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Interviews

Veröffentlicht am: Mai 4th, 2020 | durch Florian Puschke

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„Gloria“: Ni Ju San im großen Interview

Ni Ju San… Ein Gloria auf alte Verschwörungstheorien!? Damit hatte ich echt nicht gerechnet! Schon einige Jahre her, dass ich Ni Ju San sehr häufig im Auto und (damals noch) Mp3-Player gehört habe. Doch nun sind diese nach einer Pause (kann man es so bezeichnen?) von gerade mal acht Jahren zurück. Ni Ju San ist eine Band aus Wermelskirchen und nicht nur der Bandname hat etwas Besonders in sich… Denn Ni Ju San ist japanisch für die Zahl 23. Und diese 23 steht für viele Verschwörungstheorien. Ebenso wie die Band für vieles steht: Punkrock, Rock, Metal, Metalcore und Ska. Das Ganze umgesetzt durch eine Fünf-Mann starke Band und mit bis zu fünf-stimmigen Gesänge. Texte aus dem Leben, der Liebe aber auch der Politik machten Ni Ju San vor einer Dekade zu einer Band, die auf dem Sprung war. Doch ab 2009 wurde es ruhiger und 2012 nur noch eine kurze Veröffentlichung, die mit „Dystopia“ zwar gute Songs enthielt, die aber leider recht kurz war. Mehr EP als CD. Und das als Nachfolger der doch gut aufgenommenen Alben „… und Morgen die ganze Welt!“, „Alles Lüge“, „Bis einer weint“ und „Schönen Gruß“. Doch vielleicht war das alles nur Teil einer Verschwörung!? Eines großen Plans? Ein Fall für Verschwörungstheoretiker? Wo drauf man sicherlich schwören kann, ist dass die Jungs mit „Gloria“ zurück sind. Verlernt haben sie nichts. Ein kleines großes Ausrufezeichen aus dem kleinen Wermelskirchen in die große Musikwelt. Mehr Rock! Mehr Power! Wir vom Tough Magazine durften schon im März in die Scheibe reinhören und sind sehr froh, zu diesen Songs, der Bandgeschichte, Plänen aber auch Vergangenem einige Fragen stellen zu dürfen.

Hey ihr Lieben von Ni Ju San. Schön, dass ihr euch Zeit fürs Tough Magazine nimmt. Wobei erwischen wir euch gerade?
Ni Ju San: Hey Marc! Normalerweise würden wir jetzt wohl Dinge sagen wie „Proben für die anstehende Tour“ oder „letzter Schliff an der Show“ – aber ganz ehrlich, heute ist der 22. März 2020, die Bundeskanzlerin hat gerade die bundesweiten Kontaktverbote verkündet. Derzeit machen wir das, was wir für angebracht halten, und das bedeutet, mit dem Arsch zu Hause zu bleiben, nicht weil es Frau Merkel sagt, sondern weil es das Richtige ist. Ni Ju San findet aktuell in einer Whatsappgruppe und im Internet statt, was hoffentlich schon wieder vorbei ist, wenn das hier jemand liest. Trotzdem nutzen wir natürlich die Zeit, um für die durch Corona verschobenen Shows Ersatztermine zu finden und noch den ein oder anderen Schmankerl für den Gloria-Release und die Zeit danach zu überlegen.

Für die Leser, die euch noch nicht kennen. Wer ist Ni Ju San?
Ni Ju San: Wir sind schlicht und einfach eine PunkRock-Band aus dem Bergischen, quasi dem Speckbereich zwischen Köln und Wuppertal, wenn man so will. Keine Dramen, keine harten Drogen, normale Leute mit Spaß an der Musik. Dabei versuchen wir musikalisch immer ein bisschen pfiffiger aufgestellt zu sein als drei Akkorde und singen zumeist auf deutsch, ab und zu auch mal mit Niveau.

