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Interviews

Veröffentlicht am: Januar 27th, 2021 | durch Florian Puschke

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„Egal was kommt“: Neurotox im Interview

Mit „Egal was kommt“ erscheint am 29.01.2021 das neue Album der Band Neurotox. Wir haben uns mit den Musikern über die neuen Songs, die Unterscheide zum Vorgänger-Album und die Parallelen zu Kärbholz unterhalten.

Moin, wo erwischen wir euch gerade?
Neurotox: Ja Moin, erst ein mal vielen Dank für deine Interviewanfrage. Wir freuen uns sehr darüber und sind gespannt was uns erwartet! Ehrlich gesagt ist es zur Zeit alles etwas „wild“ und wir stecken bis zum Hals in Vorbereitungen rund um unser neues Album. Wir kennen es ja schon von unseren vorherigen Veröffentlichungen aber dennoch ist es immer überraschend wie viel Arbeit
dann auf einmal ansteht.

Mit „Egal was kommt“ erscheint am 29.01.2021 euer neues Album. Wieso habt ihr euch für den Titel entschieden?
Neurotox: Wir haben sehr lange nach einem passenden Titel gesucht und es standen tatsächlich auch viele Ideen zur Auswahl. Der Titel „Egal was kommt“ hat sich dann nach den Autokinokonzerten gefunden die wir gespielt haben. „Egal was kommt, egal wohin, ich bin dabei“ Für uns wichtige Zeilen des Zusammenhalts als Band und für diejenigen, die es interessiert was wir zu sagen haben, als Aufruf gedacht nicht auf zu geben und vorwärts zu blicken. Zusammen schaffen wir das schon.

Acht Jahre Neurotox – das fünfte Album, richtig? Woher nehmt ihr all die Kreativität?
Neurotox: Schon acht Jahre? Das ist einem oft gar nicht so bewusst und viele Dinge sind noch so frisch als sei es erst gestern passiert. Da vergisst man die Zeit zwischendurch einfach schon mal. Ja Wahnsinn, dann gehören wir bald zum alten Eisen oder?! Ob wir jetzt unbedingt immer sehr Kreativ sind können wir nicht beurteilen. Aber zumindest haben wir sehr großen Spaß an den Dingen die wir erleben dürfen und freuen uns das es Menschen gibt, die sich ebenfalls dafür interessieren was wir so fabrizieren und uns den Weg dafür so schön gestalten. Da freuen wir uns schon sehr auf die Produktion des sechsten Albums.

Wie würdet ihr die Unterschiede zum Vorgängeralbum „Plan D“ bezeichnen?
Neurotox: Wir könnten jetzt sagen das, alles besser, alles ausgereifter, alles schöner und alles erwachsener ist und unbedingt gekauft werden muss. Ob es das aber auch wirklich ist, wissen wir nicht. Fakt ist aber das wir sehr viel Zeit mit den Stücken verbracht haben und einiges im Hintergrund regeln konnten was früher unter ging. Für uns fühlen sich die neuen Songs sehr gut an und die ersten Rückmeldungen waren bisher durchweg positiv. Das bestätigt uns in unserem Gefühl und macht Freude auf die Veröffentlichung.

Songs wie „Nur ein Herzschlag“ zeigt auch, dass ihr viele Emotionen in eure Texte legt. Was bedeutet euch das und wie wichtig ist es?
Neurotox: Wir glauben das es uns auf diesem Album ganz gut gelungen ist Emotionen auch verständlich für dritte zu verpacken. Natürlich liegt uns das immer am Herzen aber es ist auch verdammt schwer alles vernünftig zu transportieren. Wichtig ist aber dennoch das jeder der es hört noch genug Spielraum für eigene Interpretationen der Stücke hat und individuell auf sich beziehen kann. „Nur einen Herzschlag“ ist aber auch eine sehr persönliche Nummer, scheinbar merkt man das dort besonders, auf den Song wurden wir schon sehr oft angesprochen. Das freut uns natürlich sehr.

