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Interviews

Veröffentlicht am: März 12th, 2020 | durch Florian Puschke

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„Herzlich wir kommen“: Thrill Of Joy im Interview

„Herzlich wir kommen“ heißt das Debüt von Thrill of Joy. Thrill of Joy ist kurz und knapp ausgedrückt sowas wie faszinierende Musik von Multiinstrumentalisten, die mit vollem Klang, guten Texten und tollen Kompositionen daherkommt und deutlich mehr sind als zwei Liedermacher. Wir haben den Jungs zum Debüt einige Fragen gestellt.

Thrill of Joy sind Thomas Guido Peter und Christian Both, kurz Guido und Bo. So werden wir bevorzugt genannt, also nicht wundern ;-)

Hey ihr Lieben. Schön, dass ihr euch die Zeit fürs Tough Magazine nehmt. Wobei erwischen wir euch gerade?
Bo: Hi, gerne!!! Ich befinde mich z.Zt. in den USA auf Besuch bei Freunden.
Guido: Die Freude ist auf unserer Seite. Mich erwischt ihr beim Kaffeetrinken zu Hause auf der Couch.

Für die Leser, die euch noch nicht kennen. Wer oder was ist Thrill of Joy?
Bo: Thrill of Joy sind Thomas Guido Peter (alias Guido) und Christian Both (alias Bo). Zwei Freunde, die sich zusammengetan haben, um eigene musikalische Ideen zu realisieren. Das ganze überwiegend auf akustische, reduzierte Weise.
Guido: Zwei Musiker mit Akustikgitarren, die Songs über das Leben, bestimmte Phasen, aber auch Krisen, sowie das aktuelle Zeitgeschehen schreiben.

Thrill of Joy ist ein mehr als außergewöhnlicher Bandname. Wie kam es zu diesem Nervenkitzel?
Guido: „Mmmmh, das ist eine lange Geschichte, aber ich versuche mich kurz zu fassen. Meinem ersten Song, bei dem ich sowohl Text als auch Musik geschrieben habe, gab ich den Namen „Thrill of Joy“. Ich schrieb ihn auf Englisch und wollte das Wort „Joy“ im Titel haben. Beim Durchforsten eines Online-dictionarys fand ich den Ausdruck „Thrill of Joy“, welcher mir sehr gut gefiel. Alle Songs, die ich seitdem geschrieben habe, egal ob auf Deutsch oder auf Englisch, speicherte ich unter dem Projektnamen „Thrill of Joy“. Als Bo und ich beschlossen haben, ein Singer-Songwriter-Projekt mit deutschen Texten zu starten, warf ich diesen Namen in den Ring! Er fand ihn gut, das war’s!
Bo: Ich war auf jeden Fall mit der Idee direkt d’accord. Und um die Frage nach englischen Bandnamen und deutschen Texten vorweg zu nehmen, wir fanden es lustig, dass sich einem diese Frage sofort aufdrängt. Vielleicht spiegelt diese Ambivalenz auch genau die Machart unserer Texte wieder.

Man liest über euch „Liedermacher“, „Indie“, „Pop“. Wie möchtet ihr selbst eure Songs beschreiben?
Guido: Wir bezeichnen uns selbst immer gerne als Indie-Liedermacher mit Ecken und Kanten, das lässt uns den Freiraum, musikalisch das tun zu können, was wir tun wollen.
Bo: Für uns ist es auch immer schwierig, das Resultat des eigenen Schaffens zu beurteilen und zu kategorisieren. Was am Ende raus kommt, ist das, was es ist. Es in Schubladen zu packen überlassen wir gerne anderen.

Wen bezeichnet ihr als eure musikalischen Vorbilder?
Bo: Am Anfang waren die Beatles! Alles, was dann kam und mich umgehauen hat, kann man als Querschnitt der zeitgenössischen Gitarrenmusik bezeichnen. Von Classic-Rock über Grunge/Punk/Hardcore zu Jazz, Folk und Pop und wieder zurück.
Guido: Als Teenager in den 90ern hatte ich mich natürlich dem Grunge (Nirvana, Pearl Jam) und Alternative-Rock (The Smashing Pumpkins) verschrieben. Zuvor war ich großer Fan von Punkbands. Da waren Bad Religion, The Ramones, Sex Pistols, The Buzzcocks… Erst viel später beschäftigte ich mich dann mit alten Klassikern, wie Creedence Clearwater Revival, The Kinks, The Beach Boys und auch den Beatles. Mit deutschsprachigen Bands habe ich mich eigentlich auch erst so richtig Ender der Neunziger, Anfang 2000 beschäftigt. Tocotronic, die Sterne, ClickClickDecker, Element Of Crime, Tom Liwa und Niels Frevert gefallen mir da sehr. Eins der besten deutschen Alben der letzten Jahre war für mich jedoch Kid Kopphausen, eine Zusammenarbeit von Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen.

