der Bandname entstanden?
Janni: Ich (Janni) habe Christoph vor vielen Jahren mal von einer älteren Dame aus dem Dorf meiner Mutter in Griechenland erzählt. Diese Dame hat gerne aus heiterem Himmel rum geschrien. Man könnte meinen sie hätte Tourette, doch sie war auch der Meinung zaubern zu können, dabei machte sie den klassischen Finger-ab-Trick, bei dem der Daumen den Zeigefinger ersetzt. Für sie schien da allerdings noch mehr zu passieren. Sie behauptete Geister und die Zukunft sehen zu können. Alle nannten sie spöttisch „Fräulein Durchgeknallt“. Es gab mehr Geschichten zu der Frau. Christoph war von dieser tragischen Figur so begeistert, dass er „Lady Crank“ als Bandnamen vorschlug.

Eure Kunst ist es, die widerlichsten Facetten von Punk, Post-Hardcore und Metal zusammen zu tragen und daraus einen Brei zu erschaffen, den ihr dann auskotzen könnt – kann man das so sagen?
Janni: Das ist eine Möglichkeit zu beschreiben was wir tun. Tatsächlich suchen wir nicht nach jenen Facetten, sie kommen uns zugeflogen, fühlen sich gut an, wir schlucken sie runter, wodurch sie in unserem gemeinsamen Magen zusammen kommen, dann kotzen wir sie aus und präsentieren den Hassklumpen voller stolz unserem Publikum, wie eine Katze, die ihrem Herrchen eine tote Maus vor die Füße wirft.

Mit „Scylla / Charybdis“ erscheint Ende November euer erstes Album. Wie war die Zeit im Studio?
Janni: Die Zeit im Studio war lang. Ich war zu jenem Zeitpunkt sehr krank, weshalb sich die Aufnahmen über einen großen Zeitraum erstreckt haben. Es war eine Herausforderung. Es ist cool mit Christoph und Johannes rum zu hängen und mit den Personen, mit denen man aufnimmt. Der konstruktive und kreative Austausch und das Arbeiten an Songs ist sehr aufregend. Jeder Progress in Richtung Fertigstellung war somit im Falle dieser Aufnahmen doppelt befriedigend.
Wir haben auch viel Zeit in den Sound investiert, der für eine Band unserer Musikrichtung unüblich ist. Wir hatten die Vorstellung einen kauzigen Sound zu kreieren, der für unsere Musikrichtung unüblich ist.

Wie kommt der Albumtitel zustande? Was hat er zu bedeuten?
Janni: Scylla und Charybdis sind zwei Ungeheuer aus der griechischen Mythologie. Die beiden leben am jeweils anderen Ende einer Meerenge. Seefahrer, die gezwungen sind jene Meerenge zu durchqueren, mussten sich zwischen zwei Übeln entscheiden. Entweder durch Charybdis sterben, die drei mal am Tag das Meerwasser einsaugt und somit alles was darin oder darauf schwimmt, oder durch Skylla, die mit ihren Fangarmen alles greift und verschlingt. Die beiden sind auch auf dem Cover zu sehen. Charybdis als Gedankenstrudel und Skylla als Verschlinger des Körpers.
Der Albumtitel bedeutet also etwas zu beobachten und dabei nur ein Übel von einem anderen zu unterscheiden. Damit reflektieren der Titel und das Cover sehr gut den Inhalt der Song-Texte.

Wie entsteht ein Lady Crank-Song?
Janni: Ein Lady Crank-Song entsteht, indem Janni seine Ideen mit einem sehr sehr sehr sehr schlechten Drumcomputer aufnimmt, der Ohrenkrebs garantiert. Diese werden rum geschickt. Christoph und Johannes regen sich über den Drumcomptuer auf bzw. machen sich darüber lustig und selektieren was sie am besten finden. Jene Songs werden dann im Proberaum auseinander genommen und geschliffen und um weitere Teile ergänzt wieder zusammengefügt. Manchmal schreiben wir aber auch Songs komplett im Proberaum wenn jemand ne Idee rein wirft.

Gibt es musikalische Vorbilder bzw mit welchen Bands seid ihr groß geworden?
Janni: Ich bin mit Nirvana, Nevermore, Iron Maiden, The Destillers, AFI und Cradle of Filth groß geworden. Ich denke inzwischen hört man von all dem auch die Einflüsse in unserer Musik raus.
So richtige Vorbilder gibt es nicht, sondern eher Musik die inspiriert. Dazu gehören Bands wie Everytime I Die, Converge, Mastodon aber auch nachwievor Nevermore, Sepultura, ABBA (Kein Witz!) usw.

Wie laufen die Proben bei euch ab? Ihr kommt zum Teil aus Hannover und zum Teil aus Berlin, richtig?
Janni: Unsere Proben finden in Hannover statt, selten auch in Berlin. Christoph muss also immer zu uns. Proben laufen bei uns mit viel Schweiß und Fleiß ab – oder anders formuliert mit viel Gefurze und Gelächter – oder nochmal anders formuliert mit viel Ekel und Scham. Wir sind laut, das hilft aber nicht gegen den Geruch.

Bitte beendet folgende Sätze.
Man sollte uns mal live sehen, weil…
Janni: …man Menschen mitbringen kann, mit denen man nicht befreundet sein möchte, denen wir die Rübe weg ballern und die deshalb nichts mehr mit euch zu tun haben wollen.

Füttert niemals die Ratten, weil…
Janni: …es sich nicht lohnt in etwas destruktives zu investieren, es sei denn man fühlt sich in seiner Melancholie oder Unfähigkeit zum Aktionismus wohl.

Unterschätze niemals einen Menschen, denn…
Janni: …wenn du ihm den Rücken kehrst könnte der Arschtritt dich überraschen oder etwas hoch gesprochen: denn du kannst nicht sehen, was sich hinter deinem Beobachtungshorizont verbirgt.

Was bedeuten euch die folgenden Wörter?
Familie
Janni: Ist uns wichtig, weil man sie sich nicht aussucht aber sie einen prägt.

Freunde
Janni: Sind uns wichtig, weil man sie sich aussucht und sie prägen.

Freiheit
Janni: Ist uns wichtig, weil sie uns prägt.

Proberaum
Janni: Ist uns wichtig, weil wir ihn prägen.

A2
Janni: Ist wichtig, weil sie den Begriff des Staus prägt.

Tough Magazine
Janni: Ist wichtig, weil sie die Szene prägen und über Bands berichten, wie groß oder klein sie auch sein mögen.

Die letzten Worte gehören euch!
Janni: Wir danken euch für die Gelegenheit und den Lesern für die Aufmerksamkeit! Zieht euch unsere neue Scheibe ‚Scylla/Charybdis‘ rein und wenn sie euch nicht gefällt dann schenkt sie Leuten, die euch nicht gefallen, so bringt ihr die Platte doch mit etwas positivem in Verbindung.

Interview von Florian im November 2019

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