Der Motor glüht, die Herzen brennen: Ein Wiedersehen mit dem Reload Festival

Die Festivalsaison mag sich dem Ende zuneigen, aber manche Geschichten fangen erst so richtig an, wenn der Staub sich legt. Die Mission war klar: ein neues „Heimatfestival“ finden, mit der alten Crew, dem alten Spirit und diesem unverkennbaren Gefühl von „hier sind wir zuhause“. Und was soll ich sagen? Das Reload Festival 2025 hat nicht nur alle Erwartungen erfüllt, es hat sie in einem Funkenhagel aus Gitarrenriffs und glühendem Motoröl (ich habe keine Ahnung von Autos)  übertroffen.

Dabei fing der Trip von Berlin aus an wie ein schlechter Roadmovie-Witz: Man fährt los, die Vorfreude kocht im Auto wie die Hitze draußen, man steht in der Schlange… und dann kommt eine Rauchwolke, die jedem Pyro-Techniker auf Wacken die Tränen in die Augen treibt. Der Motor raucht, die Karre ist am Arsch. Das Schicksal hätte es nicht besser inszenieren können, um zu testen, ob dieser Ort wirklich besonders ist. Und das ist er. Blitzschnell kam die Hilfe, und so wurden wir von Fremden auf den Zeltplatz abgeschleppt, bevor der erste Akkord überhaupt angeschlagen war. Das ist Reload-Spirit. 

Von da an war klar, dass dieses Festival in puncto Organisation auf einem ganz anderen Level spielt. Zelte aufbauen, check. Abkühlung vom 35-Grad-Backofen? Freibad in 15 Minuten Laufweite, mit Rutsche, Sprungturm und – das Wichtigste – Freibadpommes. Wer hat schon so was? Die Nächte waren kurz, die Partys im Zelt lang und die Erkenntnis, dass wir hier angekommen waren, kam schneller als der erste Circle Pit.


Ein Orkan aus Riffs: Die Live-Abrisse

Was die Bands angeht, so hatte das Reload für uns eine glühende Setlist parat. Annisokay lieferten feinsten Metalcore ab und dann, ein echtes Highlight für die Veteranen, das Comeback von Adept! Nach Jahren der Abstinenz waren die Schweden zurück und ließen die Bühne mit so viel Feuer, Wahnsinn und sympathischer Energie explodieren, dass man sich wünschte, die Show würde nie enden.

Und dann kam Kublai Khan TX. ARF ARF! Wenn die Glocke läutet und Frontmann sein Publikum anbellt, gibt es nur eine Antwort: Mit dem Kopf gegen die unsichtbare Wall of Death rennen, bis die Nackenmuskeln schreien. Minimal stumpf? Vielleicht. Aber verdammt, so muss Hardcore sein, ehrlich und direkt in die Fresse. Ein Abriss, der unter die Top 3 des Wochenendes gehört.

Der Freitag brachte dann die ganze Bandbreite des Metal auf die Bühne. Die Japaner von Hanabie. waren wie ein psychedelischer Fiebertraum. Bunt, wild und mit einer Präzision, die einfach Spaß machte und bewies, dass Metal keine Grenzen kennt. Und wer dachte, das kann nicht mehr getoppt werden, wurde von Landmvrks eines Besseren belehrt. Bei strahlendem Sonnenschein schossen die Crowdsurfer über die Köpfe hinweg, als wäre es ein Sportwettkampf. Ein beeindruckendes Spektakel und ein Paradebeispiel dafür, wie man ein Festival zum Kochen bringt.

Die Nacht gehörte dann den Göttern des Metals: Machine Head. Rob Flynn, der charismatische Anführer, lieferte eine Show ab, die zeigte, wie Metal pur zu klingen hat. Leider war die Bierfangquote unterdurchschnittlich, was man bei der Fülle an fliegenden Bechern auch anders kennt. Aber hey, wer braucht Bier in der Luft, wenn man es in der Kehle haben kann?

Der Samstag war eine Achterbahnfahrt der Gefühle und Temperaturen. Von plötzlich einsetzender Kälte bis zur wiederkehrenden Sonne war alles dabei, was man am besten mit den Donots im Nacken und einem kalten Bier in der Hand erträgt.


Die letzten Akkorde: Ein denkwürdiger Abschluss

Das Line-up am letzten Tag war schlichtweg der Wahnsinn. Shoreline, das Highlight aus 2024, lieferte eine gewohnt starke Show, die mehr Fans verdient hätte. Die wilden Mitglieder von  Blood Command waren eine spannende Entdeckung: abgefahren, neu und mit einer Frontfrau, die die Bühne fest im Griff hatte. Ein Act, den man auf dem Schirm behalten sollte.

Und dann der Moment, der alles in den Schatten stellte: Crystal Lake. Der Wechsel am Mikrofon hat der Band unglaublich gutgetan. Mit einer neuen, gewaltigen Energie stürmten sie die Bühne und überzeugten auf ganzer Linie. Eine absolute Überraschung!

Den krönenden Abschluss bildeten dann While She Sleeps und I Prevail. Die Briten lieferten einen soliden Auftritt, der jedoch an die Power ihrer früheren Shows nicht ganz heranreichte. Aber I Prevail? Was für ein Finale! Ein würdiger Abschluss mit einem gewaltigen Feuerwerk, das nicht nur auf der Bühne stattfand. Es war der letzte Funke, der die brennenden Herzen der Menge noch einmal entfachte.

Fazit: Das Reload Festival 2025 war mehr als nur eine Ansammlung von Konzerten. Es war eine Suche, die ein Ende fand, ein Motor, der nicht ans Laufen, sondern an die Herzen der Menschen kam. Hier sind wir Mensch, hier dürfen wir sein. Es fühlt sich an wie Heimat, und ich bin mir sicher, wir werden die nächsten 20 Jahre hier bleiben. Was für ein Fest!

Mittlerweile gaben die Veranstalter bereits die ersten Top-Acts für 2026 bekannt. Mit drei außergewöhnlichen Headlinern – allen voran Judas Priest, die 2026 erstmals in Sulingen auftreten – startet das Reload Festival vom 13. – 15. August 2026 in sein nächstes großes Kapitel.

Alle bisher bestätigten Acts im Überblick: Judas Priest, In Flames, Arch Enemy, Lamb of God, Godsmack, Airbourne, The Ghost Inside, Thy Art Is Murder, Imminence, Amorphis, Paleface Swiss, Nothing More, Orbit Culture, Perturbator, Stick To Your Guns, Vengaboys, ZSK, Dominum, Deafheaven, Vended, Gutalax und vielen mehr!

Nachbericht von Maximilian Greif

Fotos von Contantin und Maximilan Greif

Dieser Artikel wurde am: 30. August 2025 veröffentlicht.

Ähnliche Beiträge

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert