Pop-Punk trifft Punkrock und zwar so, wie es sein muss: laut, schnell, ehrlich und mit ordentlich Herz. The Offspring und Simple Plan lieferten am 30. Oktober 2025 in der ausverkauften Olympiahalle in München einen Abend, der nicht nach „Früher war alles besser“ klang, sondern nach: „Verdammt, das hier kickt immer noch.“
Simple Plan: Humor, Herz & Highschool-Flashbacks
Simple Plan eröffneten den Abend, aber „Opener“ ist eigentlich eine Beleidigung. Mit „I’d Do Anything“ ging’s direkt Vollgas rein, „Shut Up!“ und „Jump“ zogen die Energie weiter an und sorgten früh für erste heisere Stimmen und fliegende Arme. Frontmann Pierre Bouvier holte die Menge sofort ab: viel Bewegung, viel Augenkontakt, sympathisch-holpriges Deutsch und diese unverkennbare Mischung aus Spaß, Selbstironie und ehrlichem Gefühl.
Mit „Welcome To My Life“ und „Addicted“ katapultierte die Band das Publikum zurück in die 2000er-Highschool-Zeit, und spätestens „I’m Just a Kid“ war kein Song mehr, sondern Gruppentherapie zum Mitschreien. „Perfect“ setzte den Kontrapunkt: ruhig, ungekünstelt, emotional. Wer dachte, Simple Plan wären nur „Support“, wurde eines Besseren belehrt. Das hier war Co-Headliner-Energie.
The Offspring: Charme, Chaos & Punkrock in Bestform
Die Umbaupause? Fühlte sich eher wie eine Bonus-Show an: Kiss-Cam, „Fuck You“-Cam, Publikum im Spotlight und sogar ein Offspring-Luftschiff über den Köpfen. Keine Chance für Handy-Scroll-Müdigkeit. Als dann „Thunderstruck“ ertönte und ein Gorilla die Bühne stürmte, war klar: The Offspring machen das auf ihre Art.
Mit „Come Out and Play“ startete das Set und ab da gab’s genau null Atempausen. Dexter Holland und Noodles lieferten eine knackige, bissige Punkrock-Lektion aus über 40 Jahren Bandgeschichte: „All I Want“, „Want You Bad“, „Gotta Get Away“ und „Staring at the Sun“ zündeten, ohne nach Best-of-Playlist zu klingen.
Zwischendurch gab’s kurze Cover-Snippets von „Paranoid“ bis „Crazy Train“, die das Publikum sofort aufsog.
Bei „Why Don’t You Get a Job?“ und „Pretty Fly (for a White Guy)“ sang die komplette Halle – von Innenraum bis Oberrang. Und „Self Esteem“ beendete den Abend so, wie er sein musste: laut, frei und energiegeladen.
Sound, Crowd & München-Vibe
Für die akustisch oft herausfordernde Olympiahalle war der Sound überraschend klar und druckvoll. Licht, Visuals und Kamerashow ergänzten die Musik ohne Rockstar-Allüren.
Das Publikum? Ein herrlicher Multi-Generationen-Mix: Kids im ersten Tourshirt, Millennial-Pop-Punker und alteingesessene Punk-Fans, die dabei waren, als The Offspring noch im Club spielten. Genau diese Mischung brachte den besonderen Vibe: Punk als verbindendes Gemeinschaftsgefühl.
Fazit
München bekam keinen staubigen Rückblick, sondern ein lebendiges Heute-Statement: Punk ist nicht peinlich, nicht „war mal cool“ – er ist erwachsen geworden, ohne sich zu verbiegen.
Simple Plan lieferten ein emotionales, mitreißendes Warm-Up, The Offspring bewiesen mühelos, warum sie nach 40 Jahren noch Hallen füllen.
Ein Abend, der nicht nur erinnert hat, sondern gezeigt hat, warum diese Songs immer noch gebraucht werden.
Punk ist nicht tot.
Er steht auf der Bühne, schwitzt, schreit, lacht und verbindet.
Nachbericht und Fotos von Elena Klenk.
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