Von 2003 bis 2008 wart ihr richtig präsent. Dann eine Pause bis 2012 und nun wieder eine Pause. Was ist in den Pausen passiert?
Ni Ju San: Wir haben erfolglos die Weltherrschaft angestrebt, das legt der Bandname ja schon nahe. Aber im Ernst: Die erste Pause ist relativ einfach erklärt: 2008 haben wir uns von unserem Basser Waldi getrennt, das zu kompensieren hat einige Zeit gedauert. Der Nachfolger war dann auch nicht lange bei uns, es hat schlicht auf verschiedenen Ebenen nicht gepasst. Sowas zu merken, dauert dann aber auch gerne mal ein paar Monate. Mit dem nächsten Versuch hat es dann ganz gut geklappt, bis kurz darauf unser Drummer Andi ausgestiegen ist. Wir haben dann Monschi an die Drums geholt, was menschlich sofort gepasst hat und letztlich dann Ruck Zuck die „Dystopia“ eingespielt. Wir verstehen uns tatsächlich bis heute alle mehr als Freunde als als Bandkollegen, das macht solche Wechsel wohl komplizierter als in anderen Bands. Wir sind was das angeht total unprofessionell.
Die zweite Pause ist dann in der Länge schon schwerer zu erklären, angefangen hat aber wieder alles mit dem Ausstieg unseres Bassers, der dann doch nicht wollte… Danach hätte sicher auch alles schneller gehen können, aber ich denke wir waren vermutlich auch einfach echt gefrustet, ohne das laut auszusprechen. Zwischendurch haben wir quasi alle unsere jeweiligen Ausbildungen fertig gemacht, teilweise geheiratet und Kinder bekommen. Die Band rückt dann Schritt für Schritt immer ein bisschen weiter zurück, insbesondere wenn es nicht läuft. Ist vermutlich ganz normal. Wir hätten uns wahrscheinlich in der Zeit längst aufgelöst, wenn wir nicht alle schon ewig befreundet wären. Umso geiler ist es für uns alle, dass es jetzt nochmal richtig losgeht. Irgendwann Anfang 2019 hat Boba einen Arbeitskollegen mitgebracht, der sich als goldrichtiger Basser für uns entpuppt hat. Das war der Startschuss für den Neuanfang.

Von 2012 bis 2020 ist einiges an Zeit ins Land gegangen. Habt ihr die Jahre gebraucht, um nun einen neuen Ni Ju San Stil zu entwickeln?
Ni Ju San: Nee, ganz ehrlich: Auf der Scheibe sind zwei Songs, nämlich Haufen Asche und Lange Nächte, die haben schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Der Rest ist tatsächlich in 2019 geschrieben, naja, zumindest „fertig“ geschrieben. Durch die lange Zeit haben wir aber tatsächlich diesmal mehr „weggeworfen“. Früher haben wir fast jedes Riff zu einem Song verbastelt ist auch rausgehauen. Bei Gloria waren wir da deutlich sorgfältiger beim Songwriting, (hoffentlich) hört man das auch.
Der „neue Stil“ hat sich schlicht und einfach mit uns entwickelt. Über die Jahre hinweg entwickelt man sich ja stetig weiter, ich denke das geht vielen Bands so, wobei wir uns ja nun auch nicht um 180 Grad gedreht haben. Wir sind einfach ein bunter Haufen Leute, der durch die Besetzungswechsel einfach immer neue Einflüsse hinzugewonnen hat. Ich denke, eine Entwicklung im Sound ist da unumgänglich aber auch gewollt.

Wie würdet ihr den „neuen“ Stil denn beschreiben wollen?
Ni Ju San: Ich würde sagen, dass wir schon an die „Dystopia“ von 2012 anknüpfen. In den Refrains hörst du den Punkursprung noch fett raus, die Riffings gehen aber schon in die Metal-Richtung und da wir bis auf Monschi alle gern und viel singen geht das ganz stimmlich mal wieder Richtung Münchner Freiheit, mit dem nötigen Crunch, wo es uns passt. Auf der Schönen Gruss z.B. hatten wir noch etliche Scream/Shout-Parts eingebaut, das machen wir heute nicht mehr. Aber ehrlich gesagt sind das alles Dinge, die wir so im Nachhinein festgestellt haben. Wir entwickeln den Stil nicht bewusst weiter. Wir schreiben Songs, und wenn es rockt, kommt es auf die Platte. Das Ergebnis ist dann halt eine Momentaufnahme.