Wie entstehen bei euch die Songs? Alleine? Zusammen? Zuerst die Melodie oder doch der Text?
Bo: Wir haben da beide eine unterschiedliche Herangehensweise. Während ich eher auf einer Melodie oder Songstruktur aufbaue und den Text an diese anpasse, steht bei Guido der Text als erstes und die Musik kommt danach. Manchmal machen wir auch eine Arbeitsteilung. Einer hat eine Idee und der andere versucht sie zu ergänzen.
Guido: Anfangs hat jeder seine eigenen Songs geschrieben, sowohl Text, als auch Musik. Das Arrangement wurde dann gemeinsam erarbeitet. Mittlerweile schreiben wir auch Texte zusammen und komponieren gemeinsam. Die unterschiedliche Herangehensweise kommt uns hierbei meistens zu Gute. Es gibt sogar schon Songs, die wir im Duett singen.

Was ist euch wichtiger an einem guten Song? Der Text oder die Melodie und warum?
Bo: Ich glaube hier gibt es kein „wichtiger als“. Gerade auf Deutsch sind uns Texte natürlich sehr wichtig. Wir wollen aber keine Gedichte schreiben, sondern Songs. Und hier kommt die Melodie ins Spiel.
Guido: Dem gibt es eigentlich nicht viel hinzuzufügen. Letztendlich müssen Text und Musik irgendwie zusammenpassen.

Euer Debütalbum hat mit „Herzlich wir kommen“ einen sehr charmanten Titel. Welche Geschichte steckt dahinter?
Bo: Der Albumtitel ist durch eine Familiengeschichte entstanden. Thrill of Joy ist ja eine Familienband. Guido ist so zu sagen mein Schwager in spe. Meine Freundin Samy hat als Kind mal ein Willkommensplakat gemalt, um ihre Eltern nach einer Reise zu begrüßen. Dabei hatte sie sich etwas verschrieben und statt „Herzlich willkommen“, „Herzlich wir kommen“ geschrieben. Die Story ist des Öfteren auf Familienfeiern erzählt worden und wir fanden den Satz als Titel für ein Debüt-Album recht passend.

Geht man auf die Songs ein, so fällt natürlich „Zittern“ als Single auf. Beschreibt den Hintergrund von „Zittern“.
Bo: „Zittern“ ist musikalisch eine Reminiszenz an den amerikanischen Country und Folk. Texte mag ich ungern erklären. Mein Ziel ist es immer, dass es mir gelingt Dinge zu formulieren, aus denen sich der Hörer etwas Persönliches herausziehen kann. Der Text ist in einer Zeit entstanden, in der ich gerade dabei war, mich wieder selbst zu finden und dabei etwas planlos war. Am Ende der zweiten Strophe heißt es „… doch du hörst lieber weg.“. Später hat sich herausgestellt, dass Samy (meine bessere Hälfte) doch nicht weggehört hat. (Lacht!)
Guido: Ich stimme Bo voll und ganz zu, es ist einfach schwierig und entzaubernd, einen Songtext zu erklären. Wir erzählen Geschichten, teilweise fiktiv, teilweise autobiographisch, manchmal überzeichnet oder auch ironisch, hin und wieder auch konkret in der Hoffnung, dass wir auf irgendeine Art, hoffentlich eine gute, verstanden werden. Das Interpretieren überlassen wir dem Zuhörer.

