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Interviews

Veröffentlicht am: Juni 11th, 2020 | durch Florian Puschke

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Ein „X“ für den Punkrock: The Zsa Zsa Gabor’s im Interview

The Zsa Zsa Gabor’s machen ein großes X. Mit ihrem neuen Album „X“ bringen diese 13 neue Punkkracher an den Start. Bereits das vierte Album seit dem Start 2013. Wir haben den Jungs zum neuen Album, der Band aber auch vielen anderen Dingen einige Fragen gestellt.

Hey ihr Lieben von The Zsa Zsa Gabor’s. Schön, dass ihr euch die Zeit fürs Tough Magazine nimmt. Wobei erwischen wir euch gerade?
Mots: Ich habe gerade meine Family bekocht, die Kids ins Badezimmer geschickt, Geschirr abgewaschen und jetzt schnapp ich mir den Laptop und hau in die Tasten.

Für diejenigen, die euch noch nicht kennen. Wie würdet ihr die The Zsa Zsa Gabor’s denn in wenigen Sätzen beschreiben wollen?
Mots: Wir haben 2013 ohne viel Plan begonnen. Wir waren alle in verschiedenen Bands tätig und wollten in unserer Heimatstadt St. Pölten ein neues Projekt starten. Einfach im Proberaum treffen, Biertrinken, übers Leben quatschen und ein paar Punkkracher raushauen. Mittlerweile haben wir 4 Alben, ein paar Singles und Compilation Beiträge abgeliefert. Unseren Stil würd ich ganz banal als Punkrock bezeichnen.

Sicherlich könnt ihr Fragen über euren Bandnamen nicht mehr hören. Wenn ich diese trotzdem stellen würde, wie würdet ihr diese sinnvoll und wie sinnlos beantworten?
Mots: Ja, es macht schon Sinn danach zu fragen, weil es kein typischer Name für eine Punkband ist. Und genau das war der Grund, warum wir uns dafür entscheiden haben. Der Name fällt im Dschungel der tausenden Punkbands mehr auf. Uns hat der Kontrast Glam vs. Punk gut gefallen. Außerdem hat Frau Zsa Zsa Gabor in ihrer besten Phase einen Polizisten verprügelt. Die Geschichte fanden wir schon mal interessant.

Eure Discografie umfasst bereits vier CDs. Wie entstehen denn The Zsa Zsa Gabor’s Songs?
Mots: Wir proben übers Jahr regelmäßig. Da tun wir uns auch leicht, weil wir alle in der gleichen Stadt wohnen. Proben sind generell ein super Ausgleich zum Arbeits- und Familyalltag für uns. Immer wenn neue Idee entstehen, nehmen wir diese gleich auf und speichern die Demos ab. Wenn wir dann bereit für eine Studioaufnahme sind, graben wir diese Demos aus und arbeiten die besten Ideen weiter aus. Ich denke wir haben zurzeit ca. 50 halbfertige und fertige Songs am Computer liegen. Also genug Stoff für ein nächstes Album.

Angefangen habt ihr mit „Life Kills“ im Jahr 2015. Schon auf dem Debüt coole Street-Punk Hymnen und Songs, die gut ins Ohr gehen. Die Textzeile „Nothing has Changed and Nothing is Alright“ riecht nach Frustration / Revolution. Passend auch zum Albumtitel. Wie beurteilt ihr diese Zeile heute. Hat sich in den letzten Jahren was verbessert?
Mots: Naja, eben nicht. Die Sichtweise ändert sich zwar mit zunehmenden Alter, aber die Wut bleibt. Willst du in der Jugend noch die komplette Welt umkrempeln und gegen alles rebellieren, so haben wir uns im Alter mit verschiedenen Sachen arrangiert. Mit rechter Politik und rassistischem Gedankengut werden wir immer ein großes Problem haben, das spiegelt sich auch in vielen unserer Texte wider. Wichtig ist stets Augen und Ohren offen halten, alles zu hinterfragen und sich vom System nicht einfangen zu lassen. Alternatives Denken und Toleranz ist eines der wichtigsten Dinge.

