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Interviews

Veröffentlicht am: Dezember 17th, 2019 | durch Florian Puschke

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„God On The Run“: The Hellfreaks im Interview

Mit „God On The Run“ erscheint im Januar 2020 das neue Album der Band The Hellfreaks. Wir haben uns ausführlich mit Frontfrau Sue über die Songs, deren Entstehung und viele weitere Themen unterhalten.

Hey, wo erwischen wir dich gerade?
Sue: Hey ihr lieben Toughler!
Ihr erwischt mich gerade in meiner viel zu dunklen Budapester Wohnung, umgeben von vier Katzen und etlichen leeren Kaffeetassen, mit dezenten Augenringen und mit krummen Rücken vor dem Laptop sitzend. Tatsächlich spielte sich für uns das Jahr 2019 viel mehr hinter als auf der Bühne ab und trotzdem, sind wir überzeugt, dass dieses Jahr für uns ein wichtiger Meilenschritt war: Wir haben unser viertes Album “God On The Run” aufgenommen, haben uns damit einen lang ersehnten Traum verwirklicht mit Producern aus der USA zusammen zu arbeiten, haben zu unserem neuen Label Sunny Bastard Records gefunden, 3 Musikvideos aufgenommen und haben diese Singles mit den besten Feedbacks ever veröffentlicht. Es liegt zwar immer noch Einiges an Arbeit bis zur Albumveröffentlichung vor uns, aber die Spitze des “Arbeit-Bergs” haben wir bereits eingenommen und wir könnten nicht glücklicher mit dem Ergebnis sein. Jetzt heisst es nur noch Geduld, bis wir die ganze Platte mit euch teilen dürfen.

Mit „God On The Run“ wird im Januar 2020 euer neues, viertes Album erscheinen. Sprechen wir kurz über die Entstehung – was hat der Albumtitel zu bedeuten?
Sue: Es handelt sich hierbei um kein Konzeptalbum, daher ist es auch verdammt schwierig so ein Werk mit einem Titel zusammenzufassen.
Textlich gesehen ist dieses Album ganz banal von den letzten 2-3 Jahren meines eigenes Lebens inspiriert. Das ist wohl das natürlichste der Welt, denn welche Gedanken könnten denn ehrlicher sein, als welche, die auf eigene Erfahrung basieren?
Dank den Sprachen die ich neben meiner ungarischen Muttersprache spreche, ist mir klar, dass selbst die ausländischen Medien nicht wirklich in der Lage sind ein wahres Bild von den Geschehnissen in Ungarn zu berichten, aber eins steht außer Frage: Es passiert gerade vieles, was nicht nur ich, sondern selbst die ältere Generationen nicht gedacht hätten (nochmals) zu erleben. God On The Run ist definitiv KEIN politisches Album, aber – gewollt oder nicht – es inspiriert wurde ich eben nicht nur von dem was in mir, sondern auch was mich umgibt.

In diesem Sinne (ich gehe davon aus, dass ich niemanden überrasche, wenn ich sage, dass wir mit diesen Bandnamen nicht unbedingt streng christlich erzogen sind) kam mir oft der Gedanke, dass es wohl doch um so viel einfacher wäre, wenn es doch einen Gott gebe, an den wir glauben würden, damit das Ganze einen Sinn ergibt. Aber selbst wenn es so wäre, würde der kleine Teufel ja auf unserer Schulter uns zuflüstern, dass dieser doch schon längst die Flucht ergriffen hat.

Songwriting, Musik, Videoideen usw… – wer macht bei euch was und wie entsteht letztendlich ein Hellfreaks-Song?
Sue: Die Hellfreaks Songs der Vergangenheit sind vollkommen anders entstanden, wie heutzutage. Das kommt aber aus dem ganz einfachen Grund, dass sich das Line-Up in den letzten 10 Jahren oft geändert hat. Momentan bin ich aber von so unglaublich talentierten und gestandenen Musikern umgeben, dass wir eben auch unser Songwriting ganz anders angehen konnten. Die Songs von God On The Run sind nicht im Proberaum entstanden.
“Head Of Songwriting” ist unser Bassist Gabi (kommt von Gábor :-) ). Er hat ca. 70% vom instrumentalen Part in einem kleinen Zimmer zu Hause geschrieben. Da er sich mit all unseren Instrumenten auskennt, ist seine Kreativität nicht von Anderen abhängig. Natürlich gebe ich schon von Anfang an meinen Senf dazu. Trotzdem muss ich betonen, dass letztendlich das Fachwissen von Gabi meine Inputs materialisieren kann. Was den instrumentalen Part angeht, gebe ich nur etwas Salz dazu, koche aber nicht die gesamte Suppe.
Danach kommen natürlich noch Ideen von unserem Gitarristen Jozzy und Drummer Béla dazu. Bei manchen Songs mehr, bei anderen weniger. Aber in jedem Song hat jeder seinen kreativen Part mit hineingebracht.
Um die Gesangsmelodie und Texte kümmere mich ausschließlich selbst und da lasse ich mir auch ungern reinreden. Zuerst kommt die Melodie selbst. Das nehmen wir mit Kauderwelsch als Demo auf und danach, wenn alle damit zufrieden sind, erst dann setzte ich mich an den Text selbst. Ich habe mir vor 3 Jahren einen Traum verwirklicht und meine Speisekammer in meiner Wohnung umbauen lassen, so dass wir den Gesang zu Hause aufnehmen können. Das hört sich zwar klein und eng an – ist es aber auch! :-)
Bei den Videoideen ist die Antwort viel einfacher: da bin allein ich der kreative Kopf mit Absprache von Mihasznafilm, die Film Produktionsfirma mit denen wir seit dem Dreh von “I’m Away” in 2016 zusammenarbeiten.