Neben dem Stil hat sich auch einiges am Umfeld geändert. Von den „Donner Tonstudio“ in Remscheid nun zum Another Level Tonstudio nach Kaarst. Aber auch die Plattenfirma ist neu? Fühlt sich das jetzt alles wie ein Neuanfang an oder wie beschreibt ihr eure derzeitige Situation?
Ni Ju San: Jein. Also ein Neuanfang auf jeden Fall. Die Entscheidung bei Amadeus in Kaarst zu produzieren kam aus dem Bauch heraus, wir wollten nach all den Jahren tatsächlich mal was Neues probieren. Zudem haben uns seine Produktionen von den Datenschmutz- Songs echt gut gefallen. Wir kennen Amadeus auch etliche Jahre als Musiker, mit seiner ehemaligen Band Rumblefisch haben wir einige gemeinsame Konzerte gespielt, so vor 15 Jahren oder so. Als uns dann unser alter Freund der Ole (Ex-Massendefekt) für seine Solo-Platten in Amadeus‘ Studio eingeladen hat, wurde der Kontakt zu Amadeus dann aufgefrischt. Bei Matthias Donner haben wir dann aber trotzdem noch die Gesänge aufgenommen. Er kennt uns und unseren Stil einfach bis ins letzte Detail, hat ein absolut perfektes Gehör und spart auch nicht an Kritik. Die Platte wurde also tatsächlich halb in Kaarst und halb in Remscheid aufgenommen. Naja, und dass wir mit NixGut nicht mehr arbeiten, versteht sich wohl von selbst. Mehr brauchen wir dazu glaube ich nicht sagen.

Bei den ersten Alben hörte man oft Begriffe wie „Pseudointellektuell“ aber auch andere kritische Untertöne. Wie geht ihr mit Kritik um und wie charakterisiert ihr selbst die ersten Alben im Nachgang ein?
Ni Ju San: Das ist wohl ganz unterschiedlich, auch innerhalb unserer Band. Vielen in der Punkszene waren und sind wir wohl zu glatt, aber damit können wir gut leben und nehmen das mit Humor. Bei unserer Live-DVD haben wir die fiesesten Verrisse als „Werbung“ mit auf die Packung gedruckt.
Wir stehen halt auf fette Produktionen, gestimmte Gitarren und gerne auch halbwegs geraden Gesang. Manche Leute stehen auf LoFi und Rotz. Sollen sie hören, hat ja hier und da auch was. Wir sind im Gegensatz dazu sicherlich Plastik, aber ganz ehrlich: Wir sind halt einfach Kleinstadtjungs aus bürgerlichen Verhältnissen. Wir verstellen uns nicht und freuen uns natürlich, wenn den Leuten gefällt was wir machen. Wir schreiben Songs aber tatsächlich für uns und nicht damit es irgendwem gefällt.
Bei den ersten beiden Platten hörst du die fehlende Erfahrung und das knappe Budget deutlich raus, das wurde erst mit dem ersten Plattenvertrag mit der „Bis einer weint“ besser. Bis dahin hatten wir einfach das Taschengeld zusammengekratzt und „mal gemacht“. Damals haben wir auch noch deutlich mehr deutschen Punk gehört, der Einfluss ist gut zu hören. Bei der „Bis einer weint“ und der „Schoenen Gruss“ waren wir schon deutlich experimentierfreundlicher und haben die Songs schon im Bewusstsein geschrieben, dass die mal auf Platte veröffentlicht werden. Dabei haben wir es vielleicht an der ein oder anderen Stelle übertrieben, das machen wir heute anders. Die neue Platte Gloria ist schon wesentlich straighter – einfach mal ein Tonartwechsel hier und da weniger – dafür rockt es dann insgesamt mehr.

Wenn ihr die alten Alben betrachtet. Welches ist euer persönliches Highlight und welche CD würdet ihr gerne in neuem Ni Ju San Gewand einspielen wollen?
Ni Ju San: Puhh, schwierige Frage… Also grundsätzlich würden wir nichts komplett neu einspielen. Die Alben sind Kinder Ihrer Zeit und auch wenn die hier und da echt „optimierungswürdig“ scheinen, sind sie halt ein Teil unseres Lebens. Du holst ja auch kein Bild aus der Schublade, was du mit vier gemalt hast und denkst dir: „Das Auto und die Blumenwiese krieg ich heute besser hin“.
Vielleicht aber mal andersrum: Heutzutage kannst du als Künstler bei den Streamingdiensten sehen, wie oft Songs gehört werden. Bei etlichen alten Songs, also z.B. Antinquisition, Wo bin ich hin etc. ist es so, dass die Live-Aufnahmen von der „Besser als Schlecht“ viel, viel öfter gestreamt werden als die Studio-Versionen. Das hat natürlich Gründe. Solche alten Klassiker würden wir dann doch gerne nochmal neu machen. Demnächst stehen ja ein paar Jubiläen an, 2023 feiern wir 20 Jahre….vielleicht machen wir das mal, falls wir Corona finanziell und tatsächlich überleben.

Kommen wir zur neuen CD. „Gloria“ ist natürlich eine Ansage. Wie kam es zu diesem Song und warum verwendet ihr ihn als Albumtitel?
Ni Ju San: Der Song hat trotz des lyrischen Textes einen autobiografischen Hintergrund. Letztlich geht es darum, wie sich der Autor aus einer Depression befreit und zwar wie Münchhausen, indem man sich selbst aus dem Morast zieht. Die feste Zuversicht, dass das gelingt, das ist „Gloria“. Ich hoffe, das kam verständlich rüber.
Im Kontext von unserer letzten Pause von mehr als acht Jahren braucht man glaube ich kein Genie sein um zu verstehen, warum wir genau diesen Song zum Titeltrack und zur ersten Single gemacht haben. Der Song kam am 20.03. raus, also ganz frisch zur Corona-Pandemie und ganz ehrlich: Wir sind echt froh, dass wir den Song genommen haben und nicht einen anderen. Hoffnung und Zuversicht kann die Welt gerade ganz gut brauchen.

Ein großer Ohrwurm ist natürlich „Catalina“. Ein Single Kandidat? Was ist der Hintergrund zu diesem Song?
Ni Ju San: Definitiv. Inspiration für diesen Song war eigentlich der Film Stiefbrüder. Jeder der Will Ferell kennt weiß, dass es sich um eine Komödie mit sehr anspruchsvollem Humor handelt. Wenn man diesen völlig unterschätzten Film näher betrachtet, hat er eine übergeordnete ergreifende Aussage, die wir versucht haben in Text und Musik zu fassen.

In „Catalina“ seid hören wir Worte wie „Die Freiheit spricht“ aber auch „Die Hoffnung spricht“, „Die Freude spricht“. Was ist für euch der Hintergrund zu diesem Stück?
Ni Ju San: Naja, dazu musst du den Text im Gesamtzusammenhang sehen. Letztlich geht es hier um Sehnsüchte, aber auch um Veränderungen im Leben und (wie auffallend oft in unseren Texten, fällt uns gerade auf) um das „Prinzip Hoffnung“.

„Stück vom Glück“ heißt eine Single. Was bedeutet für euch dieser Song gerade in der Corona Krise? Hat sich die Definition von Glück dadurch verändert?
Ni Ju San: Das wäre schön, wird aber nicht so kommen. Die Single bringen wir pünktlich zu Ostern raus, es geht ja um Konsumkritik. Corona bietet wohl perspektivisch die Chance zu erkennen, dass es alles auch ne Nummer kleiner geht und man nicht alles immer und überall bekommen muss, um glücklich zu sein. Wahrscheinlich wird aber das Gegenteil passieren: Die Leute werden wohl denken „jetzt erst recht“ und den Konsumwahnsinn noch krasser pervertieren. Wenn man sich die Wirtschaftswunderjahre nach dem zweiten Weltkrieg anguckt, ist da nichts anderes passiert und Geschichte neigt ja dazu, sich zu wiederholen. Alles was jetzt angeblich entbehrt wird, wird dann nachgeholt. Für die Wirtschaft wird das super, also zumindest für die großen Player, die dann noch übrig sind. Für die Umwelt wird das eine Katastrophe, aber wir schweifen glaube ich vom Thema ab… naja, um die Frage zu beantworten: Wir sind ja klassische linksgrünversiffte Gutmenschen, also haben wir die allgemeingültige Definition von Glück gepachtet, das ändert sich durch die Krise nicht. Nur alle anderen sind dumm. Haben wir schon erwähnt, dass man die Platte über amazon bekommt?