„Ewiges Kind“ – da klingelt was in meinen Ohren. Ich habe das Lied schon mal gehört ;-) Welche Geschichte steckt hinter dem Lied?
Neurotox: Na da kennt wohl jemand schon das kommende Kärbholz-Album :-). Es ist ja kein Geheimnis das wir seit langem eine Freundschaft pflegen und sich über das Musikalische hinaus auch private Freundschaften entwickelt haben. Marius und Adrian treffen sich zum Beispiel regelmäßig und unternehmen gemeinsam etwas. Mike und Henning machen regelmäßig zusammen Übungen um am Schlagzeug fit zu bleiben. Im vergangenen Jahr hat unser Verlag dann seine Autoren zu einem Songwritercamp in die Landesmusikakademie in Wolfenbüttel eingeladen. Gemeinsam wurden dann ein paar Songs der neuen Alben unter die Lupe genommen. Als Marius und Adrian an unserem neuen Song „Mein Comeback“ gearbeitet haben bzw. am Refrain werkelten, haben die beiden innerhalb kürzester Zeit nebenher einen ganz neuen Song geschrieben. Mit Hilfe einer Akustikgitarre, eines Handys und ihrer Stimmen (die es übrigens zurecht nie zur Hauptstimme geschafft haben) wurde der Song dann aufgenommen. Am Ende bedankte sich Marius mit einem Bierchen“ Yo geiler Song, Danke“ da war Adrian nicht so einverstanden und gab Kund den nicht so einfach her geben zu wollen. Beide einigten sich dann darauf den Song brüderlich zu teilen und parallel zu nutzen. Also jede Band nutzt die selben Akkorde, den selben Text und macht seine komplett eigene Version daraus. Absprache war, das wir uns den Song gegenseitig auch nicht zeigen bis er veröffentlich wird. Rund 10 Monate später, kurz vor dem Jahreswechsel haben es beide aber nicht mehr aushalten können und sich voller Vorfreude gegenseitig ihre Lieder gezeigt. Muss man nicht verstehen aber Hauptsache beide sind glücklich. Wir freuen uns jedenfalls sehr darüber, das der Song es ebenfalls auf die neue Kärbholzscheibe geschafft hat und sind auf die Rückmeldungen zu beiden Versionen gespannt.

Bei „Ich hasse Menschen“ denke ich immer an einen T-Shirt-Spruch, wieso auch immer…was läuft denn bei den Menschen so verkehrt?
Neurotox: Vielleicht weil wir seit kurzem ein Shirt davon haben? :-) Aber wir sind uns sicher, das es diese grandiose Idee schon lange vor uns gab. Was läuft da verkehrt, puuuh…. Wenn wir das mal wüssten. Aber wer kennt keine anderen Menschen die einem mit jedem Atemzug den sie machen einfach unendlich auf die Nerven gehen? Den Wunsch eine eigene kleine Insel zu haben, auch wenn es nur zur Miete ist und einfach mal gepflegt auf alle Sozialkontakte zu scheißen klang für uns ganz verlockend :-)

Mit ordentlich Tempo und dem Song „Am Arsch vorbei“ beendet ihr das Album. Ein Song für Verlierer? Was möchtet ihr denen denn mitteilen?
Neurotox: Vom Prinzip her handelt der Song darüber, das es völlig egal ist woher du kommst und welche Qualifikationen du vor zu weisen hast. Sei wie du bist, mach woran du Spaß hast und womit du dich glücklich fühlst. Respektiere die Menschen um dich herum so wie du respektierst werden möchtest unabhängig von Herkunft, Religion, sexueller Orientierung oder sozialer Schicht. Aus jedem kann werden was er will solange er das tut was er liebt. Klingt schmalzig und abgedroschen aber et is wie et is :-)