Auch mit deutschen texten könnt ihr punkten. „Pflastersteine fliegen und Autos brennen – von Weitem sieht man die Horde rennen“. Welche Geschichte steckt hinter diesem Stück?
Gabor: Inspiriert durch die damaligen Krawalle in Frankreich resultierte der Text zu dieser Nummer. Der Song handelt über die gewollte Ignoranz und Unterdrückung von der Politik gegenüber Minderheiten und Randgruppen. Auf Aktion folgte hierbei Reaktion.

Das Nachfolgealbum ist mit neun Songs recht kurz, aber auch hier habt ihr mit Songs wie „Always Antifasist“ und „Refugees Welcome“ klare politische Statements auf der Platte. Wie wichtig sind euch solche Stücke?
Mots: Ein klares politisches Statement ist vor allem in einer so ländlich strukturierten Gesellschaft, wie der unseren, sehr wichtig. „Always Antifascist“ ist nicht selbstverständlich für einige Konzertgänger, umso wichtiger ist es den Leuten das vor den Kopf zu knallen.

Welchen Song gegen Faschismus von den Zsa Zsa Gabor’s findet ihr selbst am coolsten und warum?
Mots: Das kann ich jetzt gar nicht so beantworten. Unsere Antifa Songs sind verpackt in verschiedene Geschichten. Es gibt keinen Song, der die Aussage hat „Gegen Nazis“. Das hatten wir alles schon mal in unseren ersten Bands. Aber ich denke der Klassiker ist doch unser Song „Always Antifascist“. Bei diesem Song habe ich unsere rebellische Jugend verpackt, bei der es öfter zu direkten Konflikten mit gewaltbereiten Nazis kam.

Schon im zweiten Album fällt auf, das ihr sowohl Cover Songs als auch immer einen deutschsprachigen Song auf der Platte haben wollt. Ist das Tradition? Wie entscheidet ihr euch, welche Songs gecovert werden?
Mots: Und ein akustisch gehaltener Song ist auch immer dabei. So richtig Tradition ist es nicht. Wir sind halt totale Punkmusik Fanatiker und mir gefällt es selbst immer, wenn ich bei einem Konzert einen Coversong höre. Es ist mir schon öfter passiert, dass ich durch die Coverversion einer Band auf das Original gestoßen bin und ich diese Band dann total klasse finde.

Könntet ihr euch auch vorstellen, mal komplett eine deutschsprachige Platte aufzunehmen?
Mots: Eigentlich schon. Wir haben schon ein paar Mal darüber gesprochen. Das müßte aber dann gezielt passieren. Zurzeit fällt es mir so wie so leichter deutschsprachige Songs zu schreiben.

Und eine nur mit Cover-Songs?
Mots: Glaube ich nicht. Interessant fände ich eine 7“ mit Covers von alten österreichischen Punkbands. Vielleicht schaffen wir so was mal.

Die dritte CD hört auf den schönen Namen „Black Roads Blank Thoughts“ Was hat es mit diesem Albumtitel auf sich?
Mots: Schön, dass du danach fragst. Das durfte ich noch nie erklären. Ich spielte lange Zeit in einer Band namens „Demenzia Kolektiva“, mit der wir in Wien probten. Wir trafen uns immer sehr spät in der Nacht und bei der Heimfahrt saß ich alleine im Auto und hatte lange Zeit nach zu denken. Manchmal kamen mir diese Fahrten so lange vor, dass meine Gedanken ins Nichts abdrifteten. Das war schon eine sehr anstrengende Phase für mich mit einer Band zu proben. Umso mehr freut es mich, dass wir mit THE ZSA ZSA GABOR’S in der Nähe einen Proberaum haben. Außerdem fahren wir meist gemeinsam zu den Proben. Wir sind irgendwie eine eingefleischte Gang. Das gefällt mir!

