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Interviews

Veröffentlicht am: Dezember 2nd, 2020 | durch Florian Puschke

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„Ende der Welt“: ZSK im Interview

Das „Ende der Welt“ kommt. War das nicht schon für 2012 angedacht? Welcher Maya Kalender hatte denn da einen Rundungsfehler? Vielleicht waren aber nur die Schriftzeichen über all die Jahre hinweg falsch interpretiert worden. Ein kleiner Zahlendreher, denn das „Ende der Welt“ ist angekündigt und wird auch stattfinden. Aber nicht 2012 sondern 2021. Und es wir krachen!!! Soviel dürfen wir schon mal verraten. Sehr froh war ich als ich die neue Platte der Jungs von ZSK über die Boxen laufen ließ und gemerkt habe dass die Jungs nach „Hallo Hoffnung“ eine weitere Schippe draufgepackt haben um nun mit dem „Ende der Welt“ ein schönes Punkfeuerwerk abliefern. Und kurz vorm Ende hat sich Frontmann Joshi bereit erklärt, uns einige Fragen, die geklärt werden müssen, zu beantworten. Ob er auch weiß, was alles in den Koffer muss, wenn man denn im Weltuntergangszug davonfährt, weiß ich nicht. Ich würde sicherlich die neue ZSK Platte mitnehmen. Viel Spaß mit dem Interview.

Hey Joshi, schön dass du dir die Zeit nimmst. So kurz vorm „Ende der Welt“. Wie geht es dir gerade?
Joshi: Wunderbar geht’s mir! Wir freuen uns total auf die neue Platte und die Tour 2021.

Eure Platte hat den schönen Namen „Ende der Welt“ erhalten. War der Name schon vor eurem Besuch bei Prof. Drosten klar oder erst danach 😉?
Joshi: Der Titel stand schon Ende 2019 fest. Wir haben dann überlegt den noch zu ändern, uns letztendlich aber dagegen entschieden.

Der Besuch und auch das Lied haben für die ein oder andere Schlagzeile gesorgt. Hättest du das erwartet?
Joshi: In diesen verrückten Ausmaßen überhaupt nicht. Der Medienrummel war nur noch absurd. Dass wir mal im Radio laufen oder eine TV-Interview geben, das hätte ich nie erwartet. Wir haben diese drei Wochen Aufmerksamkeit sehr genossen. War auf jeden Fall lustig.

Welche Reaktionen waren lustig, welche eher lästig?
Joshi: Da kann ich beide Fragen gleichzeitig beantworten: die Hassbriefe der Coronaleugner und Hildmann-Jünger. Wir haben viel durchgeknalltes Zeug bekommen. Mails, Social Media-Messages, aber auch Briefe. Von bescheuerten Youtubelinks bis zu Morddrohungen war alles dabei. Herrlich!

Das Lied „Ich habe besseres zu tun“ gibt es ja auch auf eurem neuen Album zu hören. Kommen wir zur Platte. Was hat sich diesmal für euch geändert im Vergleich zu „Hallo Hoffnung“? Gerade im Bezug auf das allgegenwärtige Corona?
Joshi: Eigentlich wollten wir den Song gar nicht draufpacken, aber viele Leute wären dann sehr enttäuscht gewesen. Also haben wir den draufgenommen. Corona hat natürlich alles verändert. Aber wir wollen uns da ungern so dran aufhängen. Wir sind fest davon überzeugt, dass bald wieder alles normal ist und diese 1,5 Jahre dann einfach „die scheiß Zeiten damals“ sind über die man in der Vergangenheitsform sprechen kann. Daumen sind gedrückt!

Wir durften die Songs schon hören und ich finde die Stücke allesamt geil. Aber auch die Verpackung ist wieder einmalig. Wie wichtig ist es euch, dass die Platte im „richtigen Rahmen“ veröffentlicht wird und wie kam es zu den einzelnen Varianten, wie Lim. CD Digipack, 180g Heavyweight black LP + Audio-CD sowie limitiertes CD-Boxset?
Joshi: Artwork und Formate sind uns total wichtig. Wir sind ja selbst Vinyl-Liebhaber und fidnes es echt genial, dass es dieses mal fünf Vinylfarben gibt. Auch in dem CD-Boxset steckt ganz viel Liebe zum Detail. Wir versuchen da immer was ganz besonderes zu machen und unsere Fans wissen das auch zu schätzen. Das freut uns.

Was empfindest du persönlich, wenn einige dieser Produkte ausverkauft sind?
Joshi: Das ist ein verrücktes Gefühl. Als wir 1997 angefangen haben, hatten wir Demokassetten. Wenn wir da 5 am Abend verkauft haben, sind wir durchgedreht vor Freude. So ist das heute immer noch. Nur mit anderen Zahlenverhältnissen. Wir sind echt dankbar, dass wir eine derart treue Fangemeinde am Start haben.