Ihr steht auf Platz 1 der Vorbestell-Charts in der Kategorie Deutsch-Punk – bedeutet euch sowas etwas oder eher weniger?
Neurotox: Im Großen und Ganzen sind uns Zahlen fast egal, wir betreiben das Ganze mit sehr viel Leidenschaft und Liebe nebenberuflich. Den Druck immer Erfolg haben zu müssen und Geld
zu verdienen haben wir daher nicht. Natürlich freuen wir uns sehr darüber, das es Menschen gibt die sich für das was mir wachen interessieren und ihr hart verdientes Geld für eine CD ausgeben. Das sind wirklich sehr schöne Rückmeldungen und es freut uns, das wir unsere Musik mit Leuten teilen dürfen die ebenfalls Spaß daran haben. Also viel mehr als die Zahl an sich bedeutet uns die Wertschätzung der Menschen die sich dahinter verbirgt. Gerade der Kauf einer CD hat in den letzten Jahre so sehr an Wert verloren und niemand weiß wie viel Arbeit einfach dahinter steckt.
Wir haben zum Beispiel lange überlegt ob es eine limitierte Sammlerbox zum neuen Album geben wird und wir sind zu dem Entschluss gekommen eine zu bringen. Allerdings wird diese Box nur privat und nicht über die Plattenfirma und den Vertrieb angeboten. Das bedeutet, dass wir uns um den Umsatz von 200 Boxen quasi selbst um offizielle Verkaufszahlen bescheißen. Nicht einmal die Cds die in den Boxen sind werden offiziell gezählt. Wir ziehen uns also 200 Cds vom Markt. Durch den Verkauf von Boxen kurbelt man natürlich seinen Umsatz enorm an um in die Charts zu kommen. Vielleicht hätten wir es geschafft, wer weiß das schon aber eine Chartplatzierung hat für uns nicht zwangsläufig etwas mit Erfolg zu tun. Natürlich würden wir uns darüber freuen, aber bitte dann wenn wir es auch verdient haben. Andere manipulieren ihre Zahlen um einzusteigen, wir drehen unsere halt runter. Es ist also wirklich eine Sammlerbox von uns für euch und nicht nur
eine Box für uns und unseren Erfolg! Aber ja doch, natürlich freuen wir uns mega über die 1 :-)

2023 feiert ihr euer 10jähriges Jubiläum. Gibt es dann eine ganz besondere Überraschung? Vielleicht eine Tour, zusammen mit einer Band, die dann ihr 20jähriges feiert? ;-)
Neurotox: Tatsächlich laufen im Hintergrund schon einige Ideen zu unserem 10 Jährigen. In welche Richtung es konkret geht wissen wir noch nicht. Auf jeden Fall werden wir uns etwas schönes überlegen und garantiert die ein oder andere Sache speziell für unseren Supporter Club starten und was größeres, öffentliches planen. Ob es zu einer Tour mit den Hölzern kommt wissen wir nicht und das ist auch relativ weit weg. Wir denken aber schon, das in irgendeiner Form im Hinterwald gefeiert wird. Ob wir ein Teil davon sein dürfen sehen wir dann aber als Gäste könnte man uns bestimmt antreffen.

Ach, wie schmeckt denn der Gin aus Hinterwald?
Neurotox: Den kannst du sehr gut weg ziehen. Genau das ist ja das Problem dabei. Marius hatte mal eine Session mit Adrian und beide hatten es am nächsten Morgen nicht leicht mit dem
aufstehen. Also leckeres Zeug für große Kerle, aber Vorsicht ist geboten!

Wie sehr kam euch denn die Pandemie in die Quere, was das Aufnehmen der Songs und so weiter angeht?
Neurotox: Die ist uns einmal komplett über die Füße gefahren und hat dann den Rückwärtsgang eingelegt um erneut drüber zu fahren. Wir waren mitten in den Aufnahmen und mussten dann sehr lange pausieren. Unsere Veröffentlichung war eigentlich schon für August geplant. Das war wirklich sehr ärgerlich aber mittlerweile können wir der Verzögerung sehr positive Aspekte abgewinnen. Also was das Album angeht. Wir hatten auf einmal viel mehr Zeit für alles und haben uns um sehr viele Dinge kümmern können die sonst unter gegangen wären. Bisher sind wir alle noch mit den Songs zufrieden und es macht einfach immer noch Spaß die Lieder zu hören. Für uns ein sehr gutes Zeichen dafür, das diese „Zwangs – Reifungsphase“ der ganzen Platte enorm geholfen hat.

Vielen Dank für die Zeit, die letzten Worte gehören natürlich euch!
Neurotox: Vielen Dank für das schöne Gespräch. Die Fragen haben Spaß gemacht und wir hoffen das es andersrum auch interessant geworden ist. Also sehr gerne wieder! Ansonsten möchten wir euch allen viele Grüße übersenden und hoffen euch bald wieder auf Konzerten sehen zu dürfen. Da unsere Tour leider ausfällt, können wir euch die neuen Songs nicht persönlich vorspielen. Wir hoffen, das ihr die Zeit nutzt um euch die neuen Lieder drauf zu ziehen. Schließlich wollen wir ja zusammen mit euch singen sobald es wieder Konzerte gibt. Das ist mit neuen Liedern, die noch keiner kennt natürlich sonst immer schwer :-) Bleibt gesund und passt auf euch auf!

Interview von Florian P. im Januar 2021

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