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Interviews

Veröffentlicht am: November 10th, 2019 | durch Florian Puschke

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„Für die, die geblieben sind“: Larrikins im Interview

„Für die, die geblieben sind“! So heißt das neue Album der aus Larrikins, für die Stillstand nicht in Frage kommt. Sie stellen mit wütenden, aber auch zuversichtlichen Songs ein Licht in die Dunkelheit dieser Tage und präsentieren auf ihrem Album zwölf vielfältige Rocksongs, die gerne besprochen werden wollen. So waren wir sehr froh, dass sich die Larrikins für einige Fragen zur Band, Diskografie, aber auch ihrem neuen Werk zur Verfügung gestellt haben.

Liebe Larrikins, danke dass du ihr euch die Zeit für uns nehmt. Wobei erwischen wir euch gerade?
Larrikins: Hey liebes Tough Magazine. Ihr erwischt uns beim proben. Wir hängen im Proberaum ab, arbeiten die neuen Songs für das Liveset aus und sind somit auch zu Hause. Wir haben ’ne Menge Spaß und fühlen uns verdammt gut hier.

Die Larrikins gibt es nun schon einige Jahre. Mit „Für die, die geblieben sind“ ist bereits euer viertes Album am Start. Woher kennt ihr euch und wie ist die Band entstanden?
Larrikins: Wir sind alle in der selben Stadt – Goldberg – aufgewachsen und sind alle auf die gleiche Schule gegangen. Mike und Christian haben damals in verscheidenen Schülerbands gespielt. Daraufhin hat Tino dann irgendwann Felix auf dem Schulhof gefragt, ob sie auch eine Band gründen wollen. So fing das alles an. Keine Ahnung, wie viele Schülerbands es ingesamt gab. Auf jeden Fall eine ganze Menge. Viele der Bands haben sich dann nach der Schulzeit aufgelöst. Wir haben weitergemacht. 2006 brauchten wir (Tino & Felix) dann unbedingt einen Drummer und haben Christian gefragt. Wir mussten ein wenig Überzeugungsarbeit leisten, aber dann war die Sache schnell geritzt und es passte. 2008, da waren wir noch zu dritt, hat Mike dann unser erstes Album aufgenommen, 2010 dann bei ein paar Konzerten am Bass ausgeholfen und schlussendlich den Viersaiter komplett übernommen. War also nur eine Frage der Zeit, bis wir uns finden ;)

In welche Stilrichtung würdet ihr euch denn einreihen wollen. Man hört oft Deutsch-Rock, Punk-Rock aber auch „deutscher Metal“ habe ich schon vernommen, wenn man Songs wie „Wut“ vom letzten Album hört?
Larrikins: Wir sind mit deutschsprachigem Punk- und Hardrock aufgewachsen und haben dort unsere Wurzeln. Aber auch Bands wie Genesis oder Pink Floyd liegen auf der Spitmap. Ein bunter Mix aus allem, was Spaß macht und Energie hat. Wir haben uns irgendwann mal mit „Non Genre Music“ betitelt. Wir wollen uns keinem Gerne direkt zuschreiben, weil wir uns überall zu Hause fühlen. Musik ist so groß und kann so viel vermitteln. Wie viele gute Hip Hop Platten gibt es da draußen? Sicherlich unzählbar viele und wir würden sie uns anhören. Und genau so würden wir uns freuen wenn der Hip Hopper sagt: Ey Jungs, geiler Kram. Darum geht es doch. Zueinanderfinden.

Im Gegensatz dazu finden sich auch Reggae-Songs wie der „Supermarktreggae“ vom „Krisenkirmes“ Album in eurer Discografie wieder. Welche Stilrichtung könnt ihr euch denn für die Larrikins überhaupt nicht vorstellen und was würdet ihr gerne noch austesten wollen?
Larrikins: Wir probieren schon eine ganze Menge aus. Wir spielen in unregelmäßigen Abständen Unplugged-Konzerte. Da lernt man die Songs dann nochmal völlig neu kennen. Ob nun durch weitere Instrumente, Tempowechsel oder eine andere Interpretationsweise. Das macht Spaß und ist immer wieder eine Neuentdeckung der Songs, die teilweise schon sehr alt sind. Auf dem neuen Album gibt es zum Beispiel Rap-Parts und es gibt Klassik Arrangements und trotzdem haben die Songs unglaublich viel Power und Eigenständigkeit, was man ja im ersten Augenblick nicht vermuten könnte, wenn man von einem Streicher Quartett bei einer Rockband hört. Das funktioniert einfach, wenn man sich diese Optionen offen lässt und vor allem Spaß daran hat.

