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Interviews

Veröffentlicht am: Januar 1st, 2020 | durch Florian Puschke

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„May The Forst Be With You“: Das frivole Burgfräulein im Interview

Irgendwie war 2019 ja das Star Wars Jahr. Dementsprechend beglückt uns Das frivole Burgfräulein aus Bonn mit einer neuen EP. „May the Forst be with you“ heißt diese und enthält vier Anti-Nazi Songs, die ganz gut das Jahr abschließen. Zum Release der EP beantwortetet diese uns einige Fragen.

Hey ihr Lieben, vielen Dank dass ihr euch die Zeit genommen habt. Wobei erwischen wir dich gerade?
Das frivole Burgfräulein: Gerade lassen wir das Jahr ausklingen und bereiten uns auf das Neue vor, in dem es wieder vermehr Konzerte geben und unsere EP nun endlich auf Vinyl veröffentlicht wird. Im Februar geht es wieder los und unsere Drummer Shingo wird neu hinter dem Schlagzeug sitzen.

Punkrock aus Bonn. Für Leute, die euch noch nicht kennen. Beschreibt uns etwas die Band Das frivole Burgfräulein.
Das frivole Burgfräulein: DfB hatte das erste Konzert Dezember 1991. Aus dieser Besetzung ist allerdings nur Bela, der Sänger, übrig geblieben. Seit 1993 ist Frollein K-Mann (Gitarre) dabei und seit 2008 Dok:Z der Bassist. Seitdem ist viel passiert, was man alles auf unsere Webseite www.burgfraeulein.de bestaunen kann. Zumindest die Geschichte seit 2008.

„May the Forst be with you“ heißt eure neue EP. Pünktlich zum Jahresende vier Songs gegen Nazis. Erzählt etwas zur Entstehungsgeschichte der EP.
Das frivole Burgfräulein: Da wir bisher eher wenig politische Lieder hatten und wir in den letzten Jahren vermehrt von Grauzone Festivals und – Bands angeschrieben worden sind, wollten wir ein unmissverständliches Statement gegen Rechts richten. „Unpolitisch“ gibt es nicht. Wer nicht laut gegen Rassismus, Schwulenfeindlichkeit oder sonstigen Dreck ist, duldet zumindest die ganze Scheiße. Eigentlich dachten wir immer, es sei klar, dass wir da nicht mit machen, da wir auch immer auf Festivals gegen Nazis aufgetreten sind, aber wir haben gemerkt, dass, wenn wir nicht klar unsere Meinung transportieren, wir diesen Idioten noch Spekulationsraum geben.

Auf dem Cover finden wir einen Hirsch, der von der Macht vereinnahmt sein könnte. Welche Geschichte hat dieser Hirsch? Der Hüter des Waldes?
Das frivole Burgfräulein: Was gibt es deutscheres und spießigeres als den röhrenden Hirschen? Die Cover Idee hatten wir schon beim „Punkverräter“- Album. Gepaart mit der Hambacher Forst Debatte und, ganz richtig, endet dieses Jahr auch die Star Wars Saga. Werfe alles in einen Topf und du findest dich bei der üblichen Arbeitsweise von dem Das frivole Burgfräulein.

Kommen wir zu den Songs: „Nazis in den Zoo“ natürlich ein Mordseinstieg. Habt ihr nicht Angst, die armen Tiere im Zoo mit solchen Gestalten zu gefährden?
Das frivole Burgfräulein: Wir möchten viel eher die Tiere aus dem Zoo raus holen und stattdessen die Nazis rein stecken. So wäre allen geholfen.

Auch „Ungebumst am Fliesentisch“ ist natürlich (wie soll man es anders bezeichnen?) ein Knaller! Erzählt die Geschichte hinter dem Song?
Das frivole Burgfräulein: Das ganze faschistische Gedankengut, der Rassismus, ist ja keine neue Erfindung und wenn man ganz ehrlich ist, war er auch nach dem Krieg nie verschwunden, sondern an den Stammtischen und hinter vorgehaltener Hand immer noch sehr präsent. Erst mit der Anonymität der sozialen Netze und die dazugehörigen Rattenfänger-Parteien haben die Leute sich getraut, wieder öffentlich ihren braunen Dünnschiss zu verbreiten. Und auf einmal fiel wieder auf, dass Deutschland (sowie auch Österreich u.ä.) das Nazi-Gedankengut nie abgelegt hat. Das ist alles ein großes Thema, welches viele Seite füllen würde, welches noch die Ost-Thematik und gekürzte Gelder für das Schulwesen beinhaltet, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Der Song beschreibt auch eben die Reichsbürger, Burschenschaften etc. die schon immer im Hinterstübchen existiert haben. Wie gesagt, es gab es schon immer hier, nur ist es jetzt öffentlicher.

