<

Interviews

Veröffentlicht am: November 8th, 2021 | durch Florian Puschke

0

Tschüssikowski: Die Terrorgruppe im Abschieds-Interview

TSCHÜSSIKOWSKI!!! Time to say goodbye. Die TERRORGRUPPE beehren (und beglücken) uns ein letztes Mal! Nachdem Corona den Jungs vor einiger Zeit einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, sind die Berliner nun auf Abschiedstour. Mit dem „Lila Album“ im Gepäck werden sie uns das ein oder andere Tränchen entlocken. Schade, dass die Terrorgruppe nicht weiter macht! Aber schön, dass sie sich standesgemäß mit großer Tour verabschieden. Hingehen ist da angesagt! Froh waren wir aber, dass uns MC Motherfucker (MC) und Johnny Bottrop (JB)  einige Fragen beantwortet haben.

Hey ihr Lieben, schön dass ihr euch die Zeit fürs Interview nehmt. Wobei erwischen wir euch gerade?
MC: Ihr erwischt uns beim Interviews geben und den Tourneevorbereitungen zu unserer allerletzten Tournee.
JB: Neue Gitarrensaiten aufziehen.

Gerade ist die „TSCHÜSSIKOWSKI“-Tour am Starten. Was erwartet ihr (gerade mit Corona im Rücken) von den Konzerten?
MC: Eine wilde, letzte Tournee mit epischen Konzerten und extrem ausgelassener Stimmung, das wär schön. Bitte kommt in sehr guter Bekleidung und legt diese bis spätestens zum 4ten Song unseres Sets in der Garderobe ab, ALLES & ALLE, das ist mein Befehl.

Die Entscheidung, Abschied zu nehmen war sicher anders als beim ersten Abschied. Wie kam es dazu, nach zwei starken Alben und einer weiteren Live-Platte den Abschied einzuläuten?
MC: Es war Zeit, viele einzelne Faktoren sagen uns, dass jetzt der beste Zeitpunkt ist um aufzuhören und andere Projekte anzugehen. Ich hätte eh nie gedacht dass es uns noch ganze 7 Jahre nach unserem Comeback in 2014 geben wird.
JB: Wir kommen so langsam in ein Alter wo man Skatepunk und Verwandtes nicht mehr so ganz glaubwürdig auf der Bühne repräsentieren kann

Die Tour führt euch durch ganz Deutschland. Auf welche Konzerte freut ihr euch am meisten?
MC: Auf alle und ganz besonders auf das letzte Lied des letzten Konzerts im Berliner Huxley’s. Da wird dann der ganze Druck von mir abfallen und ich werde wahrscheinlich einfach nur tot umfallen oder mir einen Tourabschlussorgasmussamenerguss aus der Unterhose kratzen müssen.
JB: Wien, Rostock, Dortmund oder Leipzig werden sicher auch grosse Parties… hach, eigentlich alles!

Die Terrorgruppe wieder durch Deutschland unterwegs sein. Was unterscheidet euch heute von den Anfängen?
MC: Wir sind wir sind fast 30 Jahre älter, damit ist eigentlich alles,was damit einhergeht, gesagt.

Was ist gleichgeblieben?
MC: Eigentlich und zum Glück nichts. Wir spielen besser, sind ausgeruhter und nicht mehr so chaotisch, aber dafür beständiger. Die Songs von damals sind allerdings die Selben.
JB: Wir spielen tatsächlich immernoch ein- und dieselben Gitarren wie damals , jedenfalls manchmal.

Wenn wir uns die Konzerte anschauen. Auf was dürfen wir uns freuen? Wird die Setliste eine Mischung „Superblechdose“ und „Jenseits Von Gut Und Böse“?
MC: Eine Auswahl von Songs beider Blechdosen und ein paar aus „Jenseits Von Gut Und Böse“ trifft es wohl am genausten.

Welche Songs dürfen (eurer Meinung nach) auf keinem Konzert fehlen?
MC: Wir nennen sie „The Big 5“. Ohne „Allein gegen Alle“, „Keine Airbags“, „Opa“, „Mein Skateboard…“ und „Wir müssen raus“ gehts eigentlich nie.

Und mit welchen Raritäten könntet ihr euch vorstellen, das Publikum zu überraschen?
MC: Wie du in deiner Frage richtig formuliert hast … „Überraschen“, hihi.

Sicher ist die Terrorgruppe am besten live. Könntet ihr euch vorstellen auch in Abständen immer mal wieder kleine Konzerte zu geben?
MC: Nein, aufgelöst ist augelöst. Ich kenn diese Frage ja schon länger und glaube Leute sind sich nicht bewusst, welch ein Probe- und Organisationsaufwand hinter Tourneen oder auch nur einzelnen kleinen Gigs steckt. Besonders bei uns. Und je älter du wirst desto länger braucht es sich in Form zu bringen. Einfach mal schnell für nen kleinen Gig zusammenzukommen und lustig was wegzocken ist eine ganz falsche Vorstellung von der ganzen Sache.

Natürlich stellt sich die Frage „Was bleibt“? Welche Momente sind für euch die wichtigsten in der Terrogruppe-Zeit auf der Bühne?
MC: Alle, auch die Schwierigen und Katastrophalen. Das ist soviel Erfahrung und Eindrücke wie Energie, Wahnsinn, Enthusiasmus, Ärger, Stress, Frust und Spass.
JB: Die schönsten Momente waren sicher das „10 Jahre“ Konzert und unsere kleine Berlin-Tourneen … 8 Konzerte in kleinen Klubs, meistens in den soganannten „Randbezirken“ .

Und welches sind die TOP-Momente fernab von der Bühne?
MC: Als ich mal in Florianopolis in Brasilien am Morgen nach einem Gig am Stadtstrand in der Morgensonne eingeschlafen bin, dass war phänomenal. Oder als Johnny Bottrop unserem Busfahrer bei voller Fahrt auf der Brennerautobahn von hinten ins Lenkrad viel, weil er im Tran ans falsche Ende des Busses aufs Klo wollte – ein epischer Abfuck.
JB: Oder als MC Motherfucker nachts und betrunken auf Promotour in Köln den Hotel-Kleiderschrank zuerst mit dem WC und dann mit seinem Bett verwechselt hat.

Ihr habt auch die ein oder andere Anschuldigung mitbekommen. Über welche Story könnt ihr heute am meisten lachen?
MC: Eigentlich über alle. Selbst wenn wir auch mal wirklich „schuldig und doof“ waren, ich will nichts von dem ganzen Scheiss missen.

Und worüber ärgert ihr euch bis heute?
MC: Definitiv über alle Shows, die ich mit akuter Stimmbandentzündung singen musste oder die deswegen ausgefallen sind oder bei denen ich zu besoffen war. Zum Glück waren das alles in allem nur so ein Dutzend in all den Jahren.

„Wir müssen raus“ ist sicher einer eurer besten Songs. „Wir müssen raus“ aber irgendwie auch passend zum Abschied. Was kommt danach? Welche Projekte stehen an und auf was freut ihr euch gerade sehr?
MC: Nach 40 Jahren Dasein in Bands, freu ich mich erstmal auf mein ALERT Solo Projekt, dass ich ja dieses Jahr schon angeschoben habe. Alles ganz in Ruhe selbst entscheiden. Das ist so entspannt, das kann man sich gar nicht vorstellen.
JB: Ich bin zeimlich agil mit den Acht Eimer Hühnerherzen, im April gibt’s eine kleine Tour. Zip spielt bei Charcoal Sunset, Eros Razorblade bei TUSQ.

„Blechdose“, „Superblechdose“. Zwei Monumente der Live-Kunst? Was denkt ihr? Ist die Abschiedstour der Moment, die Trilogie zu beenden? Zeit für die „Ultrablechdose“?
MC: Danke, mich freut es sehr wie du über diese Alben denkst. Live-Alben waren schon immer ein ganz spezielles Steckenpferd von TERRORGRUPPE, wo wir zum Glück auch nie und keinerlei Kompromisse mit Plattenfirmen und Produktion eingegangen sind. Es sollten immer Höhepunkte werden und wir haben uns immer sehr viel Mühe gegeben alternative Wege zu finden, dieses spezielle Livefeeling zu erzeugen und festzuhalten. Die beiden Blechdosen decken aber zu 95% alles ab, was wir in dieser Hinsicht zu bieten haben. Mehr und besser geht nicht, ohne uns jetzt weitgehend zu wiederholen. Aber es kommt postum zum Abschluss was, keine Angst.

