Kanonenfieber – Soldatenschicksale

Kanonenfieber aus Bamberg stehen seit ihrer Gründung für kompromisslosen Extrem-Metal mit klarer Haltung. Statt Kriegsromantik oder heroischer Darstellung rückt das Projekt von Beginn an die Schattenseiten bewaffneter Konflikte in den Fokus. "Soldatenschicksale" fügt sich genau in dieses Szenerie ein – allerdings nicht als klassisches Studioalbum, sondern als inhaltlich geschlossen gedachte Kompilation, die verschiedene Phasen und Veröffentlichungen der Band zusammenführt.

Inhaltlich bleibt das Konzept gnadenlos konsequent. "Soldatenschicksale" erzählt keine großen Siege, sondern persönliche Abgründe. 
Die Texte greifen reale historische Ereignisse, Fragmente aus Feldpost, Berichte und Zeitzeugnisse auf und übersetzen sie in eine bedrückende, dokumentarische Sprache.  Der Krieg erscheint hier nicht als Kulisse, sondern als allgegenwärtige Bedrohung, die sich durch jedes Stück zieht.

Musikalisch hämmern sich Kanonenfieber gewohnt unerbittlich durch ihr Material.  Tracks wie "Z-Vor!" oder „Heizer Tenner" treten ohne Umwege aufs Gaspedal und bringen als "druckfrische" Songs somit auch neue Klänge mit, während sie sich thematisch dem Untergang des Kreuzers SMS Wiesbaden widmen. Spannend wird es dort, wo die Band das Tempo bewusst herausnimmt.  Mehrteilige Stücke wie "Der Füsilier I & II" setzen stärker auf schleppende, schwere Passagen und bauen eine erdrückende Spannung auf.  Hier zeigt sich, dass "Soldatenschicksale" mehr ist als reines Geballer: Wiederkehrende Motive und dynamische Brüche geben den Songs Tiefe und lassen sie nachhaltig wirken. Dazwischen sorgen düstere Samples und kurze Passagen für eine mitreißende, authentische Atmosphäre, die den geneigten Hörern bekannt sein dürfte.

Trotz des Compilation-Charakters wirkt der Release geschlossen, aber mit wenig Überraschungen. Die Überarbeitung der schon bekannten Songs wirkt solide aber ohne Ausreißer und fügt sich nahtlos ein. Alles folgt einer klaren Linie – musikalisch wie inhaltlich.

Unterm Strich ist "Soldatenschicksale" eine konzentrierte Essenz dessen, wofür Kanonenfieber stehen: kompromissloser Extrem-Metal, getragen von einem ernsten, historisch fundierten Konzept. Keine leichte Kost, aber genau deshalb so eindringlich.
Und ein guter Zeitpunkt für neue Hörer, Fan zu werden.

Review von Marco Liske

Dieser Artikel wurde am: 6. Februar 2026 veröffentlicht.

Autor: Nessa Deleto

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