The Black Keys im Zenith: Blues, Riffs und ganz viel Gänsehaut!

München, 09.09.2026: Manchmal gibt es Konzertabende, auf die man sich freut. Und dann gibt es diese wenigen Abende, die schon Wochen oder Monate vorher einen festen Platz im Kopf haben.

The Black Keys gehören für mich genau in diese Kategorie. Mehr noch: Sie sind seit Jahren meine absolute Lieblingsband. Wenn diese Band dann auch noch ausgerechnet im Zenith München spielt – meiner persönlichen Lieblingslocation in Bayern – und das Ganze restlos ausverkauft ist, braucht es eigentlich nicht mehr viel. Lieblingsband. Lieblingshalle. Volles Haus. Ein „Match made in Heaven“, bevor überhaupt der erste Akkord gespielt wurde.

Und trotzdem sollte dieser Abend noch besser werden, als er sich auf dem Papier ohnehin schon angefühlt hatte.

Bereits zum Einlass um 18:00 Uhr strömten die ersten Fans in die alte Industriehalle im Münchner Norden. Das Zenith ist und bleibt einfach eine besondere Location. Rau, riesig, ein bisschen dreckig, ohne unnötigen Hochglanz – eine Halle, die Rockmusik nicht hübscher machen möchte, als sie ist. Und vielleicht passt genau deshalb kaum eine Band besser hier hinein als The Black Keys.

Die Halle füllte sich zunehmend und spätestens kurz vor Beginn war klar: München hatte Lust auf diesen Abend.

Robert Finley – Soul, Blues und ganz viel Leben

Um 19:30 Uhr gehörte die Bühne zunächst Robert Finley.

Und wer sich ein wenig mit Dan Auerbach und dessen musikalischem Kosmos beschäftigt, weiß, dass Finley hier keineswegs zufällig im Vorprogramm gelandet war. Seit Jahren verbindet beide eine enge musikalische Zusammenarbeit über Auerbachs Label Easy Eye Sound. 

Finley brauchte dementsprechend auch keine große Anlaufzeit.

Seine Stimme hat dieses seltene Etwas, das man nicht lernen kann. Rau, warm, vom Leben gezeichnet und gleichzeitig voller Kraft. Soul, Blues und Gospel verschmolzen zu einem Sound, der im Zenith erstaunlich gut funktionierte. Kein Support, bei dem man ungeduldig auf den Headliner wartet. Vielmehr einer dieser Auftritte, bei denen man irgendwann merkt, dass man längst aufgehört hat, auf die Uhr zu schauen.

Finley stand dort oben nicht einfach nur und sang seine Songs. Er lebte sie.

Und genau das kam auch beim Publikum an. Die Halle war zu diesem Zeitpunkt bereits sehr gut gefüllt und Finley bekam die Aufmerksamkeit, die dieser Auftritt verdient hatte. Nach rund 40 Minuten endete gegen 20:12 Uhr ein Support-Set, das musikalisch kaum passender auf das vorbereiten konnte, was anschließend folgen sollte.

Dann hieß es warten.

30 Minuten.

Und selten können sich 30 Minuten gleichzeitig so kurz und so verdammt lang anfühlen.

The Black Keys – vom ersten Riff an angekommen

Um 20:42 Uhr wurde es schließlich dunkel.

The Black Keys betraten die Bühne.

Und dann dieses Riff.

„I Got Mine“.

Es gibt vermutlich keinen besseren Song, um ein Konzert dieser Band zu eröffnen. Kein langsames Herantasten, keine lange Inszenierung, kein unnötiges Intro. Patrick Carney hinter dem Schlagzeug, Dan Auerbach an der Gitarre – und innerhalb weniger Sekunden ist dieses unverwechselbare Black-Keys-Gefühl da.

Trocken. Dreckig. Bluesig. Direkt.

Das Publikum war vom ersten Moment an voll dabei und trotzdem hatte man das Gefühl, dass sich die Energie mit jedem Song noch weiter steigern konnte.

Mit „Fever“ folgte direkt der nächste große Track, bevor spätestens bei „Gold On The Ceiling“ praktisch das gesamte Zenith in Bewegung war. Drei Songs – und eigentlich war bereits alles gesagt.

Diese Band funktioniert live nicht deshalb so gut, weil sie versucht, möglichst viel Spektakel auf die Bühne zu bringen. Sie funktioniert, weil ihre Songs keinen großen Überbau brauchen. Ein Riff reicht. Ein Schlagzeugbeat reicht. Manchmal reichen wenige Sekunden und plötzlich bewegen sich mehrere Tausend Menschen gleichzeitig.

Genau dafür sind The Black Keys gemacht.

Mit „Have Love Will Travel“ ging es anschließend tief hinein in die Garage-Rock-Wurzeln der Band, bevor „Next Girl“ eines der ersten Highlights vom großartigen „Brothers“-Album setzte.

„Just Couldn't Tie Me Down“ wiederum holte den Sound der frühen Black Keys zurück in die Halle: reduziert, roh und völlig ungeschliffen. Einer dieser Songs, bei denen man wieder versteht, warum dieses Duo schon lange vor den großen Hallen funktioniert hat.

Dann wurde das Tempo herausgenommen.

Und zwar richtig.

„Everlasting Light“ präsentierten The Black Keys in einer extrem langsamen Version. Der Song bekam dadurch plötzlich eine ganz andere Wirkung. Weniger treibend, noch bluesiger und fast schon hypnotisch. Statt den bekannten Groove einfach abzuspulen, wurde der Song regelrecht auseinandergenommen und neu zusammengesetzt.

Einer dieser Momente, die ein Live-Konzert von einer Spotify-Playlist unterscheiden.

Danach: „Howlin' For You“.

Ba-da-da-da-da.

Mehr braucht es eigentlich nicht.

Zum ersten Mal an diesem Abend wurde das Publikum noch einmal deutlich lauter und machte sich kollektiv bemerkbar. Klatschen, Tanzen, Rufe, Mitsingen – das Zenith antwortete der Band und spätestens jetzt entwickelte sich aus einem bis dahin sehr guten Konzert dieses besondere Zusammenspiel zwischen Bühne und Halle.

Mit „Lo/Hi“ ging es wieder geradeaus nach vorne.

Und dann kam „Weight Of Love“.

Was für ein Song. Besonders live.

Schon auf Platte baut sich dieser Track langsam auf, schiebt sich immer weiter nach vorne und wird mit jeder Minute größer. Live bekommt er noch einmal eine zusätzliche Dimension. Gitarrenflächen ziehen durch die Halle, das Schlagzeug trägt den Song und plötzlich ist dieses riesige Zenith für ein paar Minuten erstaunlich klein und hypnotisiert.

Musik kann Räume verändern.

„Weight Of Love“ hat es an diesem Abend getan.

Mit „I Wanna Be Your Dog“ von The Stooges wurde es anschließend wieder dreckiger. Ein Song, der ohnehin klingt, als wäre er irgendwann nur dafür geschrieben worden, durch verschwitzte Konzerthallen geprügelt zu werden. The Black Keys machten ihn sich komplett zu eigen.

„Wild Child“ brachte danach diesen lässigen Groove zurück, den kaum jemand so selbstverständlich beherrscht wie Dan Auerbach und Patrick Carney.

Es folgte ein Titel der aktuellen Platte „Peaches!“: „You Got To Lose“ – eine Bluesnummer mit langer Geschichte, die perfekt in das musikalische Universum der Band passt. Und genau hier zeigte sich noch einmal, worum es The Black Keys eigentlich seit ihren Anfängen geht: Blues nicht einfach zu reproduzieren, sondern ihn durch Verstärker, Garage Rock und ihre ganz eigene Handschrift ins Hier und Jetzt zu ziehen.

Dann kamen die großen Geschütze.

„Tighten Up“.

Ein paar Takte genügten und das Zenith wusste genau, was zu tun war.