Bei diesem Song habt ihr als B-Seite noch „Geronimo“ mit dazu gepackt. In der heutigen Zeit mit Streamen, YouTube und Spotify etc. Wie wichtig sind da noch Singles und B-Seiten? Und warum ist „Geronimo“ nicht auf der Platte vorhanden?
Bo: Wie wichtig eine Single mit B-Seite ist, kann ich gar nicht abschätzen. Wir sind ja auch keine Profis in dem Geschäft. Wir wollten nicht bis zum VÖ-Termin des Albums warten, um etwas zu veröffentlichen. Schließlich haben wir lange an den Songs gearbeitet und viel Herzblut investiert. Da ist es schön zu sehen, dass dein Baby auf einer Streaming Plattform gehört werden kann. Aus „Nerd“-Gründen war uns Vinyl super wichtig und der Platz auf einer Schallplatte ist ja logischerweise begrenzt. Geronimo hatte wir damals aufgenommen und wollten ihn auch auf der Platte haben. Am Ende mussten wir jedoch kürzen und haben die Vorabsingle dazu genutzt, den Song zu veröffentlichen.
Guido: Außerdem sind wir da etwas altmodisch. Zu einem Album gehört einfach auch eine Single mit A- und B-Seite.

„So lange wir unseren Herzschlag spüren, werden wir jeden Gegenschlag gekonnt parieren“ hören wir im Titelsong aber auch eine Geschichte vom Stück Holz, das mit dem Strom schwimmt. Wo seht ihr euch in der heutigen Gesellschaft? Eher mitschwingend oder eher Gegenschläge einsteckend?
Bo: Ich denke, aufgrund unserer Sozialisation mit Punkrock, vermeiden wir es mit dem Strom zu schwimmen. Und wir alle ecken mal irgendwo an. Da sollte man auch keine Angst davor haben.
Guido: Den Gegenschlag kann man in dem Fall auch als Schicksalsschlag sehen. Niemand ist davor gefeit, aber es ist wichtig weiterzumachen, weil wir in den meisten Fällen nicht alleine sind und nicht nur für uns alleine Verantwortung tragen.
Mit dem Strom zu schwimmen bedeutet häufig, keine eigene Meinung zu haben. Gerade in der heutigen Zeit, bei dem Rechtsruck, der in Europa und Deutschland vorherrscht und Themen, wie Seenotrettung und Klimawandel, ist es wichtig, eine klare Haltung zu haben und Stellung zu beziehen.

„Nie mehr Ironie“ ist natürlich ein Top-Titel, aber ob der Song zu euch passt, weiß ich gar nicht. ? Oder ist der Titel etwa ironisch? Was steckt hinter „Nie mehr Ironie“?
Bo: „Nie mehr Ironie“ ist quasi als Synonym dafür zu verstehen, Dinge sagen zu wollen, dies aber aus verschiedenen Gründen nicht tun zu können. Statt auf den Punkt zu kommen macht man Witze darüber.

„Damals am Bolzplatz“ blickt zurück in die Zeit, in der wir dachten, dass man alles erreichen konnte als „wir damals am Bolzplatz“ saßen. Aber auch ein Stück, bei dem ihr singt, dass ihr „selten die richtigen Worte fandet.“ Doch heute dann ein so gutes Debüt. Seit wann findet ihr denn die richtigen Worte, um mit Songs wie „Damals am Bolzplatz“ den Hörer zufrieden zurück zu lassen?
Guido: Ich glaube, die richtigen Worte hatten wir schon damals parat, es fehlte uns lediglich an Erfahrung und Weitsicht, aber genau das macht ja die Unbeschwertheit der Jugend aus. Ich mag „Damals am Bolzplatz“, es ist ein sehr wehmütiger, nostalgischer Song. Den Bolzplatz gab es übrigens wirklich!

Mit „Auf Nimmerwiedersehen“ endet eine Platte, die mich mehr als positiv überrascht hat. Wie waren denn die bisherigen Kritiken und wann werden wir euch mit einer zweiten Platte wiedersehen?
Guido: Danke für das nette Feedback. Tatsächlich gibt es bisher noch nicht viele Rezensionen, aber bisher haben wir recht positive Rückmeldungen erhalten und ja, ein zweites Album ist geplant!
Bo: Wir werden uns jetzt erstmal auf die Veröffentlichung und die nächsten Konzerte konzentrieren, aber neue Songideen liegen schon auf dem Tisch und wollen aufgenommen werden. Ich denke wenn alles so läuft wie bisher, wird es nicht sehr lange dauern bis wir nachlegen werden.

