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Interviews

Veröffentlicht am: Juli 14th, 2020 | durch Florian Puschke

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„Faceless Insanity“: Entorx im Interview

Mit „Faceless Insanity“ ist das neue Album der Metal-Band Entorx erschienen. Wir haben uns mit Sascha und Bogdan über die Songs, Pläne und weitere Themen unterhalten.

Moin – wo erwischen wir euch gerade?
Sascha: Servus Flo, ich hab mir gerade daheim einen außerordentlich süffigen Gin Tonic zubereitet und höre nebenher entspannt ein wenig Musik, um die Arbeit für ENTORX ein wenig entspannter zu machen.
Bogdan: Moin, moin. Gerade von der Arbeit nach Hause gekommen. Nun schreibe ich jetzt ein paar Zeilen für dieses Interview. :)

Kurz zum Thema Corona – wie sehr hat es euch und eure Pläne für die letzten Monate erwischt?
Sascha: Man bemerkt schon, dass die Haupteinnahmequelle, Konzerte, EXTREM fehlt. Wir wollten das Album ursprünglich mit einer fetten Releaseparty feiern, jetzt ist es „einfach nur“ das Albumrelease allein geworden. Diverse andere Konzerte bis einschließlich Ende Oktober sind natürlich erst einmal futsch. (und wer weiß, wie es weitergehen wird)
Wir müssen uns erstmalig allein auf Onlinepromotion und „-Marketing“ verlassen. Das hinterlässt schon nochmals größere Lücken in der Freizeit.. Und Geldbeutel. Wir sind aber der Überzeugung, dass sich die Arbeit nach Corona definitiv auszahlen wird. Vielleicht ist das auch eine Chance für uns… Wir werden sehen.
Bogdan: Für die letzten Monate seit Corona Beginn waren 3-4 Gigs geplant, die natürlich abgesagt wurden. Ursprünglich wollten wir damit auch ein wenig Werbetrommel für „Faceless Insanity“ rühren. Da das ja nicht ging, mussten wir uns auf anderem Wege promoten und uns mit diversen Möglichkeiten in einer sehr kurzen Zeit auseinandersetzen und ursprüngliche Pro-Pläne anpassen. Es war z.B. auch ein richtiges Musikvideo geplant, was letztendlich wegen „Lockdown“ leider noch nicht umsetzbar war. Wir hoffen, dass wir das noch nachholen werden können.

Seit 11 Jahren macht ihr als Entorx jetzt Musik – was hat der Bandname zu bedeuten?
Bogdan: Der Bandname ENTORX hat keine tiefere Bedeutung. Wir haben einen Bandnamen gebraucht, der kurz und prägnant ist. Und natürlich zu unserer Musik passt. Durch die Kreuzung von „Torx“ (wie Schraube) und „En“(weil wir es so wollten) ist letztendlich „Entorx“ entstanden. :-)

Mit „Faceless Insanity“ ist gerade euer zweites Album erschienen – worin liegen die fundamentalen Unterschiede im Vergleich zum Debütalbum von 2013?
Bogdan: Die Songs auf „Faceless Insanity“ klingen, meiner Meinung nach, reifer. Dafür hatten sie bis zum Recordingsbeginn knapp 5,5 Jahre Zeit. Wir haben uns sowohl menschlich, als auch musikalisch weiterentwickelt und ließen es natürlich in die Musik hineinfließen. Die Produktionen unterscheiden sich auch sehr von einander. Bei „Broken Ways“ sind die Amps für Saiteninstrumente und das Schlagzeug (E-Drums) digital. Bei „Faceless Insanity“ sind erstmals echte Drums und reampte Gitarren zu hören. Das ganze klingt echter. Auf „Broken Ways“ schraubten wir unbewusst die Agressivität ein wenig zurück und fokusierten uns mehr auf Progressivität. Bei „Faceless Insanity“ sind unsere agressive und progressive Seiten zu ziemlich gleichen Teilen zu hören. Die Musik ist melodischer geworden, denn zu den Zeiten der Aufnahmen zu „Broken Ways“ waren wir nur mit einer Gitarre unterwegs und die Songs waren dementsprechend komponiert.
Sascha: Durch den „analogeren“ Ansatz entsteht zugleich ein weitaus homogenerer und dynamischerer Sound. Und ja, es ist richtig, dass wir die Aggression wieder hochgeschraubt haben, ohne dabei die progressiveren Arrangements zu vernachlässigen. Es ist quasi ein Mix aus der „Theta Waves“ EP und „Broken Ways“ LP, mit einem ordentlichen Maß an Weiterentwicklung.
Ich finde dennoch, dass neue wie alte Songs in sehr vielen Konstellationen verdammt gut live zueinander passen. Ein gewisser roter Faden ist da und die Songs klingen von vorne nach hinten nach ENTORX.