Auch hier finden sich gute Punkrockstücke. „Three beers“ bleibt natürlich ebenso im Kopf wie drei bis dreißig Biere. Wie viele Biere würdet ihr im Nachhinein auf „Black Roads Blank Thoughts“ trinken und auf welchen Song würdet ihr am meisten anstoßen?
Mots: Grundsätzlich sind wir auf jeden einzelnen Song stolz, den wir je aufgenommen haben. Das sind alle unsere Babys. Jeder Song hat einen bestimmten Hintergrund und nichts ist irgendwie aus der Luft gegriffen oder fiktive Texte. Für mich persönlich ist der Song „Forever Punk“ sehr wichtig. Es klingt zwar nach einer abgedroschenen Phrase, die man schnell mal als Punkband singt, aber Punk hat einfach mein Leben gerettet. Ich weiß nicht, wie sich mein Leben ohne Punk entwickelt hätte. Ich hätte wahrscheinlich nie den Weitblick, die Offenheit. Punk hat mir gelehrt, nichts hinzunehmen, was einem vorgesetzt wird. Stets mit dem kritischen Auge hinzuschauen. Ich werde immer den Punk im Herzen behalten.

In „Forever Punk“ singt ihr auch rückblickend auf die Kindheit. Wenn ihr eueren Traum vom Rock `n`Roll aus Kinderaugen und aus jetziger Sicht vergleicht. Was ist der Unterschied?
Mots: Den Rock’n’Roll habe ich durch meinen Vater sehr früh schon entdeckt. Bei uns zuhause sind Songs von 50s und 60s Rock’n’Roll Bands rauf und runter gelaufen. Das war schon mal eine gute Grundlage für den Punkrock.

Eure neue CD heißt „X“. Für mich eure beste Platte. Seht ihr das auch so? Begründet eure Antwort.
Mots: Wir versuchen uns mit jeder Studioaufnahme zu verbessern. Sei es die Songstrukturen, die noch immer sehr einfach aufgebaut sind, aber mit mehr Feinheiten versetzt sind. Außerdem legen wir nun noch mehr Augenmerk auf ausgefeilte, hintergründigere Texte. Beim Aufnahmeprozess arbeiten wir immer mehr mit verschiedenen Gesangslinien und Tasteninstrumenten finden auch immer mehr Einsatz in unseren neuen Songs.

Im Song „X-lips“ beschäftigt ihr euch mit der schweigenden Minderheit. Welche Geschichte steckt hinter diesem Opener?
Mots: Als wir Songs für das Album „X“ schrieben, wurde eine Konservativ-Rechts-Regierung in Österreich gewählt. Das war für uns ein schwerer Schock. Wir mußten nicht lange warten, da kamen schon die ersten Auswirkungen zu Tage. Das „X“ auf den Lippen steht symbolisch für die Einschränkung von Menschenrechten und Pressefreiheit, Abbau von sozialen Errungenschaften. Diese Regierung war die schlimmste Katastrophe seit langem und ihre Auswirkungen sind bis heute zu spüren.

Auch die „Arena Wien“ wird von euch gewürdigt. Beschreibt die Arena mit fünf Worten und erklärt, warum ihr genau diese Wörter verwendet.
Mots: Freiraum, Widerstand, Konzerte, Proben, Bier. Die Arena Wien ist, seitdem wir Punk für uns entdeckt haben, DIE Anlaufstelle für hochkarätige Punk-Konzerte. Wir haben viele Nächte am wunderbaren Areal der Arena verbracht, viele, viele Biere getrunken. Auch Proberäume und Studioräume befinden sich dort. Wir verstehen es als besondere Ehre dort auch live spielen zu dürfen.

„No Class“ ist politisch und geht aggressiv gut vorne. „No Power for nobody“ als Textzeile ist passend gewählt. Wie wichtig sind euch Songs gegen die Klassengesellschaft und unter welchem Umstand ist dieser Song entstanden?
Mots: Dieser Song ist ein wütender Punksong. Manchmal bedarf es keiner großen Worte. Es ist erleichternd, wenn man seine Wut hinaus schreit.

