Betontod – Wir fangen jetzt erst an

Kaum liegt die neue Scheibe der Jungs von Betontod auf meinem Tisch kommen alte Erinnerungen hoch. Das 2017er Album „Revolution“ habe ich damals rauf und runter gehört, es war mein ständiger Begleiter im Auto oder beim Sport. Trotzdem habe ich die Band danach aus den Augen verloren und nicht weiterverfolgt, genaue Gründe hierfür kann ich eigentlich gar nicht nennen, manchmal nehmen die Dinge einfach ihren Lauf.

In den fast 10 Jahren dazwischen, Wahnsinn wie die Zeit vergeht, war die Band nicht untätig, nach „Revolution“ folgten noch drei weitere Studioalben: „Vamos!“ (2018), „Pace per Sempre“ (2021) und „Zeig dich!“ (2023). 

Ihr neustes Werk hört auf den Namen „Wir fangen jetzt erst an“, es enthält 13 Tracks mit einer Gesamtspielzeit von etwa 45 Minuten und ist seit September erhältlich.

Nach 36 Jahren Bandbestehen ein Album mit solch einem Titel zu veröffentlichen, lässt mich zunächst aufhorchen. Was erwartet mich mit dem neuen Album, vielleicht ein kompletter Stil- und Imagewechsel? Ich bin gespannt…

Gestartet wird mit „All die schönen Menschen“, eine Abrechnung an die, die nie Verantwortung übernehmen und andere die Konsequenzen spüren lassen. Und was ich zu meiner Zufriedenheit sagen kann, der Song entspricht dem gewohnten Betontod Sound, druckvoll, wütend und voller Energie, im Vergleich zu alten Nummern wurde das Tempo jedoch spürbar gedrosselt. Mal sehen, was die weiteren Tracks bringen werden…

Track Nummer 2 „Du killst mich“ ist ein straighter Rocker, die Nummer baut langsam auf und mündet im Refrain mit der Frage „Sag mir, warum ich dich nicht hassen kann?“ Eine ungewohnt emotionale Nummer über Gefühle, warum man von manchen Menschen trotz erlebter Enttäuschungen nicht loslassen kann.

Emotional geht’s weiter, Abschied und Trennungsschmerz von alten Freunden, Erinnerungen an alte Tage und die Erkenntnis, das alles irgendwann endet wird in „Eine letzte Runde“ thematisiert. Wie beim Vorgänger ist auch diese Nummer eher rock lastig, das Tempo ist gediegen, die Döpp, Döpp, Döpp und oh, oh, ooohs im Refrain laden förmlich zum Mitgrölen ein und werden auch ganz bestimmt live die Menge mitziehen.

Einen ungewöhnlichen Start mit elektronischen Elementen legt „Alles für den Content“ hin. Hier haben sich Betontod mit MC Fitti zusammengetan, der die Nummer mit geschickten Rap-Einlagen aufmischt. Eine kritische Nummer, dessen Kernaussage schon im Titel des Tracks liegt.

Ein gutes Beispiel dafür, das Betontod auch an alte Zeiten anknüpfen können, zeigt „Keep Calm and Carry On“, hier sind die alten Punkrock-Wurzeln wieder zu erkennen.

Insgesamt haben die Jungs dennoch den Fokus mehr auf Rock und emotionale Nummern gelegt als auf nach vorne preschende Punkrock Vollgas-Nummern. Beste Beispiele sind das akustisch gehaltene „An deiner Seite“, das soft-rockende „Für Dich“ oder das tiefgründige „Küchentisch“. Letzteres erinnert mich an eine Nummer einer bekannten Düsseldorfer Punkrockband, wie heißen sie gleich nochmal?

Hymnenartig, mit packenden Klaviertönen schließt das Album mit „Wir fangen jetzt erst an“. Eine Nummer, die zum Nachdenken anregt, was bringt die Zukunft, wie endet alles mal irgendwann…

Fazit:

Mit „Wir fangen jetzt erst an“ haben Betontod ein sehr persönliches, emotionales Album vorgelegt. Die Songs sind ehrlich, die Band klingt unwahrscheinlich nahbar, in den Texten stecken Gefühle, wo man merkt, diese wurden durchlebt und nicht einfach niedergeschrieben. Den Blick stets nach vorne gerichtet, nicht aufgeben, nicht stehenbleiben und immer weiterkämpfen, das ist die Kernaussage des Albums.

Review von Florian Goergen

Dieser Artikel wurde am: 20. Oktober 2026 veröffentlicht.

Autor: Nessa Deleto

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