Kommen wir zu einigen der Songs. Der Opener „Ich feier euch“ ist eine schöne Ansage an die Fans. Jeder der mal auf einem Konzert von euch war, wird den Text dieses Songs mit einem starken „JA“ abnicken? Für dich wichtig, mal so ein Statement abzuliefern?
Joshi: In diesen schwierigen Zeiten unbedingt! Wir vermissen wie alle da draußen dieses losgehen und feiern sehr. So wie in dem Lied beschrieben war unsere ganze Jugend und Punkrock war dazu der Soundtrack, der unseren ganzen Freundeskreis zusammengehalten hat.

„Die Kids sind OK“. Auch ein großartiges Stück, dass die Jugend von heute einmal anders darstellt, als oft von der „Früher war alles besser“ – Generation bewertet. Aus welchem Anlass ist dieser Song entstanden?
Joshi: Einerseits ist das unsere Form das Engagement Hunderttausender cooler Kids zu wertschätzen, andererseits muss man mal mit de Klischee „Alle Jugendlicher interessieren sich für nichts mehr“ aufräumen. Es gibt super viele großartige Aktivisten da draußen. Man muss sie nur finden und ihnen auch zuhören.

„Mach’s gut“ als Gute-Laune Nummer, die den Abschied mit Ska, Punk, Pop versüßt. Wem ist dieses Stück gewidmet?
Joshi: Da geht es um dieses Aufwachsen in der spießigen Vorstadt, was sicher viele kennen. Doppelhaushälfte, Kleingärtner und ein Aufschrei, wenn jemand plötzlich bunte Haare hat. Grund genug mal „Fuck off“ an alle Wände zu sprühen.

Das „Ende der Welt“. „Ihr macht Verträge mit den wichtigsten der Welt“ – „Nicht mit uns“. „Ihr sprecht mit allen aber nicht mit uns“. Ein politisches Stück, das wichtig ist. Wem würdest du das Stück als Hörtipp empfehlen und mit wem würdest du dich gern mal über die Probleme der Welt unterhalten?
Joshi: Greta Thunberg würde ich gerne mal persönlich treffen. Sehr beeindruckende Person, die den Politikern weltweit immer wieder die Ohren langzieht.

Apropos politisch. Auch „Sag mir wie lange“ geht wieder in die richtige Richtung. Was denkst du wie lange diese „Einzelfälle“ noch bestand haben und zu welche „offenen Fragen“ würdest du gerne eine Antwort bekommen?
Joshi: Tödliche Gewalt von Rechtsextremen wird es sicherlich noch viel in den nächsten Jahren geben. Ich fürchte auch, dass sich durch die ganzen Corona-Leugner-Trottel viele Menschen in diesem Milieu radikalisieren werden. Die Attentäter von Halle und Hanau haben sich ja auch in diesen Verschwörungsmythen-Foren rumgetrieben.
Bei den „offenen Fragen“ hätte ich gerne Antworten auf das ganze NSU-Netzwerk. Was wir bis heute dazu wissen ist mit Sicherheit nur die Spitze des Eisberges. Aber das Gericht hat ja die Aufdeckung der vielen Mittäter Erfolgreich verhindert. Auch die Rolle der Geheimdienste wird wohl nie vollständig geklärt werden. AN dieser Stelle nochmal ganz viel Respekt und Wertschätzung für NSU-Watch, Katharina König, Martina Renner und die viele kleinen Antifa-Initiativen, die seit Jahren druck machen, damit mehr von dem braunen Netzwerk aufgeklärt wird.

„Stuttgart“ ist ein sehr persönliches Stück. Möchtest du etwas über den Hintergrund sagen?
Joshi: Alles, was in dem Song vorkommt, ist genau so passiert. Das war auf der Tour 2016. Kurz vor dem Auftritt kam der Anruf, dass meine Mutter in Göttingen gestorben ist. Wir haben die Show dann trotzdem gespielt. Direkt hinter dem Klub stand ein Mietwagen und die anderen haben mich die ganze Nacht nach Göttingen gefahren. Da ist mir nochmal klar geworden, wie wichtig es ist gute Freunde zu haben. Eben nicht nur zum Feiern und Abenteuer erleben, sondern genau in solchen Situationen.

Sobald die Clubs wieder öffnen, wird „Alle meine Freunde“ die Leute mitnehmen. Zu Anti-AFD kann man tatsächlich laut tanzen, springen sowie laut rufen: „Ganz Deutschland …“. Aus welchem Kontext heraus ist dieses Stück entstanden?
Joshi: Aus dem Kontext, dass wir die Fickspechte der AfD nicht ausstehen können! Die AfD steht fundamental allem entgegen, was wir in einer Gesellschaft wichtig finden. Es muss alles dafür getan werden diese Hunde aus dem Budnestag rauszubekommen. Das geht nur gemeinsam.

Eines meiner Lieblingsstücke ist ziemlich am Schluss zu finden. „Rumstehen“ beschreibt die aktuelle Lage aber gibt auch Hoffnung (Hallo Hoffnung) auf die Zukunft. Beschreib einfach kurz an was du denkst, wenn du dieses Stück hörst und die Augen schließt.
Joshi: Das Lied hätte es ohne Corona und Lockdown gar nicht gegeben. Das haben wir nach der abgesagten Japan-Tour geschrieben. Ich habe jetzt bald ein Jahr kein Konzert mehr gespielt. Unfassbar. Macht mich fertig.

Ihr habt auch wieder eine englische Nummer am Start. Für euch mittlerweile schon Pflicht? Was unterscheidet für dich ZSK auf Englisch und ZSK auf Deutsch?
Joshi: Das keiner die Texte genau liest oder versteht! Hahahahaha!

„Mein Zuhause ist bei Dir“. Ich sag dazu nichts außer HAMMER. Welches sind für dich die wichtigsten Momente, die du auf deinen Armen tätowiert hast und welchen Moment würdest du auf dein Herz tätowieren – falls möglich?
Joshi: Aufs Herz? Auf keinen Fall. Das tut doch sicher krass weh. Freut mich, dass dir der Song gefällt. Auch einer meiner Lieblingssongs der Platte. Dieses Thema eine für das ganze Leben wegweisende Entscheidung zu treffen, beschäftigt mich viel. Für eine Sache oder Haltung alles zu geben und zu riskieren beeindruckt mich. Da gibt es historisch viele Figuren, die ihr Leben für eine progressive Idee gegeben haben. Darum geht es in dem Lied.

Mit „Ich habe besseres zu tun“ endet ein starkes Album. Der Applaus vom Tough Magazine ist euch gewiss. Aber welche Worte würdest du selbst zum Album sagen?
Joshi: Wir haben da unglaublich viel Zeit, Liebe und Kraft reingesteckt und hoffen einfach, dass es den Kids gefällt. Den Rest müssen andere sagen…

Viele der Stücke werden live zünden. Wann, denkst du, geht es wieder los?
Joshi: Hoffentlich ganz bald. Wenn wir die Tour im Frühjahr verschieben müssen, wäre das echt ätzend.

Gerade weil ihr live eine Wucht seid und viele Stücke auch live abgehen werden, kann man nachfragen, ob es denn Gedanken gibt, auch mal ein Live Konzert von euch auf CD zu bekommen. Schneidet ihr Konzerte mit?
Joshi: Haben wir schon oft überlegt. Bislang haben wir das immer nicht geschafft. Aber es gibt ja zwei Live-DVDs. Vielleicht irgendwann auch mal eine Platte. Mal sehen.

Lieber Joshi, was bedeuten dir die folgenden Begriffe?
Berlin
Joshi: Dreckig

Tour-Bus
Joshi: Auch dreckig

Festivals 2020
Joshi: Welche Festivals?

Dinosaurier
Joshi: Mega! Ich hoffe total, dass irgendwann noch welche künstlich aus DNA erschaffen werden. Die Wissenschaft ist dran!

Maradona
Joshi: Kokain

Madonna
Joshi: Christentum ist nicht mein Thema

Tough Magazine
Joshi: Große Liebe!

Wir bedanken uns für deine Zeit. Ein ganz dickes Dankeschön nach Berlin. Aber bevor die Welt untergeht, überlassen wir dir gerne die letzten Worte. Hau raus.
Joshi: Danke für die Einladung zum Interview. Wir sehen uns dann alle hoffentlich bald wieder bei Konzrten und Festivals. Freuen uns über jeden der unsere Platte kauft oder klaut. Bleibt gesund! Joshi

Wir bedanken uns bei Joshi für die Zeit und den Antworten auf die Fragen zum „Ende der Welt“. Wir freuen uns auf den Release 2021 und hoffen, die Jungs im nächsten Jahr wieder auf der Bühne zu sehen. Einiges zu erzählen haben sie ja.
Denn das „Ende der Welt“ ist (mal wieder) ein

Z iemlich
S icher
K lasse

Album geworden. Machts gut und bis dann. Prost.

Interview von Thorsten im November 2020

Wir verlosen 2×2 Tickets für die kommende „Ende der Welt“-Tour. Was ihr machen müsst? Liked unsere facebook-Seite, teilt diesen Beitrag öffentlich und markiert die Person, die ihr gerne mitnehmen möchtet! Viel Spaß! Die Gewinner werden von uns benachrichtigt.

Mitmachen könnt ihr bis zum 23.12.2020

Ende der Welt Tour 2021
► ► ► Hardtickets: ‪zsk.hamburgrecords.com/tickets
‪15.01.2021 Leipzig Täubchenthal‬
‪16.01.2021 München Backstage‬
‪05.03.2021 Karlsruhe Substage‬
‪06.03.2021 Kaiserslautern Kammgarn‬
‪26.03.2021 Kiel Die Pumpe‬
‪27.03.2021 Bremen Schlachthof‬
‪10.04.2021 Hamburg Große Freiheit 36‬
‪16.04.2021 Wiesbaden Schlachthof‬
‪17.04.2021 Rostock MAU Club‬
‪23.04.2021 Hannover Faust‬
‪24.04.2021 Düsseldorf Z Zakk‬
‪07.05.2021 Berlin SO36‬
‪08.05.2021 Berlin SO36‬

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