Wenn The Kooks auf Tour gehen, dann passiert genau das, was viele britische Bands irgendwann hinter sich lassen: Sie bleiben sich treu, ohne im eigenen Schatten zu verhungern. Seit Inside In/Inside Out vor über zwei Jahrzehnten die Indie-Playlists größerer Fischstäbchenläden und kleiner Clubs gleichermaßen dominierte, hat die Band mehr als einmal bewiesen, dass sie mehr ist als ein 2000er-Zeitstempel. The Kooks haben sich weiterentwickelt, ohne den Kern dessen zu verlieren, was ihnen einst die Türen aufschloss: melodischer, wacher, leichtfüßiger Britpop mit Charm und Attitüde – und immer noch mit jenem unbestreitbaren Händchen für Hooks, die im Ohr herumspazieren wie ein Terrier auf Espresso.
Die aktuelle Tour kommt zu einer Zeit, in der The Kooks genau dort angekommen sind, wo viele Bands hinwollen, aber selten ankommen: Sie stehen für das, was sie tun, ohne sich selbst zu überprofilieren; sie spielen Songs, die man kennt, aber auch solche, die man kennen sollte. Ihre Alben der letzten Jahre haben gezeigt, dass Luke Pritchard und Co. nicht nostalgisch in den eigenen Katalog starren, sondern ihn mit Haltung und Leichtigkeit erweitern. In unseren Ohren hat das neueste Material – über das wir bereits im Magazin geschrieben haben – genügend Persönlichkeit, um die Klassiker im Set sinnvoll zu ergänzen, ohne in die Gefälligkeit zu rutschen.
Live bedeutet das: Eine Setliste, die zwischen frühen Zugpferden wie „Naïve“, „She Moves in Her Own Way“ oder „Seaside“ und den frischeren Tracks pendelt, die die Band in den letzten Jahren erdacht hat. Es ist die Mischung aus Erinnerung und Neuerfindung, die bei The Kooks funktioniert – weil sie ihre Songs nicht ins Museum verbannen, sondern sie als lebendige Teile ihres Repertoires begreifen.
Im Club- oder Hallenkontext heißt das: Energie, die nicht überdreht, aber durchweg präsent ist; eine Band, die weiß, wann sie die Gitarre anhebt, wann sie zurücknimmt, und vor allem wann sie den Groove atmen lässt. Kein bombastisches Spektakel, sondern Songwriting und Performance, die sich in den Raum fügt, ohne sich anzubiedern. Für alle, die The Kooks schon lange begleiten, ist es ein vertrautes, aber nicht stagnierendes Erlebnis. Für die, die erst später dazugekommen sind, eine gute Gelegenheit, den Sound einer Band zu entdecken, die mit ihren Melodien und Refrains nie so ganz von der Bildfläche verschwunden ist – und das aus gutem Grund.
Am Ende bleibt: The Kooks live ist genau das, was der Indie-Fan gerne sehen will – ohne Pose, mit Haltung, und mit Songs, die mitschwingen, sobald sie gespielt werden. Wer britische Gitarrenmusik schätzt, die auch im Jahr X funktioniert, ohne retro zu wirken, sollte genau hinhören.
Folgende Termine stehen in Deutschland während ihrer Tour an:
- 15.02. Columbiahalle, Berlin
- 16.02. Sporthalle, Hamburg
- 19.02. Zenith, München
- 20.02. myticket Jahrhunderthalle, Frankfurt
- 21.02. Palladium, Köln
- 24.02. Haus Auensee, Leipzig
Tickets gibt es an allen bekannten VVK-Stellen ab 56,90 €.
Vorbericht von Cris Kilper
Foto Credit: Offizielle Grafik
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