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Interviews

Veröffentlicht am: Oktober 13th, 2022 | durch Florian Puschke

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„Randale und Liebe“: Radio Havanna im Interview

„Aus der Traum”! Genau so hieß das Debüt von Radio Havanna, das im Jahr 2005 das Licht das Licht der Punkwelt erblickte und den Zugang zu unseren Herzen gefunden hat. Das erste Album der Band aus Suhl, die seit 2002 (seit 20 Jahren) am Start ist. Genau mit diesem Album gelang den Jungs ein starker Einstieg und eine Karriere durch Clubs und Festivals die gespickt war mit weiteren starken Albenproduktionen. „Aus der Traum“. Wo manche Bands bei einem 20-Jährigen dann doch Re-Releases auf den Markt werfen, bringen Radio Havanna (ja, das Wortspiel muss sein und ja, das Wortspiel passt) ein traumhaftes Album auf den Markt. „Randale und Liebe“ heißt dieses und wird die Herzen der Fans ebenso stürmen wie die Herzen neuer HörerInnen. Ein Album ganz Radio Havanna und ein Albumtitel, der kaum besser gewählt werden konnte. „Randale und Liebe“ beinhaltet einige starke Ansagen aber auch Wort fürs Herz und weiß zu gefallen. Der Traum geht also weiter. Und er soll auch weiter gehen. Wir haben Radio Havanna einige Fragen gestellt. Seid gespannt auf die Antworten.

Hey ihr Lieben, schön, dass ihr euch die Zeit nimmt. Wobei erwischen wir euch gerade?
Arni: Tatsächlich gerade beim Cafe trinken und Gitarren spielen. Immer ne gute Mischung um in den Tag zu starten 😊

20 Jahre auf der Bühne. Clubs, Festivals. Starke Konzerte gespielt und viele Fans gewonnen. Unzählige Kilometer auf der Autobahn und in Backstage Räumen. Wie unterscheiden sich Radio Havanna 2002 von Radio Havanna 2022?
Arni: Haha, also ich hoffe schon, dass man uns von außen betrachtet einen Fortschritt anerkennen kann. Wir haben als Teenager angefangen und eine wirklich lange Reise mit viele Erlebnissen hingelegt. Das bedeutet uns viel. Und ich denke ein kleines bisschen besser sind wir irgendwie sogar an den Instrumenten geworden.

Was war bis dato euer bestes Konzert? Welche Erinnerung war eure schlimmste Erfahrung?
Arni: Es sind mittlerweile wirklich viele schöne Momente, und auch manche tragische. Großes Highlight war die Tour in Brasilien in 2016. Das waren einfach unfassbar intensive Konzerte so weit weg von zu Hause. Ein weiteres großes Highlight war das Konzert im SO36, Berlin im November 2021. Dieser Laden ist für uns unglaublich wichtig. Wir kommen aus Suhl, Thüringen, wo konzerttechnisch nicht so wahnsinnig viel los is. Als wir 2006 nach Berlin gezogen sind, habe ich glaube ich in den ersten beiden Monaten knapp 15 Konzerte dort gesehen. Oft Bands die ich schon so lange mal sehen wollte. Der Laden hat daher für uns viel Bedeutung. Dort nun selbst da Haus voll zu machen war ein unfassbar tolles Gefühl.

Mit FAUST HOCH habt ihr eine Initiative am Start, die sich klar gegen die AFD stellt. Welche Reaktionen gab es aus den braunen Kreisen auf diese Initiative? Es gab hier schon ordentlich Stunk aus rechten Kreisen. Von Drohbriefen bis fiesen Emails und Onlinehass war einiges dabei. Wir haben das als Anerkennung gewertet. Denn schließlich würden die kaum nerven, wenn es sie nicht irgendwie stören würde.
Arni: Das Album kommt bald ans Tageslicht. Wir durften schon reinhören und sind begeistert. Erzählt uns wie ihr nach dem schon guten VETO jetzt an RANDALE UND LIEBE herangegangen seid. Vielen Dank, dass freut mich sehr zu hören. Die Herangehensweise war diesmal tatsächlich sehr anders als bei der Veto. Bei der Veto hatten wir die Idee parallel ein Album mit Schlagercoversongs im Punkrockgewand herauszubringen. Am Ende waren das mit beiden Alben über 20 Songs, was uns extrem viel abverlangt hat und den Prozess sehr stressig hat werden lassen. Vor allem weil wir ja von Songschreiben, über Produktion bis hin zur Albumveröffentlichung alles selbst machen. Diesmal war es anders. Nachdem unsere bisher erfolgreichste Tour coronabedingt unterbrochen werden musste, mussten wir uns erstmal sortieren. Wie für alle, waren 2020 und 2021 eine anstrengende Zeit. Ich hatte zu Hause recht früh angefangen wieder Ideen für Songs zu scribbeln und Anfy auch. Wir hatten dann im Januar 2021 angefangen im Bandstudio weiterzuarbeiten. Wir dachten, lass die Zeit nutzen, solange keine Konzerte möglich sind, und das Beste aus der Situation machen. Dadurch hatten wir Zeit und haben uns immer wieder gefragt, was uns eigentlich im Kern ausmacht.

Ihr sprecht davon, dass das Album 300% Radio Havanna sein soll. Was hat dieses Album, was euch bei anderen Veröffentlichungen fehlt?
Arni: Wie schon gesagt, wir haben versucht mal auszuzoomen. Wir wollten auch nichts machen was unbedingt „cool“ ist oder anderen Erwartungshaltungen entspricht. Wir wollten ein Album machen, von dem wir finden, dass es gut ist. Wir wollten auch, dass die Songs sehr auf den Punkt sind , und ich hoffe das ist uns auch gelungen!

Natürlich macht es wieder die Mischung an Themen und Songs. Mir persönlich gefällt „Unkaputtbar“ sehr. Aus welchem Hintergrund ist dieser Song entstanden?
Arni: Ich finde in den letzten zwei Jahren hat jeder ein sehr gutes Gefühl dafür bekommen, was Freundschaften bedeuten und wie wichtig sie sind. Zueinander zu stehen, auch wenn es Ärger gibt oder man nicht einer Meinung ist, oder man an verschiedenen Orten an dieser Welt festsitzt das ist einfach unglaublich essenziell. Es trägt uns.

Aber auch der „Tag X“ gehört sicher zu den Radio Havanna Songs, die mal auf einer Best Of landen könnten. Song mit Worten über Frust und Wut. Welche Botschaft möchtet ihr mit dieser Nummer weitergeben?
Arni: Verschwörungstheorien waren in den Jahren einfach wahnsinnig präsent. Wir wollten hierzu gerne etwas sagen. Uns hat aber auch vor allem interessiert was einen Menschen dazu bringt auf Wissenschaft und Rationalität zu scheissen. Das ist einfach irgendwie unklar und betrifft de facto ja aber viele Menschen.

Eine sehr spannende Nummer ist „Alarmstufe Rot“. Ein Thema, dass in unserer Gesellschaft immer mehr Einzug erhält. Gibt es eine Geschichte hinter „Alarmstufe Rot“?
Arni: Ja, wir haben den Song zusammen mit zwei Menschen geschrieben die hart mit Depressionen zu kämpfen hatten, sowie mit einer befreundeten Therapeutin. Gerade im Punkrock traut sich niemand über sowas zu sprechen, das wollen wir ändern. Vor allem weil wir auf Konzerten oder in Nachrichten immer wieder hören, dass Freunde und Fans unter Depressionen, Angststörungen, Burn-Out oder ähnlichem leiden. Das findet unter uns statt.

Auch „Du bist hier“ sollte erwähnt werden. Ein Song über den Tod und Verlust. Wie wichtig ist dieser Song für euch in der Bandgeschichte?
Arni: Wir haben im Kontext von Corona, aber auch unabhängig von Corona, einige liebe Menschen von uns in den letzten zwei Jahren verloren. Das ging uns sehr nah und hat uns beschäftigt. Auch das wollten wir verarbeiten. Wir wollten allerdings kein reines Trauerlied schreiben. Wir wollten eher ein Lied auf das Leben schreiben.
Wir fanden, dass der Umgang mit dem Tod an sich in unserer westlichen Welt grundsätzlich etwas Trauriges ist. Andere Gesellschaften feiern das Leben. Den Gedanken finden wir spannend.

Das Radio Havanna auch mit langsamen Songs überzeugen wissen wir spätestens seit dem „Glasherz“ (Album „Unsere Stadt brennt“). Nun überzeugt ihr hier mit ruhigen Tönen auf „Therapie“ & „Zurückzahltag“. Welche Bedeutung haben langsame Töne mittlerweile bei euch?
Arni: Für uns ist es grundsätzlich wichtig zu experimentieren, um herauszufinden was da aus uns herauskommt. Beide Songs zählen bei uns zu den klassischen „Experimenten“. Zurückzahltag nehme ich ehrlich gesagt gar nicht als „langsam“ wahr. Es ist auch eher so, dass ich Songs oft gar nicht in Geschwindigkeiten sehe, sondern eher in dem was sie in mir auslösen. Da können schnelle, brachiale Songs genauso etwas auslösen wie langsame Songs und alles dazwischen.

Wir haben jetzt einige Stücke besprochen. Welches sind eure Favoriten?
Arni: Haha, dass ist intern tatsächlich sehr unterschiedlich. Mein Favorit ist „Revolution für immer“. Ich hatte die Grundidee für Musik und Text zu Hause recht schnell zusammen und dachte sofort das ich das sehr mag. Aber auch „Randale und Liebe“ sowie „Alarmstufe Rot“ sind bei mir sehr weit vorne mit dabei.

Mit welchen drei Worten würdet ihr das Album beschreiben?
Arni: Härter, Verletzlicher und Ehrlicher.

Nach dem Album ist…? Auf was dürfen wir uns freuen?
Arni: Natürlich die Tour. Das ist doch das allerschärfste und der eigentliche Grund weshalb fast jeder Musik macht. 😊 Nee im Ernst, auf Tour wird einem eigentlich erst gespiegelt wie die Musik vor Menschen funktioniert und ist immer wieder spannend. Und wenn die Hörer etwas gut findet, dann ist das das Schönste überhaupt!

Was bedeuten euch die folgenden Begriffe:
Lebenswerk
Arni: Ist das was Größen wie Ramones, David Bowie etc. geschaffen haben. Wir sind mit Mitte 30 noch davon entfernt 😊 Wenn irgendjemand unsere Musik als „Lebenswerk“ bezeichnet, dann werde ich in einer Holzkiste liegend grinsen!

Live
Arni: Ist das Beste, weil Intensivste!

Liebe
Arni: …ist das Wichtigste?!

Vorbilder
Arni: Pussy Riot (weil es unfassbar ist, wie Menschen hier für Freiheit einstehen, und was sie für Repressalien in Kauf nehmen)

Trugbilder
Arni: Christian Lindner!

14. Oktober 2022
Arni: „Randale und Liebe“ over alles 😊

Tough Magazine
Arni: Super Menschen, die zu hören und immer für gute Gespräche zu haben sind!

Wir bedanken uns bei euch für die Zeit, die ihr euch genommen habt. Natürlich gehören die letzten Worte euch. Also los :)…
Arni: Danke euch für das Gespräch und danke für die jahrelange Unterstützung!

Das war es schon. Radio Havanna sind immer noch da. 20 Jahre auf dem Buckel und weiter mit Vollgas unterwegs. Mit „Randale und Liebe“ haben die Jungs ein Album im Gepäck, das gehört werden will. Danke dafür. Und jetzt denn vorbestelle kann man es sicher schon 😊. Ein Dank an Radio Havanna. Wir sehen uns bei den Shows! Sicher? Ja, sicher! Herbstzeit ist schließlich „Randale und Liebe“-Zeit.

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