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Veröffentlicht am: Februar 5th, 2020 | durch Florian Puschke

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Punk am Eck: Markus Paffhausen im Interview

Es gab mal eine Zeit, da lief Punkmusik an vielen Ecken und Winkeln in der Stadt. Keine Ahnung, auf wie vielen Ghettoblastern denn das „Hey hoh let‘s go“ der Ramones lief und keine Ahnung, wie oft denn dieses Lied auf Kassetten kopiert wurde. Natürlich diesmal mit einem Qualitätsverlust, der aber auch seinen Charme hatte. Doch dieser Qualitätsverlust beim Überspielen störte eigentlich weniger. Denn es ging weniger um die Abtastrate sondern um die Bands und die Songs. Doch irgendwann mit dem Internet begann auch das Streamen und die ständige Präsenz von Musik und auch über die Qualität der Aufnahme wird seltener gesprochen. Auch Konzerte können mittlerweile bei YouTube gesehen werden.
Vor Ort?
In den kleinen Clubs?
Das war einmal.
Nicht ganz, denn immer noch hat es seine Berechtigung einfach mal rauszugehen und seine Lieblingsband dann doch mal in einem Club spielen zu sehen.
Sollte man tun?
Falsch, muss man tun!
Und das die guten Bands auch Plätze zum Spielen finden, darum kümmern sich Menschen, die sicher auch noch alte Kassetten im Schrank haben und mehr wollen, als sich einfach nur von den Medien berieseln zu lassen.
Markus Paffhausen, Frank Krämer, Christian Schimmer & Ruben Görres sind solche Menschen, die angetrieben durch die Reunion der Abstürzenden Brieftauben, auf die Idee kamen, eine eigenen Konzertreihe zu veranstalten.
Punk am Eck nennt sich das Ganze, findet in Koblenz statt und steht kurz vor der neunten Auflage.
Unter PaEck Events (facebook.com/PaEck.events) findet man eine reihe interessanter Veranstaltungen, wie Konzerte mit Toxoplasma, Schmeisig, Band ohne Anspruch, Emscherkurve 77, Tarnfarbe, Überflüssig, Drei Meter Feldweg, Wegbier, Kreftich, Bums, Die schwarzen Schafe, Männi, The Pig must die, Ernte 77 …
Wie Markus auf die Idee kam, diese Konzertreihe zu veranstalten; was ihn dazu bewegt, die gute alte Punkmusik zu unterstützen; was seine Familie dazu sagt und weitere Fragen beantwortete er uns in einem gut gelaunten Interview.

Lieber Markus, vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Tough Magazine nimmst. Wobei erwischen wir dich gerade?
Markus: Gerade erwischt ihr mich dabei in die Planungen für 2021 einzusteigen und mir Gedanken darüber zu machen, welche Bands ich unbedingt mal live sehen möchte.

Du bist Veranstalter von Konzerten. Und Initiator von Punk am Eck in Koblenz. Erläutere kurz wie es zu diesem „Hobby“ kam und was haben die Abstürzenden Brieftauben denn damit zu tun?
Markus: Genau genommen waren wir zu dritt bzw. seit neustem zu viert. Frank, Christian und ich kennen uns bereits über 30 Jahre, da wir alle in der gleichen Realschule waren und später auch im gleichen JUZ abhingen. Unser Fabel zu Punk bzw. Deutschpunk stammt genau genommen aus dieser Zeit. Wir haben uns lange aus den Augen verloren, bis Franks Sohn und meine Tochter im selben Krabbelkurs waren. Frank & Christian wurden zufällig Nachbarn. Irgendwann reunierten sich dann die Tauben im Jahre 2013 und wir drei sind mit diversen Kumpels und Bekannten zu deren Konzerte gefahren, so dass wir auf ca. 15 Tauben Konzerten waren. Wir wurden so zu einer Art Groupies der Tauben. Bei diesen Touren durch fast ganz Deutschland haben wir auf Festivals und diversen Konzerten etliche Bands gesehen, die uns schon immer interessierten haben. Persönlich kennengelernt haben wir dabei natürlich Olli Bockmist, den alten Schlagzeuger der Brieftauben und Michel von Wilde Zeiten. Als Olli von Micro rausgeschmissen wurde und „Band ohne Anspruch“ gründete, war ich der Erste, der BoA gebucht hatte. Bei „Wochenendgesellschaft“ mit Michel war es ebenso. Auch in diesem Fall hatte ich vorher nichtmal einen einzigen Song gehört. Ich selbst kenne von früher sowieso etliche Bands bzw. Bandmitglieder von diversen Combos, da ich 10 Jahre die Bands „Die optimale Härte“ & „Stage Disatser“ betreut habe. Im Laufe der letzten Jahre entwickelte sich dann die Idee uns die langen Fahrten und die Kosten zu ersparen und die Bands, die uns gefielen nach Koblenz zu holen. Ruben kam später dazu. Er stammt von unserer Haus und Hof Kapelle „OierProblem“ aus Koblenz. Er ist ein super netter Kerl und hat Ahnung von Musik, so kam es irgendwann dazu, dass er ein Teil von PaEck wurde. Aktuell plant er gerade ein „Rock gegen rechts“ für uns in Montabaur (WW) mit Männi, Ertne 77 & OierProblem am 13.04.2020.

Wie bei Fanzines auch, bekommst du kein Geld für dein Engagement. Was ist für dich der Antrieb, denn Konzerte wie „Punk am Eck“ zu veranstalten?
Markus: Ein Antrieb ist sicher den Kontakt zu meinen alten „Helden“ zu bekommen, die ich bereits als jugendlicher gut fand. Zum Anderen lernt man viele nette Leute kennen und es entwickeln sich zum Teil fast freundschaftliche Bekanntschaften. Auch gut finde ich, dass ich endlich die Bands sehen kann, die ich noch nie gesehen habe. Das war der Grund, warum wir mit BUMS (Fluchtpunkt Terror) angefangen haben.

Wenn du dir deine bisherigen Events anschaust. Was war für dich die größte Überraschung und was war die größte Enttäuschung?
Markus: Fangen wir mal mit der größten Enttäuschung an: Wir machen hin und wieder auch Konzerte in Plaidt bei Koblenz in einem Mini-Jugendzentrum. Dieser Raum hat ein Gewölbe und dort passen nur 60 Leute rein. Plaidt ist 15 km von Koblenz entfernt. Die Stimmung ist dort mega. Der Haken an der ganzen Sache ist, dass dort mit Wochenendgesellschaft (Akustik-Project von Michel von Wilde Zeiten / Untergangskommando) & Schmeisig zwei super Akustik Nummern gespielt haben und Leute aus halb Deutschland kamen (München, Aachen, Düsseldorf etc.), aber die einheimischen waren nicht zu animieren zu kommen, obwohl die Werbetrommel kräftich gerührt wurde und die Bands meiner Meinung nach massenkompatibel sind. Selbst unsere eigenen Freunde kamen nicht an Land.
Die größte Überraschung waren eindeutig „Die schwarzen Schafe“, die ich auch noch nie Live gesehen habe. Ich fand deren Platten ganz ok, aber nicht überragend. Als die 4 in Koblenz ankamen, waren es erstmal 4 super nette Typen. Als Live-Band fand ich „Die Schafe“ überirdisch gut. Ich hatte vorher keine Ahnung, wie gut die Band war, die ich gebucht hatte. Meine Frau, die bei uns die Geschmackskontrolle bei den von mir gebuchten Bands ist, findet die Band immernoch nicht gut, aber mag die Leute. Mit Armin schreibe ich auch noch sporadisch und man wird sie höchstwahrscheinlich nochmals in Koblenz sehen.

Was hat sich für dich in der Herangehensweise von Punk am Eck #01 bis jetzt geändert?
Markus: Geändert hat sich nicht wirklich viel, außer die Erfahrung, dass jedes Konzert wieder ein neuer Kampf ist die Bude voll zu kriegen. Wir haben bis dato das Glück gehabt, dass alle Konzerte recht gut besucht waren, aber es ist auch unser Anspruch viele Zuseher zu bekommen, damit Bands, die weit anreisen nicht vor leerem Haus spielen müssen. Ich persönlich finde, es ist eine Art von Respekt gegenüber den Bands alles zu tun, das dem so ist.

