<

Interviews

Veröffentlicht am: November 22nd, 2019 | durch Florian Puschke

0

„Zuhause“: Elfmorgen im Interview

Mit „Zuhause“ erscheint am 29.11.2019 das neue Album der Punkrock-Band Elfmorgen. Wir haben uns ausführlich mit Frontmann Andy über die Songs, die Hintergründe und Entstehung unterhalten.

Moin, wo erwischen wir euch gerade?
Andy: Servus und Hallo, ich sitze auf dem Sofa und schaue meine neue Lieblingsserie „THE PURGE“, hat mir unser Produzent Maik T. empfohlen und was soll ich sagen, ich bin begeistert und schockiert zugleich…

Mit „Zuhause“ erscheint am 29.11.2019 euer neues Album. Wie kam der Albumtitel zustande?
Andy: Wir haben sehr lange überlegt wie das Album heißen könnte. Es sollte lediglich ein Wort sein, ein Wort, welches unsere Lage, unsere Arbeit und Tun gut beschreibt. Wir haben lange an dem Album gearbeitet, haben viel probiert und uns etliche Monate im Proberaum eingeschlossen. Der Proberaum wurde so unser gemeinsames ZUHAUSE. Noch vor den Aufnahmen haben wir ein paar Studios ausprobiert um unseren Sound zu finden. Die Suche war schwieriger als gedacht. Wir mussten zum einen auf die Chemie untereinander und zum anderen natürlich auf die Kosten achten. Dann haben wir irgendwann entschieden, es selber im Proberaum aufzunehmen, das Album also ZUHAUSE aufzunehmen. ZUHAUSE bedeutet für uns Familie, Freunde, ZUHAUSE fühlen wir uns am wohlsten, ZUHAUSE können wir sein wie wir sind. Viele Menschen haben in der heutigen Zeit kein ZUHAUSE mehr, entweder durch Flucht oder durch Krieg. Wir möchten mit dem Titel gerne zum Nachdenken oder Diskutieren einladen.

Das Album thematisiert Dinge wie die falsche politische Richtung, die Liebe, aber auch allgemeine gesellschaftliche Probleme – was hat euch beim Schreiben der Texte beschäftigt?
Andy: Beim Schreiben haben wir versucht die momentane Situation zu beschreiben. Wir haben das aufgeschrieben, was uns durch den Kopf irrt und was uns beschäftigt. Wenn man mit offenen Augen durch das Leben läuft erkennt man Vieles, was gesellschaftlich gesehen schief läuft. Wir haben schon immer gesagt was wir denken und wir haben uns beim Schreiben selten eingeschränkt.
Für uns ist eine klare politische Haltung gegen Rechts keine Modeerscheinung sondern selbstverständlich, deswegen kommen solche Themen immer wieder in unseren Texten vor. Wir arbeiten darüber hinaus schon fast 20 Jahre mit der Antifaschistischen Bildungsinitiative in Friedberg zusammen. Also quasi von Anfang an. Uns ist es sehr wichtig das die Leute mit unserem Bandnamen eine klare politische Haltung verbinden, ohne wenn und aber. Aber wie du schon gesagt hast begegnen uns im Alltag auch noch andere Themen die uns beschäftigen: Liebe, Freundschaft, Famile usw.

Wie entsteht ein Elfmorgen-Song?
Andy: Gute Frage, wahrscheinlich aber so wie bei den meisten Bands auch. Einer bringt eine Idee mit, einen Gedanken, eine Textphrase oder eine Melodie. Dann besprechen wir die Sachen kurz und machen uns an die Instrumente. Aus guten Ideen entsteht schnell ein Song oder zumindest ein Gerüst davon. Man kann sich das in etwa so vorstellen. Ich entwerfe ein Haus, auf Papier, dann erschaffen wir gemeinsam das Fundament, anschließend ziehen wir den Rohbau hoch, setzen Fenster und Türen ein, decken das Dach und im Studio wird das Haus dann schön verputzt und gestrichen.  Ja in etwa genau so… nee im Ernst, wir treffen uns oft im Proberaum, meistens über mehrere Tage. Dann ist die Musik im Fokus und wir jammen, probieren aus, verwerfen Ideen und manchmal kommt ein Song dabei raus. Alles passiert und entsteht gemeinsam.