Mit COR wart ihr schon auf Tour und auch eure Platte erscheint auf Rügencore-Records. Wie kam hier der Kontakt zu Stande.
Larrikins: Wir haben 2010 das erste mal mit COR und Dritte Wahl im Lübecker Treibsand zusammengespielt. Unser Sänger Felix ist damals wie heute regelmäßig auf Konzerte von Bands aus unserer Region gegangen und hat denen unsere Demos in die Hand gedrückt. Irgendwann hat es dann mal geklappt und wir durften als Support aufgetreten. Daraus ist dann eine Freundschaft entstanden und man hat sich auch mal abseits der Bühne getroffen, dann wieder gemeinsame Konzerte gespielt. So kam eins zum anderen. 2015 hat Hanse (COR) uns dann angeboten, die „Am Ende war der Mensch“ über das Label zu veröffentlichen. Das war unsere erste professionelle Veröffentlichung mit einem Label und einem Vertrieb. Wir haben zu der Zeit auch andere Angebote bekommen, aber zu dem damaligen Zeitpunkt war das alles Neuland für uns und wir mussten erstmal lernen, wie das alles funktionieren kann und was wir als Band wollen. COR haben uns damals an die Hand genommen. Die Band hat eine unglaubliche hohe DIY Attitüde und das finden wir sehr bewundernswert. In der heutigen Zeit, in der Bands wie Pommes serviert und verkauft werden, ist es vielleicht nicht das wichtigste viele Platten zu verkaufen, sondern eine Message zu haben. COR haben diese Message. Wir auch. Jeder auf seine Art und Weise und das macht es interessant. Genau aus diesem Grund freuen wir uns sehr, dass wir auch die neue Platte über Rügencore veröffentlichen dürfen.

Betrachtet man eure Discografie mit 2008: „Kommt Zeit, kommts hart“, 2011: „Krisenkirmes“ und 2016: „Am Ende war der Mensch“ habt ihr schon recht harte Alben-Titel am Start. Das neue Album „Für die, die geblieben sind“ wirkt hier fast schon etwas melancholischer. Was hat sich auf dem neuen Album geändert?
Larrikins: An der Art und Weise wie wir ein Album schreiben, hat sich nichts geändert. Das passiert immer zusammen mit allen Bandmitgliedern im Proberaum. Da entsteht nichts im stillen Kämmerlein. Sicherlich bringt jeder ein paar Ideen mit und vielleicht auch mal eine Demoversion, aber die Entstehung der Songs liegt komplett bei der Band.
Das Album spiegelt den Herbst in unseren Seelen wieder. Es ist melancholisch, voller Wut, Trauer und Verarbeitung. Das Artwork, die Songs, die Videos, das ganze „Konzept“ ist sehr düster. Wir haben uns irgendwann bewusst dafür entschieden weil wir gemerkt haben, was anderes passt einfach nicht und würde der Scheibe nicht gerecht werden. So ein Album ist immer eine Momentaufnahme persönlicher Situationen zu bestimmten Zeiten. Als wir damals Ende 2016, Anfang 2017 mit dem Songwriting und den ersten Sessions für eine neue Platte begonnen haben, war es persönlich eine düstere Zeit für jeden von uns. Wir mussten viel verarbeiten, vieles überwinden und dabei war die Band immer ein Anker für jeden von uns. All diese Phasen und Situationen packst du dann natürlich – unbewusst – in deine Songs. Sowohl textlich als auch musikalisch. Da kommen dann manchmal auch Aussagen wie: Sorry Jungs, aber das ist mir zu schwermütig. Wir sind keine Partyband, zumindest nicht auf Platte. Das macht es dem Hörer nicht gerade leicht, aber ist für uns unumgänglich.

„Scheiße (war schon immer braun)“ heißt ein Song auf eurer „Am Ende war der Mensch“-Platte. Auch drei Jahre später nach Veröffentlichung könnte man diesen Song als Single auskoppeln. Was denkt ihr: Wie wichtig ist es, dass man als Rock-Band immer wieder Farbe bekennt?
Larrikins: Es ist unglaublich wichtig und man kann es leider nicht oft genug sagen. Was aktuell an Hass und Bitterkeit in diesem Land auf der Tagesordnung steht macht uns mehr als traurig. Traurig ist untertrieben, wir kotzen. Wir haben den Eindruck, dass die Menschen und die Gesellschaft in unserem Land immer unreflektierter werden und genau daraus die Unzufriedenheit resultiert. Das Internet und vor allem die sozialen Netzwerke verstärken das alles noch. Jeder schießt ungefiltert seine Propaganda ins Netz und die Kids gucken dabei zu. Das hat dann auch nichts mehr mit freier Meinungsäußerung zu tun sondern ist gelebter Hass und irgendwelche Rattenfänger holen dann genau diese Leute mit ihrem Wahlprogramm und ihrer Ideologie ab und geben ihnen eine Anlaufstation. Politik ist kein leichtes Feld und wir werden diese Welt auch nicht von heute auf morgen umkrempeln können. Wir können aber rausgehen und den Menschen zeigen und erzählen, dass nicht alle Menschen voller Hass sind. Wir können den Menschen, die zu uns gekommen sind, ihr zu Hause verlassen und aufgegeben haben zuhören und ihnen ein neues zu Hause schenken. Wenn so etwas überhaupt geht. Wenn du einmal in so eine Situation gekommen bist und die Geschichten von Krieg, Vergewaltigung und Unmenschlichkeit direkt erzählt bekommst, von Menschen die dich ansehen und das vor ein paar Monaten erlebt haben, dann wird dir ganz schnell bewusst, dass du einfach nur Glück gehabt hast, eine friedliche Kindheit hattest und dich für jeden AFD Wähler doppelt so stark schämst und ihm am liebsten zeigen würdest, wie einfach es ist, seinen Hass abzulegen..

Kommen wir zum neuen Album: „Kettenkarussell“ nimmt uns mit auf eine unbestimmte Reise. Was ist denn der Hintergrund zu diesem Song?
Larrikins: Der Hintergrund ist der Selbstzweifel, der in jedem von uns wohnt. Das Leben ist nicht immer voller Sonnenschein und manchmal geht es länger Berg ab als Berg auf. Aus der Situation heraus zu kommen liegt bei uns selbst. Zumindest sollten wir es versuchem Und dann stellt sich der ein oder andere auf einmal doch die Frage, ob das alles so richtig ist oder ob es vielleicht besser wäre mal durchzuwischen und etwas zu ändern. Und genau ab diesem Augenblick plagt uns der Zweifel und die Angst zu versagen. Die Angst etwas zu verändern, denn das Gewohnte gibt halt. Diese Frage kannst man sich natürlich auf vielen Ebenen stellen. Beziehungen, Job, Hobbie, Alltag. Und wenn man sich dann immer weiter in seinen Zweifeln vergräbt, werden die Fassaden stärker und die Wahrnehmung der Wirklichkeit schwieriger. Ein schwieriges Thema was wohl so gut wie jeder von uns kennt.

„Unsichtbar“ ist alles andere als ein Stück, das so ohne weiteres an einem vorbei geht. Eine sehr emotionale Nummer über einen Traum. Gibt es eine Geschichte zu diesem Stück?
Larrikins: Es geht in dem Song nicht direkt um einen Traum. Viel mehr geht es um all die Menschen, mit denen man sich stark verbunden fühlt. Diese Bindung ist oftmals so tief, dass es sich anfühlt wie durch ein unsichtbares Seil miteinander verbunden zu sein. Auf allen Wegen, zu jeder Zeit, an jedem Ort.

Auch mit „Polaroid“ kann man sich ein gutes Bild über die Power machen, die ihr in Songs unterbringt. Was verbindet ihr persönlich mit Polaroid Fotos?
Larrikins: Familiäre Erinnerungen. Einige von uns haben tatsächlich noch Polaroid Bilder. Man fühlt sich in diesem Moment zurückversetzt.Das war ja damals das Smartphonbild von heute. Eine fixe Momentaufnahme.

Auch „Zerrissen“ gibt ordentlich Gas. Was zerreißt euch in der heuteigen Zeit und wo fühlt ihr euch allein?
Larrikins: Uns zerreisst die Kälte und Unnahbarkeit der heutigen Gesellschaft. Keiner fühlt sich mehr für den anderen verantwortlich. Stattdessen ist es wichtig sich über ein kleines Mädchen aufzuregen, das die Welt umsegelt und auf die globalen Probleme unseres Planeten aufmerksam macht. Traurig.