„Ronny“. Eine Name! Eine Geschichte? Erzählt was zu dem starken Song! Singlekandidat?
Ni Ju San: Jau, auf jeden Fall. Wenn man schon ein Comeback startet, kann man es sich auch direkt mit 13 Millionen Leuten verscherzen. Wobei: es geht in dem Song ja nicht um Ossi-Bashing, im Gegenteil, wir sind super gerne im Osten unterwegs, die Szene da ist großartig. In dem Song geht es um das Stimmvieh der AFD und die mehr als lahmen Ausreden, die immer wieder getriggert werden. Ronny haben wir im Text im Zeitraffer die volle Negativ-Geschichte seit der Wende durchleben lassen, dabei wird auch kein Klischee ausgelassen. An sich gibt’s die Spinner natürlich auch bei uns im Westen, aber darüber machen wir vielleicht mal nen eigenen Song. Den Text haben wir im Sommer 19 geschrieben, also noch lange vor der letzten Thüringen-Wahl, die uns aber in dem Song echt bestätigt hat. Dieses Gejammer von wegen „die bösen Ausländer sind schuld an meinem persönlichen Elend, darum wähle ich Neonazis“ war in den 90ern schon einfach nur peinlich und scheiße, das ist heute nicht anders. Der Song kommt dabei halt echt oberlehrerhaft rüber, das ist uns klar, aber wir haben ja auch schon klargestellt, dass wir als Gutmenschen einfach die Weisheit mit Löffeln gefressen haben.

„Lange Nächte“ wird sicher vielen HörerInnen gefallen. Wie lang sind die Nächte für Ni Ju San nach der Veröffentlichung von Gloria?
Ni Ju San: Wie in dem Song, sind auch derzeit unsere Nächte zu kurz. Es gilt zur Zeit viel zu stemmen und aus der momentanen Situation das Beste zu machen. Aber wir lassen uns was einfallen und schlagen uns gerne die Nächte um die Ohren um unser neues Album ordentlich zu feiern und den Leuten da draußen als kleine Entschädigung noch das eine oder andere Extra zu bieten!

Mit „Scheißegal“ endet sicher ein Meilenstein in der Ni Ju San Discografie. Was ist euch denn Scheißegal und für was steht ihr ein?
Ni Ju San: Naja, wenn man dem Song glauben darf: Einfach alles! In Wahrheit ist das natürlich alles ein bisschen komplizierter. Im Endeffekt ist ja jeder einzelne das Zentrum seines eigenen Universums und handelt im höchsten Maße egoistisch. Universell gesehen ist gar nichts wichtig. Nach der Menschheit wird es auf der Erde noch ziemlich lange weitergehen, nur halt ohne uns, das juckt die Erde nicht, im Gegenteil. Uns ist wichtig, die Zeit, die wir haben möglichst angenehm zu gestalten, und zwar – jetzt kommt wieder das Gutmenschentum – für Alle, auch wenn man selbst dabei Abstriche machen muss. Letztlich sind wir dann wieder bei Kant. Das ist natürlich naiv, aber deshalb nicht weniger war. Um nochmal zum Song zurück zu kommen: Wir stehen auch stark für die negative Religionsfreiheit ein, also dass einem die religiösen Spinner mit ihrer Kacke einfach mal in Ruhe lassen. Da ist noch viel Luft nach oben.

Neben den Songs beeindruckt auch das Artwork des Albums? Welches Symbol hat der Leuchtturm für euch?
Ni Ju San: Den Leuchtturm haben wir gewählt, weil er genau die Idee des Songs „Gloria“ verkörpert, wo es im Refrain ja heißt: „Ein Feuer führt mich sicher durch die Nacht“. Wir alle brauchen dieses Licht, dass uns in dunklen Zeiten die Richtung weißt. Für uns war der Leuchtturm das perfekte Symbol, um das rüber zu bringen.

Auch der Totenkopf hat etwas von „beeindruckend“, „gefährlich“ aber auch fast „fröhlich“. Woher kommt dieses Maskottchen?
Ni Ju San: Wir denken, dass unser neues Logo unseren Musikstil recht gut wiedergibt. Die Mischung aus (Skate)Punkrock mit Metalelementen kommt denke ich gut zur Geltung. Außerdem wollten wir insgeheim immer schon einmal einen eigenen Totenkopf haben. Und dieser wurde dann extra für uns durch eine in der Region bekannten Tattoowiererin Jess Leyens vom Atelier Herzstich in Solingen designed, wofür wir sehr dankbar sind!

Würden die oben genannten Attribute auch auf eure neuen Songs passen oder wie würdet ihr diese beschreiben?
Ni Ju San: Definitiv. Das Album beinhaltet alles, was uns in den letzten Jahren, in denen es ruhig um uns geworden ist, beschäftigt hat. Da geht es um Melancholie, Verlust, Zuversicht aber auch ein dickes Stück Gesellschaftskritik. Jeder hatte sein Päckchen zu tragen, wir können unsere auf so einem Album ein Stück weit „abliefern“, das ist glaube ich ganz unterhaltsam gelungen.