8 Jahre sind seit dem letzten Release vergangen – habt ihr irgendwas verlernt? Kann man das überhaupt?
Andy: Verlernt vielleicht nicht, aber es sind so viele Dinge in den 8 Jahren passiert, die alle ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit verlangt haben. Ich habe vor über 20 Jahren die Band gegründet und irgendwann kam ich an einen Punkt, an dem ich mich leer und ausgesaugt gefühlt habe. Der Kopf war kreativ gesehen wie ausgeraubt. Ich stellte mir oft die Frage, was ich noch schreiben könnte, was ich noch nicht erzählt habe… Musik ist für uns nicht der Hauptjob, das heißt wir arbeiten alle nebenbei, haben eine Familie die uns wichtig ist und Freunde, die uns viel zu selten sehen. Dann sind aus zeitlichen Gründen erst Peddy und ein Jahr später Raphi, aus der Band ausgestiegen. Ich musste also überlegen, wie es weitergeht. Und genau zu diesem Zeitpunkt traten zwei Menschen in mein Leben, die in mir das alte Feuer entfachten und den Hunger zurückbrachten. Chris und Fred verdanke ich quasi meinen zweiten Frühling und mit ihnen an der Seite bekam der alte Kahn Elfmorgen wieder ordentlich Wind in die Segel.

Was habt ihr in der langen Zeit gemacht?
Andy: Wir haben viel gespielt und gespielt und gespielt. Wir waren zwei Jahre mit Kapelle Petra auf Tour gewesen und durften mit ihrer Hilfe und Unterstützung auf die längste und beste Klassenfahrt aller Zeiten gehen und nebenbei haben wir in den schönsten Läden, vor den besten Leuten spielen dürfen.
Wir haben in der Zeit, wie bereits schon gesagt, einige Umbesetzungen gehabt, Krankenhausaufenthalte, Umzüge und was einem sonst so alles passiert. Aber wir haben nie die Füße still gehalten, im Gegenteil.

Gab es einen bestimmten Grund, der euch dazu getrieben hat, genau jetzt ein Album zu veröffentlichen? Oder habt ihr auch an Abschied gedacht?
Andy: Ich habe öfters an Abschied gedacht, einfach damit aufhören. Ich hatte schon mehr erreicht, als ich mir je vorgestellt habe. Ich habe damals aus einer Laune heraus eine Band gegründet. Wir konnten keine Instrumente und die Besetzung haben wir ausgelost. So fing alles an und irgendwann durfte ich auf den tollsten Festivals spielen, bin mehrmals durchs ganze Land getourt und habe tolle Bands persönlich getroffen. Ich durfte bei den Festivals Backstage gehen, die ich früher als Gast besucht habe.
Und wenn du dann irgendwann im Backstage vom Open Flair neben Farin Urlaub und Mike Ness stehst, mit den Beatsteaks Bier trinkst um dann direkt vor Feine Sahne Fischfilet zu spielen, kommt mir oft der Gedanke, was soll jetzt noch kommen.
Aber ich bin wohl, wie Rüdiger Bierhorst besingt, BÜHNENSÜCHTIG… ich kann es einfach nicht lassen.

Aber einen Grund, dass Album genau jetzt rauszubringen gab es nicht. Uns war nur wichtig, dass das Album uns drei gefallen muss, ohne Ausnahmen. Wir wollten ein Album aufnehmen, dass wir gerne anderen zeigen.

Eigentlich wollten wir das Album schon 2018 rausbringen, aber da war die Zeit und oder die Songs noch nicht reif dafür. Ich denke es war einfach Bestimmung, dass es wir bis 2019 gewartet haben. Anfang/Mitte des Jahres bekamen wir dann eine Anfrage von LONG BEACH RECORDS EUROPE, ob wir nicht das neue Album unter ihrem Namen herausbringen wollen. Kurz nach dem Deal mussten wir uns aus persönlichen Gründen von unserer alten Bookingagentur trennen, aber wir fanden schnell ein neues ZUHAUSE bei Spider Promotion. Wir hatten darüber hinaus öfters mit den KILLERPILZEN zusammengespielt und so lernten wir Jo kennen, der dann mit seiner Agentur SUPERLIFEPROMO mit an Board gegangen ist… Also du merkst, das Warten hat sich gelohnt. Wir haben immer auf Zeichen von außen gewartet und die kamen eben erst 2019.