In einem persönlichen Gespräch hast du mal darüber gesprochen, dass es oft „gerade so“ aufgeht. Wie kalkulierst du solche Events?
Markus: Meine Frau nennt das immer „schön rechnen“. Oft spenden wir selbst das Essen für die Bands, oder holen uns das Geld für Frühstück etc. nicht aus der Kasse, so dass es irgendwie passt. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass auch die Bands keine Ahnung haben, was so an Kosten für ein Konzerte entstehen, aber das ist ein anderes Thema. Ich selbst sehe das so: Hobbys kosten halt Geld.

Veranstaltungen wie „Punk am Eck #10“ mit Toxoplasma sind bereist Monate vorher ausverkauft. Hast du schon mal überlegt, in eine größere Location „umzuziehen“?
Markus: Ja klar, aber dann wird der „Kampf“ noch grösser und die Auflagen und Kosten höher. In einem Jugendzentrum, dass ich angefragt habe müsste ich sogar die Security bezahlen oder in einem anderen Laden ist um 22 Uhr Schluss, weil danach dann „Dirty Dancing“—Partys dort stattfinden und auf beides haben wir keine Lust.

Du hast schon einen sehr vollen Terminkalender. Sogar „Punk am Eck #13“ ist bereits angekündigt. Wie viel Zeit bleibt da noch für Familie / Beruf :-) ?
Markus: Dieses Hobby hat den Vorteil, dass ich mich darum kümmern kann, wenns mir gerade in den Kram passt. Oft haben viele Sachen Zeit und ich schiebe diese bis ich eben Zeit habe. Grund dafür, dass ich oft Luft habe ist wohl auch, dass ich immer 1 Jahr im Voraus plane. Kontrollverlust kann ich garnicht haben!

Um mal ein klein wenig Werbung zu machen. Bei Punk am Eck #09 bekommt man für knappe 15€ die Chefdenker, das frivole Burgfräulein, Tante Inge und Kantholz geboten. Aber auch #10 und #11 sind schon gebucht und terminiert. Worauf freust du dich besonders und was erwartet den Besucher?
Markus: Ich persönlich finde die Kombi der 4 Bands großartig. Zu den Chefdenker muss man nichts mehr sagen, da diese sowieso jeder kennt. „Das frivole Burgfräulein“ ist eine hervorragende Live-Band, die ich vor den Tauben gesehen habe und die dort als Vorband schon das MTC in Köln auseinander genommen hat. Zu „Tante Inge“ kam ich durch Jente (Gesang, Gitarre), der bei „Wilde Zeiten“ und „Wochenendgesellschaft“ war. „Tante Inge“ haben eine gigantisch gute 4. Platte rausgebracht und mich auch Live überzeugt. „Kantholz“ aus Koblenz ist sowieso ein Hammer!

Du hast bereist einige deiner Lieblingsbands am Start gehabt. Welche Acts begeistern dich derzeit am meisten und wen würdest du gerne mal auf der Bühne bei Punk am Eck sehen?
Markus: Im Moment feier ich „DER OLE“, den ich auch seit 25 Jahren kenne aus seinen Zeiten von „Massendefekt“. „Die optimale Härte“ hatte damals zweimal mit denen gespielt. Als Ole gefühlt 100 Jahre später bei Facebook auftauche habe ich mich mal eingehört und ihn direkt gebucht ohne ihn auf der Bühne gesehen zu haben. Das habe ich dann vor Weihnachten in Monheim im Sojus 7 nachgeholt und wurde nicht enttäuscht. „Der Ole & Band“ Stand dort auf einmal mit 9 Musikern (3 davon Bläser) auf der Bühne und wusste voll und ganz zu überzeugen. Wer sich das am 29.05.2020 in Koblenz entgehen lässt, der ist wirklich selbst schuld. Bis dahin soll auch seine neue CD veröffentlicht sein.

Früher wurden Mixtapes erstellt, um Freude auf Bands aufmerksam zu machen. Heute verschickt man YouTube Links via WhatsApp. Wenn du ein Mixtape erstellen würdest: Nenne 10 Songs, die da drauf wären.
Markus: 1.) 20 Jahre – Rosa Rosetten
2.) Hans am Felsen – Milch & Honig
3.) Versaute Stiefkinder – Willkommen
4.) Drei Meter Feldweg – Hypermaxx 400
5.) Bums (Fluchtpunkt Terror) – Warum
6.) Band ohne Anspruch – Da geht noch mehr
7.) Die schwarzen Schafe – Neue Rituale
8.) Der Ole – Achmed und die anderen
9.) Konflikt (SK) – Sloboda
10.) Die Mimmis – 7 Jahre doof

Und Welche Bands / Songs sind für ich persönlich die wichtigsten im Punkrock-genre und welche Künstler/Künstlerinnen würdest du gerne weiterempfehlen?
Markus: Es ist zwar nicht ganz die Antwort auf Deine Frage, aber ich würde gerne folgende Bands noch Live sehen wollen: Konflikt aus der Slovakai, Hans am Felsen aus Berlin & Atonal aus Freiberg. Leider spielen alle drei nicht in erreichbarer Nähe. Bei „Drei Meter Feldweg“ ist mir das gelungen!

Gerade durch Internet und Adressen wie YouTube und Spotify ist Musik praktisch immer zugänglich. Für dich eher Tod oder Auferstehung des Punkrocks?
Markus: Ich glaube, dass ist egal. Punk ist meiner Meinung nach nur noch in den letzten Zuckungen. Komisch finde ich es eher, dass es nicht zu gelingen scheint die ganzen Tote Hosen, Ärzte, Broilers, Feine Sahne Fischfilet Hörer etc. dazu zu bekommen auch andere Bands zu checken. Am musikalischen Interesse kanns nicht liegen. Kostenlos zugänglich wären die Songs ja. Warum das nicht genutzt wird ist mir ein Rätsel!

Was bedeuten dir die folgenden Begriffe?
Punk am Eck
Markus: Viele Bekannte und ne Menge Spaß.

DIY
Markus: Freude darüber, dass noch viele Leute Ihre Zeit in Ihr Hobby stecken und hinter dem stehen, was sie tun.

Sammler
Markus: Bin oft interessiert mich auszutauschen, da ich zwar tief im Musik Thema bin, aber immer mal wieder auf Interessante Bands gebracht werde.

Koblenz
Markus: Schöne Stadt, aber für mich ansonsten unwichtig.

Tough Magazine
Markus: Wichtig, da sich Tough gerade unbekannteren Bands annimmt, die es verdient haben gehört zu werden.

Bitte vervollständige die folgenden Sätze:
Die Bühne im Koblenz / Jam …
Markus: …steht bei unseren Veranstaltungen nur Bands offen, die uns gefallen und mit denen wir menschlich auf einer Wellenlänge sind.

Bei Paffhausen zuhause …
Markus: …sind Frau Paffhausen und die Kids oft von meiner Musik genervt.

Wenn ich …
Markus: …was zu sagen hätte, dann wäre die Welt ganz anders. Folge wäre, dass man mich für meine Aussagen auf dem Dorfplatz steinigen würde.

Die größte Enttäuschung 2019 war …
Markus: …musikalisch gesehen die Resonanz der Einheimischen im JUZ Plaidt und der eigenen Bekannten / Freunde.

Die größte Überraschung 2020 wird …
Markus: …freue ich mich schon drauf.

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir!
Markus: Kommt alle auch zu kleineren Konzerten, da kleinere Bands es auch Wert sind unterstützt zu werden. Für den Eintrittspreis von Hosen etc. kann man etliche andere gute Bands gucken gehen und das Bier ist auch noch günstiger!

Aktuelle Termine:
13.03.20 Punk am Eck (WW) Rock gegen rechts im HDJ Montabaur mit Männi, Ernte 77 & Oier Problem
14.03.20 Punk am Eck #9 Im JAM Koblenz mit Chefdenker, Das frivole Burgfräulein, Tante Inge & Kantholz
24.04.20 Punk am Eck #10 im JAM Koblenz mit Toxoplasma, Cockpit Club & Kontra Re
29.05.20 Punk am Eck #11 im JAM Koblenz Der Ole, Bananaslugs & Viva Punk
10.10.20 Punk am Eck #12 im JAM Koblenz mit Tarnfarbe (80er Kult-Band), Wegbier & Kreftich
21.11.20 Punk am Eck #13 im JAM Koblenz mit …

Special mit Interview von Thorsten

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