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Interviews

Veröffentlicht am: April 9th, 2020 | durch Florian Puschke

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„Katerstimmung“: Matt von Wegbier im Interview

Wegbier … auf dem Weg zum Punktier!? Im Januar sind die Temperaturen ja in diesem Jahr Top, um sein Bier über Nacht raus zulegen und dann am Morgen für den Weg ein schönes kühlen Bier bereit zu haben. Friert nicht und ist optimal gekühlt. Na, wenn das mal so einfach wäre. Ein Bier auf dem Weg zur Arbeit sollte man sich ja nicht ständig leisten. Ein Wegbier geht aber immer mal. Auch wenn es sich um eine junge sympathische Band handelt. Wegbier sind ein Band aus Aachen. Anhand des Namens könnten man vermuten das wir hier Lieder übers Saufen finden. Aber nicht nur, da die Jungs (nach Eigenauskunft) nicht nur saufen, sondern auch das Rauchen. Und so entstehen Songs, die zusammengewürfelte wie eine Punkrock-Bowl schon die in oder andere Promillegrenze überschreiten kann. Denn in den Punk-Rock vermischen die Jungs stets Einflüsse verschiedener Spielarten, so dass man Hier und da auch Anzeichen von Jazz oder Hip-Hop in den Songs hört. Kopfschmerzen bekommt man bei diesen Songs nicht. Dafür ist das Ganze zu gut gemischt. Auch keinen Kater. „Katerstimmung“ jedoch schon. So zumindest heißt die neue Veröffentlichung der Jungs, die in diesem Jahr erscheint und nahtlos an die „Six Päck“ EP anschließt. Nur eben deutlich mehr… guter Songs für eine ordentlich durchzechte Nacht. Schöne Punkkracher, die ordentlich rein laufen und sicher mehr verbreiten als Katerstimmung. Wir sind stolz, dass wir vorab schon mal reinhören durften. Die Fragen, die sich daraus ergeben haben, durften wir in einem kleinen Interview den Jungs von Wegbier stellen.

Hey ihr lieben. Schön dass ihr euch die Zeit fürs Tough Magazine nimmt. Wobei erwischen wir euch gerade?
Matt: Du erwischst uns gerade im Proberaum, das mittlerweile einer Wohnzimmerbar gleicht. Gefühlt lebt hier der Eine oder Andere von uns. Wir bereiten uns auf die kommenden Shows vor
und müssen noch Pfand wegbringen.

Für die Leser, die euch noch nicht kennen. Wer oder was ist Wegbier?
Matt: Wir sind eine kleine Punkrock Kapelle aus Aachen und treiben seit 2012 unser Unwesen. Anfänglich waren wir nur zu zweit und beherrschten nur das Instrument, was der andere gerade
gespielt hat. In meinem Fall war es so, dass ich vom Schlagzeug an die Gitarre gegangen bin und unser damaliger Schlagzeuger Daniel von der Gitarre ans Schlagzeug. Da konnte man nur eine
Punkband entstehen. Mittlerweile sind wir 4 Bandmitglieder und ein Praktikant, welcher hoffentlich unser fester Drummer wird. Alles in allem sind wir trinkfeste Chaoten, welche sowohl Sozialkritische als auch fragwürdigen Punkrock spielen.

Auf eurer Seite lesen wir etwas von Punk-Rock mit Einflüssen. Wie entsteht ein Wegbier-Song und welche Einflüsse sind für euch die prägendsten?
Matt: Die Songs entstehen auf ganz unterschiedliche Arten. Mal ist es eine fixe Idee, ein Schlagwort, eine Melodie, die einen dann einfach packt und nicht mehr los lässt. Zudem spielt auch immer die Umwelt und politische Lage eine große Rolle. Es fließen sehr viele Emotionen und aktuelle Gefühlslagen ein. Wir sind wie die Wunderkugel zum lecken, vielschichtig und bunt. Genau so sind auch unsere musikalischen Einflüsse. Lasse,Marius und ich haben zu beginn alle in einer BigBand gespielt und sind mit Jazz und Swing aufgewachsen. Dadurch haben wir einen ganz anderen Background dem wir uns bedienen können und in unsere Musik einfließen lassen. Dies trifft aber auch auf Klassik, Grindcore und Hip-Hop zu. Wir gehen mit vielen Genres ins Bett und hoffen, dass ein guter Song geboren wird.

