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Interviews

Veröffentlicht am: Oktober 8th, 2021 | durch Florian Puschke

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„Grenzenlos Genrelos“: Nichts für Ungut im Interview

Nichts für Ungut — Grenzenlos Genrelos … mit einem Haufen starker Songs an Bord. Nichts für Ungut sind wieder da. Nach ihrem Album „Vollgas Voraus“ legen die Jungs mit „Grenzenlos Genrelos“ ein neues Album vor, das wieder mal viele starke Songs am Start hat. Politisch, nah am Zeitgeschehen, aber auch Gute-Laune-Musik für die Deutsch-Punk-Landschaft. Und auch noch mehr. Denn schließlich sind die Jungs „Grenzenlos Genrelos“. Zum Release haben wir den Musikern einige Fragen gestellt. Seid gespannt auf die Antworten.

Hi ihr Lieben. Schön, dass ihr euch die Zeit für ein Interview nehmt. Ein neues Album am Start – Wie geht es euch gerade?
Nichts für Ungut: Dieses Mal war alles irgendwie anders. Jeder von uns war zum Beispiel allein im Studio, so dass es sich zeitweise vielleicht etwas einsam angefühlt hat. Der Moment aber, wo du den ersten Mix eines Songs hörst… Hui. Und deswegen sind wir gerade einfach glücklich und zufrieden und sind gespannt auf Feedback.

Erzählt mal was über die Entstehungsphase der Songs. So wie es sich anhört, ist der ein oder andere auch in der Corona-Zeit entstanden. Pessimistisch ist das Album aber (Punk sei Dank) nicht.
Nichts für Ungut: Die Entstehungsgeschichte von Grenzenlos Genrelos reicht von Mitte 2019 bis zum Frühjahr 2021. „Wenn das alles vorbei ist“, ist natürlich in der Corona Phase entstanden. Aber auch „Mach sie besser“ und „Festung Europa“ kamen erst spät hinzu und waren ursprünglich auch gar nicht geplant. Zum Glück aber haben und hatten wir nie einen wirklichen Plan ;)

Ihr habt dieses Mal vieles anders gemacht. Studio, Artwork usw. Wie war es beim Schreiben der Songs? Ist hier alles beim Alten geblieben?
Nichts für Ungut: Ein paar Songs sind über die Zeit seit „Vollgas Voraus“ wie früher im Proberaum entstanden. Einige Songs des neuen Albums sind aber auch am PC entstanden. Philipp schreibt die Texte und hat meistens eine grobe Idee für die Melodie. Er baut sich dann Gitarren-, Bass- und Schlagzeugspuren am Rechner und nimmt seinen Gesang auf. Im Idealfall hört sich jeder vor einer Probe das Demo an und damit starten wir dann in die Ausgestaltung der Songs.

„Grenzenlos Genrelos“ als Albumtitel. Wo seht ihr euch denn selbst? Punkrock, Deutschpunk, Deutschrock, Pop, … Wie viel von welchem Genre liegt denn in der Band Nichts für Ungut?
Nichts für Ungut: Nach wie vor sind wir im Punkrock zu Hause. Uns ist aber wichtig, dass wir eben nicht die Scheuklappen auf haben, sondern auch mal über den Tellerrand schauen. Getreu dem Motto „offene Grenzen tun nicht weh“.

Nach dem letzten Album gab es viel Lob. Auch habt ihr beim deutschen Rock-& Pop Preis abgeräumt. War das eine Belastung oder eher eine Befreiung jetzt fürs neue Album?
Nichts für Ungut: Weder noch. Das ist eher eine Bestätigung dafür, weiter zu machen. Der Rock & Pop Preis war eine ganz nette Erfahrung, Einfluss auf unser Bandleben hatte er aber nicht.

Kommen wir zu den Songs. Politisch, aber auch lustig kann man da drüberschreiben. „Wir sind Nichts“ ist sicher kein politischer Song. Wo kam denn diese Idee her? Wie stark beschreibt euch dieser Song?
Nichts für Ungut: „Wir sind Nichts“ ist eine kleine Hommage an uns selbst. Wir sind sicherlich keine Punks, hatten sicherlich keine schlechte Kindheit und müssen auch nicht so tun als wäre es so gewesen. Trotzdem sind wir im Punkrock zu Hause und gehen als kleine Teelichter im Wind auch mal andere Wege. Selbstironie vor Selbstüberschätzung. Arroganz steht sowieso fast niemandem gut.

