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Interviews

Veröffentlicht am: Mai 11th, 2019 | durch Florian Puschke

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NOFNOG: Die Band im „Thieves“-Interview

Mit „Thieves“ ist das neue Album der Punkrock-Band NOFNOG erschienen. Wir haben uns mit der Band über das Album, die Songs und vieles Drumherum unterhalten.

Liebe NOFNOGs zuerst einmal vielen Dank für die Zeit die ihr euch nehmt. Wobei erwischen wir euch gerade?
NOFNOG: Danke dir, freut uns natürlich ein bisschen mit dir zu plaudern und einige Fragen zu beantworten. Du erwischst mich gerade bei einer klassischen Montagsmitternachtssession am Laptop und guter Musik im Hintergrund – Strike Anywhere direkt vom Plattenteller.

Punk aus der Schweiz. Gegründet auf einem Skateplatz. Mittlerweile 15 Jahre Bandgeschichte. Und immer noch voll am Start. Was ist das Besondere für euch an NOFNOG?
NOFNOG: NOFNOG ist und bleibt für uns ein riesiges Abenteuer, bei dem wir immer wieder in neue Situationen geworfen werden und wir nie genau wissen, was uns erwartet. Und ganz ehrlich: Dies ist der Wahnsinn! Abenteuer mit seinen besten Freunden, Musik machen und dabei noch sein Maul aufmachen und vielleicht dem einen oder anderen die Augen öffnen.

Abgekürzte heißt NOFNOG nichts anderes als No Fight No Glory. Wie viel Kämpfer seid ihr noch und seht ihr auch euer neues Album „Thieves“ als euer bisher kämpferischstes Werk an?
NOFNOG: Kämpferisch sein ist wichtig und wird es auch bleiben. Trotzdem müssen wir uns oft selber an der Nase nehmen, um nicht auf der Faulen Haut liegen zu bleiben. Thieves hat auf alle Fälle viel Wut in sich, was sich auch in den Songs und Texten ausdrucken soll. Es soll aber nicht nur kämpferisch gegen aussen sein, sondern auch gegen innen – also sich selber. Es ist wichtig, dass man sich zuerst mit sich selber auseinandersetzt und das eine oder andere an sich hinterfragt und eventuell auch endlich hinter sich lässt.

Wie entstehen eure Songs? Proberaum? Und wer ist hauptverantwortlich für die Texte und Melodien?
NOFNOG: Die Songs zum neuen Album „THIEVES“ sind im Verlauf der letzten zwei Jahre entstanden. Bei uns läuft es meistens so ab, dass jemand von uns mit einer Idee fürs Instrumentale in den Proberaum kommt und dort daran gemeinsam rumgeschraubt wird. Dies endet natürlich nicht selten in etwas lauteren Diskussionen 😉 Dann wird das ganze in unserem Proberaum aufgenommen und von uns vier durchgehört und für gut oder schlecht empfunden. Am Schluss wird noch am Text rumgefeilt und der noch ganz an den Song angepasst.

NOFNOG – Manifest of Thieves

15 Jahre NOFNOG. Welche Anekdote ist die schönste?
NOFNOG: Das schönste nach 15 Jahren ist es, am nächsten Morgen immer noch auf einem kalten, harten Boden im Backstage unter dem Tisch aufzuwachen, da dies die komfortabelste Schlafstelle war, und für ein paar Minuten nicht mehr zu wissen, was mit seinem Leben anzufangen 😊

Das neue Album besticht durch knackige Punksongs in einer recht kurzen Spielzeit. Die 3 Minuten Marke. Für euch eher unbedeutend. Wie schafft ihr es, eure Aussagen in die kurze Zeit zu packen und was ist euch bei euren Songs am wichtigsten?
NOFNOG: Um ehrlich zu sein schauen wir nicht, dass unsere Songs nicht lang werden, sondern es passiert automatisch. Ein Song muss eine Energie haben, die einen vom Anfang an packt und über die ganze Zeit nicht fallen lässt. Dies bedeutet nicht unbedingt, dass er extrem schnell sein muss oder eine super catchy Melodie haben muss, sondern dies erreicht man meiner Meinung nach auch anders. Jeder Song hat eine andere Stimmung, die einen zum Teil nicht mehr loslässt, und dies ist uns für unsere Songs wichtig. Und oft braucht es für eine Message gar nicht zu viele Worte und man muss nicht immer in Rätseln singen. Oft tut es auch seinen Zweck, wenn die Aussage einem direkt ins Gesicht geworfen wird.

Mit „When all the lights go out“ startet ihr die Scheibe mit einem recht bedrohlichen Intro. Wenn wirklich alle Lichter ausgehen würden, was würde NOFNOG tun?
NOFNOG: Dies wäre vielleicht gar nicht das dümmste, wenn es mal schwarz werden würde. Aber eigentlich machen wir uns darum echt keine Gedanken. Es gibt im hier und jetzt so viel zu entdecken und so viel zu sagen, da sollte man sich nicht in solchen Spielereien verlieren. Aber wenn es wirklich soweit kommt, wäre ein Bier zum Abschied nicht das Schlechteste.

Eines meiner Lieblingsstücke ist „Memories“. Welche Erinnerung ist eure schönste beim Aufnehmen der Platte?
NOFNOG: Wir haben unsere neue Platte in Graz beim unglaublichen Tom im Stressstudio aufgenommen. Ich glaube der schönste Moment ist der, wenn du die ersten Songs mal fertig aufgenommen hörst und zu dir sagst: Yes – es hat geklappt, und es hört sich wirklich gar nicht so schlecht an! 😉 Dies aufs musikalische bezogen. Das schönste war natürlich stundenlang beim Tom sitzen, irgendwas labern und die Person im Aufnahmeraum zu vergessen. Und Erinnerung drei: Wir hatten unglaublich spannende Ping-Pong Matches im Studio, welche uns wirklich mitgerissen haben.

NOFNOG – Dead End Use

Cemetry“ klingt wütend und geht nach vorne. Wie kam es zu dem Song und Was würdet ihr in der heutigen Gesellschaft am liebsten beerdigen?
NOFNOG: Den Text zu dem Song habe ich geschrieben, als ich in Brasilien war. Eine Woche zuvor wurde die Politikerin Marielle Franco in Rio umgebracht, was bis heute komischerweise nie aufgeklärt wurde. Sie hat sich für die Rechte der Menschen in den Favelas und gegen die sinnlose Polizeigewalt in den Favelas in Brasilien eingesetzt. Diese unglaublichen Grenzen zwischen arm und reich, welche zu sinnloser Ausgrenzung und Rassismus führt (was in Brasilien mit dem neuen Präsidenten ja wirklich zum kotzen ist), sind das, was wir beerdigen sollten. Alle Grenzen und Mauern, welche uns trennen und immer weiter auseinanderbringen. In der realen Welt, aber auch in unseren Köpfen.

Auffällig bei der CD ist auch das Cover. Eine Frau mit verbundenen Augen. Wovor schließt ihr am liebsten die Augen?
NOFNOG: Erstmal ein riesiges Dankeschön an Stefan von SBÄM, der das Cover der Platte designt hat und das Album über SBÄM Records releast hat. Die Idee zum Cover ist uns schon lange im Kopf rumgeschwirrt, und Stefan konnte es genau so umsetzen, wie wir es uns vorgestellt haben. Es geht darum, dass einem die Augen «verbunden» werden, damit man die Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft nicht mehr wahrnimmt und mit der Zeit nicht mehr wahrnehmen will, obwohl man täglich damit konfrontiert wird. Am liebsten schliessen wir die Augen so wenig wie möglich, denn es geht darum wach und mit offenen Augen durchs Leben zu gehen und für seine Herzensangelegenheiten einzustehen.

Zum Album plant ihr eine Tour. Wo soll es hingehen und wo würdet ihr gerne mal spielen?
NOFNOG: Wir haben anfangs Jahr einige Weekender gespielt in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es ist noch mehr geplant, aber da können wir leider noch nicht viel dazu sagen. Wir sind überall dabei, solange es Leute hat, die Bock haben mit uns einen guten Abend zu verbringen. Sei dies in Asien, Australien, Südamerika oder endlich einmal in Afrika.

Wenn ich euch nach Vorbildern fragen würde. Ich tu das vielleicht noch. Was wäre die Antwort?
NOFNOG: Vorbilder sind immer eine eher schwierige Angelegenheit. Wir denken, dass Vorbilder für uns doch einen hohen Stellenwert haben. Sie sind Orientierung und Inspiration, sei es nun musikalisch oder im Leben allgemein. Das wichtigste ist aber, was wir als Band und jeder Einzelne daraus macht.

Frage 13 muss natürlich sein: Wer sind eure Vorbilder?
NOFNOG: Good Riddance, Strike Anywhere, The Unseen und noch tausende mehr auf der musikalischen Seite. Im Privaten wäre da sicher die schwarze Bürgerrechtbewegung in den USA oder Südafrika. Sie haben nie aufgegeben und aus nichts sehr viel erreicht.

Bitte vervollständigt die folgenden Sätze.
Ohne NOFNOG wäre:
NOFNOG: …uns langweilig und unser Schlafrhythmus geregelt.

Punkrock ist…:
NOFNOG: …das schönste auf dieser Welt.

NOFX spielen mit NOFNOG wenn…:
NOFNOG: …sie uns endlich dazu einladen.

Die Schweiz bewirbt sich für die nächste Fußball WM, da…:
NOFNOG: …da muss man sich doch qualifizieren?

NOFNOG covern ein Stück von Celine Dion, da…:
NOFNOG: …wir uns auch mal wie Leo und Kate auf dem Bug der Titanic fühlen wollen.

Was bedeuten euch die folgenden Begriffe?
Skaten:
NOFNOG: So hat alles angefangen.

Charts:
NOFNOG: Ist wie, wenn man zehn rote Bälle nach Farbe sortieren soll

Thieves:
NOFNOG: Zusammen etwas reissen.

Though Magazine:
NOFNOG: Bleibt dran!!

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören euch.
NOFNOG: Geht raus an Konzerte, unterstütz die Veranstalter und Bands für ihr riesiges Engagement! Wir freuen uns immer wieder über neue Gesichter und gute Menschen, deshalb würde es uns umso mehr freuen, wenn ihr auf unsere Shows kommt 😊. Bleibt bunt, kritisch und setzt euch für das, was euch am Herzen liegt, ein. Vielen Dank fürs Interview!

Interview von Thorsten im April 2019

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