Bekannt seid ihr unter anderem mit der Tour mit Männi. Mit diesem seid ihr auch befreundet. War er auch an der Entstehung von „Katerstimmung“ beteiligt?
Matt: Aktiv am Album mitgewirkt hat er nicht, aber wir haben sehr viel von ihm gelernt. Wir haben bis Dato alles in Eigenregie gemacht, wie die “SixPäck-EP“ und waren 6 Jahr lang eigentlich nur Live unterwegs. Durch die Tour und dadurch, dass ich bei MÄNNI des öfteren Bass spiele , haben wir neue Einblicke gewonnen, welche uns beim neuen Album “Katerstimmung“ sehr geholfen haben. Jetzt nehmen wir das alles etwas ernster und sind nicht mehr ganz so planlos wie vorher. Männi hat enorm viel Erfahrung und teilt diese auch mit uns. So können und haben wir ihn um Rat gefragt und sind ihm sehr Dankbar. Bei einem Song, hat er uns aber seine Stimme geliehen ;)

Auf eurer letzten EP hattet ihr mit „Rette mich“ einen echten Kracher. Auch für euch der bis dato wichtigste Wegbier-Song?
Matt: Da hast du uns jetzt kalt erwischt. „Rette mich“ ist einer der Songs, den wir nie so richtig einschätzen können. Das ist der erste Song, wo wir Rap und HipHop Element eingebaut haben. Wir müssen ja gestehen, dass wir was die Veröffentlichung von Tonträgern digital/physikalisch absolut schlecht sind. Bedeutet, dass wir ein große Anzahl an Songs haben, die wir nur Live spielen und garnicht vertont sind. Wichtig ist der Song auf jeden Fall für uns. Er beschreibt das ewige hin und her vor dem man einfach gerettet werden möchte. Es ist schwer heutzutage richtig von falsch zu unterscheiden, da es ja nicht nur schwarz uns weiß gibt.

Auch „Wer rettet die Welt“ ist eine Nummer, die im Ohr bleibt. Habt ihr denn eine Antwort auf diese Frage gefunden?
Matt: Der Fokus liegt leider immer auf der Wirtschaft und dem Finanziellen. Der Mensch an sich wird außer acht gelassen und zerstört sich selbst. Die Natur schlägt zurück mit Umweltkatastrophen, Krankheiten und dem Klimawandel. Nur wir können die Welt retten und dafür müssen wir sorge tragen. Es ist ein Kampf David gegen Giuliad, der einfache Mensch gegen Machtinhaber und Konzerne. Der Mensch schafft sich ab und kann sich nur selbst aus dem Elend befreien.

Mit „Katerstimmung“ steht das neue Album in den Startlöchern. Wir durften bereits reinhören und bedanken uns dafür. Aus eurer Sicht: was ist neu, was ist besser auf „Katerstimmung“?
Matt: Bei uns gab es immer das große Problem, dass unser Aufnahmen nie dem entsprochen haben, wie wir Live spielen. Ein weiterer Punkt ist, dass sich unsere Besetzung erweitert bzw. geändert hat. Katerstimmung ist so gesehen ein Best OF der letzten Sieben Jahre und das endlich in hörbarer Qualität. So gesehen, ist es unser erstes richtiges Album und darüber freuen wir uns wahnsinnig.

Es gibt Bands, die bezeichnen sich als „Godfather of Rock“. Kann man eure neue Platte auch als „GodKater of Punk“ bezeichnen oder wo seht ihr persönlich die größten musikalischen Anschlusspunkte?
Matt: Uns war wichtig, dass die Songs gut rüber kommen und sich der ein oder andere angesprochen fühlt. Ich glaube eher, dass wir den Anschlusspunkt bei uns selbst gesucht und hoffentlich gefunden haben. Dem „GodKater of Drunk“ kommen wir wahrscheinlich sehr nah und das vielleicht etwas zu oft. Ob das Album ein „GodKater of Punk“ wird bezweifel ich, wir sind aber davon überzeugt, dass es ein weiterer Schritt in die richtige Richtung geht.

Gibt es Bands, die ihr als Vorbilder habt und die beim Entstehen des Albums somit auch einen Teil beigetragen haben?
Matt: Ich glaube alle Vorbilder die wir haben, fließen irgendwie unbewusst mit ein. Einer meiner Persönlichen Einflüsse sind „The Blues Brothers“ und „ Bad Religion“. Ich glaube nur, dass keine der beiden einen starken Wiedererkennungswert in unseren Songs finden. Etwas eigens zu erschaffen ist uns wichtig. Es sind eher die Genre an denen wir uns bedienen und in unsere Musik einfließen lassen.