Wie kann man sich einen Tag bei euch im Studio vorstellen?
Sascha: Bei Christoph Brandes im Iguana Studio geregeltes, strammes, aber zugleich „rischdisch geiles“ und seltsamerweise sehr gechilltes Arbeiten. Keine Ahnung, woher er diese Kraft nimmt :D Bei Bogdan oder mir im Heimstudio stressig, aber engagiert und motiviert. Die Vocals im Proberaum aufzunehmen war kreativ, zielgerichtet, aber auch durchaus experimentell.
Bogdan: Wenn die Aufnahmen anstehen, dann gehe ich diszipliniert an die Sache heran. Am Wochenende ist dann bei mir zum Beispiel nichts mit Ausschlafen. Ich stehe normalerweise schon um 5-6 Uhr morgens auf, frühstücke und mache dort weiter, wo ich am Tag davor aufgehört habe. Unter der Woche geht es meistens nach der Arbeit mit Aufnahmen weiter. Wir saßen mit Sascha zum Beispiel am Editing manchmal bis nach Mitternacht, obwohl wir am nächsten Morgen schon um 5:30Uhr aufstehen und arbeiten gehen mussten. Das kam aber zum Glück nicht so oft vor. Man muss ja schließlich für den Hauptjob fit und ausgeschlafen sein. :-D
Sascha: „ALLES FÜR ENTORX!“ :D

Was beschäftigt euch als Band und wie baut ihr diese Themen in die Songs ein?
Sascha: Die größte Inspiration sind der Alltag, die Nachrichten und auch einfach das (erweiterte) Umfeld. Heutzutage wird man mit unfassbar vielen Informationen zugeschüttet, insbesondere digital. Gleichzeitig zeigen auch aktuelle Situationen auf, wie leichtgläubig und wenig hinterfragend Menschen geworden sind. Gefühlt das halbe Umfeld ist über Nacht zum Aluhutträger geworden. Gleichzeitig toben irgendwelche irrsinnigen Kriege, Menschen schlachten sich ab oder kommen mit schweren Traumata in eine Welt, die es ihnen einfach auch nicht leichter macht… Das Leben kann unfair sein, selbst wenn es dir eigentlich sehr gut geht. Bei „Faceless Insanity“ hörst du im Endeffekt verschiedene Varianten von „Wahnsinn“. „Black Dawn“ und „Hypocritical Faith“ brechen ein wenig aus: Ersteres handelt von einem Gefangenen, der unschuldig in Guantanamo Bay gelandet ist. „Hypocritical Faith“ behandelt das Thema „Manipulation durch Religion“, das selbst in aufgeklärten Zeiten wie heute immer noch ein Thema darstellt. „PTSD“ über „Isolation“ zu „Madness Unchained“ stellt quasi den Wandel von traumatisiert zu schwer Geisteskrank dar. Im Endeffekt sind das alle Themen, die uns in vielerlei Sicht interessieren und/oder mit denen man schon Kontakt hatte.

Ihr organisiert euer eigenes Festival: „Kill Your Brain Festival“ heißt es. Wie kam es dazu?
Bogdan: Es begann alles im Juni 2013 mit einem gewöhlichen Konzert mit 4 Bands, das gar nicht mal so gut besucht war. Ich glaube, es gab insgesamt 10 zahlende Gäste. Wir nannten dieses Konzert „Kill Your Brain“, als Anlehnung an einen unserer Songs: „Kill My Brain“. 2014 stand unser 5-jähriges Jubiläum an und wir wollten eine fette Party schmeißen. Ich mietete eine größere und bessere Location an und fing an zu planen. Es sollten ebenfalls 4 Bands auftreten und diese aus dem Underground stammen. Dieses Mal ging alles auf und wir durften ca. 140 Gäste begrüßen, unsere Ausgaben decken und sogar den Bands ein wenig für die Bandkasse mitgeben. Seitdem veranstalteten wir „Kill Your Brain Fest“ jährlich Mitte September. Quasi, als Bandgeburtstag-Nachfeier-Party. Die Idee dahinter ist recht simpel: wir wollen den Undergroundbands eine größere Bühne, mehr Publikum und bessere Konditionen bieten, als das was man desöfteren auf ähnlichen Veranstaltungen bekommt. Wir versuchen unseren Beitrag zur Unterstützung des Undergrounds zu machen.