Mit „Festung Europa“ habt ihr einen (leider) sehr aktuellen und politischen Song ausgekoppelt. Aus welchem Hintergrund ist der Song entstanden?
Nichts für Ungut: Puh! Hintergründe dazu kann man häufig in den Medien und tagtäglich in den sozialen Netzwerken finden. Eigentlich versuche ich beim Texte schreiben immer so wenig Politik wie möglich mit einzubeziehen und berufe mich da lieber auf die Gesellschaftskritik, aber das wurde in den letzten Jahren immer schwieriger. Wenn ich z.B. ständig irgendwelche Bilder sehe, wo irgendwer irgendeine Propaganda drunter schreibt, die weder wahr noch irgendetwas mit dem Bild zu tun hat und unreflektiert geteilt und weiterverbreitet wird, dann füllen sich diverse Fässer in mir und irgendwann muss man zwischendurch auch mal Luft holen und Druck ablassen. Da ich mich privat komplett aus diesen Netzwerken, zumindest schreibend, raushalte, mussten ein paar Lieder dafür herhalten. Für mich geht es in diesem Lied aber eher um die Unmenschlichkeit unserer fett gefressenen Wohlstandsgesellschaft, dessen Angst alleine darin besteht, ihren größenwahnsinnigen Luxus, den sie sich selbst nicht mal erarbeitet hat, in irgendeiner Weise zu teilen. Wir haben Glück, das wir hier geboren sind und nicht in Kriegsgebieten. Und wir sollten dafür Sorgen, dass es genug Frieden auf dieser Welt gibt, sodass alle Menschen Platz darin finden, anstatt Kriegsflüchtige mit kriegsartigen Handlungen davon abzuhalten, dem Krieg zu entkommen.

Ihr habt hier Unterstützung von Gastsänger*innen. Wie kam es hier zur Auswahl?
Nichts für Ungut: Wir hatten ein paar Namen auf unserer Liste und haben, denke ich, die beste Auswahl getroffen. Zu „Sprengkopf“ Zeiten war Daniel (Conyo) unser Bassist. Mit Julia (Hanf im Glück) haben wir diverse gemeinsame Konzerte veranstaltet, Henry (ehem. Datenschmutz) ist immer eine sichere Bank und zum Ole brauche ich, denke ich, nicht viel sagen, weil ich diverse Konzerte aus alten Tagen miterleben durfte. Stimmlich alle perfekt zum Lied.

Ebenso politisch ist „Das Märchen vom Paradies“. Ein Song, der gut gelaunt rüberkommt, aber vom Text weh tut. Fast schon Farin Urlaub Niveau. Was bedeutet euch diese Nummer? Auch ein Singlekandidat?
Nichts für Ungut: Das älteste Lied der Platte, das leider nie an Bedeutung verlieren wird. Was der Mensch aus „seinem“ Paradies so alles anstellt, ist eigentlich nicht so feierlich wie es hier rüberkommt. Wer einen Blick auf unsere blutigen Fußspuren, die Konsequenzen und allgemein auf die Menschheitsgeschichte schaut, kann eigentlich nur depressiv werden. Der Begriff „Menschlichkeit“ ist definitiv nur in den Augen der Menschen ein Positiver. Singlekandidat? ;)

Als Single wurde noch „Wenn das alles vorbei ist“ als sehr positive Nummer ausgekoppelt. Für euch eher ein Mutmach-Song oder auch ein Song, der Querdenker anschubsen soll, doch zu unterstützen?
Nichts für Ungut: Dieses Lied ist eigentlich ziemlich neutral, ich denke das sich „fast“ alle nach dem Ende dieser, gefühlt, elend langen Pandemie sehnen. Die Meinungsmache, die seit Jahren immer extremer wird, ist durch diese Pandemie nochmals explodiert und geht mir persönlich einfach nur noch auf die Nerven. Es existiert fast nur noch schwarz oder weiß. Ein differenziertes Meinungsbild wird kaum noch akzeptiert. Dieses Lied soll gute Laune verbreiten und ein bisschen Vorfreude auf das Leben danach bringen, was hoffentlich bald anfängt.

Sehr melancholisch ist „Der alte Mann und das Bier“. Welche Geschichte liegt dem Song zu Grunde?
Nichts für Ungut: Eine echte Geschichte liegt hier jetzt nicht vor, ein paar eigene, nicht gleichzusetzende Erfahrungen gepaart mit neuen Sorgen, Ängsten als Vater von 2 Kindern. Das Lied hätte aber auch durchaus in eine andere Richtung gehen können. Diese Geschichte war lange Zeit nicht in Stein gemeißelt.

Dass ihr das Leben preist und sicher auch darauf anstoßt, kann man auch im Song „Wo das Leben ist“ erkennen. Wo spielt sich derzeit euer Leben ab und wo sollte sich unser Leben abspielen, wenn Nichts für Ungut entscheiden dürften?
Nichts für Ungut: Wir kehren etwas in die Normalität zurück, was vermutlich bei jedem anderen auch der Fall ist. Wir proben wieder (fast) regelmäßig, treffen wieder andere Menschen und haben definitiv Lust zu feiern und laut Musik zu machen. „Euer“ Leben sollte sich genau da abspielen wo es ist. Nur ohne Pandemie und bitte mit Meinung, aber ohne Meinungsmache ;) Mehr Liebe, weniger Hass!

„Ihr habt den Hass zum Trend gemacht“ braucht keine großen Worte. Richtig gute Nummer. Sagt mal drei Sätze, die diesen Song aus eurer Sicht beschreiben.
Nichts für Ungut: Für mich persönlich eines der wichtigsten Lieder des Albums. Leider viel zu nah an der Gegenwart/Wahrheit. Man darf sich durchaus Sorgen machen, was aus unseren Kindern charakterlich wird, wenn sie zunehmend mehr mit Hass und Gewalt aufwachsen. Wir sind zum Glück noch nicht „jenseits von Eden“ und ich hoffe wir können noch die Kurve in die richtige Richtung nehmen.