Dieser Song ist mittlerweile weit mehr als nur einer der großen Hits der Band. Live wirkt er wie ein gemeinsamer Nenner zwischen Menschen, die The Black Keys seit ihren frühen Garage-Tagen begleiten und denen, die irgendwann über „Brothers“ oder „El Camino“ dazugekommen sind.

Danach „She's Long Gone“.

Noch einmal dieses typische, wunderbar dreckige Gitarrenspiel. Noch einmal Groove. Noch einmal Black Keys in ihrer reinsten Form.

Dann verließ die Band die Bühne.

Natürlich wusste jeder, dass das noch nicht alles gewesen sein konnte.

Aber auf das, was jetzt kam, kann man sich trotzdem nicht vorbereiten.

Little Black Submarines – dieser eine Moment

Die Band kehrte zurück.

Und als Dan Auerbach mit akustischer Gitarre die ersten Töne von „Little Black Submarines“ erklangen lies, veränderte sich die Atmosphäre im Zenith schlagartig.

Es gibt Songs, die man hört.

Und es gibt Songs, die eine komplette Halle für ein paar Minuten gemeinsam fühlt.

Das Publikum sang lautstark mit und plötzlich standen nicht mehr Bühne und Zuschauerraum gegenüber. Für diesen Moment war das einfach ein Raum voller Menschen, die denselben Song lieben.

Gänsehaut.

Vielleicht der intensivste Moment des gesamten Abends.

Der Song baut sich langsam auf, lässt einem kurz Luft – und irgendwann bricht dieses gewaltige Gitarrenriff herein.

Spätestens jetzt gab es endgültig kein Zurück mehr.

Und trotzdem hatten The Black Keys noch genau eine Patrone im Magazin.

„Lonely Boy“.

Natürlich.

Dieser Song muss jeden The Black Keys-Abend beenden.

Mit dem ersten Riff explodierte das Zenith ein letztes Mal komplett. Es wurde getanzt, gesprungen, mitgesungen und irgendwo zwischen den letzten Reserven und völliger Euphorie feierte die ausverkaufte Halle gemeinsam das Grand Final.

Keine große Show.

Keine Explosionen.

Kein Konfetti notwendig.

Nur ein verdammt gutes Riff.

Und mehrere Tausend Menschen in völliger Ekstase.

Gegen 22:25 Uhr war Schluss.

Fazit – manchmal passt einfach alles

Es ist gar nicht so einfach, über ein Konzert seiner absoluten Lieblingsband zu schreiben, ohne dabei die notwendige Distanz komplett über Bord zu werfen.

Aber vielleicht muss man das manchmal auch gar nicht.

The Black Keys haben im ausverkauften Zenith kein Konzert gespielt, das durch riesige Inszenierung, Showeffekte oder große Ansagen beeindrucken wollte. Sie haben etwas gemacht, das eigentlich viel schwieriger ist: Sie haben ihre Songs für sich sprechen lassen.

Vom perfekten Einstieg mit „I Got Mine“ über das fast hypnotische „Everlasting Light“, ein gewaltiges „Weight Of Love“ und den Gänsehautmoment bei „Little Black Submarines“ bis hin zur völligen Eskalation bei „Lonely Boy“ hatte dieses Set einen Spannungsbogen, der bis zur letzten Sekunde funktioniert hat.

Dazu ein Robert Finley als Support, der musikalisch kaum besser in diesen Abend hätte passen können.

Und dann eben noch dieses Zenith.

Diese raue alte Halle, die an diesem Abend wieder einmal gezeigt hat, warum sie für Rockkonzerte einen ganz eigenen Charme besitzt.

Lieblingsband.

Lieblingslocation.

Ausverkauftes Haus.

Manchmal braucht ein großartiger Konzertabend keine komplizierte Formel.

Manchmal passt einfach alles.

Und manchmal fährt man danach nach Hause und weiß bereits auf dem Parkplatz, dass man genau diesen Abend noch sehr lange nicht vergessen wird.

Nachbericht und Fotos von Cris Kilper.

Dieser Artikel wurde am: 11. September 2026 veröffentlicht.

Autor: Nessa Deleto

FOTOS von The Black Keys und Robert Finley

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