Diese Attribute, mit denen gerade der Totenkopf beschrieben wurde. Welche würdet ihr gerne in einem Review lesen und welcher Satz über eure Band würde euch persönlich am meisten gefallen?
Ni Ju San: Ehrlich gesagt haben wir da keine Ansprüche. Wir machen die Musik wie gesagt für uns und nicht für andere. Dass wir hier und da anecken oder nicht dem Stil der „Szene“ gerecht werden, kennen wir schon und langweilt uns. Wir gehen mit Kritik ganz einfach um. Wir ziehen uns den Schuh an wenn er passt und halten uns nicht lange auf, einem Bild „gerecht“ zu werden. Geschmäcker sind unterschiedlich und das ist auch gut so. Trotzdem freut es uns natürlich, wenn unsere Songs Gehör finden und dem einen oder anderen vielleicht ein Stück weit durch eine Krise helfen oder er einfach eine geile Zeit mit uns hat. Es ist Musik, nicht mehr und nicht weniger. Wir wollten keine Dogmatiker sein, sondern wenn überhaupt jeden dazu anregen, über den einen oder anderen Sachverhalt selbstständig nachzudenken. Und das mit dem Satz ist einfach: Irgendeine Kombination von „Weltweiter Überraschungshit“ und „plötzliche Millioneneinnahmen“ – da sind wir ganz, ganz einfach gestrickt.

Bei vielen Bands heißt es ja „nach dem Album ist vor der Tour“. Und bei Ni Ju San? Was kommt nach dem Release von „Gloria“ auf uns zu?
Ni Ju San: Da sind wir selbst sehr gespannt. Die Releaseshow und bisher so ziemlich alles andere wurde entweder abgesagt oder steht unter einem großen Fragezeichen. An sich sollte es ab Herbst auf große Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz gehen, Corona hat das nun erstmal auf Eis gelegt. Im Moment ist es praktisch unmöglich, seriös irgendwas zu booken zumal natürlich auch alle in der Szene gerade die März/April/Mai-Termine versuchen umzulegen, uns natürlich eingeschlossen. Naja, was wir versprechen können: Es gibt keine 8 Jahre Pause, wir sind wieder da und wir bleiben auch erstmal….

Was bedeuten euch die folgenden Begriffe?
Barbed Wire
Ni Ju San: Früher war nicht alles besser. Außerdem fühlen wir uns jetzt alt. Danke dafür.

04.04.20
Ni Ju San: Wird ein sehr trauriger Tag für uns, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben ;)

Rückkehr
Ni Ju San: Bedeutet nicht stehengeblieben zu sein.

Alster
Ni Ju San: Fließt durch eine sehr, sehr schöne Stadt mit einer sehr, sehr netten Plattenfirma.

Punkszene 20 Jahre später
Ni Ju San: Damals wie heute – überall nette Leute, bisschen weniger asi, mehr öko, mehr me2, gefällt uns.

Bitte vervollständige die folgenden Sätze.
Das neue Album…
Ni Ju San: …rockt.“

2020 könnte…
Ni Ju San: …gerne ein bisschen besser werden, als es sich bisher abzeichnet.“

Ein „Schöner Gruß“…
Ni Ju San: …geht raus an alle, die uns über die Jahre die Treue gehalten und uns bei der Produktion von „Gloria“ unterstützt haben.“

„Alles Lüge“ ist heutzutage…
Ni Ju San: …ein Klassiker mit Retro-Charme.“

„Bis einer weint“ kann man…
Ni Ju San: aktuell an jedem Klopapierregal wieder sagen.“

„Live spielen werden…
Ni Ju San: …wir hoffentlich bald wieder.“

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören euch!
Ni Ju San: Wir zitieren uns einfach mal selbst, und zwar den Uralt-Song UBP: „Auch wenn es schwerfällt – wir geben nicht auf – und wir setzen noch einen drauf!“ Da kommt noch einiges auf uns alle zu. Packen wir es an! Bleibt gesund!

Genau 23 Fragen. Hat das jetzt was von Verschwörungstheorie? Worauf einige von euch sicher bald schwören werden ist die neue CD von Nu Ju San. Gloria – kaufen und abfeiern. Schon bald bei Alster Records und in jedem gut sortierten Laden. Wir bedanken uns bei Ni Ju San für die Zeit und das nette Interview. Wer mehr von Ni Ju San wissen möchte, schaut auf der facebook-Seite nach.

Interview von Thorsten im März 2020

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