Ihr habt ja nun schon drei Videosingles veröffentlicht – kommt noch eine weitere vor Veröffentlichung?
Sue: Ja, im Januar kommt noch was. Eigentlich war da “nur” noch ein Lyricvideo geplant, allerdings ist es so gut gelungen, dass es letztendlich doch irgendwie mehr geworden ist. Fröhliche Songs waren ja nie unsere Stärke, trotzdem zeigen wir euch überraschenderweise diesmal eine richtige gute Laune Single… Zumindest hat es mich selbst auf jeden Fall überrascht, dass wir sowas auch können.

Wie gefällt euch die Arbeit vor der Kamera?
Sue: Das kommt darauf an wen du fragst. Ich persönlich hab früher als alternatives Model in Berlin gearbeitet. Selbst wenn ich vor der Fotokamera nicht mehr unbedingt gerne stehe, habe ich auf die Drehs für die Musikvideos immer richtig Bock!
Bei den Jungs ist es nicht wirklich der Fall. Ich will meinen Finger hier auf Niemanden zeigen, aber es gibt auch einen unter uns, der wohl eher an seiner Steuerklärung arbeiten würde, als vor der Kamera zu stehen. Aber so ergänzen wir uns eben.

Das Album erscheint bei Sunny Bastards – wie kommt die Zusammenarbeit zustande?
Sue: Wir haben zueinander dank unserer deutschen Booking Agentur Solar Penguin Agency gefunden. Auch wenn wir eine ungarische Band sind waren wir von Anfang an bei deutschen Labels unter Vertrag, daher ist diese Entscheidung überhaupt nicht weit hergeholt. Trotzdem war am Anfang der Plan “God On The Run” eigentlich selbst zu veröffentlichen. Unsere Wege mit Sunny Bastards Records haben sich erst am Ende des ganzen Prozesses gekreuzt.
Allerdings hat sich unsere Meinung schon nach den ersten E-Mails schnell geändert und wir sind glücklich, dass wir mit Sunny Bastard Records tatsächlich einen wunderbaren Partner für die Release gefunden haben.

„God On The Run“ erscheint auch auf Vinyl – wie wichtig ist euch das und wie steht ihr zur Langspielplatte?
Sue: Sehr wichtig! Natürlich gibt es hier keinen Grund, um den heißen Brei zu reden: neben all den Streaming Portalen ist die Nachfrage nach CD’s und Vinyls kleiner und das darf man auch niemanden übel nehmen.
Trotzdem denke ich, dass wir dank Sunny Bastard Records so eine wortwörtliche luxuriöse LP zusammenstellen konnten, dass da definitiv keine Fragen um den Mehrwert aufkommen können. Alle LP’s enthalten einen Download Code für das Album, ein extra Poster und werden auf 180 gramm schwere Vinyls gepresst. Zudem kommt unsere Platte in drei Versionen: grün, weiß und weitere 100 handgemachte Unikate.