Kommen wir zum Schluss des Interviews zu Gedankenblitzen. Was bedeuten euch die folgenden Begriffe?
Musik für Arschlöcher
MC: Unser Debüt Album. Ich dachte damals tatsächlich, jetzt werde ich Rockstar.
JB: Schöner Albumtitel.

Keiner hilft euch
MC: Unser schwieriges drittes Album. Hat uns einen Drummer und viel Nerven und Geld gekostet. Wurde vor ein paar Wochen mit Glitterhouse als Vinyl-Reissue wiederveröffentlicht und ist zu unser aller Verwunderung postum Top 50 in die Album-Charts eingestiegen.
JB: Mit 23,3 Jahren Verspätung.

Skateboard
MC: Meins steht nur noch rum, ist aber immer noch wichtiger als Deutschland.
JB: Ich hab meins seit einem Sturz in einem Asphaltloch in der Köpenicker Strasse nie wieder angefasst. Ich will aber im nächsten Frühjahr wieder ein bisschen Downhill fahren. Zumindest probieren. Auf dem Land in Brandenburg-Süd.

Abschied
MC: Kein Problem wenn einem klar ist, dass er notwendig ist
JB: Es ist für mich irgendwie kein Abschied. Auf der Bühne oder vor der Bühne, egal, ich werde auf Konzerten und Parties anzutreffen sein.

Comeback
MC: War schön, hätten wir uns ehrlicherweise aber auch schenken können. Ich empfinde es im Nachhinein für mich nicht als sooooo wichtig.
JB: Ich fands grossartig , besonders die Superblechdose-Tour.

Schmetterling
MC: Tarek KIZ und ich haben mal Punkmusik zusammen gemacht, einfach nur aus Spass und das kam dabei raus.

Gut und Böse
MC: Tja da macht euch mal alle selbst Gedanken drüber. Kleiner Tipp: Nichts ist so wie es scheint und eure Moral ist eben nur eure Moral

Linda
MC: Ich soll keine Songs über Promis machen. Ich soll keine… Repeat 100X…
JB: Aber was ist dann mit „Christian Lindner“?

Arschrakete
MC: Die kann ich richtig gut.

Bitte entscheidet euch mit Begründung
Punkrock 2000 Vs Punkrock 2020
MC: Punkrock 2020, aber lieber noch 1977. Diese Subkultur degeneriert eben mit der Zeit und verliert so an Biss, Attraktivität & Relevanz. Ich glaube als 15 Jähriger würde mich Punk heute nicht mehr so begeistern wie damals 1980.

MUSIK FÜR ARSCHLÖCHER Vs JENSEITS VON GUT UND BÖSE
MC: Das erste und das letzte Studioalbum. Zum Glück sehr unterschiedlich aber bestimmte Stilmittel, die unser Schaffen wie ein rote Linie durchziehen, finden sich auf beiden Alben wieder. Ich kann mich nicht entscheiden.

Ärzte Vs Hosen
MC: Gern, ich bin dann Schiedsrichter. Aber brutal wird der Fight nicht, die sind alle zu alt und zu milde und haben Angst dass ihre Schlupfliederstraffungen aufkrachen. Wobei, FU ist, glaub ich. eine brutale Kampfmaschine, der kann WT, darum tendier ich zu die Ärzte.
JB: Aber die anderen sind zu fünft. Es wurd knapp.

Goldener Edding Vs. Goldene Schallplatte
MC: Ich hab goldene Schallplatten, nur keine mit TG Musik drauf. Die hängen halt doof in der Küche rum. Ich bin kein Tagger, also was soll ich mit nem goldenen Edding anfangen?
JB: Edding-Gold ist schon absolute der King unter den Tag-Utensilien.

Berlin Vs Köln
MC: Berlin, die westdeutsche Einöde mit ihren Dackelzüchtervereinen und komischen Mundarten deprimiert mich nach einem längeren Aufenthalt als 24 Stunden.
JB: Ich mag Köln und seine eingewanderten Papageien. Meine neue Lieblingsgitarre kommt aus Köln. Sie wurde zuvor 30 oder 40 Jahre lang von dem Gitarristen einer Top-5 Karnevalsband bedient. Als ich den Gitarrenkoffer zum ersten Mal aufgemacht habe, kam mir der Bier- und Zigarretten-Geruch von mindestens 5000 Karnevals-Veranstaltungen entgegen. Manchmal haben die drei Auftritte pro Tag, da sind alle sogenannte „Rocklegenden“ ein Scheiss dagegen. Dank an Nikolai Sonnenscheisse fürs Gitarren-Besorgen!

YPS Vs Mickey Mouse
MC: Er hat YPS gesagt, ok Boomer. Mickey Mouse selbstverständlich. Statt YPS hab ich immer Bravo gelesen und statt eines Chemiekastens hab ich Marmeladegläser mit meinem 12 jährigen Penis penetriert und kleine Stöckchen in die Arschlöcher meiner Freunde beim gemeinsamen Doktor spielen gesteckt. Der Mensch hat mich schon immer sehr interessiert. Mehr als die Naturwissenschaften, darum Mickey Mouse.

Wir bedanken uns bei euch für die Zeit, die ihr euch genommen habt? Natürlich gehören die letzten Worte euch. Also los :)…
MC: Tschüssikowski und besucht uns ein letztes Mal auf Tournee Tickets findet ihr hier terrorgruppe.com


Terrorgruppe – „Tschüssikowski“ Tour 2021 (die Abschiedstournee)
09.11.2021 Halle/Saale, Tanzbar Palette !!AUSVERKAUFT!!
mit 51 Grad & Shirley Holmes

10.11.2021 Bremen, Schlachthof !!HOCHVERLEGT!!
mit Shirley Holmes & Akne Kid Joe

11.11.2021 Hannover, Capitol !!HOCHVERLEGT!!
mit Shirley Holmes & Akne Kid Joe

13.11.2021 Wien, Arena !!HOCHVERLEGT!!
mit Shirley Holmes & Missstand

16.11.2021 Köln, Kantine !!HOCHVERLEGT!!
mit Shirley Holmes & Akne Kid Joe

17.11.2021 Saarbrücken, Garage !!HOCHVERLEGT!!
mit Shirley Holmes & Elfmorgen

18.11.2021 Stuttgart, Universum
mit Shirley Holmes & Überraschungsgäste

19.11.2021 Dresden, Chemiefabrik !!AUSVERKAUFT!!
mit Shirley Holmes & Akne Kid Joe

21.11.2021 Dortmund, FZW !!HOCHVERLEGT!!
mit Shirley Holmes & The Toten Crackhuren Im Kofferraum

23.11.2021 Hamburg, Grünspan !!HOCHVERLEGT!!
mit Shirley Holmes & The Toten Crackhuren Im Kofferraum

24.11.2021 Wiesbaden, Schlachthof !!HOCHVERLEGT!!
mit Shirley Holmes & The Toten Crackhuren Im Kofferraum

25.11.2021 Nürnberg, Z-Bau !!HOCHVERLEGT!!
mit Shirley Holmes & The Toten Crackhuren Im Kofferraum

26.11.2021 München, Backstage
mit Shirley Holmes & The Toten Crackhuren Im Kofferraum

28.11.2021 Zürich, Dynamo Tickets
mit Shirley Holmes & The Toten Crackhuren Im Kofferraum

01.12.2021 Leipzig, Conne Island
mit Shirley Holmes & The Toten Crackhuren Im Kofferraum

02.12.2021 Jena, Kassablanca
mit Shirley Holmes & The Toten Crackhuren Im Kofferraum

03.12.2021 Berlin, Columbia-Theater !!!AUSVERKAUFT!!!

04.12.2021 Rostock, Peter-Weiss-Haus
mit Spontanzerfall & The Toten Crackhuren Im Kofferraum

12.12.2021 Berlin, Huxleys
mit Berlin Blackouts & Akne Kid Joe

Tatsächlich haben wir uns sehr gefreut, dass die Terrorgruppe sich die Zeit genommen hat. Zeit, Abschied zu sagen. Wir freuen uns aber, dass die Jungs uns in anderen Projekten erhalten bleiben und werden ihren Weg weiterverfolgen. Und wenn die Sehnsucht ganz groß wird, kann man ja wieder mit den alten Scheiben den Sonntagmorgen feiern. Macht’s gut ihr lieben. Bussi vom Tough Magazine.

Interview von Thorsten im November 2021

Foto:
Frank Rupp

Tags: , , , , , , , , , ,



Über den Redakteur



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Aufwärts ↑
  • Letzte Posts

  • Archiv

  • Google Anzeige




  • Werben bei Tough Magazine