Viele der oben genannten Stücke, werden live sicher für ordentlich Schweiß sorgen. Habt ihr denn schon eine Tour im Auge?
Larrikins: Ja, wir spielen eine Tour zum Album und hoffen, dass wir die Konzertreihe im Frühjahr 2020 so intensiv fortsetzen können. Unser Booker Mäx hat ordentlich Gas gegeben und es sind am Ende mehr Konzerte auf dem Zettel, als wir uns gedacht hätten. Am 28.12.2019 spielen wir dann unser großes Jahreabschlusskonzert in Goldberg. Wir freuen uns auf die Liveshows.

02.10.2019 Eberswalde / Exil
18.10.2019 Mühlhausen / Kulturfabrik
19.10.2019 Cottbus / Muggefug
02.11.2019 Dahme / Sportwelt
08.11.2019 Halle / GiG
09.11.2019 Ahrensburg / Juki 42
15.11.2019 Boberow / Moorscheune
16.11.2019 Königs Wusterhausen / JFZ Weinert
22.11.2019 Berlin / Oberbaumeck (Unpluggedshow)
23.11.2019 Glauchau / Cafe Taktlos
06.12.2019 Berlin / Astra Kulturhaus + Dritte Wahl
07.12.2019 Eisenhüttenstadt / Gasoline
13.12.2019 Rostock / MS „Käpp’n Brass“
14.12.2019 Leipzig / Bandhaus
25. 12.2019 Stralsund / Eisengießerei
28.12.2019 Goldberg / Köhlers Kurve
25.01.2020 Güstrow / BARocktikum

Was bedeuten euch insgesamt Live Auftritte und wo fühlt ihr euch wohler? Festival? Club? Support?
Larrikins: Das hat alles seine Eigenheiten und Reize. Je nach Venue unterscheidet sich manchmal die Stimmungsintensität des Publikums. Das ist aber auch der einzige Punkt, und der soll keineswegs negativ wirken. Live zu spielen ist für die Band das Größte.

Nach dem release des Albums und Tour-Planung habt ihr bestimmt auch schon einige weitere Zukunftspläne geschmiedet? Auf was kann sich der Fan freuen?
Larrikins: Das ein oder andere Musikvideo zum Album wird auf jeden Fall noch kommen. Wir konzentrieren uns erstmal auf die Tour. In unseren Köpfen aber sprießen jeden Tag die Visonen. Wir haben vor zwei Jahren damit angefangen ein Fanzine zu schreiben. Das hat dann plötzlich doch ein großes Ausmaß genommen. Es wird die gesamte Geschichte der Band beleuchtet und viele Wegbegleiter kommen zu Wort. Sehr spannend, die ganzen alten Stories nochmal aufleben zu lassen. Eigentlich wollten wir das Ding zum neuen Album veröffentlichen aber da haben wir uns etwas zu viel vorgenommen ;) Nebenbei haben wir aber auch noch eine ganze Menge andere Pläne, mit denen wir unser Bandleben zu einem Full-Time-Job werden lassen könnten.

Was bedeuten euch die folgenden Begriffe?
DIY
Larrikins: Künstlerische Freiheit, viel Arbeit, Selbstverantwortung & Unabhängigkeit.

Hardcore-Fans
Larrikins: Leute, die immer wieder da sind, denen kein Weg zu weit ist und die die Thematik unserer Songs genau so verinnerlicht haben wie wir.

Familie
Larrikins: Anker & Herz. Sollte an erster Stelle stehen. Fühlt sich in dieser Band übrigens auch genau so an.

Idole
Larrikins: Abgucken & besser machen. ;)

Für die, die gegangen sind.
Larrikins: Schmerz & Erinnerungen.

Für die, die geblieben sind.
Larrikins: 12x Larrikins.

Bitte entscheidet euch.
Fußball Vs. Stagediving
Larrikins: Fußball, weil zu viel Angst.

3 Akkorde Vs. Larrikins
Larrikins: 1:1 – der letzte Song mit 3 Akkorden ist lange her, aber genau so geil.

Punkrock Vs. Deutschrock?
Larrikins: Punkrock! Attitüde zählt.

Nordsee Vs. Ostsee
Larrikins: Ostsee, weil vor der Haustür.

Burger Vs. Bürger
Larrikins: Bürger – hat man länger was von.

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören euch.
Larrikins: Wir bedanken uns für das Interview und sehen uns auf Tour! Larrikins

Interview von Thorsten im Oktober 2019

Das Beste kommt zum Schluss. Unter allen, die dieses Interview (öffentlich) bei facebook teilen, verlosen wir zwei signierte Exemplare von „Für die, die geblieben sind“. Viel Glück. Die Gewinner werden von uns benachrichtigt!

Mitgemacht werden kann bis zum 17.11.2019.

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