Einer meiner Anspieltipps ist „Sounds From The Streets“. Welchen Hintergrund hat diese Nummer?
Gabor: Die tägliche harte Arbeit verliert an Stellenwert in der Gesellschaft, obwohl sie eine Grundlage für das System darstellt. Ohne dies jetzt zu hinterfragen, gibt es Menschen, die von der Karriere getrieben sind und alle Mittel zum eigenen Zwecke nutzen! Arschkriecherei und Freundlwirtschaft.

Welche Songs würdet ihr persönlich als Anspieltipp nennen und warum?
Mots: Das überlassen wir am liebsten dem Zuhörer. Jeder hat einen anderen Favoriten. Da sind wir uns innerhalb der Band nicht mal so einig. Stolz sind wir aber auf jeden einzelnen Song.

Man sagt oft nach der CD ist vor der Tour jetzt war die Corona Krise. Wie sieht es denn mit euren Konzerten aus? Habt ihr eure Planung verschoben oder was habt ihr vor?
Mots: Eine ganz schwierige Zeit ist das jetzt gerade. Es lässt sich überhaupt nichts planen. Wir haben ja unsere Platte „X“ am 02.02.2020 released und hatten einige Releasekonzerte im In- und Ausland geplant. Die haben wir nun auf unbestimmte Zeit verschoben. Einige werden wir sicher nachholen können. Vom jetzigen Stand gehe ich aber ehrlich gesagt davon aus, dass wir erst wieder 2021 „normale“ Konzerte spielen können.

Ihr habt ja hier und da auch langsame Nummern am Start. Könntet ihr euch grundsätzlich auch mal vorstellen, eine Unplugged CD zu veröffentlichen?
Mots: Wir haben ja immer wieder Akkustik Songs am Start. Außerdem haben wir auch mal eine unplugged Session in unserer Heimatstadt St. Pölten gespielt. Das ist schon ganz was anderes vom Gefühl her, als wenn du laute Verstärker hinter dir dröhnen hörst. Unser Sänger Hari hat aber seine Akkustik Gitarre und Gesang immer gut im Griff, da können wir uns auf ihn verlassen. Ein reines Unplugged Album glaub ich nicht, das wir so schnell machen werden. Vielleicht mal in der Punkrock Pension.

Was bedeuten euch die folgenden Begriffe?
Street-Punk
Erdiger, ehrlicher, antifaschistischer Punk von der Straße.

Austria Wien
Lieber Rapid.

Musik Business
Da halten wir uns im großen und ganzen raus; da gibt es viele falsche Leute, die wir nicht brauchen.

Fans
Das wichtigste überhaupt – der Motor für unsere Konzerte.

Corona
Uns schmeckt Gösser Bier besser!

Online-Magazine
Genauso wichtig, wie Print Magazine.

Print-Magazine
Perfekt, als Klolektüre.

Bitte vervollständige die folgenden Schlagzeilen.
The Zsa Zsa Gabors erzeugen…
…Hass und Liebe.

Mit Modern Music…
…beschwingt durch den Tag.

Ein mit DDR Coat gekleideter Punk…
…verhindert Grenzübertritt nach Deutschland.

Skandal:…
…Revolution Rock auf Radio Niederösterreich.

Das Tough Magazine…
…wird spitze!

Vielen Dank für das Interview die letzten Worte gehören euch!
Mots: Wir danken vielmals für die Möglichkeit dieses ausführlichen Interviews. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder bei Live-Konzerten. Das geht uns echt schon ab. Vorraussichtlich sind wir im April 2021 wieder in Deutschland unterwegs. Bis bald & Prost!

Wir bedanken uns bei den sympathischen The Zsa Zsa Gabors für ein nettes Interview im Juni 2020. Wir wünschen das Beste mit ihrer neuen CD und hoffen, die Band bald live sehen zu dürfen. Wer mehr über The Zsa Zsa Gabors wissen möchte, der schaut nach unter www.zsazsagabors.at.

Foto: Martin Moser

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