„Wie blöd“ erinnert ein wenig an die Abstürzenden Brieftauben. Bewusst? Unbewusst? Wie kam es zu diesem Geburtstagslied und darf man Nazis überhaupt zum Geburtstag gratulieren?
Das frivole Burgfräulein: Na wir sehen das weniger als Geburtstagslied, sondern der grundsätzliche Umgang mit Nazis und, dass es eben „blöd“ ist, dass diese überhaupt existieren. Natürlich ähnelt die Songstruktur einem bekannten Geburtstagslied. Da wir auch früher Brieftauben gehört haben, ähneln sich so manche Lieder in dem Genre natürlich, aber wir schreiben keine Songs, um wie andere Bands zu klingen. Wir übernehmen allerdings viele Elemente von Sachen die wir gut finden, oder denken, das ist songdienlich.

Wenn ihr neue Songs aufnehmt, wann unterscheidet ihr zwischen Release einer EP oder mit weiteren Songs eine CD veröffentlichen?
Das frivole Burgfräulein: Die letzten Veröffentlichungen haben wir allesamt, bewusst, für den jeweiligen Zweck geschrieben. Für „Punk vor Strichrechnung“ haben wir extra Songs für ein Album geschrieben, da das Letzte schon etwas her war. „Gott sei Punk“, sollte eigentlich eine EP werden, auf dem jedes Bandmitglied einen Song beisteuern sollte. Das ganze sollte dann für das gleichnamige Hamburger Festival sein, auf dem wir seit Jahren spielen und so den Titelsong schrieben. Leider wurden, wegen Zeitgründen und den Weggang unseres Drummers, das Ganze nur halb fertig und existieren jetzt zwei Songs, die zum Download freigegeben wurden. Die jetzige EP „May the Forst be with you“ war genauso angedacht wie sie jetzt erschien. Auch hier war ein Mischung aus jeweils bereits existierenden Song-Ideen sowie extra zu dem Thema neu geschriebenen Stücke. Zwei von mir (Bela) und zwei von unserem Bassisten Dok:Z. Als nächsten soll wieder ein Album erscheinen, so etwas dauert allerdings immer ein wenig, da wir ja nebenher noch unseren Jobs als Superhelden nachkommen müssen.

All eure Sachen bringt ihr DIY raus. Gab es nie die Überlegung zu einer Plattenfirma zu gehen? Was ist für euch der Vorteil von DIY?
Das frivole Burgfräulein: Uns will einfach keiner. Wobei wir die „Punk vor Strichrechnung“ sowie jetzt die EP von kleinen Labels bevorschusst bekamen. Wir machen also erst ein klein wenig Geld, wenn die Kosten wieder rein gekommen sind. Wobei es da einen Bandübernahme-Vertrag gibt, d.h. wir machen alles so, wie wir uns das vorstellen und produzieren das komplette Werk, von der Musik bis zur Artwork, fertig. Genau das ist auch der Vorteil – bisher hat uns da niemand reingeredet. Wobei das vielleicht auch mal spannend wäre… Also wenn das hier wer liest…
Und außerdem suchen wir einen Booker, da wir im Moment wenig Zeit haben, um das selber zu machen.

Manche Alben habt ihr zum kostenlosen Download angeboten. Zum Beispiel „Punkverräter“ ging so an die Fans. Inkl. Hülle zum selberbasteln. Wie wurde dies von euren Anhängern angenommen?
Das frivole Burgfräulein: Ich glaube, mittlerweile hätte „Punkverräter“ Goldstatus, wenn es um die Verbreitung gehen würde. Leider ist da aber auch der Haken – die Leute laden alles runter soweit es kostenlos ist. Sobald es auch nur ein wenig kostet, wird dafür kaum noch was hingelegt. Das alte Problem, lieber 5 Euro für einen Caffee 2 go ausgeben als einen Euro für einen Song wo Herzblut und viel Zeit rein gesteckt wurde. Aber was sollen wir jammern, wir müssen nicht davon leben und es wäre auch nicht möglich.

Sicher werdet ihr hier und da mit anderen Bands verglichen. Welcher Vergleich schmeichelt euch und welcher nervt Das frivole Burgfräulein?
Das frivole Burgfräulein: Wir werden, meines Wissens, jetzt gar nicht so oft verglichen. Ich kenne jetzt keinen direkten Vergleich. Da wir im Köln agieren, hören wir öfters von einem Chefdenker-Umfeld. Da wir uns den Bandbus teilen, ist da wohl irgendwas dran.

Eine eurer Veröffentlichungen hieß „Mixtape“. Welche fünf Songs andere Band würdet ihr auf ein Mixtape packen und welche fünf eigene Songs wären darauf enthalten?
Das frivole Burgfräulein: Das war ja genau das Konzept der „Mixtape“ EP. Ich überlege auch des Öfteren, ob es da nicht einen Nachfolger geben kann, da mittlerweile nur noch wenige Songs davon im Live-Set sind.
Erst letztens haben wir uns mal „Jajaja“ von Trio im Proberaum gewidmet. Vielleicht wäre das ja schon mal ein Kandidat, wenn wir da mal Zeit hätten.
Auch hatte ich mal die Idee mit dem 70er/80er Sänger „Benny“ [Skateboard (Uh ah ah)] Schnier eine EP zu machen, als ich gelesen habe, dass er für kleines Geld Auftritte und ähnliches betreibt. Man kann also immer sicher sein, das wir genau das machen, was man vielleicht eben nicht von uns erwarten würde.

Nach der E.P. ist vor … ? Was plant ihr für die Zukunft?
Das frivole Burgfräulein: … ein paar Auftritten mit unserem neuen Drummer, den wir im Moment einspielen.
Außerdem haben noch jede Menge neue Songs, die jetzt für die EP nicht in Konzept gepasst haben, aber trotzdem mal angegangen werden müssen, weil sie im Kopf rumgeistern.
Wenn ihr aussuchen dürftet. Welche Band würdet ihr gerne supporten wollen? Bitte mit Begründung! Ich persönlich bin da ganz pragmatisch. Support soll der Band schon irgendwie was bringen, vor allem mehr Aufmerksamkeit, die letztendlich uns zu Gute kommt. Ich glaube, wir können Leute live überzeugen, wenn wir eben das passende Publikum bekommen. Da ist großes Publikum natürlich sachdienlich.

Was bedeuten euch die folgenden Begriffe?
Bonn
Das frivole Burgfräulein: Hier hat alles angefangen und ist zumindest immer noch die Heimatstadt der Band. Auch wenn niemand in der selbigen noch wohnt und Bonn leider in meinen Augen mehr als tot ist.

Punk
Das frivole Burgfräulein: …ist was man selbst draus macht. Es gibt nicht das oder den PUNK. Es kamen Stimmen, die zu unserem Song „Bock auf Punkrock“, vor allem bei dem Intro, meinten „das hat nichts mit Punk zu tun“ blablabla. Und genau da fängt Punk für uns an, genau diese Leute haben das ganze irgendwie nicht verstanden. Punk ist m.E. nicht das was andere von einem erwarten.

Popmusik
Das frivole Burgfräulein: Hier ist es ähnlich. Gute Popmusik muss nicht immer Massenkompatibel sein. Es muss einen Ohrwurm haben und das ist auch manchmal, was einen guten Song ausmachen kann.

Vorbilder
Das frivole Burgfräulein: Hatten wir früher sicherlich welche, mittlerweile eher nicht mehr. Es fibt sicherlich Bands die man gut findet, aber Vorbilder würde ich die nicht nennen.

Der devote Burgherr
Das frivole Burgfräulein: …ist eher Stoff aus einem Drei-Groschen-SM-Heftchen. Wir haben mit unserem Bandnamen Fluch und Segen herbei gerufen. Er hat uns sicherlich viele Türen verschlossen und es schwieriger gemacht. Allerdings hat man den Namen auch nicht mehr so schnell vergessen können. Nach fast 30 Jahren ist das dann eben so. Wenn es eine Band danach geben sollte, wird die sicherlich anders heißen.

Tough Magazine
Das frivole Burgfräulein: Tough Magazine ist ein Musikmagazin, welches sich mit handgemachter Rockmusik beschäftigt. Genremäßig geht es von Punkrock über Metal und Oi! bis hin zu Ska, Alternative und Indie. Zumindest steht das so auf eurer Seite 

Bitte vervollständigt die folgenden Sätze.
Das frivole Burgfräulein wird …
Das frivole Burgfräulein: 2020 wieder mehr Konzerte spielen als es 2019 leider war.

2020 wird …
Das frivole Burgfräulein: …das erste Jahr des neuen Jahrzehntes sein. Und hey, 2021 werden wir 30 

Der Forst hat auch 2020 …
Das frivole Burgfräulein: …weiterhin einen hohen Stellenwert beim Klimawandel. Der Wald ist zwar die CO2-Senke und daher für viele der Hoffnungsträger gegen den Klimawandel. Tatsächlich ist er aber in erster Linie der Verlierer des Klimawandels. Denn der Wald wird geschädigt durch Stürme, Insektenkalamitäten, Dürren, Temperaturanstieg, Hitzewellen und zunehmende Waldbrände. Alles Ereignisse, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Klimawandel zurückführen lassen. Zudem verstärken sich die Ereignisse wechselseitig. Wir befinden uns derzeit in einem Teufelskreis. (Quelle: FAZ.net)

Das frivole Burgfräulein geht 2020 mit dem Prinzen …
Das frivole Burgfräulein: …auf Tour! Mist, jetzt hab ich es verraten. Wir warten nur noch auf den Anruf von Sebastian Krumbiegel

Burgfräuleins sind auch 2020 gut, da …
Das frivole Burgfräulein: …es nie genug Burgfräuleins geben kann.

Die Musikindustrie …
Das frivole Burgfräulein: (keine Ahnung, da wir in diesem Rädchen nicht mitdrehen)

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören euch.
Das frivole Burgfräulein: 70%iger Alkohol entfernt Parfum und Lippenstiftflecken auf allen Geweben, aber auch Blutflecken auf Seide. Den Alkohol auf ein Stück Watte geben und damit den Fleck betupfen. Bei gefärbten Stoffen vorher an verdeckter Stelle auf Farbechtheit prüfen. Anschließend nach Anweisung waschen. Vielen Dank für euren Support.

Interview von Thorsten

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