36 Jahre Betontod und trotzdem am Anfang: Die Band im Interview!

Wir haben uns mit Frank von Betontod über ihr neues Album „Wir fangen jetzt an!“ gesprochen. Nach 36 Jahren Bandgeschichte geht es dabei um persönliche Schicksalsschläge, Verlust, Freundschaft, Hoffnung und eine neue, emotionalere Seite der Band – ohne dabei ihre klare Haltung zu gesellschaftlichen Themen zu verlieren.

36 Jahre Betontod – und dann nennt ihr das neue Album „Wir fangen jetzt an!“. Klingt fast so, als würdet ihr nach all den Jahren einen Neustart ausrufen. Was genau beginnt für euch jetzt?

Frank: Nein, eher die Beschreibung eines Gefühls nach all den Jahren. Das man da immer noch das Gefühl hat gerade erst durchzustarten.

Wenn die jungen Betontod von damals heute vor euch stehen würden: Was würden sie an dieser Band und an diesem Album wahrscheinlich überhaupt nicht verstehen – und worauf wären sie vielleicht stolz?

Frank: Ich denke die langsamen Nummern. Es gab ja eine Zeit, wo wir eigentlich nur durchgeknüppelt haben. Da hätte es diese Songs nicht gegeben. Das wäre sehr schade. Stolz wären sie mit Sicherheit auf das, was wir bis jetzt erreicht haben, da hätte ja damals keiner dran geglaubt.

Ihr bezeichnet „Wir fangen jetzt an!“ als das emotionalste Album eurer Karriere. Wann habt ihr während der Entstehung selbst gemerkt: Hierpassiertgeradeetwas, das anders ist als bei den Platten davor?

Es war klar, dass nach einigen Schicksalsschlägen im privaten Bereich, man versucht, das zu verarbeiten. Das ist es auch eher, weniger das Gefühl etwas Emotionales zu machen, sondern eher das man all die Bilder, die man in dieser Zeit erlebt hat in Songs packt. Das ist dann irgendwie passiert.

Verlust, Abschied, Freundschaft, Hoffnung – das sind ziemlich persönliche Themen. Wie viel davon ist konkrete eigene Erfahrung und wie viel entsteht aus Beobachtungen oder Geschichten anderer?

Alles! Zumindest bei diesem Album. Auf einige Dinge hätten wir allerdings gerne verzichtet.

Über gesellschaftliche Missstände zu schreiben und klare Haltung zu zeigen, gehört bei Betontod seit Jahren dazu. Ist es für euch schwieriger, einen Song über die eigenen Gefühle zu schreiben, als wütend auf das zu zeigen, was draußen schiefläuft?

Nein, als schwierig würde ich das nicht beschreiben. Man hat nur diesen Anspruch, dass alles passen muss, da man diese Zeilen immer mit dem erlebten verbindet. Und die Songs über den Wahnsinn dieser Welt sind aktuell auch schnell geschrieben, da es leider sehr viel Wahnsinn gibt.

Gibt es auf dem Album einen Song, bei dem ihr beim Schreiben oder Aufnehmen selbst gemerkt habt: Der geht mir näher, als ich eigentlich erwartet hatte? Und gibt es vielleicht sogar einen, der live eine besondere Herausforderung wird?

Küchentisch.

Nach 36 Jahren habt ihr wahrscheinlich mehr miteinander erlebt als viele andere Bands. Was bleibt von einer so langen gemeinsamen Geschichte übrig, wenn man den ganzen Rock’n’Roll, die Konzerte und die Erfolge einmal abzieht?

Am Ende ist es wie eine Beziehung. Wir schaffen es uns in einem Moment komplett zu zoffen und im nächsten wieder ganz normal miteinander zu unterhalten. Das kann man nur, wenn man ein gewisses Vertrauen zueinander hat.

Ihr erreicht mittlerweile Menschen, die euch seit Jahrzehnten begleiten, während gleichzeitig Jugendliche neu zu Betontod kommen. Wie fühlt es sich an, wenn ein Song, den ihr vor Jahren geschrieben habt, plötzlich für eine ganz neue Generation etwas bedeutet?

Da würdenich zuerst so einen Song wie Traum von Freiheit sehen, der ist aber auch zeitlos. Er ist sehr schön, zu sehen, dass es Generationsübergreifend funktioniert. Allerdings nicht so schön, dass sich viele Probleme, über die wir seit langem schreiben nicht auflösen.

In „AlldieschönenMenschen“ geht es ziemlich unverblümt um Menschen, die Verantwortung vermeiden und am Ende andere die Konsequenzen tragen lassen. Was war der konkrete Auslöser für diesen Song – und gegen wen oder was richtet sich eure Wut?

Die Epstein Akten und der Ungang in der Gesellschaft. Das es anscheinend eine Klasse von Menschen gibt, die denken, sie können sich alles erlauben. Alles ohne große Konsequenzen. Das ist schon echt irre. Kein Aufschrei. Auch in der linken Szene nicht. Krass. Punkrock wird oft mit Wut, Widerstand und Energie verbunden. Auf diesem Album scheint aber mindestens genauso viel Wärme, Dankbarkeit und Verletzlichkeit durch. Musste sich Betontod diese weichere Seite erst erlauben – oder war sie schon immer da? Wir erarbeiten uns diese Seite gerade erst und kommen langsam damit klar. Warum aber auch nicht. Das sind ja deswegen keine Popsongs. Das sind sehr emotionale Songs und etwas ruhigerem Gewand.

Ihr habt nach 36 Jahren wahrscheinlich schon erlebt, dass Songs für die Hörer manchmal eine völlig andere Bedeutung bekommen als für die Band selbst. Wenn jemand „Wirfangenjetztan!“komplett gehört hat: Was wäre das Gefühl oder der Gedanke, den ihr dieser Person gerne mitgeben würdet?

Das ist ja vollkommen in Ordnung, wenn jemand seine eigenen Bilder mit den Zeilen verbindet, wenn das passiert, ist das eine sehr schöne Sache für uns und das ist definitiv auch so gewollt.

Zum Schluss keine vorgegebene Frage: Was möchtet ihr über „Wir fangen jetzt an!“ noch loswerden, was bisher niemand gefragt hat?

Unterstützt Bands, die aktuell unterwegs sind, es sind schwere Zeiten im Musikzirkus. Schaut euch die Bands live an und geht nicht nur zu Festivals. Auch ok, aber bei den Gigs der Bands bekommt ihr sie pur und vollständig!

Foto Credit: Boris Breuer

Dieser Artikel wurde am: 10. Oktober 2026 veröffentlicht.

Autor: Nessa Deleto

Ähnliche Beiträge

0 Kommentare

Kommentar Schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert