Der erste Schlag Sulingen im August. Die Sonne brennt, das Thermometer klettert auf unbarmherzige 37 Grad, und wir sind bereit für die Schlacht. Die Anreise am Mittwoch? Lief wie geschmiert. Sehr früh losgefahren, kaum Anstehen, und die Vorfreude in unserer riesigen Truppe war förmlich greifbar. Auf unserem zugewiesenen Platz wurde es zwar etwas kuschelig, aber der Pavillon stand in Rekordzeit. Und dann? Ab ins Freibad! Was wäre das Reload Festival bitteschön ohne diesen heiligen Gral direkt nebenan? Freibad-Pommes, Freibad-Bier, Turmspringen und Rutschen – der perfekte Start in ein langes Wochenende, bevor wir das erste Mal so richtig im Partyzelt versackt sind.
Donnerstag: Der perfekte Startschuss Nach einer verdammt kurzen Nacht ging es am Donnerstag frisch geduscht, gestärkt durch den genialen Dorf-Supermarkt und mit eiskaltem Freibad-Wasser in den Adern direkt aufs Infield. Kurze Wege, geile Orga – Sulingen, wir haben Bock!
Den absolut perfekten Festival-Opener lieferten ZSK auf der Mainstage. Was für ein Riesenabriss! Bei bestem Wetter zündeten die Bengalos im Publikum, das Bier flog durch die Luft, und der Sänger verbrachte gefühlt mehr Zeit auf der Barrikade und in der Menge als auf der Bühne. So geht Punkrock-Nähe! Direkt im Anschluss zeigten Stick To Your Guns, dass sie live immer noch eine absolute Macht sind: keine Filler, nur Hits.
Die Hardcore-Fraktion riss dann am Abend komplett die Hütte ab. Terror war wie immer ein einziger Hammer. Scott Vogel brüllte die Meute an, und alle pogten, was das Zeug hielt. Einziger Schmerzpunkt: die Barrikade. Ohne die Absperrung hätten die Leute die Bühne gestürmt. Danach gab es bei den etablierten Größen mächtig auf die Ohren: Soulfly hatte ich 15 Jahre nicht mehr gesehen, aber die sind fantastisch gealtert und haben immer noch diese rohe Energie. Den späten Abriss lieferten dann Arch Enemy – die neue Sängerin machte in der Nacht richtig Alarm und riss die Menge kompromisslos mit.
Freitag: Hitze, Wahnsinn und Rock'n'Roll Der Freitag startete musikalisch exotischer. Broken by the Scream am frühen Nachmittag waren eine absolute Erfahrung – stellt euch vor, Babymetal trifft auf puren Wahnsinn. Eine unfassbar sympathische Band mit lustigen Tanzchoreos, die richtig Laune gemacht hat. Für den wohl brutalsten Moment des Tages sorgten danach Paleface Swiss. Die Leute haben sich im Pit einfach freundschaftlich auf die Schnauze gehauen, während der allgegenwärtige Staub alles in einen apokalyptischen Nebel hüllte. Ein verdammter Abriss!
Bei Imminence musste man kurz darauf einfach den Hut ziehen: Bei 37 Grad im feinen Sakko auf die Bühne zu steigen – da schmilzt man doch schon beim Zusehen. Ein Wahnsinns-Auftritt, der absoluten Applaus verdient. Extrem spannend wurde es danach bei Kim Dracula – sehr gute Kunst, großartige Musiker und visuell richtig krass. Und wer nachts noch Energie hatte, konnte sich bei Northlane den Rest geben.
Samstag: Von den Vengaboys bis The Ghost Inside Für den wohl absurdesten Kontrast des gesamten Wochenendes sorgte der Samstagmorgen. Um Punkt 10 Uhr standen die Vengaboys auf der Plaza Stage. Passt musikalisch natürlich null ins Line-up, aber ganz ehrlich: Das Feld war brechend voll und die Meute hat es hemmungslos abgefeiert. Besser als jeder Kaffee! Auch Dead Phoenix heizten der Menge am Vormittag ordentlich ein.
Am Abend wurde es dann intensiv. The Ghost Inside überzeugten mit einer geilen Feuershow und unfassbar viel Emotion – man spürte in jeder Sekunde, dass die Jungs wieder richtig Bock haben. Einzig der etwas langweilige Backdrop war schade. Den Abschluss auf der Mainstage machten In Flames – und so ehrlich muss ich sein: Dieses Mal ließen sie mich leider etwas enttäuscht zurück. Da hatte ich mir einfach mehr erhofft.
Die epischen Momente Es gibt auf jedem Festival diese Gänsehautmomente, in denen dir einfach die Kinnlade runterklappt. Thy Art Is Murder (am Donnerstag) war so einer. Ich bin ehrlich: Die Musik ist eigentlich gar nicht meine Baustelle und ich kannte nicht einen einzigen Song. Aber dann steht da dieser neue Sänger auf der Bühne, gerade mal seit zwei Wochen dabei, und der Typ reißt einfach alles ab! So eine krass sympathische Energie – der hat mich komplett begeistert und direkt einen neuen Instagram-Follower gewonnen.
Aber das absolute, unangefochtene Highlight des gesamten Wochenendes passierte am Freitagabend: Airbourne! Ich bin hingeschlendert, habe absolut nichts erwartet und einfach alles bekommen. Die Gitarrenwände bauten sich auf wie eine Starkstromleitung, die sich direkt ins Publikum entlud. Eine unfassbare Show, Mega-Stimmung und mit Abstand eine der sympathischsten Bands, die mir je untergekommen sind. Das sind noch echte Rockstars! Dieser Auftritt war mehr als headlinerwürdig, das war Rock'n'Roll pur.
Der letzte Akkord Das Reload 2026 war eine staubige, laute und durchsoffene Machtdemonstration. Jede verdammte Nacht sind wir wieder im Partyzelt gelandet – sehr wenig Schlaf, extrem viel Party, viel Bier und durchgehend gute Laune. Genau so muss ein Festival sein! Das eiskalte Freibad am Morgen war unser Retter, der uns jeden Tag den Staub aus den Poren wusch und uns neu ins Leben zurückholte. Mit der besten Festivalgruppe der Welt an der Seite kann auf so einem Acker einfach nichts schiefgehen. Sulingen, du hast uns alles abverlangt und uns das beste Wochenende des Jahres geschenkt. Wenn wir auf die Line-up-Ankündigungen für 2027 schauen, ist die Sache sonnenklar: Wir sehen uns im nächsten Jahr im Pit!
Nachbericht und Fotos von Maximilian und Constantin Greif
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