Laufen da dauerhaft die Arbeiten im Hintergrund? Ist ja auch nicht einfach mal so….
Bogdan: Nach jedem KYBF lassen wir uns paar Monate Zeit um das ganze zu verdauen. Danach wird schon an’s nächste Jahr gedacht. Die Planung beginnt meistens schon im Januar und zieht sich bis hin zum Festival. Es gibt eben sehr viel zu tun und nebenbei sind wir ja immer noch eine Band, die probt, übt, sich auf andere Konzerte vorbereitet und diese auch mal spielt. Wir beginnen im Januar mit Booking. Dafür lassen wir uns viel Zeit, weil wir uns wirklich jede einzelne Bandbewerbung durchlesen, jeden gesendeten Song anhören und über die Bands selbst recherchieren, bevor sie von uns was zu hören bekommen. Parallel kümmern wir uns um Sponsoren-Suche. Leider funktioniert es seit 2016 nicht mehr ohne finanzieller Unterstützung von außen. Alles ist teuerer und wir anspruchsvoller, bei dem was wir unseren Besuchern anbieten wollen, geworden. Die Location ist meisten schon im Jahr davor gebucht und Termin ist fest. Danach geht es an die Werbung: Plakate, Flyer, Web, Trailer (wenn es die Zeit zulässt). Das zieht sich meistens über den ganzen Sommer. Parallel kümmern wir uns um Vorverkauf. Nicht zu vergessen: die Bands! Man sollte mit ihnen auch intensiv kommunizieren und alles absprechen und koordinieren. Im Hintergrund passiert sehr viel und das kostet uns eine Menge Zeit. Unter anderem deswegen haben wir uns entschieden, dieses Jahr kein KYBF zu veranstalten und uns auf unser zweites Album zu konzentrieren.
Sascha: Glück im „Unglück“ könnte man sagen. Die Entscheidung, dieses Jahr keines abzuhalten war weit vor „Corona“ gefällt worden. Das wäre jetzt sehr viel verbrannte Zeit gewesen. Wir fühlen für jeden Veranstalter mit, wenn er sein Konzert oder Festival dieses Jahr ausfallen lassen muss..

Was sind eure Pläne für die nahe Zukunft?
Sascha: Gigs/Touren, die frohe Botschaft nach draußen tragen und auch bald mit den ersten neuen Ideen in Sachen Songwriting anfangen.
Bogdan: Sobald sich die Lage normalisiert, wollen wir natürlich auf die Bühne. Irgendwann werden wir auch unsere Release Party nachholen. Bis dahin sammeln wir Ideen für neue Songs und proben Aktuelle und Ältere. Es gibt immer was zu tun! (Hornbach Thema!) :-D

Auf was freut ihr euch am meisten, wenn die Pandemie vorüber ist?
Sascha: Konzerte! Wir sitzen echt auf heißen Kohlen und können es kaum abwarten, mal wieder eine Location mit unserer Musik zu rasieren! :D Oder eines zu besuchen… Oh und natürlich deftige Parties in Pubs und co wären auch mal wieder ne feine Sache.
Bogdan: Auf jeden Fall auf Konzerte! Ende Februar haben wir unseren letzten Gig gespielt und seit dem sind schon 4 Monate vergangen. Es juckt schon arg in den Fingern, endlich mal wieder auf die Bühne gehen zu dürfen.

Vielen Dank, die letzten Worte gehören euch!
Bogdan: Vielen Dank für das Interview und diese Gelegenheit ein wenig was über uns zu erzählen! Bleibt bitte alle gesund und unterstützt Locations und Bands. So dass wir alle, wenn Corona vorbei ist, uns wieder auf Konzerten treffen und einige Biere heben können. Passt auf euch auf!
Sascha: Danke dir Flo für das Interview. Wir hoffen, dass euch allen unser Album gefällt! Wir haben tolles Merch und eine aufwändig gestaltete Jewelcase Version des Albums in unserem Store, schaut dort doch unbedingt mal vorbei und supportet uns bitte. :)

Interview von Florian P. im Juli 2020

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