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Interviews

Veröffentlicht am: November 4th, 2020 | durch Florian Puschke

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Hardcore-Newcomer: Jumpcut im Interview

Mit Jumpcut gibt es eine neue deutsche Hardcoreband, die am 13.11.2020 ihre erste EP veröffentlichen wird. Wir haben uns mit den Musikern über die Songs, Corona und weitere Pläne unterhalten.

Moin – wo erwischen wir euch denn gerade?
Jumpcut: Wir arbeiten zurzeit an neuen Songs im Proberaum, in Home-Sessions und auch daran, unsere Neuerscheinungen „Naked Lights“ und „Petrified“ über die sozialen Kanäle zu verbreiten. Da Konzerte aktuell und in den nächsten Monaten nicht möglich sind, muss der ein oder andere von uns an seinem „social-traffic“ arbeiten, um mit unserer Musik die Menschen zu erreichen. Das fällt uns nicht immer leicht.

Für alle, die euch noch nicht kennen, stellt euch doch den Lesern des Tough Magazines kurz vor.
Jumpcut: Wir spielen mit den Elementen aus Hardcore und Punk, mal roh und minimalistisch, dann wieder melodisch und treibend. Glücklicherweise haben wir keine Hierarchien in der Band, sondern jeder bringt sich mit seinen Ideen ein. Die Inspirationen kommen aus einem breiten musikalischen Spektrum, so z.B.: Turnstile, Architects, Your Demise, August Burns Red, Comeback Kid, Refused, Terror, Bane, As I Lay Dying und noch viele mehr. Gerade weil das eine so bunte Mischung ist, klingen wir wohl nicht wie eine dieser Bands, sondern wie Jumpcut. Während der Proben darf auch der alberne Schwachsinn nicht zu knapp kommen, wovon wir viel zu geben haben.

Ihr habt euch 2017 gegründet. Wie habt ihr euch kennengelernt und wie kam es zur Idee, gemeinsam Musik zu machen?
Jumpcut: Lukas (Gitarre) und Nico (Vocals) kennen sich schon etwas länger. Die beiden sind Brüder. Alex (Bass) und Nico schmiedeten Pläne während ihrer gemeinsamen Arbeitszeit im Kino. Sie spielten vor Jumpcut zusammen in einer Rockband, widmeten sich dann aber dem Hardcore. Hierzu fehlte noch ein talentierter Drummer mit Dampf, da kam dann Tobi ins Spiel, der passenderweise auch im Kino arbeitete. Mit Lukas an der Gitarre konnte es dann losgehen. Zu Beginn des Jahres kam dann noch Adrian als zweiter Gitarrist in die Band, der nach einem Live-Auftritt richtig Bock auf einen Beitritt hatte. Kurz vor den EP-Aufnahmen im März 2020 war die Band dann komplett.

Wie ist der Bandname Jumpcut entstanden und was soll er ausdrücken?
Jumpcut: Gesucht wurde vor allem ein griffiger Name, der nicht zu lang ist. Jumpcut passt außerdem deswegen so gut zu uns, weil er uns direkt an Dynamik und Bewegung denken lässt, was die die Hauptkomponenten unserer Musik und auch unserer Liveshows sind. Der Begriff selbst kommt ebenfalls aus dem Kino: Ein harter Schnitt zwischen zwei sehr unterschiedlichen Szenen, ein Bildsprung. Musikalisch und auch bildtechnisch denken wir da z.B. an den Cut zwischen den Videos zu „Naked Lights“ und „Petrified“.

Nach vielen Live-Konzerten erscheint am 13.11.2020 eure erste EP, auf der sechs Songs vertreten sein werden. Könnt ihr uns die Songs mit euren Worten beschreiben?
Jumpcut: Tomorrow´s History: „Tomorrows History“ ist der letzte Song, der vor den Aufnahmen entstanden ist, und war ursprünglich mal als recht einfach konzipiert worden. Beim Zusammenstricken stellte sich dann heraus, dass sich in seiner Struktur ein paar überhaupt nicht mehr einfache Rhythmuswechsel ergeben haben, wodurch der Song einige überraschende und vielleicht auch untypische Momente hat. Unser Produzent und Kollege Ruschi hat dann noch einen Featurepart beigesteuert, schon hatten wir einen richtigen Brecher für den Opener der EP. Textlich geht es auch in so eine Richtung: Erwartet von dieser Platte lieber keine Klischees, wir verteilen unsere musikalischen Bomben gerne mal willkürlich.

Naked Lights: „Naked Lights“ ist so die erste Single, wenn man das so nennen will. Es geht darum, seiner Leidenschaft zu folgen und sich über Zweifler hinwegzusetzen, um sich selbst verwirklichen zu können. Im weiteren Sinne geht es auch um die Punk-Kultur und darum, unsere gemeinsamen Werte wie Vielfalt und Solidarität zu teilen, und zwar in einem möglichst großen Miteinander.

All I Ever Had: Arbeitstitel dieses Songs war im Proberaum immer „Einslive“, weil das Ding zur Abwechslung mal eher klassisch aufgebaut ist und mit wirklich eingängigen Melodien daherkommt. Hier wird sogar mal mehrstimmig gesungen. All I Ever Had handelt davon, wie man sich von einem anderen Menschen bis zur Selbstaufgabe in eine Sache hineinziehen lässt, in der man dann plötzlich allein ist.

Rain Dance: Wenn die Idee hinter „Forever Today“ eine Ermutigung zum Annehmen von Herausforderungen ist, dann beklagt „Rain Dance“ die genau gegenteilige Haltung, nämlich die Feigheit und das Selbstmitleid. Der Song geht extrem wütend los, untermalt dann den titelgebenden Regentanz und feuert am Ende ein irgendwie sogar romantisches Finale raus.

Petrified: „Petrified“ ist eine brutale Kritik an der Engstirnigkeit mancher Personenkreise, „versteinerte“ Haltungen und Ansichten, ohne die Möglichkeit, mit Argumenten in eine Diskussion zu gehen. Aktuelle Beispiel dazu gibt es leider viel zu viele: Braune Esoteriker, die den Kochlöffel an den Nagel hängen und lieber die Regierung stürzen wollen; Verschwörungstheoretiker, die hinter der Corona-Pandemie einen Zusammenschluss mächtiger Familien, möglicherweise auch Echsenmenschen oder die Errichtung einer Diktatur vermuten. AfD-Politiker und -Anhänger. Kaum zu ertragen. Daher ist die Atmosphäre des Songs auch eher… angespannt.

Kings and Queens: Der Song, zu dem am 30.10. noch ein drittes Video erscheint. Musikalisch ist das ein sehr dynamischer Song, der mit knapp 4 Minuten auch der längste auf der EP ist. Damit wird „Forever Today“ auch thematisch geschlossen, denn Kings And Queens rechnet mit unserer verlogenen Gesellschaft ab, innerhalb derer wir uns gegenseitig vorgaukeln, in der Zukunft alles erreichen zu können, wenn wir uns nur genug anstrengen. Dass das zwar in seltenen Fällen stimmen mag, im Wesentlichen aber nicht die Realität abbildet, ist ja schon lange bewiesen. Aber wir wollen natürlich auch alle bei Laune gehalten werden, und genau das wird von Song und Video illustriert.

Den Song „Petrified“ habt ihr bereits veröffentlicht. Warum ist die Wahl auf die Nummer gefallen?
Jumpcut: „Naked Lights“ war unsere erste Single und handelt mehr von Vielfalt, Kultur und Gemeinschaft. Wir haben versucht das Video deswegen auch möglichst bunt, mit so vielen verschiedenen Menschen wie möglich und abwechslungsreich zu gestalten. „Petrified“ ist der genaue Kontrast zu dieser Welt und stellt die Ignoranz der Leute da, hinterfragt krude Verschwörungsleute und mahnt Rassismus und Sexismus. Obwohl das Lied und der Text schon einige Jahre alt sind, hat das Thema an Aktualität nicht verloren und wird wohl auch noch weiter passend bleiben. Das Video haben wir entsprechend dunkel und trist gestaltet. 