Um einen Titel nennen zu dürfen. „But der Straße“ dürfte lange auf euren Konzerten zu hören sein. Was ist der Hintergrund zu diesem Stück?
Matt: „Blut der Straße“ ist einer unserer ältesten Songs den wir wahrscheinlich auf jedem Konzert gespielt haben. Er beschreibt unsere Vergangenheit und Zukunft. Es ist ein Appell an uns selbst.
Wie gesagt wir haben schon einige Besetzungswechsel hinter uns und Derjenige der mir treu geblieben ist, ist mein bester Freund und Bassist der Band, Huddel. Wir sind zusammen durchs Feuer gegangen, haben viel zu viel getrunken und geraucht, uns geliebt und gehasst. All das kann man nicht in einen Song beschreiben, aber „Blut der Straße“ verbindet das alles.

Mit „Die letzte Zigarette“ tretet ihr ganz stark auf die Bremse. Wem ist dieses Lied gewidmet?
Matt: Die Frage die sich jeder stellt ist, was passiert nach dem Tod. Ich habe mich sehr intensiv damit auseinander setzten müssen, weil mein Kopf mir keine ruhe gelassen hat. Wenn die Zeit gekommen ist, wird jeder seine Antwort darauf finden, doch vorher sind es nur Spekulationen. Ich habe schon viele gehen sehen und die meisten leider viel zu früh. Der Song ist nicht einer, sondern allen gewidmet die verschieden oder auch verschwunden sind. Es gibt immer Augenblicke, die man gerne mit einer ganz bestimmten Person teilen oder an sie denken muss. Somit kann ich jemanden für einen kurzen Moment wieder ins Leben holen und mein Herz für Zwei schlagen lassen.

Schön nach vorne geht es mit „Sturzflug“. Erzähl uns was über die Botschaft von „Sturzflug“.
Matt: In diesem Song geht es um Sturheit und Kampf. Heutzutage weiß man einfach nicht mehr, wem man glauben soll. Viele lassen sich beirren und einschüchtern. Wir gehören da auch zu. Was die Regierungen abziehen und kriminelle Geschäfte sie abwickeln bleibt für uns größtenteils im Verborgen. „Sturzflug“ ist denen gewidmet, die für Transparenz Pressefreiheit sorgen. Es kann nicht sein, dass ein Schwarzfahrer ins Gefängnis muss, während Trump, AFD und Co. Ihre Machenschaften vor aller Augen antreiben und nicht belangt werden. Das ist ein Aufruf, dieses Verhalten nicht länger hinzunehmen. Ein Mann der für genau diese Transparenz gesorgt hat, soll nun angeklagt und für die Aufdeckung von Kriegsverbrechen zu 176 Jahren verurteilt werden. Damit ist die Pressefreiheit gefährdet und es zeigt, dass ein ziviles Leben nichts wert ist.

„Unhold“ ist wieder vom Stil her ganz anders aufgebaut und sicher auch ein Song, der das Album zu dem macht, was es ist: Ein sehr abwechslungsreiches Werk. Wie würdet ihr Katerstimmung
denn mit drei Worten beschreiben?
Matt: Eine chaotische Achterbahnfahrt.

Und welche Worte würdet ihr für den Unhold finden?
Matt: Hunde die Bellen, beißen nicht.

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir!
Matt: Der Kopf tut weh die Füße stinken, höchste Zeit ein Bier zu trinken. Ihr macht hier einen geilen Job, das Interview machte richtig bock. Wollt ihr nun wissen wo wir spielen, einfach auf unsere Homepage schielen. Vielleicht bald auch in deiner Stadt und wenn nicht, schreibt uns an. Wegbier sagt Tschüss und Guten Tag!

Wir möchten an dieser Stelle nochmals den Jungs von Wegbier für das Vertrauen und die nette Art danken. Es war ein Vergnügen, schon vorab in die Mixe der Songs reinzuhören und wir freuen uns sehr auf das Album. Gerne kann man die Band mal anchecken. Infos gibt es auf der Homepage. Und das Album dann ab April. Da hoffe ich mal auf odertnöiche Katerstimmung.

Interview im März von Thorsten

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