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Veröffentlicht am: August 16th, 2019 | durch Florian Puschke

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Karben Open Air: Die Macher im Interview

Unseren Vorbericht zum Karben Open Air habt ihr schon vor einiger Zeit hier lesen dürfen. Das angekündigte Interview mit den Machern folgt heute. Wir wünschen euch genau so viel Spaß beim Lesen des Interviews wie wir ich hatten an einem entspannten Nachmittag in der Kulturscheuen Karben kurz vor Start der Karben Open Air – Winter Edition am 2.3.2019.

Hier unterhielten wir uns mit Anika (Vorstand, Festivalleitung), Natalie (Vorstand, Finanzleitung), Oliver (Booking und Bandbetreuung) und Christoph (Vorstand, Festivalleitung) vom Orga-Team.

Karben Open Air. Die magische 13. Mir war das Karben lange unbekannt. Erzählt etwas, wie das Festival entstanden ist und wie es zu dem Platz an der Kulturscheune kam?
NATALIE: Also wir sind schon immer hier in der Kulturscheune. Wir sind ein Verein, der aus einer AG gegründet wurde. 2006 gab es dann das erste Karben Open Air und mittlerweile haben wir ein Dreitagesfestival. Irgendwie alles aus einer Technik AG entstanden.
ANIKA: Ja es gab eine „Jugendpartycrew“ als AG. Einfach ein Zusammenschluss von jungen Menschen. Und zwar aus der Gesamtschule hier.
OLIVER: Am Anfang war eigentlich die Live Musik oder sogar ein Festival auf dem Punk Musik gespielt wird gar kein Thema. Das waren damals eher Clubshows. Auch sehr erfolgreiche Clubshows. Mit einem Radiosender aus Frankfurt zusammen. Da waren dann Anfangs auch so 700 bis 800 Leute. Das ist aber irgendwann weniger geworden.
NATALIE: Und dazu waren das eher Elektropartys. Und jetzt das krasse Gegenteil (alle lachen).

Dieses Jahr hattet ihr schon sehr früh geschrieben, dass ihr einen Rekord vermeldet, was Bandbewerbungen anbetrifft. Aus über 1100 Bewerbungen – wie wählt ihr da aus?
OLIVER: Ja, da sind bei den Bewerbungen mit Sicherheit auch 200 Bands dabei, die uns zu teuer sind. Auch Coverbands die für tausende von Euros bei uns spielen wollen. Oder auch Bands, die von sehr weit herkommen und auch nicht dazu passen. Da filtern wir dann einiges raus. Und dann schauen wir auch immer, was uns noch fehlt. Zum Teil schreiben wir auch Bands an. Wir filtern da dann nach Genres aus. Und wir schauen auch immer, dass wir regionale Bands am Start haben. Auf alle Fälle hören wir uns richtig viele Sachen an und vergleichen diese. Wir haben da sogar so eine Art Bewertungsschema. Am Ende waren dieses Jahr ca. 200 Bands übrig und über diese sprechen wir dann in Ruhe nochmal. Und für dieses Jahr sind wir jetzt durch damit.

Die Anzahl der Band-Bewerbungen. Wie hat sich das in den letzten Jahren entwickelt? Vor 7 Jahr hattet ihr nur ein 1-Tag Festival und mittlerweile sind es drei Tage plus eine Winteredition. Wie erklärt ihr euch den Run? Karben-spezifisch?
CHRISTOPH: Also ich kann mir gut vorstellen, dass das auch hier mit dem Team zusammenhängt. Wir haben hier einen sehr freundlichen Umgang miteinander und eine sehr familiäre Atmosphäre, was auch von den Bands sehr geschätzt wird. Wir kriegen sowohl von Besuchern als auch von den Bands schöne Rückmeldungen. Alle fühlen sich hier gut aufgehoben.
OLIVER: Ja, das kann ich bestätigen. Die Bands fühlen sich hier immer gut aufgehoben. Aber man muss auch sagen, dass der Bekanntheitsgrad auch immer mehr ansteigt. Die Facebook-likes werden immer größer.
NATALIE: Das stimmt. Pro Jahr kommen ca. 1000 Follower dazu.
OLIVER: Zum Teil ist es auch so, dass wenn eine Band schon mal hier gespielt hat, sich in den Folgejahren auch deren befreundete Bands hier bewerben. Auch die Rückmeldungen der Booker werden größer.
ANIKA: Und die Mischung von verschiedenen Bands zieht auch immer mehr Leute. Gerade die unterschiedlichen Musikrichtungen sind uns wichtig. Das hat auch nicht jedes Festivals.