Die EP heißt „Forever Today“ – was findet ihr denn an „heute“ so schön, dass ihr für immer heute leben möchtet?
Jumpcut: „Forever Today“ drückt nicht unbedingt nur einen Wunsch aus, sondern darf auch als Erinnerung verstanden werden. Wir halten zum Beispiel in Erinnerung, dass wir versucht haben die EP so offen wie möglich zu gestalten. Wir haben sie mit Freunden aufgenommen und gefeatured, Gangshouts wurden von Freunden zugeschickt und auch im Video zu „Naked Lights“ haben wir das heute mit so vielen Leuten wie möglich gefeiert. Heute ist immer der Tag, an dem es am unangenehmsten ist, sich Herausforderungen zu stellen, also verschieben wir sie auf morgen. Morgen wachen wir dann auf und stellen fest, es ist schon wieder ein neues Heute. Lasst uns also nicht davonlaufen, sondern das Neue begrüßen und nutzen.

Wie darf man sich eine Live-Show von euch vorstellen?
Jumpcut: Wir versuchen live immer sehr energiegeladen und mit viel Tempo aufzutreten und uns möglichst viel zu bewegen. So wollen wir eine Atmosphäre schaffen die tanzbar ist und spaß macht. Im Schnitt dauert ein Set von uns um die 30 Minuten. Da versuchen wir dann auch so wenig Ansagen wie möglich einzubauen, um das Energielevel hoch zu halten. Wir sind selbst Fans von Shows, die von der Energie leben. Beispiele dafür wären Shows von Turnstile oder Touché Amoré. 
Unsere Songs versuchen wir dann auch so zu schreiben, dass sie livetauglich und vor allem tanzbar sind. 

Thema Corona: hat euch die Pandemie auch einen Strich durch eure Pläne gemacht oder seid ihr verschont geblieben?
Jumpcut: Eigentlich konnten wir die Coronazeit gut nutzen, um die EP aufzunehmen. Wir haben zu Beginn des ersten Lockdowns alle Vorbereitungen getroffen und Demos aufgenommen und dann Mitte April im Studio alles recorded. Leider konnten wir dann nur einzeln aufnehmen, was das Aufnehmen an sich dann etwas unspannender gemacht hat. Da unser Produzent aber mittlerweile auch ein guter Freund von uns ist war es trotzdem spaßig. Mit dem Dreh des Videos zu „Naked Lights“ mussten wir dann allerdings ein paar Lockerungen abwarten. Hat aber alles im Endeffekt kein Problem dargestellt. Was Corona natürlich trotzdem nicht möglich gemacht hat und absehbar auch nicht möglich machen wird, sind natürlich Liveauftritte. Wir hätten gerne eine Releaseshow gemeinsam mit befreundeten Bands gespielt, aber das holen wir dann nach. Auch organisieren wir jedes Jahr ein Benefizkonzert hier in Paderborn und laden auch da befreundete Bands ein, wie beispielsweise im letzten Jahr Deluminator oder Giver, im den Jahren davor waren Slope, Risk it!, oder Tides Denied da. Im ersten Jahr haben wir sogar KMPFSPRT nach Paderborn geholt. Wir spenden die Erlöse dann eigentlich an gemeinnützige Organisationen wie „Sea Watch“ oder „Skate Aid“. Dass wir das dieses Jahr nicht machen können ist leider echt super schade. Wir überlegen aber gerade, wie wir anders Spenden sammeln können. 

Was sind eure weiteren, kurzfristigen und langfristigen Pläne?
Jumpcut: Momentan sind wir dabei neue Songs zu schreiben. Anfang nächsten Jahres wollen wir noch einen weiteren Songs abseits der EP aufnehmen und rausbringen. Dann ist natürlich abzuwarten, wie Corona sich entwickelt. Aktuell ist dann noch eine Platte geplant.  Langfristig wollen wir natürlich regelmäßig Konzerte spielen und mehr Reichweite bekommen. Bisher haben wir nur im näheren Umkreis gespielt. Bundesweite Konzerte, Festivals oder Konzerte in den Nachbarländern wären natürlich super. Auch wollen wir weiter daran arbeiten die Szene hier in Paderborn voranzubringen und Hardcore auch für jüngere Leute attraktiv zu machen.

Vielen Dank, die letzten Worte gehören euch!
Jumpcut: Ej, danke für die Einladung ein Interview mit euch zu machen. War bisher das erste in dieser Form. Wir freuen uns jetzt auf den 13. November und wären froh, wenn so viele Leute wie möglich unsere EP hören. Wer mag kann sie auch in physischer Form erhalten. Schreibt uns an!

Interview von Florian P. im Oktober 2020

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