Wir haben heute schon kurz über Gastsänger*innen gesprochen. Mit wem würdet ihr gerne mal ein Duett aufnehmen und warum?
Nichts für Ungut: Mit wem und warum, gute Frage. Wie siehts eigentlich bei dir stimmlich aus? ;)

Und welche Band würdet ihr gerne mal supporten?
Nichts für Ungut: Realistisch? Utopisch? Mhhh, Planlos fände ich ganz geil. Den Ole müssten wir auch mal überreden. Die Broilers oder Die Toten Hosen könnte ich mir aber durchaus auch gut vorstellen ;)

Apropos Support. Was ist nach dem Album geplant? Werdet ihr Konzerte geben? Ist eine Tour geplant?
Nichts für Ungut: Die Zukunft plant die Zukunft. Bisher planen wir nicht. Konzerte werden ab und an stattfinden. Eine Tour erst mal nicht. Wir schauen von „Spiel zu Spiel“. Nach dem Album ist aber auch meistens vor dem Album. Wir warten zunächst diese „unglückliche“ Zeit ab, bevor wir „groß“ durchstarten :D

Wie nervös ist man als Band vor so einem Release? Was erwartet ihr von Freunden, Fans und Presse zur VÖ?
Nichts für Ungut: Vor dem Release eher weniger, mehr vor dem Release Konzert. Nach 2 Jahren Abstinenz und ner Handvoll Proben darf man etwas nervös sein. Da wir selbst mehr als zufrieden und überzeugt von diesem Album sind, sind die Erwartungen zwar hoch, man möchte natürlich das alle anderen genauso überzeugt sind, aber im Grunde ist Musik, wie ja alle wissen, Geschmackssache und solange wir überzeugt sind haben wir alles richtig gemacht.

Ihr hattet das Album auch über eine Crowdfunding Aktion mitfinanziert. Was hat euch hier am meisten überrascht?
Nichts für Ungut: Wir hatten nicht mit so einer großen und positiven Resonanz gerechnet. Der Endbetrag war deutlich höher als wir es anfangs geschätzt hatten. Darum nochmals ein großes Dankeschön für die großartige Unterstützung.

Was bedeuten euch die folgenden Begriffe?
Punk-Legenden
Nichts für Ungut: Ich habe in der Regel immer „aktuelle“ Bands/Musiker gehört. Bei mir haben diese Bands inzwischen alle Legendenstatus unabhängig des „Genres“ ;)

Savanne
Nichts für Ungut: Erste und beste Adresse für uns als Band und für Fans handgemachter Musik. Viele Konzerte, nettes Team, leckeres Bier. Hervorragender Standort ☺

Support
Nichts für Ungut: Bei der extremen Masse an Bands und Möglichkeiten des Musikhörens (streaming) ist es schwierig eine wachsende „Fanbase“ zu erschaffen. Deshalb freuen wir uns umso mehr über jeden Supporter, sei es beim Crowdfunding oder auf unseren Konzerten. Wir sind sehr froh euch zu haben!

Alkoholfreies Bier als fester Bestandteil des Alltags.
Nichts für Ungut: Ich glaube so wenig Alkohol wie zur Zeit habe ich das letzte Mal vielleicht mit 13 (nicht) getrunken ;) Alkoholfreies Bier schmeckt auch, aber am Ende fehlt dann doch der Spaß :D

Vorbilder
Nichts für Ungut: Ich bin ein Freund von „selber Vorbild sein“. Es gibt jetzt niemanden bei dem ich sage, „so möchte ich sein“ oder eine Band bei der ich sage „schade, dass wir das nicht sind“. Wir schreiben lieber unsere eigene Geschichte.

Online-Konzerte
Nichts für Ungut: Wie war das mit dem alkoholfreien Bier?

Tough Magazine
Nichts für Ungut: Pro 7 habe ich schon sehr lange nicht mehr geguckt. Tough Magazine, Wal Hoffnung, großartige Reviews, sehr nette Menschen. Immer eine Sprachnachricht wert ☺

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören euch.
Nichts für Ungut: Wir bedanken uns auch recht herzlich für dieses entspannte Interview. Wir freuen uns auf das was da noch auf uns zukommt. Wenn das alles vorbei ist, machen wir ein städteübergreifendes Straßenfest mit x-Trillionen feierwütigen Menschen und besaufen uns mit (alkoholfreiem) Bier. Bei diesem Anlass nehmen wir dann direkt auch unser angekündigtes Duett auf. Das wird ein Welthit! Bestimmt. Ich hoffe man sieht und hört sich jetzt wieder etwas öfter. Macht et jut, bleibt gesund und Nichts für Ungut.

Wir bedanken uns bei Nichts für Ungut für das ausführliche und informative Interview im August 2021. Wer mehr über Nichts für Ungut wissen möchte, der schaut auf der Homepage der Band nach.

Interview von Thorsten im August 2021

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