Wenn ihr zurückblickt. Was war die verrückteste Bewerbung einer Band und welche Band würdet ihr gerne beim Karben begrüßen?
ANIKA: Wir bekommen ja immer wieder so verrückte Pakete. Letztes Mal war da was mit Honig. Da wollten sie uns Honig um den Mund schmieren (lacht). Oder eine Spätzle-Packung. Auch mal Wodka mit Gurke.
OLIVER: Hier und da kommen auch Bemerkungen von Bands via Facebook so wie „nennt mal einen Grund, warum ihr uns nicht spielen lasst“. Ja ist dann schwer zu sagen. Gern mal hier spielen lassen? Das ist dann wohl Slayer. Das ist die meist gewünschte Band hier in der Öffentlichkeit. Interessant ist es auch mit B-Tight. Der kommt dieses Mal nach Karben aber nicht zum Karben Open Air (alle lachen). Wird eine Überraschung (lachen).
NATALIE: Ich hätte ja gerne mal die Beatsteaks hier. Aber das ist vielleicht schon eine Nummer zu groß.
CHRISTOPH: Ja das Problem wird bei größeren Bands auch sein, ob diese Bands Interesse haben, hier her zu kommen. Denn das ist für die ganz großen Bands ja dann schon beinahe ein Wohnzimmerkonzert.
ANIKA: Genau. Wir haben hier halt nur begrenzten Raum und die maximale Zuschauerzahl ist vorgegeben. Das ist dann für die vielleicht schon weniger als auf einem normalen Konzert für diese ganz großen Bands. Aber vielleicht ist gerade das auch mal interessant.
OLIVER: Ja wir haben hier aber auch Bands, die für weniger Gage spielen. Aber bei zu großen Bands macht es dann weniger Sinn, weil wir nur 1.500 Besuchern Platz bieten können.

Der Familiensonntag als Spezialität vom Karben. Wie kam es dazu und werdet ihr diesen auch in Zukunft bringen?
NATALIE: Nun, wir müssen leider sagen, dass die wenigsten Besucher direkt aus Karben kommen und das war so eine Idee, wie wir denn auch den Menschen hier das Festival näherbringen können. Einfach auch um Vorurteile gegenüber Festivals abzubauen. Hier haben wir auch noch ein kleines Programm an diesem Familiensonntag. Die Stadtkapelle Karben spielt, was schon einige Menschen zieht. Auch etwas Freibier ist im Angebot und es ist einfach eine schöne Sache, den Menschen hier aus der Gegend das Festival näher zu bringen.
CHRISTOPH: Es gibt uns auch die Möglichkeit, einfach mal zu zeigen, dass es gar nicht so schlimm ist, wenn junge Leute eine Woche lang viel Arbeit auf sich nehmen, um etwas aufzubauen.
ANIKA: Tatsächlich wird das auch gut angenommen und die Leute aus Karben kommen da auch gerne. Nach dem Vormittag prüfen wir dann, wer ein Tagesticket oder Dreitagesticket hat und die Menschen dürfen dann dableiben. Von den anderen kaufen sich aber viele dann auch noch ein Ticket für den Sonntag und auch das ist her alles sehr entspannt und wirklich fair. Theater gab es da noch keins. Es ist ja auch vorher bekannt.

Neben den Bands gibt es auch diverse Standbetreiber. Süßkartoffeln mit Dips, frische Waffeln statt Pommes und Rostwurst. Auch hier „etwas anders“. Wie wählt ihr die Standbetreiber aus und was ist für euch ein absolutes Muss für einen Stand am KOA?
CHRISTOPH: Hmm, das ist richtig Arbeit und auch da spricht sich unter Standbetreibern das Festival rum. Auch hier bekommen wir sehr viele Bewerbungen von Standbetreibern. Wir wollen hier recht lokal bleiben. Im Sommer ein maximaler Umkreis von 100 km. Zudem haben wir das Glück dazu, das wir jemanden haben, der ganz unterschiedliches Essen anbieten kann …
ANIKA: … und wir sind deshalb auch sehr flexibel, was das Essen anbetrifft. So kommt es eigentlich nicht vor, dass an drei Ständen das Gleiche angeboten wird.

Welche Überschrift über das KOA würdet ihr gerne mal in der Presse lesen?
NATALIE: Karben ausverkauft. (lacht)
ANIKA: Ja ich muss sagen, gerade online wird über uns mehr geschrieben. Die lokale Presse hält sich noch etwas zurück. Da würden wir uns aber auch sehr über Unterstützung freuen. Letztes Jahr gab es mal einen großen Bericht, der war richtig gut. Als Überschrift vielleicht „Festival für Jedermann“ oder „Ehrenamt für Mega-Event“. Wir freuen uns über jede Berichterstattung. Ausverkauft war letztes Jahr der Samstag.

Euer Zeltplatz liegt recht nahe am Festivalgelände. Letztes Jahr war Joshi von ZSK dort rüber gegangen, um mit den Menschen zu feiern. Gibt es öfter Aktionen wie Zeltplatzkonzerte etc. von Künstlern?
NATALIE: Doch, das passiert schon öfters. Viele Künstler gehen da mal rüber.
OLIVER: Wir machen halt um zwei Uhr das Gelände dicht. Es gibt aber Bands, die sagen, „Hey wo kann man hier noch ein bisschen feiern?“ Und die gehen dann oft rüber auf den Zeltplatz. Das machen wirklich viele, dass die dort hingehen und noch einen trinken und dann gehen die erst ins Hotel. Auch wir als Team gehen gerne noch rüber.