Angefangen als Psychobillyband spielt ihr mittlerweile Punkrock – warum der wechsel des Genres und wie schwierg war er?
Sue: Ich versuche mich so ladylike und zurückhaltend wie Möglich auszudrücken: ich könnte kotzen, wenn ich noch immer das selbe machen müsste. Daher nein. Schwierig wäre es gewesen, wenn wir diesen natürlichen Prozess unserer Weiterentwicklung hätten unterdrücken müssen. Einfach ausgedrückt:: Wärst du glücklich, wenn Du mit 30 Jahren denselben Job, in der selben Position, bei der selben Firma arbeiten würdest, wie mit 20 Jahren? Ich denke es gibt nur sehr wenige Ausnahmen, wo die Antwort auf diese Frage “Ja” lauten würde. Natürlich gibt es etliche Bands, die das Glück haben, gleich von Anfang an das Gefühl zu haben, dass sie angekommen sind. So ist es bei uns aber nicht. Vielleicht möchten wie gar nicht ankommen, sondern möchten ganz klischeehaft den Weg genießen.
Es gibt wirklich viele Gründe für den Wechsel. Einerseits war für mich tatsächlich der musikalische Mantel nach 2 Alben zu eng. Vielleicht ist das mein Armutszeugnis, aber ich hatte einfach das Gefühl, dass ich mich von dem Moment an nur noch wiederholen kann und dann verliert das ganze seinen Sinn. Ich möchte nicht undankbar wirken, denn ich hatte diese Anfangsjahre wirklich sehr genossen und wir hatten wirklich super Konzerte, vor super Publikum, aber trotzdem fand ich mich auf einmal vor einer Sackgasse.
Andererseits muss ich gestehen, dass mir die Psycho-Szene irgendwie das Herz gebrochen hat. Ich habe mich damals in das Ganze verliebt, weil ich es so sau cool fand, wie der ganzen Rockabilly Szene ein moderner Touch verliehen wurde. Ich fand es auf gewisse Weise experimentell und begeisterte mich, dass sich die Szene nicht zu ernst nimmt und, dass musikalisch gesehen nicht wie bei Rockabilly nur in die Vergangenheit geguckt wird, sondern nach vorne. Aber mit der Zeit, hat sich das geändert. Es gab auf einmal keinen musikalischen frischen Wind mehr, denn alles was neu oder anders war, wurde nicht akzeptiert. Auf einmal hatte ich das Gefühl, dass sich das Ganze wiederholt und die Szene, die aus Modernisierung entstanden ist nun mit demselben Ehrgeiz nur zurück blickt.
Natürlich kann es sein, dass dies bei mir ein besonders sensibler Punkt ist. Ich lebe in einem Land, wo ich ganz klar sehe, wie gefährlich und zerstörerisch es ist, wenn nicht auf die Zukunft hin gearbeitet wird, sondern sich an die Vergangenheit gekrallt wird. Aber das ist einfach das Gegenteil von mir.
Aber zum Glück bekommen wir zu 99% nur positives Feedback bezüglich unserer Genre-Wanderung. Wir lieben es neue Sachen zu probieren….lieben es unsere Grenzen zu erweitern. Das ist unser Antrieb. Daher mischen wir Punk mit Rock und Metal – ein wirklich breites Spektrum – und es ist gewollt, es schwierig zu machen uns in eine Genre-Schublade stecken zu können und ich muss euch vorwarnen, dass es mit der Zeit wohl immer schwieriger wird. :-)

Was darf man von einer Hellfreaks-Show erwarten?
Sue: Ihr könnt mit lauter Rockmusik, mit Schweiß, mit Headbanging, mit einer riesen Portion Ehrlichkeit ohner Verschnaufpause rechnen. Aber um Jemanden zu zitieren, der tatsächlich vor und nicht auf der Bühne (wie ich) stand: ” Vor eurer Show dachte ich, dass ich mir schnell ein Bier von der Bar hol, wenn es etwas ruhiger wird … verdammt, jetzt ist eure Show vorbei und ich verdurste!“

Ihr feiert ja in diesem Jahr euer 10-jähriges Jubiläum. Wie feiert ihr es?
Sue: Normalerweise sollten wir hier von unserer Show des Jahres berichten. Allerdings besteht bei uns die unübliche Situation, dass der größte Teil unserer Fanbase nicht in unserer Heimat lebt. Bedeutet, dass wir unsere Fans nur dann erreichen, wenn wir uns auf Tour machen. Leider waren wir dieses Jahr aber durch die Album-Aufnahmen zeitlich deutlich eingeschränkt. Daher haben wir uns entschieden nicht hals-über-kopf alles gleichzeitig machen zu wollen, sondern uns dieses eine Mal ruhige Aufnahme Sessions und Zeit für unseren kreativen Prozess zu gönnen.

Was bedeuten euch die folgenden Wörter?
Familie
Sue: Geborgenheit

Freunde
Sue: Lachen, Schutz und Ehrlichkeit.

Freiheit
Sue: Etwas, dass wir in Europa nicht reichlich schätzen. Etwas, dass uns wie Sand in der Hand durch die Finger rinnt, wenn wir nicht auf sie aufpassen. Etwas, dass nicht ohne Gleichberechtigung und zweiter Chance existieren kann. Etwas, dass dem Leben Farbe verleiht.

Budapest
Sue: Roots. Wie das Kuscheltier in deiner Kindheit, dass kaum noch Fell hat, dessen Knopfauge abgefallen ist und dessen Ohr ohne Halt herum taumelt. Es hat so viele Fehler und es hat um so viel mehr Makel, als andere Städte – und trotzdem lieben wir es.

Tough Magazine
Sue: Ein sehr cooles Musikmagazin, dass sich für die Bands tatsächlich die Augen und Ohren offen hält und nicht nur die “Üblichen Verdächtigen” durch das Laufband schiebt. Respekt!

Vielen Dank. Die letzten Worte gehören euch!
Sue: Wir danken Euch vielmals für das Interview! Nimmt euch die Zeit, abonniert unseren YouTube Kanal, liked uns auf Facebook, folgt uns auf Instagram und stalkt uns einfach überall, es lohnt sich! :-)

Website: www.thehellfreaks.com
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Interview von Florian im Dezember 2019

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