Eine Veröffentlichung wird oft auch betourt. Wo würdet ihr denn gerne spielen. Kneipen? Kleinen Clubs oder auch mal auf einem Festival?
Bo: Live spielen ist für uns immer ein Highlight. Wir haben dabei auch keine Präferenzen, was den Veranstaltungsort angeht. Wir sind gerade dabei eine kleine Tour zu stricken. Hauptsächlich werden es kleinere Locations sein aber auch das „Beach Bitch Open Air Festival“ in Wispenstein (Niedersachsen) steht schon auf dem Kalender.

Eure Release-Party steigt am 27.03. Was kann der Zuhörer von euch erwarten? Ist eine Überraschung geplant?
Bo: Das können wir doch noch nicht verraten! Am besten vorbeikommen und sich überraschen lassen.
Guido: Eine Sache können wir schon verraten, die wunderbare Annina Casalino aus Saarbrücken wird uns als Support zur Seite stehen und den Zuhörer, unter anderem mit Songs über surreale Traumwelten, verzaubern! ;-)

Was erwartet ihr von den Leuten, die auf eure Konzerte kommen und welche Menschen sind euch da besonders wichtig?
Bo: Wir freuen uns natürlich über Publikum. Wer da jetzt vor der Bühne steht, ist uns nicht wichtig. Wir haben bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Erwartungen hatten wir dabei noch nie an unser Publikum.
Guido: Wir freuen uns, wenn das Publikum mit unserer Art von Musik etwas anfangen kann, sich einfühlen kann, aber das ist keine Erwartung.
Achso, AFD-Mitglieder und -Wähler, Faschisten und Neonazis, sowie homophobe Deppen, Frauenhasser und „Hater“ allgemein sind selbstverständlich nicht willkommen!

Was bedeuten euch die folgenden Begriffe?
Liedermacher
Guido: Ganz klar, eine große Bedeutung. Es ist ja schließlich das, was wir sind.

Herzlich wir trinken
Bo: Da wir passionierte Biertrinker sind, trinken wir herzlich gerne mal ein paar Gläschen oder auch Fläschchen.

Freiheit
Guido: Ohne Freiheit gibt es keine Selbstbestimmung, Menschen verkümmern, stumpfen ab und verlieren die Freude am Leben. Freiheit ist Leben!

Spaghetti
Guido: Zuerst kommt mir da Bolognese in den Sinn. Esse ich sehr gerne! Oder Western! Spaghetti-Western! Die waren damals ja ursprünglich ernst gemeint. Bud Spencer und Terence Hill haben das Genre dann auf die Schippe genommen. Wo wir wieder beim Thema Nostalgie wären.

Saargehtti
Bo: Rockonese!
Guido: Und genau da findet unsere Record Release Party statt! Beim ersten Saarghetti Rockonese Festival am 27.03.2020 in der „Großen Werkstatt“ in Landsweiler-Reden mit vielen weiteren Musikern (Annina Casalino) und Bands (Trail Way Circus, From Fall to Spring und Hansi Bierdo) und einem Weltrekordversuch des Sängers „Der Ole“ (12 Konzerte in 12 Ländern in 48 Stunden). Puh, langer Satz, hehehe!

Bitte vervollständige die folgenden Sätze.
Thrill of Joy werden …
Beide: …Thrill of Joy bleiben.

Thrill of Joy fahren Achterbahn, wenn …
Beide: … die Recordingsessions für’s zweite Album losgehen! A thrill and a joy!

Im Jahr 2020 wird es …
Beide: …turbulent!

Eine musikalische Überraschung im Jahr 2020 wird …
Beide: … Rage Against the Machine, da soll es nach der Wiedervereinigung im letzten Jahr ab März 2020 Konzerte geben! Das kann nur gut werden!

Einer geht noch …
Beide: …Bier holen.

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören euch!
Beide: Vielen lieben Dank für das Interview, das war wirklich mal erfrischend und hat Spaß gemacht. Des Weiteren möchten wir uns bei allen Tough Magazine Lesern schon mal vorab für das Interesse bedanken. Handgemachte Musik darf niemals sterben, in diesem Sinne macht’s gut, auf Wiedersehen(-hören)!

Wir bedanken uns bei Thrill of Joy für die Zeit und das nette Interview. Wer mehr von Thrill of Joy wissen möchte, schaut bei facebook vorbei.

Interview von Thorsten im März 2020

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