Die Musikindustrie beschwert sich über fehlende Verkäufe von CDs, Platten etc. Bands finanzieren sich unter anderem durch teurere Eintrittspreise und durch größere Touren. Wie schafft ihr es, dass ihr diese fairen Eintrittspreise halten könnt trotz der Vielzahl an Bands?
ANIKA: Das ist unser Booking. Das verhandelt doch recht gut (lacht).
NATALIE: Wir halten die Kalkulation tatsächlich sehr knapp. Bestimmte Gerätschaften können wir somit nicht kaufen. Lange Zeit mussten wir die ganzen Bauzäune selbst schleppen, mittlerweile mieten wir einen Radlader.
OLIVER: Und natürlich Sponsoren. Wir haben hier einen sehr guten Sponsor, der uns mit Technik unterstützt.

Einige Festivals buchen noch Comedians als Abwechslung. Auch ne Überlegung für euch? Habt ihr solche Anfragen?
NATALIE: Hey, wir haben Evil Jared dieses Jahr (lachen).
OLIVER: Bekannt von der der Bloodhound Gang.
ANIKA: Ja wir haben sowas mal für den Sonntag morgen überlegt aber durch unsere Abwechslung im Musik-Programm brauchen wir das nicht zwingend. Vielleicht mal hier und da. Ich denke aber mit der eher musikalischen Ausrichtung liegen wir besser.

Was bedeuten euch die folgenden Begriffe?
Swimmingpool
OLIVER: Haben wir den noch …? (lacht)
NATALIE: Ja!!! Haben wir noch. Und er ist noch ganz. (lacht)
CHRISTOPH: Diese Frage wird jedes Jahr gestellt. Und ob wir den aufbauen wollen?
OLIVER: Ja, den Swimmingpool haben wir.
NATALIE: Aber nur für das Team und die Bands (lachen).

Newcomer
ANIKA: … sind wichtig.

Stadtkapelle Karben
OLIVER: lokale Verbundenheit.
CHRISTOPH: Es ist unsere kleine Feuerwehrkapelle. Unser Newcomer. (lachen)

Bier vs Kekse
OLIVER: Gerne. Jeden Montag.
NATALIE: Immer gut.
OLIVER: Eigentlich ist das ja wirklich eine gute Überleitung. Im Prinzip ist das Festival aus einem Zusammensein, praktisch bei Bier und Keksen, entstanden. Wir sind halt hier eine sehr große Gruppe von 20 bis 30 Leuten, die montags zusammen sind und dann halt die Punkte durchgehen und über Veranstaltungen sprechen. Dann kommen noch die Helfer dazu. Eine Gruppe von Freunden, die was zusammen macht. Und da kann man eigentlich „Bier und Kekse“ drüberschreiben.

Bitte vervollständigt die folgenden Sätze.
Das KOA 2019 wird das bisher beste KOA, denn …
NATALIE: … die Bands sind noch geiler.
ANIKA: … die Helfer werden auch immer besser. Außerdem haben wir schon ein eingespieltes Team.
CHRISTOPH: Auch da haben wir mittlerweile einen Pool von Helfern, auf die wir zurückgreifen können.
ANIKA: Und auch wir werden immer organisierter. Wir merken das auch heute (Indoor Festival, Anm. d. Red.). Wir werden immer schneller und vielleicht sogar etwas professioneller (lacht).

DAS KOA 2025 (20. KOA) wird bespielt von …
NATALIE: Abschiedsshow von den Ärzten (lautes Lachen).
OLIVER: Hey, das ist ja noch ewig hin. Bis dahin vielleicht schon Radio Havanna. Aber ehrlich. Man weiß es nicht. Gerade wie sich manche Bands entwickeln. Aber das kann man wirklich nicht vorhersagen. Auch wenn es vielleicht schon noch den ein oder anderen Wunsch gibt.
ANIKA: Tatsächlich weiß man ja auch nicht, wer in sieben Jahren noch im Team ist. Gerade weil wir ja alle Ehrenamtliche sind.

Das Tough Magazine ist …
NATALIE: Ein guter Partner!
OLIVER: ich denke, ihr seid sehr nützlich für die Musik-Kultur. Ich bin immer erschrocken, dass so wenige Menschen wissen, was in der Szene so abläuft. Von daher sind Medien wir ihr sehr wichtig. Je mehr darüber berichten, umso besser.

Danke für das IV. Die letzten Worte gehören euch.
CHRISTOPH: Haben wir letzte Worte?
OLIVER: Es wird super. Die Stimmung stimmt. Die Leute haben Bock, wir haben Bock. Der Rest kommt von allein. Wird gut.

Wir vom Tough Magazine danken den fantastischen :) Vier von Karben Festival nochmals für den netten Empfang, das lustige Interview und freuen wir uns auf das Sommerfestival 2019.

Interview von Thorsten im Sommer 2019

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