The Butcher Sisters  – Das Schwarze Album

Mit „Das Schwarze Album“ liefern The Butcher Sisters den nächsten konsequenten Schritt nach „Das Weiße Album“ ab. Dunkler im Namen, aber genauso überdreht, ironisch und energiegeladen im Kern. Das Album umfasst zwölf Tracks, die sich irgendwo zwischen Metal, Rap, Party-Eskaliation und bewusstem Unsinn bewegen, genau dort, wo sich die Band seit Jahren am wohlsten fühlt.

Wir hatten bereits im letzten Jahr die Gelegenheit, die Band auf zahlreichen Festivals live zu erleben, persönlich auf dem Taubertal-Festival 2025, und genau das merkt man diesem Album an. „Das Schwarze Album“ wirkt nicht wie ein rein im Studio erdachtes Konzept, sondern wie eine Platte, die aus dem Live-Kontext heraus entstanden ist und den Menschen live gefallen soll.

Besonders deutlich wird das bei „White Monster“, einem Song, den The Butcher Sisters schon lange vor seiner Veröffentlichung live gespielt haben. Bereits damals funktionierte der Track sofort: hohe Energie, direkter Zugang, kollektives Ausrasten vor der Bühne. Doch schauen wir uns mal die Songs des Albums an, ohne etwas von „White Monster“ vorwegnehmen zu wollen.

Der Opener „Piep Piep Piep“ thematisiert Screentime, Algorithmus-Abhängigkeit und die permanente Reizüberflutung durch Nachrichten und Social Media – Instagram lässt grüßen. Musikalisch wird das Konzept clever umgesetzt: Der Song wird immer wieder durch das markante dreifache Pfeifen unterbrochen, bevor die Instrumente erneut einsetzen.

Der Song „Cityroller“ steckt voller Kindheitserinnerungen: Schienbein-Treffer und Verletzungen vom Rollerfahren inklusive. Besonders passend, da die Band im letzten Jahr ihre Show auf dem Taubertal-Festival tatsächlich mit Scootern eröffnet hat.

Thematisch geht es in „Scheiss Für Mich“ ums Gassi gehen und darum, dass der Hund endlich sein Geschäft erledigt. Ein Song, bei dem sich wohl alle Hundebesitzenden angesprochen fühlen dürften. Der Gesang ist überraschend ruhig, fast schon poppig. Gegen Ende, spätestens ab dem Solo, kippt der Song jedoch wieder deutlich in metallischere Gefilde.

Der Song „Monster White“ kann inhaltlich durchaus als indirekte Fortsetzung von „Aperol“ vom Weißen Album verstanden werden. Wieder steht ein Kultgetränk im Mittelpunkt, diesmal jedoch nicht sommerlich-leicht, sondern als Symbol für Dauerstress, Schlafmangel und den festivaltypischen Ausnahmezustand: Monster Ultra White statt Aperol Spritz.

Der Song „Detlef D Soost“, welcher auch gleichzeitig ein Feature mit Callejon ist, konnte uns nicht von Anfang an überzeugen. Der Sound ist direkt und markant aber vom Text steigen wir nicht dahinter. Da fehlt uns die absurdere Ebene des Songs, wie andere Songs sie gezeigt haben.

Der komplette Eskalations-Song des Albums: „Bierosaufus Ex“. Live dürfte dieser Track gnadenlos einschlagen und bietet enormes Headbanger-Potenzial. Für uns passt hier einfach alles: genug Witz, um an „Bierdurst“ vom Vorgängeralbum anzuknüpfen, und gleichzeitig musikalisch extrem stark. Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug sind hier auf einem der höchsten Niveaus der Platte. Nicht umsonst erschien der Song bereits im Oktober 2025 als Single.

Direkt im Anschluss folgt der nächste starke Track. „Ü30“ diesmal mit Hämatom als perfektem Feature-Partner. Obwohl erneut eine trinkfeste Band beteiligt ist, geht es hier weniger ums Trinken als ums Älterwerden. Witz, Selbstironie und ein harter Realitätscheck greifen perfekt ineinander. Als Single Anfang 2026 veröffentlicht, entwickelte sich auch dieser Song schnell zu einem unserer Favoriten.

„Zur Party, zur Party“ ist wohl ein altes Meme welches als Grundlage für den Song „GreatMusic Band“ diente. Inhaltlich vermutlich der schwächste Song des Albums, was ihn paradoxerweise besonders stark macht. Denn wenn eine Band keinen Inhalt braucht, dann ist es TBS. Die Vielzahl an Anspielungen auf alte Internet-Memes dürfte vor allem live hervorragend funktionieren und für kollektives Mitgrölen sorgen.

Bei „Herr Doktor“ geht es thematisch unter anderem um Arbeitszeitbetrug, was zu dem Zeitpunkt der Veröffentlichung des Songs als Single ein großes Internetmeme war. Besonders ohrwurmlastig ist die Zeile „Rot ist der Wein, gelb ist der Schein, ich bleib daheim, ich bleib daheim“, die sich bereits nach dem ersten Hören fest im Kopf verankert.

Ein Song, bei dem gefühlt jeder Tag „Flachwitz-Dienstag“ ist, ist „Lachen“. Man schmunzelt konstant, während die Gitarre überraschend aggressiv nach vorne geht. Dieser Kontrast ist sehr unterhaltsam.

Nachdem TheButcherSisters2025 bereits gemeinsam mit Doroauf der Headbanger Stage beim WackenOpenAirstanden, ist es nur konsequent, dem Festival auch einen eigenen Song zu widmen. 2026 kehren sie erneut zurück und werden „Wacken“ dann live auf dem Holy Ground spielen. Das Feature mit Doro Pesch, der Metal Queen höchstpersönlich, verleiht dem ohnehin wuchtigen Song zusätzliche Bedeutung. Abzuwarten ist, ob sie wie 2025 wieder live bei dem Song auf der Bühne stehen wird.

Als Abschluss haut die Band noch einmal bewusst komplett daneben, im besten Sinne.

Klettergerüst“ ist vermutlich der am wenigsten Metal- oder Rock-lastige Song, den man sich vorstellen kann: ein flacher, stumpfer Country-Song mit akustischem Sound. Doch was die Amerikaner nicht haben, liefern The Butcher Sisters: Kindheitswitze der größten Güte. Der Song besteht größtenteils aus klassischen Kindergarten-Sprüchen und deren peinlichsten Antworten. Ein absoluter, mutiger und würdiger Abschluss. Chapeau.

Wie schon beim letzten Album lässt sich auch hier nur sagen: Entweder man liebt die verstrahlte ART von The Butcher Sisters oder man kann mit ihrer Kunstform schlicht nichts anfangen. Viel Raum dazwischen gibt es kaum. Und wir lieben sie!

Umso mehr freue ich mich darauf, die neuen Songs dieses Jahr auf Festivals gemeinsam mit den älteren Tracks live zu erleben und zu sehen, wie das Publikum sie aufnimmt. Für mich ist

DasSchwarzeAlbum“ein würdiger und konsequenter Nachfolger von „DasWeißeAlbum“.

Review von Lukas Pförtsch

Dieser Artikel wurde am: 24. Januar 2026 veröffentlicht.

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