Ab dem 07.12.2019 geht es dann bis in den April hinein auf Tour. Wie bereitet ihr euch darauf vor?
Andy: Am besten bereitet man sich mit proben vor. Auch wenn das jetzt nicht besonders nach Punkrock klingt. Unser Anspruch ist es aber, eine gute Show zu spielen. Wenn sich die Leute schon aus ihrem ZUHAUSE bemühen und auf ein ELFMORGEN Konzert gehen, möchten wir ihnen eine bestmögliche Zeit bieten.

Was darf man von einem Elfmorgen-Abend erwarten?
Andy: Gute Stimmung, nette Menschen, tanzen, singen, fremde Menschen kennenlernen, Apfelschnaps, gute Musik. Wir haben keine einstudierte Bühnenshow die wir einfach abspulen. Wir sind eine sehr spontane Band. Bei uns passiert immer irgendwas, was genau, wissen wir selber nicht. Zum Glück… wir interagieren viel mit den Leuten so werden sie schnell ein Teil der Show. Ohne Leute vor der Bühne, wären alle Konzerte doof.

Bitte beendet folgende Sätze.
Es ist gut, dass sich Gegensätze anziehen, weil…
Andy: …sonst der eigene Horizont ziemlich beschränkt bleibt.

Wir würden gerne mal die Welt anhalten, um dann…
Andy: …in Ruhe durchatmen zu können und um sich die Dinge in aller Ruhe zu betrachten. Es ist grundsätzlich gut, Geschwindigkeit rauszunehmen.

Oberlippenbärte sind wieder „in“, wenn…
Andy: …dich Doc Brown & Marty McFly mit dem DeLorean abholen und dich mit Hilfe des Fluxkompensator auf Hawaii der 80ger bringen, damit Du mit Tom Sallack aka MAGNUM abhängen kannst. Sonst wohl eher nicht. Es sei denn es ist „Movember“ und du möchtest mit deinem Oberlippenbart ein Zeichen gegen das Tabuthema Hoden- und Prostatakrebs setzen.

Wir würden gerne nochmal Kind sein, um dann…
Andy: …alles sagen zu dürfen was man möchte, ohne große Strafen zu befürchten. Nasebohren zu können, ohne doof angeschaut zu werden und nach dem Bäuerchen beklatscht zu werden anstatt Kopfschütteln zu ernten… zum Glück haben wir das innere Kind nie sterben lassen und geben ihm viel Raum und Zeit um sich in Ruhe austoben zu können.

Was bedeuten euch die folgenden Wörter?
Familie
Andy: Rückhalt, Liebe, sich fallen lassen können, Stärke, Freude, rumalbern, genießen, für einander da sein, zuhören, streiten können, Wurzeln, ZUHAUSE, Verständnis, Ruhe und Kraft

Freunde
Andy: Siehe Familie, da gibt es keine Unterschiede.

Freiheit
Andy: Ein Leben ohne Krieg, keine Grenzen, sagen dürfen was man will, lieben können wen man will, sein können was man will, reisen, freie Wahlen, Demokratie

Engagement
Andy: Selbstverständlichkeit, Gutes tun, für andere da sein, Hilfsbereitschaft, offene Augen und offenes Herz, klare Haltung, laute Stimme, mit anderen teilen, Solidarität

Sensibilisierung
Andy: Aufmerksam machen, wach rütteln, Aufklärung, Vorbild, niemals vergessen

Tough Magazine
Andy: Online Magazin, neue Bands kennenlernen, gute Mischung der Genres, toller Partner, mega Konzertberichte, tolle Musiktipps, verbindet Mainstream mit Independent…

Vielen Dank, die letzten Worte gehören euch!
Andy: Ihr Lieben da draußen, bleibt wachsam und werdet niemals still wenn euch was stört. Wenn wir nicht mehr zwei sind, sondern viele, brauchen wir nicht so zu schreien. Seid so gut, bleibt so gut!

Interview von Florian im November 2019

Tags: , , , , , , , ,



Über den Redakteur



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Aufwärts ↑
  • Letzte Posts

  • Archiv

  • Google Anzeige




  • Werben bei Tough Magazine